US-Hypothekenkrise, Fondsschließungen, Bankenpleiten: Der Welterfolg einer Technik finanzkapitalistischer Selbstbefriedigung macht weltweit Ärger
2 Stunden 17 Minuten
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Beschreibung
vor 18 Jahren
Gerade noch hatten sich die meisten Nationen in ihrem
Wirtschaftswachstum gesonnt. Und dann das: Ein Beben im
Finanzgewerbe löst weltweit Fondsschließungen, Bankpleiten und
Angst an den Geldmärkten aus. Aktienkurse an den Weltbörsen
fallen, und vorsorglich informieren große Tageszeitungen ihre
Leser, ob ihre Ersparnisse noch sicher sind. Und warum das alles?
Ein paar tausend US-Häuslebauer sind mit der Bezahlung ihrer
Hypothekenschulden in Rückstand geraten, so wird erzählt - und
rund um den Globus werden Milliarden im zwei- bis dreistelligen
Bereich vernichtet? Einen Anlass mögen die Ausfälle bei der
Bedienung von US-Immobilienkrediten vielleicht bieten, Grund für
den Krach sind sie sicher nicht. Da liegt weit mehr im Argen.
Banken, so hört man, machen ihr Geschäft nicht nur mit der
Vergabe, sondern auch mit der Verbriefung von Krediten. Sie
bündeln ausgeliehene Kredite an Haus- oder Autokäufer zu einem
Wertpapier, das sie an Fonds und Geldanleger veräußern. Wieso
können Banken eigentlich etwas verkaufen, das sie gar nicht
haben, offene Forderungen eben? Kaum macht die Öffentlichkeit
Bekannt schaft mit dieser Geschäftstechnik, wird sie auch schon
als genialer Kunstgriff zur Streuung von Risiken gefeiert. Statt
sich bei einer Bank zu konzentrieren, verteilen sie sich auf die
Schultern vieler Anleger. Diese Risikostreuung hat ja nun ihr
Werk getan, wenn auch ganz anders als von ihren Erfindern
gedacht: der Krach ist global. Und eine herausragende Rolle dabei
spielen – schon wieder – "innovative" Wertpapiere der nächst
höheren Art: Asset Backed Securities (ABS) heißen sie im
Bankerdeutsch, sollen auf grundsolide Kreditverbriefungen
aufbauen – und erweisen sich nun als Luftbuchung. Worin besteht
eigentlich der Wert von Papieren, der sich über Nacht in Luft
auflösen kann?
Dieselben Figuren aus den Chefetagen des globalen Kapitalismus,
die ansonsten immer ihre uneingeschränkte Handlungsfreiheit
fordern und staatliche Regelungen als Geschäftsschädigung und
Freiheitsberaubung geißeln, rufen nun nach dem Staat. Der wird
sogar in Gestalt der Zentralbank aktiv. Das finanzielle Überleben
des Spekulationsgewerbes scheint dem Staat sehr viel mehr am
Herzen zu liegen als das materielle Leben seiner Bürger. Während
eine Aufstockung der Hartz IV-Bezüge angesichts gestiegener
Lebensmittelpreise an "leeren Kassen" scheitert, wirft die
europäische Zentralbank EZB 450 Milliarden € zur Rettung der
Finanzwelt in den Markt.
Das alles heißt in unserem Kulturkreis "wirtschaftliche Vernunft"
– ist also in starkem Maße überprüfungswürdig.
Teil 1: Die Bank und ihr Kerngeschäft: Kredit
Teil 2: Das Finanzgewerbe höherer Art: Kreditderivate &
Wertschöpfung durch Vertrauen
Teil 3: Staat & Öffentlichkeit: Reaktionen auf die
Finanzkrise - und was sie über Produktion & Spekulation
verraten
Teil 4: Diskussion
Veranstalter: Forum Kritik Regensburg.
Weitere Publikationen zum Thema:
Das Buch "Das Finanzkapital" vom GegenStandpunkt-Verlag
Artikel Wie die Stars der Finanzmärkte Geld vermehren aus
GegenStandpunkt 2-06
Bad Bank - Viel Geld zur Rettung der Banken, eine Lektion über
die Verrücktheit des Kapitalismus gratis als Dreingabe aus
GegenStandpunkt 2-09
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