Das Bedingungslose Grundeinkommen: Ist Armut "einfach unzeitgemäß"?

Das Bedingungslose Grundeinkommen: Ist Armut "einfach unzeitgemäß"?

3 Stunden 16 Minuten

Beschreibung

vor 8 Jahren

Linke Vertreter der Idee meinen, dass die Armut, die in unserer
Marktwirtschaft Marke BRD heimisch ist, angesichts
beeindruckender Warenberge und Produktivkräfte eigentlich
überflüssig und die Möglichkeit ihrer glücklichen Überwindung
deswegen mit Händen zu greifen ist: Mit der passenden Dosis
Umfairteilung wollen sie dem Kapitalismus die Bedrohung durch
Armut abhandeln, die so vielen seiner Insassen zu schaffen
macht. 


Solche wohlmeinenden Ideen fangen sich seit jeher von den
ideellen wie den wirklichen Sachwaltern der ‚herrschenden
Zustände‘ mit dem Verweis auf eben diese ‚herrschenden Zustände‘,
die ‚nun mal‘ so sind, wie sie sind, ihren antikritischen Konter
ein: Sie beißen sich an der unumstößlichen marktwirtschaftlichen
Realität einfach die Zähne aus und ihre Vertreter blamieren sich
als realitätsferne Träumer – was ganz selbstverständlich für die
‚Realität‘ und gegen die Verbesserungsideen sprechen
soll. 
Doch mittlerweile hat das bedingungslose Grundeinkommen neue,
mächtige Freunde gewonnen:
In Davos und anderswo wird der Vorschlag von Industriekapitänen
und Konzernvorständen selbstbewusst aufgegriffen und als Antwort
auf die ‚Probleme‘ ihrer schönen neuen ‚Arbeitswelt 4.0‘ ins
Spiel gebracht – die sie in den goldenen Zeiten digitalisierter
Weltmarktkonkurrenz mittels Massenentlassungen und Niedriglöhnen
auch weiterhin tüchtig herzustellen gedenken. Und auch die
Politik denkt über das Grundeinkommen nach; darüber nämlich, ob
es nicht ein zeitgemäßer Ersatz für die eine oder andere
kompliziert konstruierte Sozialkasse sein könnte – und kündigt
damit an, sich machtvoll um alle Probleme zu kümmern, die ihr aus
Armut und Existenznot erwachsen, mit denen sie auch in Zukunft
ganz fest rechnet. Gerade am berechnenden Gerede von Unternehmern
und Politik über das Grundeinkommen wäre also zu lernen, wie
verbissen die Macher des Kapitalismus darauf bestehen, dass Armut
und Wachstum untrennbar zusammengehören. 
In die Debatte, ob die schöne Idee des bedingungslosen
Grundeinkommens durch die unverhoffte Schützenhilfe nun endlich
möglich oder in den ‚falschen Händen‘ missbraucht wird, mischt
der Vortrag sich nicht ein. Der Vorschlag ist weder zu bescheiden
noch unrealistisch und schon gar nicht menschengerecht – sondern
ein fataler Irrtum über den Charakter von Arbeit und Reichtum in
dieser Gesellschaft. 

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