Oh Heiland reiß die Himmel auf!

Oh Heiland reiß die Himmel auf!

3 Minuten

Beschreibung

vor 2 Jahren

Sehnsucht und Klage sind Motive des 2. Advents.
Klagen über Leben in dunklen Zeiten, wo Gott so verborgen ist.
Und Sehnsucht nach Versöhnung und Frieden, Gerechtigkeit für alle
und Schutz der Verfolgten, Bewahrung der Schöpfung angesichts der
Klimakrise.


Sehnsucht und Klage sind Motive des 2. Advents. Das
kommt vor allem im alttestamentliche Predigttext aus Jesaja 63
und 64 zur Sprache: „Ach, dass du den Himmel zerrissest“. Ein
herzanrührender Volksklagepsalm aus einer schweren Zeit für das
Volk Israel nach der babylonischen Gefangenschaft im immer noch
verheerten Land mit dem zerstörten Tempel und existentiell
bedroht von den Nachbarvölkern.


„Ach, dass du den Himmel zerrissest“. Das hat vor
400 Jahren in der Mitte des Dreißigjährigen Krieges Friedrich
Spee bewegt, ein eindringliches Gebetslied zu schreiben.
O Heiland, reiß die Himmel auf, / herab, herab vom Himmel
lauf,
reiß ab vom Himmel Tor und Tür, / reiß ab, wo Schloss und Riegel
für.


Das Lied ist in der Evangelischen Kirche Wochenlied zum 2.
Advent. Ein leidenschaftliches Gebet. In sieben Strophen
10 Mal ein „Solo-O“. O Heiland, O Gott, O Erd, O klare Sonn.
Herzbewegende barocke Dichtung. Das Elend seiner Zeit hat den
katholischen Priester, Lehrer, Seelsorger und Ankläger des
Unrechts,  Friedrich Spee zu diesem Lied der Klage und
Sehnsucht getrieben.
Nicht nur der Dreißigjährige Krieg, nicht nur die
Pest waren vom Übel, auch die
Inquisition mit Foltern und Verbrennen von Frauen
auf dem Scheiterhaufen.


Für diese Frauen hatte sich Friedrich Spee eingesetzt und ein
Buch herausgebracht, in dem er die Skandale und Intrigen seiner
Zeit anprangerte. Eine Anklage gegen die Hexenprozesse. Dafür
wäre er beinahe selbst auf dem Scheiterhaufen gelandet. Wenige
 Jahre vor seinem Tod wurde er unterwegs brutal
zusammengeschlagen, fast zu Tode geprügelt. Friedrich Spee starb
mit 44 Jahren an der Pest. Er hatte sich bei der Pflege von
verwundeten Soldaten angesteckt.


Friedrich Spee, 26 Jahre vor Paul Gerhardt geboren, hat wie der
weit über 100 Lieder gedichtet. Zu den bewegendsten gehört das
Lied zum 2. Advent:
„O Heiland, reiß die Himmel auf“. Aus Liebe zu
Gott und Jesus hat Friedrich Spee Liebeslieder auf Gott und Jesus
gedichtet. Aus Liebe zu den geplagten, unterdrückten und
geschändeten Menschen wurde er ihr Anwalt und Ankläger gegen ihre
Peiniger.


Der 2. Advent will unserer Sehnsucht und Klage Sprache verleihen
mit den biblischen Texten und den starken Liedern aus der Zeit
des Dreißigjährigen Krieges. Achtung bei Gebrauch kann es zu
Mutanfällen führen
.Mit adventlichem Gruß
Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

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