Internet-Anarchisten im Kampf mit der US-Macht - Wikileaks enthüllt Staatsgeheimnisse
1 Stunde 55 Minuten
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Beschreibung
vor 15 Jahren
Julian Assange und seine Leute halten ihre Hacker- und „Whistle
Blowing“-Aktivitäten nicht für ein modernes Robin-Hood-Spiel, mit
dem sie die Mächtigen ein wenig ärgern, sondern für einen wahren
Akt der Befreiung von Herrschaft und Unterdrückung. Sie kennen
keine andere Unterdrückung als die Unterdrückung von Information
und keine andere Herrschaft als die Herrschaft über die
elektronischen Kommunikationskanäle. Wenn sie Regierungsakten ans
Licht des Internet zerren, meinen sie, den Machthabern die
entscheidende Säule ihrer Herrschaft zu entziehen – die
Geheimhaltung und die Kontrolle des Informationsflusses. Bei der
Auswahl des Materials sind die Freiheitshelden des Internet
kriterienlos; sie veröffentlichen, was immer sie an Material in
die Finger kriegen, das nicht mal unbedingt geheim, aber eben
nicht zur Veröffentlichung bestimmt ist. Sobald die Texte,
Tabellen, Videos im Netz stehen, ist der Kampf von Wikileaks
fertig und vorbei: Gegen ein Volk, das die Akten lesen kann oder
lesen könnte, kann nicht mehr regiert werden. Was Regierungen
aber vor aller Augen und erklärtermaßen treiben, das kann ja wohl
nichts Schlechtes sein.
Aus dem Teil des veröffentlichten Materials, das sich dafür
überhaupt eignet, machen dann andere ihr Stück Kampf um die
öffentliche Meinung. Enthüllungsjournalisten decken Fakten auf,
die ihnen für Skandale gut sind, und prangern die dafür
Verantwortlichen an: Mit vermeintlich oder wirklich unbekannten
hässlichen Fakten wollen sie die offizielle positive Sicht der
Kriege, der sozialen Verhältnisse, der Gesundheits- und
Umweltsituation etc. unserer freiheitlichen Heimatländer
widerlegen und den Menschen die Augen über Versäumnisse und
Missstände öffnen. Auch sie täuschen sich. Fakten – auch
hässliche – sind keine Argumente: Im Wesentlichen ist in den
westlichen Demokratien alles bekannt, auch die schlimmsten
Brutalitäten der Kriegführung; und wenn doch einmal nicht, dann
hängt Billigung oder Kritik der Taten der Regierung nicht am
neuen Faktum, sondern daran, wie es erklärt und verstanden wird.
Das aber ist gerade nicht die Sache der Enthüller: Sie wollen
Fakten sprechen lassen.
Gegen den populären Kampf um Information und Informationsfreiheit
gibt es etwas klarzustellen: Moderne Herrschaft funktioniert
nicht darüber, dass Informationen unterdrückt und Bürger über die
Taten der Regierung im Dunkeln gelassen werden. Das ist gerade
die Stärke der kapitalistischen Demokratie, dass sie nichts
verheimlichen muss, um die Regierten auf die Staatsräson und ihre
Konsequenzen zu verpflichten.
Veranstalter: Sozialistische Gruppe
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