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Stufen.aufs.Ohr Archiv

168 Episoden

Farbklecks

3 Minuten
Ich merke, wie mich viele Gedanken, Ereignisse, Bereiche meines Lebens bewegen und die Gedanken und Gefühle sich manchmal richtig überschlagen. Dabei nehme ich auch wahr, wie ich Manches „weiterscrolle“, weil es mich überfordert und die Angst in mir aufkommt. Gerade wenn ich „dran“ bin ein Stufen.aufs.Ohr zu schreiben, merke ich wie viel mich eigentlich beschäftigt.

„Was ist dieses Mal dran?“ Welches Bibelwort bewegt mich? Gilt es, etwas zu sagen, oder anzusprechen?

 

In den letzten Wochen habe ich bei uns im Ort den Kurs „Farbe kommt in dein Leben“ gehalten. Immer wieder kommt man dabei auf die Farbe GRAU zu sprechen - die auch das Bodenbild immer wieder bedeckt. In der 4. Einheit liegt sogar noch ein Netz über den grauen Tüchern - worin man sich „verfangen“ oder hängenbleiben kann und mal gern durch die „Maschen schlüpfen würde“…

 

Das Grau, das über allem liegt. Manchmal ist es wie ein Nebel um mich.

Die Nachrichten der Erderwärmung. Die Nachrichten der Abwertung von Menschen auf viele verschiedene Arten. Die Nachrichten der Ungerechtigkeit von Arm und Reich und von Gewalt. Die Hilflosigkeit, wie man all diese „Probleme“ miteinander lösen soll. Die Suche wie im Nebel nach Antworten, wie ein Miteinander in dieser globalen Vielfalt gehen könnte.

Das kann wie zu einem Strudel werden, der mich nach unten zieht in die Hoffnungslosigkeit. Ins Aufgeben. In das Gefühl, das nichts etwas bringt.

 

Doch das ist eine Lüge.

In diesem Strudel der Hoffnungslosigkeit ist ein Stab zum Festhalten, den uns unser Gott der Hoffnung zu-streckt und dabei zuruft:

Setzte deine Hoffnung auch mich und du bekommst neue Kraft. Jesaja 40,31

Ich bin die Quelle des Lebens und gebe dir Kraft und Stärke durch Christus. Phil 4,13

Ich habe dich geschaffen in Jesus Christus, zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass ihr darin wandeln sollen. Eph. 2,10

 

Diese Farbpunkte, Hoffnungslichter aus der Bibel treffen mein Herz, durchdringen den Nebel, helfen mir dem Überforderungs-Gefängnis zu entkommen.

Ich sehe wieder Licht. In dieser Welt.

Ich spüre wieder Kraft und Hoffnung - trotz der Angst und Überforderung - und will vertrauen:

Gott hat mich gemacht, für diese Welt, für diese Zeit, um in dieser Welt zu leben -

mit meinen Gaben, mit meiner Kraft, mit dem, was ich habe - um ein leuchtender Farbkleks Jesu Liebe zu sein.

Leuchtest du mit in deiner Farbe?

 

Eine gesegnete Woche wünscht Damaris Friedrich
3 Minuten
„Unser Leben hat fragmentarischen Charakter“, schreibt Dietrich Bonhoeffer am 23. Februar 1944 aus dem Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in Berlin-Tegel an seinen Freund Eberhard Bethge. Der hat diesen Brief und viele andere Zeugnisse aus der zweijährigen Gefängniszeit von Bonhoeffer in „Widerstand und Ergebung“ festgehalten.

Ich bin dabei, Dietrich Bonhoeffer neu zu entdecken. Was hat er uns zu sagen in einer Zeit der Gottvergessenheit, der Maßlosigkeit autokratischer Führer in aller Welt, den Abbrüchen in unserer Gesellschaft und in unseren Kirchen?

