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Episoden
07.02.2026
1 Stunde 11 Minuten
Mit ihrem Buch „Grenzen der Globalisierung“ prägten Elmar Altvater
und Birgit Mahnkopf in den 90er Jahren die Debatte innerhalb der
Linken um die neuen Entwicklungen des Kapitalismus. Nach dem
Zerfall der Sowjetunion standen neue Konstellationen in der
Weltordnung bevor, so wie eine beschleunigte Ausbreitung des
Kapitalismus auch in osteuropäischen Ländern. Altvater und Mahnkopf
heben in ihrer Analyse eine Reihe neuer Phänomene hervor – etwa die
des entstehenden Finanzmarkts, der sich dank einer gigantischen
Vermögenspolarisierung bildet. Dabei überschreiten die Zinsen der
Vermögenden das Niveau des Wirtschaftswachstums. Es gibt also auf
der einen Seite Vermögende, die von den Zinsen und Geldanlagen
immer reicher werden, und auf der anderen Seite diejenigen, die
diese Zinsen bedienen müssen, und zwar immer über die Höhe des
Wirtschaftswachstums hinaus. Die Finanzmärkte bringen somit keine
Bereicherung der Gesamtheit, sondern zerstören systematisch die
wirtschaftliche Grundlage vieler Menschen – und den Planeten. Denn
die planetaren Ressourcen sind endlich und können mit der endlosen
Wachstumsdynamik des Geldes nicht mithalten. So plädieren Altvater
und Mahnkopf für eine soziale und solare Revolution, die die
Dynamik der Kapitalakkumulation durchbricht. Zu Gast bei Alex
Demirović ist in dieser Folge eine der beiden Autor*innen selbst:
Birgit Mahnkopf. Kontakt, Kritik, Feedback:
theoriepodcast@rosalux.org
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15.01.2026
1 Stunde 6 Minuten
Anders als die anderen besprochenen Autor*innen des tl;dr-Podcasts,
die an Marx oder die materialistische Tradition anknüpfen, geht es
in dieser Folge um Thomas Paine – ein „radikaldemokratischer
Reformer“ (E.P. Thompson) des 18. Jahrhunderts. Paine war sowohl an
der Unabhängigkeit der heutigen USA beteiligt, als auch an der
Französischen Revolution – wo er mit Robespierre und den Jakobinern
in Konflikt geriet. In seinem ungewöhnlich auflagenstarken Buch
„Die Rechte des Menschen“ positionierte sich Thomas Paine bereits
1791 entschieden gegen die Monarchie und jegliche Art von Erbfolge
im Bereich der Politik. Auch der Adel tue nach Paine nichts
anderes, als sich Länder und Menschen durch Raub anzueignen – auch
durch Steuern. Während die USA in diesem Jahr den 250. Jahrestag
ihrer Unabhängigkeitserklärung feiern, drohen sie unter der
Trump-Regierung in jene Machtkonzentration zurückzufallen, gegen
die sich die Amerikaner*innen einst auflehnten. Die aktuellen „No
Kings“-Proteste rufen in Erinnerung, was Paine bereits vor 250
Jahren proklamierte. Paine plädierte dafür, dass das Volk der
Souverän sein muss. In dieser Auffassung unterscheidet Paine sich
von Montesquieu und dessen Forderung nach Gewaltenteilung. Es
brauche demnach keine Trennung von Exekutive und Legislative und
auch kein Zwei-Kammern-System, sondern allein die Durchsetzung der
Volkssouveränität. Ein Parlament darf nach Paine nicht die
Partikularinteressen einiger weniger vertreten, sondern muss der
Volkssouveränität folgen und für das Glück aller sorgen. Damit
einher geht auch, dass Institutionen und Verfassungen immer
überprüft und verändert werden können, genau genommen sogar von
jeder Generation von neuem. Zu Gast bei Alex Demirović ist in
dieser Folge Axel Rüdiger, Lehrbeauftragter an der FU Berlin für
u.a. politische Theorie und Ideengeschichte. Kontakt, Kritik,
Feedback: theoriepodcast@rosalux.org
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05.12.2025
1 Stunde 1 Minute
Mit „Das Recht auf Faulheit“ hat Paul Lafargue, Schwiegersohn von
Karl Marx, ein provokantes Pamphlet geschrieben. In dem kurzen Buch
hinterfragt er ironisch die Tradition der Arbeiterklasse und deren
Forderung nach Recht auf Arbeit. Gewissermaßen geht das Proletariat
mit dieser Forderung der genussfeindlichen Bourgeoisie auf den
Leim, so Lafargue: Es lässt sich von Moralisten und Ökonomen
verführen, die behaupten, es brauche Wachstum. Dabei macht die
körperliche Arbeit und hohe Produktivität nicht nur krank und senkt
die Lebenserwartung. Sie führt darüber hinaus auch zu einer
Überproduktion von Konsumgütern – die Kapitaleigentümer müssen
immer neue Märkte und Bedürfnisse erschaffen oder
Finanzmarkt-Akteure suchen, um das überschüssige Kapital
loszuwerden. Lafargue plädiert dagegen für eine völlig neue
Organisation der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, wo es all das
nicht braucht. Statt Millionen von Menschen in
Bediensteten-Beschäftigungen oder in unnützen Institutionen wie
Polizei und Militär zu halten, will er die gesellschaftlich
notwendige Arbeit auf alle diese Menschen verteilen, und den
Arbeitstag für alle Menschen auf 3 Stunden reduzieren. An solchen
Arbeitstagen ist dann noch genug Zeit für Genuss, Sport, geistige
Betätigung menschliche Beziehungen – oder einfach Faulheit. Auch
die Maschine spielt bei dieser Emanzipation eine wichtige Rolle, da
sie hochproduktiv ist und die körperliche Arbeit erleichtert. Damit
sie das aber wirklich tut, statt den Produktionszwang immer weiter
zu erhöhen, müssen die Arbeiter*innen sich die Technologie aneignen
und wirklich zu ihren Gunsten nutzen. Zu Gast bei Alex Demirović
ist in dieser Folge der Soziologe Stephan Lessenich. Kontakt,
Kritik, Feedback: theoriepodcast@rosalux.org
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07.11.2025
1 Stunde 4 Minuten
Die Schriftstellerin, Aktivistin und Philosophin Angela Davis wurde
in den 1970er Jahren zur Ikone der Black-Power-Bewegung. Heute
zählt sie zu den wichtigsten Vertreter*innen des Abolitionismus –
eine Bewegung, die sich für die Überwindung staatlicher
Gewaltinstitutionen einsetzt, wie sie etwa in Form von Gefängnissen
oder der Polizei bestehen. In „Are Prisons obsolete?“ (2003), dt.
