Wie Daimler-Benz in Bremen die Arbeit für seinen Konkurrenzkampf ran nimmt (Update)
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Beschreibung
vor 13 Jahren
"Autokrise in Europa verschärft sich", "Kurzarbeit oder
Sonderschichten", "Letzte Schicht"... so oder ähnlich lauteten
Schlagzeilen im Dezember 2012. Alle bezogen sich auf die
Automobilindustrie. "Drei Millionen Autos werden in Europa
weniger verkauft", stellt die SZ fest und fragt: "Wie viele
Fabriken braucht man weniger?"
Aber es gab auch andere Nachrichten. Der Daimler-Chef ließ klare
Kampfansagen an die Konkurrenz vom Stapel: "Zetsche will Mercedes
an die Spitze führen". Spätestens 2020 will das Daimler-Kapital
die Konkurrenz wieder abgehängt haben. Worauf fußt seine
„Prognose“? Einerseits sinken die Absatzzahlen, andererseits will
Daimler in der Flaute in die Offensive gehen? Über welche Rezepte
verfügt der Multi?
Gute Nachrichten gibt es auch für das Bremer Daimler-Werk: Es
wird nicht nur um Hallen u.a. für den Rohbau erweitert, für die
C-Klasse der Daimler-PKWs ist es 2014 gar zum Kompetenzzentrum
erklärt worden. Eine große Ehre soll das sein. Und Werkschef
Kellermann ist stolz auf "seine Truppe": "Was wir hier geschafft
haben, ist ziemlich einzigartig in der Automobilindustrie!" Und
eine "wunderbare Aufgabe" komme auf die Belegschaft zu "was die
Mitarbeiter sehr motiviert!" IG-Metall-Betriebsräte schließen
sich an: "Wir(!) sind das verantwortliche Werk!" Darf man noch
fragen, womit die Belegschaft an diesem Erfolg des Werks
beteiligt ist?
Von nichts kommt nichts. Der Daimler-Konzern lässt seine Werke um
die Erfüllung seiner Kapitalziele konkurrieren. Und dabei hat die
Bremer Belegschaft die Ansprüche des Daimler-Kapitals in Sachen
Qualität, Tempo und Kosten erfüllt und die konkurrierenden Werke
im In- und Ausland ausgestochen. Damit kehrt nicht Ruhe ein. Denn
das ist jetzt erstens Maßstab für alle arbeitenden
C-Klasse-Produzenten; und zweitens ist damit der Bremer
Werksleitung "die Federführung" für die gesamte weltweite
C-Klassenfertigung übertragen, was natürlich einen Anspruch an
die Zukunft im Werk Bremen darstellt: Der Vorsprung muss gehalten
und ausgebaut werden. Der Bremer Werks-Chef ist sich sicher: "Die
Mannschaft ist für die anstehenden Herausforderungen bestens
gerüstet. Das werden wir in den kommenden Monaten unter Beweis
stellen..." (WK). Mit Sicherheit schließt das weitere schöne
Aussichten für die Belegschaft ein!
Worin die bestehen, gibt Chef Zetsche vor. Die Fertigungszeit für
den Bau eines Autos habe sein Konzern in der letzten Zeit von 60
auf 40 Stunden reduzieren können. "Wir wollen nun auf 30 Stunden
kommen," kündigt er an. Dass die Fertigungszeit pro PKW halbiert
wird, klingt wie ein schöner Sieg der Produktivität der Arbeiter.
Und? Kann die Belegschaft für die gleiche Anzahl von Limousinen
weniger arbeiten, kann sie früher nach Hause, kommt sie dadurch
in den Genuss von mehr Freizeit? Das hieße die Rechnung ohne die
kapitalistische Zwecksetzung von Daimler machen. Bei dem Multi
buchstabiert sich so ein Sieg ganz anders: Er will seine Lücke zu
den Rivalen der Premiumklasse, BMW und Audi, schließen. Er will
in Sachen "Absatz und Gewinn" die Konkurrenz überholen. Dafür ist
die Produktivität der Arbeit eingeplant, dafür werden die
Arbeitenden eingespannt, dafür wird der Ertrag der Produktivität
der Autobauer restlos vom Konzern verwendet. Was bleibt für die
Arbeitenden?
Wie geht Halbierung der Fertigungszeit pro Produkt eigentlich
kapitalistisch? Was bedeutet sie für die Arbeit der Belegschaft?
Wie wird daraus eine Waffe in Sachen "Absatz und Gewinn" für den
Multi? Was heißt das für den Lohn der Beschäftigten? Und werden
sie wirklich "motiviert"?
Das sollte geklärt werden auf der Diskussionsveranstaltung.
Gliederung:
Teil 1: Einleitung
Teil 2: Das Bremer Werk ist "Kompetenzzentrum". Was heißt
das?
Teil 3. Was richtet die Verdrängungskonkurrenz auf dem
Automobilmarkt in den Werken an?
Teil 4. HPV (Hours-per-vehicle):.
Teil 5. ein neues Aubeutungsinstrument?
Teil 6. Warum sind Betriebsräte und IGM stolz auf das Bremer
Werk?
Teil 7. Wieso gelten Lohnarbeiter in der Automobilindustrie als
"privilegiert"? - Fazit
Teil 8. Diskussion
Weitere Publikationen zum Thema von argudiss oder von anderen:
Das Buch „Beschäftigung“ – „Globalisierung“ – „Standort“
Anmerkungen zum kapitalistischen Verhältnis zwischen Arbeit und
Reichtum
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