Zwischen Stern und Kreuz

Zwischen Stern und Kreuz

vor 1 Tag

Beschreibung

vor 1 Tag

Vor zwei Wochen habe ich das minimalistischste Bodenbild von
Stufen des Lebens gesehen.
Auf einer blauen Baumatte lag ein Holzstöckchen und sonst nichts.
Also superminimalistisch. Damit stiegen wir in den Männerkurs ein
mit dem Thema: „Ist das Leben eine Baustelle?“ Entwickelt von
einem Mann, unterstützt von einigen anderen. Premiere mit 16
Männern.
Die Bodenbildbeschreibung fiel kurz aus. Das Nachsinnen umso
länger.
Christoph Wiemann, der Entwickler dieses Kurses zum Nehemiabuch,
fügte nach einiger Zeit des Rätselns links des Stöckchens eine
Jahreszahl, 1964, hinzu und rechts vom Stöckchen die ersten
beiden Ziffern einer zweiten Jahreszahl 2 und 0.
Da fiel bei allen der Groschen. Das Holzstöckchen steht für den
Bindestrich zwischen dem Geburtsjahr und dem noch offenen
Todesjahr. Bei Stufen des Lebens geht es immer um uns selbst. Was
macht das mit mir, wenn ich mich meinem Bindestrich zuwende. Also
meinem bisher schon gelebten Leben und dem, was noch vor mir
liegt. Von dem ich nicht weiß, wie lange es noch währen wird. Wir
fragen nach uns selbst. Nach dem, was wir bereits gelebt haben,
das Schöne und das Schwere. Wir fragen, wozu wir da sind. Haben
wir eine Bestimmung? Was würde fehlen, wenn unsere Stimme fehlen
würde?


Zwei Jahreszahlen mit einem Bindestrich dazwischen. So knapp kann
ein Leben umschrieben werden. So steht es auf Grabkreuzen und
Grabsteinen. Zum Bindestrich des gelebten Lebens steht nichts auf
dem Grab.


Als Pfarrer habe ich viele Menschen bestattet. Immer versuche ich
dann den Bindestrich des Lebens in der Horizontale mit einem
Bindestrich senkrecht dazu zu ergänzen. Das ergibt ein Kreuz. So
wird ja das Todesjahr auf den Grabsteinen angezeigt. Mich bewegt,
was das Kreuz von Jesus mit dem Verstorbenen zu tun hatte. Ich
will unsere begrenzte Zeit mit der Ewigkeit Gottes in einen
Dialog bringen. Das Kreuz steht beim Todestag.
Beim Tag der Geburt dagegen steht ein Stern. Das erinnert mich.
Bei einem Neugeborenen sagt man: sie oder er hat das Licht der
Welt erblickt. Könnte der Stern beim Geburtstag nicht auch sagen:
Mit deiner Geburt ist ein Stern aufgegangen. Du hast ein Licht in
die Welt gebracht. So möchte ich mein Leben und das der anderen
anschauen. Welcher Stern ist mit dir und mit mir in die Welt
gekommen? Über deinem und meinem Stern sehe ich den Stern von
Bethlehem. Der ist uns allen aufgegangen.


Trag in die Welt nun dein Licht und sei herzlich gegrüßt


Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten
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