Die Moral – Das gute Gewissen der Klassengesellschaft
2 Stunden 39 Minuten
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Beschreibung
vor 20 Jahren
Gliederung des VortragesDass es der Welt an Moral fehle, meint
eigentlich ein jeder. Randalierende Jugendliche in den
französischen Vorstädten, die Autos ihrer Nachbarn anzünden,
amerikanische Gefängniswärter in Abu Ghraib, Manager, die mit
Massenentlassungen den shareholder value ihrer Firmen steigern,
bestens versorgte Politiker, die dem gemeinen Mann die Rente
zusammenstreichen, akademische Doppelverdiener, die keine Kinder
machen und die Kinder von nebenan, die nicht grüßen – lauter
Dokumente des umfassenden Mangels an Gemeinsinn, Pflichtgefühl,
Menschlichkeit. In diesem Versagen fast aller Mitmenschen vor den
Maßstäben des Guten haben die Mitglieder der bürgerlichen
Gesellschaft die fertige, stets abrufbare und auf alles
anwendbare Erklärung für die sozialen und zwischenmenschlichen
Ekelhaftigkeiten, die sie erleben müssen. Wären nur alle so
tugendhaft und verantwortlich, wie sie sollten, wäre die Welt in
Ordnung, und jeder bekäme, was ihm zusteht.
Dass es ihm selbst an Moral fehlt, meint eigentlich kaum jemand.
Man hält sich ja an die Gesetze, zahlt Steuern, tut in Beruf und
Familie seine Pflicht, übt Rücksicht auf andere, engagiert sich
manchmal sogar für die Umwelt und spendet für die Armen. Eigen-
und Fremdeinschätzung weichen da ziemlich voneinander ab. Ein
jeder sieht sich von Egoisten, Abzockern, Lumpen umgeben und
kennt vor allem einen Rechtschaffenen: sich. Das ist nur eine der
selbstgerechten Dummheiten des moralischen Bewusstseins, von dem
die Rede sein wird. Mit diesem Bewusstsein verstehen sich die
Menschen als - wertvolle - Mitglieder der bürgerlichen
Gesellschaft und sehen sich zum Wächter über das korrekte
Betragen ihrer Mitmenschen berufen. Das selbst bringt jede Menge
Feindseligkeit unter die Leute.
Unsere These: Die Welt krankt keineswegs an zu wenig Moral; eher
schon an zu viel. Das moralische Denken ist das größte Hindernis
für eine objektive Beurteilung der Gesellschaft, der es
entspringt, und der eigenen und fremden Interessen, die sie
erzwingt. Der Vortrag zielt darauf, den Zusammenhang von Recht,
Gerechtigkeit, Moral, Gewissen und Heuchelei zu erläutern.
Teil 1: Versubjektivierung des Rechts I: Freie Unterordnung
Teil 2: Versubjektivierung des Rechts II: Das Gewissen - Die
Freiheit des moralischen Individuums
Teil 3: Der Inhalt des Sollens und sein Ziel: Selbstbeschränkung
der Interessen, damit sie zusammen bestehen können
Teil 4: Die Praxis der moralischen Gleichung von Anstand und
Erfolg - Rechtfertigung der Interessen und Heuchelei
Teil 5: Enttäuschung: Die Erfahrung, dass das Gute, was man im
Kopf hat, nicht in der Welt ist - Ja zur Ordnung im Konjunktiv -
"Der Mensch ist schlecht" - Der Ruf nach dem wirklichen Staat,
damit er die ideale Ordnung endlich durchsetzt
Teil 6: Diskussion - Braucht Kritik die Vernunft als
Maßstab?
Teil 7: Nachträge: Die Korruption des moralischen Denkens -
Barmherzigkeit: Bedarf nach Inszenierung der Gemeinschaftlichkeit
neben der Konkurrenz - Kritik der Moral ist kein Aufruf zur
Antimoral
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