In Deutschland gibt es zwei Arten von Krankenversicherungen: die
gesetzliche und die private. Damit ist Deutschland das einzige Land
in Europa mit einem zweigeteilten Gesundheitssystem. Die meisten
Menschen sind in der gesetzlichen Krankenversicherung, auch GKV
genannt. Sie ist Pflicht für alle Arbeitnehmer, die weniger als
eine bestimmte Einkommensgrenze verdienen. Diese Grenze nennt man
Versicherungspflichtgrenze. Wer mehr verdient oder selbständig ist,
kann sich privat versichern lassen. Wenn du also beispielsweise zum
Arzt gehst, dann fragt dich die Dame am Empfang zunächst einmal
nach deiner Versichertenkarte. Diese wird im System des Arztes
eingelesen und somit weiß der Arzt, ob du privat oder gesetzlich
versichert bist. Dadurch ändert sich auch, was der Arzt abrechnen
kann, also wieviel er an diesem Patienten verdient. Die
gesetzliche Krankenversicherung funktioniert nach dem
Solidarprinzip. Das bedeutet, dass alle Versicherten gleich
behandelt werden. Alle Mitglieder zahlen jeden Monat Geld ein. So
können die Kosten für Menschen bezahlt werden, die krank werden
oder einen Unfall hatten. Die Höhe der Beiträge hängt vom Einkommen
ab. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr. Gesetzlich Versicherte
zahlen 14,6 Prozent ihres Einkommens für die Krankenversicherung,
dazu kommt noch ein sogenannter Zusatzbeitrag, den die
Krankenkassen selber festlegen und der so um die 2,5 Prozent liegt
(Stand: 2025). Wenn du angestellt bist, zahlt dein Arbeitgeber die
Hälfte des Beitrages. Die Leistungen der gesetzlichen
Krankenversicherung sind für alle gleich. Sie übernimmt zum
Beispiel Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Medikamente.
Allerdings gibt es oft Zuzahlungen, wie etwa für Brillen oder
bestimmte Behandlungen. Die private Krankenversicherung, kurz PKV,
funktioniert anders. Hier hängt der Beitrag nicht vom Einkommen ab,
sondern vom Alter, Beruf und Gesundheitszustand der versicherten
Person. Wer jung und gesund ist, zahlt weniger. Dafür können die
Leistungen besser sein. Privatversicherte bekommen oft schneller
Termine beim Facharzt und können sich in der Regel aussuchen, in
welchem Krankenhaus sie behandelt werden. Auch Chefarztbehandlungen
und Einzelzimmer im Krankenhaus gehören oft dazu. Ein Erwachsener
zahlt so ungefähr 600 bis 800 Euro pro Monat in die private
Krankenversicherung ein. Dazu kommt, dass er die Kosten für seine
Behandlung erst einmal selber bezahlen muss - danach kann er sie
seiner Krankenkasse in Rechnung stellen und bekommt das Geld
zurück. Ein Wechsel von der gesetzlichen in die private
Krankenversicherung ist nicht immer leicht. Vor allem für
Angestellte mit höherem Einkommen oder Selbständige kann die
private Versicherung attraktiv sein. Privat versichern können sich
Beamte, Selbständige oder Studenten und Angestellte, die über
66.600 Euro brutto jährlich verdienen (Stand 2023). Aber: die
private Krankenkasse kann dich als Patient auch ablehnen, wenn du
zum Beispiel eine Vorerkrankung hast. Sie kann sich ihre Kunden
aussuchen. Die gesetzliche Krankenkasse ist für alle offen. Doch es
gibt Risiken: Mit steigendem Alter werden die Beiträge oft teurer,
und der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist
auch schwierig. Ein großer Unterschied zeigt sich auch bei der
Familienversicherung. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind
Kinder und Ehepartner oft kostenlos mitversichert. In der privaten
Krankenversicherung braucht jede Person eine eigene Versicherung.
Das kann für Familien teuer werden. Für viele Menschen stellt sich
die Frage: Welche Versicherung ist besser? Die Antwort hängt von
der individuellen Situation ab. Junge, gut verdienende Singles
bevorzugen oft die private Krankenversicherung. Familien oder
Menschen mit geringem Einkommen bleiben meist in der gesetzlichen
Krankenversicherung. Die beiden Systeme sorgen oft für
Diskussionen. Kritiker sagen, dass privat Versicherte Vorteile
haben, während gesetzlich Versicherte oft länger auf Arzttermine
warten müssen. Andere meinen, dass das System der gesetzlichen
Krankenversicherung fairer ist, weil alle einzahlen und alle die
gleichen Leistungen bekommen. Oft wird auch gefordert, dass
Selbständige eine Pflicht zur Versicherung haben sollten - manchmal
sind diese nämlich gar nicht versichert. Trotz aller Diskussionen:
Insgesamt ist das deutsche Gesundheitssystem eines der besten der
Welt. Egal, ob gesetzlich oder privat versichert – jeder hat Zugang
zu medizinischer Versorgung. Text der Episode als
PDF:https://slowgerman.com/folgen/sg291kurz.pdf
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