„Eine Gesellschaft ohne Gefängnisse?“, argumentiert Davis, dass das
Gefängnis weder natürlich noch notwendig sei, sondern das Produkt
einer rassistischen, klassenbasierten und patriarchalen
Gesellschaft. Sie prägt den Begriff des industriellen
Gefängniskomplex („Prison Industrial Complex“), um die
Komplizenschaft des Gefängniswesens mit dem kapitalistischen
Ausbeutungs- und Herrschaftssystem zu beschreiben. Wie anderen
Abolitionist*innen geht es Davis nicht nur um die langfristige
Abschaffung von Gefängnissen, sondern um eine radikale
Transformation der kapitalistischen Lebensbedingungen, die Armut
und Kriminalität systematisch reproduzieren. Ebenso wichtig ist
daher der Aufbau von „Caring Communitys“ und Infrastrukturen zur
Prävention von Armut, Kriminalität und Gewalt. Zu Gast in der 55.
Folge unseres Theorie-Podcasts ist die Sozialwissenschaftlerin
Vanessa E. Thompson, die gemeinsam mit Daniel Loick den
Abolitionismus-Reader (Suhrkamp) herausgegeben hat. Sie lehrt an
der Queen´s University in Ontario/Kanada. Kontakt, Kritik,
Feedback: theoriepodcast@rosalux.org
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15.10.2025
1 Stunde 11 Minuten
Mao Tse-tung prägte die europäische Linke in den 60er und 70er
Jahren weitreichend. Angesichts der heutigen Erkenntnisse über ihn
und die Auswirkungen seiner Politik, stellt sich die Frage, ob und
wie man seine Schriften heute noch lesen kann. Berühmt in der
Rezeption sind bis heute Maos Ausführungen zu Haupt- und
Nebenwiderspruch. Dabei wurde ihm oft vorgeworfen, viele
Widersprüche - und somit gesellschaftlichen Kämpfe - auf einen
Nebenwiderspruch zu reduzieren und damit wegzuwischen. Tatsächlich
besagt seine Theorie aber, dass der Hauptwiderspruch nicht von
vornherein festgelegt ist. Zwar betrachtet er etwa Proletariat und
Bourgeoisie als einen führenden Hauptwiderspruch. Es kann durch
Bewegungen jedoch zu einer Verlagerung kommen, sodass ein anderer
Widerspruch zum Hauptwiderspruch wird und den anderen überlagert.
Eine solche Verschiebung von Widersprüchen nimmt auch Louis
Althusser in seiner Analyse der russischen Revolution auf. Die
Gegensätze – Lohnarbeit und Kapital, Kleinbauern und Großbauern,
Großbauern und Adel, usw. – überlagern sich. Der Kampf der
Kleinbauern wird dann der Signifikant, in dem sich die ganzen
anderen Widersprüche verdichten. In ähnlicher Weise ließe sich auch
intersektionales Denken von heute verstehen. Zu Gast bei Alex
Demirović ist in dieser Folge der Sinologe und Mao-Experte Felix
Wemheuer. Er ist Professor für moderne Chinastudien an der
Universität Köln. Kontakt, Kritik, Feedback:
theoriepodcast@rosalux.org
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Über diesen Podcast
Der Theoriepodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung Too long, didn’t
read – so geht es einigen beim Anblick der Klassiker linker
Theorie. Die über zweitausend Seiten langen Gefängnishefte von
Antonio Gramsci, die komplizierten Schinken von Marx oder Edward
Said – wenn ihr keine Zeit habt, die Bücher alleine durchzuackern
oder eine Einführung sucht, dann hört euch den Theoriepodcast der
Rosa-Luxemburg-Stiftung an. Durch den Podcast führt Alex Demirović.
Der Professor für Politikwissenschaft an der Uni Frankfurt ist
Vertreter der kritischen Theorie und Kenner sämtlicher linker
Standardwerke. In jeder Folge stellt Alex Demirović Schlüsselwerke
der linken Theorie vor. Es werden die zentralen Thesen der Werke
und ihre heutige Relevanz diskutiert. Die Spannbreite liegt dabei
vom klassischen Marxismus, Kritischer Theorie, Feminismus,
antikoloniale Theorie, Poststrukturalismus bis hin zu
Hegemonietheorie und Existenzialismus. Prof. Alex Demirović gibt
euch in kurzen Vorträgen eine Einführung in die Biografie der
Theoretiker*innen und fasst die zentralen Thesen zusammen.
Anschließend diskutiert Alex Demirović in jeder Folge mit einem
Gast über das Werk und seine Relevanz für aktuelle politische
Kämpfe. Kontakt, Kritik, Feedback: theoriepodcast@rosalux.org
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