Peter Zimmerling schreibt dazu in seiner Einführung zu Bonhoeffers Buch „Nachfolge“:

„Bonhoeffers Theologie ist fragmentarisch geblieben… Gerade das Fragmentarische jedoch macht seine Gedanken heute so anregend: Es eröffnet die Chance zum eigenen Weiterdenken und erlaubt eigenes Experimentieren…“

In seinem Brief an Eberhard Bethge schreibt Dietrich Bonhoeffer: „Es kommt wohl nur darauf an, ob man dem Fragment unseres Lebens noch ansieht, wie das Ganze wohl angelegt und gedacht war und aus welchem Material es besteht. Es gibt schließlich Fragmente, die nur noch auf den Kehrrichthaufen gehören, und solche, die bedeutsam sind auf Jahrhunderte hinaus, weil ihre Vollendung nur eine göttliche Sache sein kann, also Fragmente, die Fragmente sein müssen. Wenn unser Leben auch nur ein entferntester Abglanz eines solchen Fragmentes ist, … dann wollen wir uns über unser fragmentarisches Leben nicht beklagen, sondern daran sogar froh werden.“

Mein Leben ein Fragment. Das wird mir immer wichtiger. Ich habe mein Leben nicht im Griff. Ich weiß nicht, wie lange ich noch da sein darf, was ich noch einbringen kann. Aber ich vertraue darauf, dass Gott mein Leben in seiner Hand hat, dass es stimmt, was Jesus den Seinen versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt“. Ich blicke dankbar zurück, was ich empfangen habe, was ich geben durfte und wo ich dazugehören darf. Ich lasse vieles los. Ich verlangsame mein Lebenstempo. Gleichzeitig vertiefe und verdichte ich mir Wesentliches. Dazu gehört ein Studieren von Bonhoeffers Werken, vor allem seiner Ethik und den Zeugnissen aus seiner zweijährigen Gefangenschaft, bevor er hingerichtet wurde.

Da möchte ich Orientierung finden für mein Leben in der Nachfolge Jesu. Da möchte ich mich auch noch einige Zeit engagieren bei Stufen des Lebens. Da werde ich selbst beschenkt und darf mit anderen Gott auf die Spur kommen. Und fröhlich fragmentarisch leben.

Schalom und liebe Grüße

Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten
3 Minuten
Es klingelt an meiner Haustüre. Zwei Nachbarsmädchen stehen vor der Türe – sie überraschen mich immer wieder mal mit etwas selbstgebasteltem.

Diesmal ist es ein ausgeschnittener und angemalter Fliegenpilz. Hintendrauf steht: „Mach es wie der Herbst: Lass einfach los!“

Diese Worte gehen mir nach…

Ich sehe die schöne Herbstfärbung in der Natur – ein wunderbares Farbenspiel.

Viele Blätter sind schon braun geworden und liegen am Boden.

Es raschelt so schön, wenn ich darüber gehe.

Der Baum hat sie abgeworfen -er macht es sich leichter und bereitet sich so auf den Winter vor.

Zuvor zieht er sogar noch wertvolle Stoffe zurück in den Stamm und in die Wurzeln, um sie im Frühjahr wieder zu nutzen.

Ganz schön schlau, der Baum!

 

Da fällt mir die Botschaft vom Fliegenpilz wieder ein: „Mach’s wie der Herbst:

Lass einfach los!“

Schade, dass das Abwerfen – Ballast loswerden - bei mir nicht so automatisch geht!

„Einfach Loslassen“ ist gar nicht so einfach!!

 

Da ist das Materielle - vieles hat sich bei mir angesammelt über die Jahre.

Was brauche ich wirklich? Was ist „zu viel“ und macht mich eher unruhig?

„Alles hat seine Zeit“ sagt der Prediger: „Behalten hat seine Zeit und Wegwerfen/ Loslassen hat seine Zeit.“

Weniger zu haben kann befreiend sein!

 

Und da ist noch so viel mehr, was ich loslassen könnte: Sorgen, Zweifel, Ängste, Gedanken, die mich belasten; Menschen, die mich verletzt haben, usw.

 

Du kannst dir ja mal kurz Zeit nehmen und dir überlegen, was dich belastet, was dir „zu viel“ ist, was dich befreien würde, wenn du es loslassen könntest.

 

Die Frage ist dann: wohin ich etwas abgeben oder loslassen kann?

Jesus lädt uns immer wieder ein, das was uns zur Last geworden ist, bei IHM abzuladen: „Komm zu mir, wenn du dich beladen fühlst! ICH will dich erquicken –

dir Ruhe schenken.“

Ja, bei Jesus dürfen wir abladen! Zu IHM hin loslassen, was uns belastet –

auch andere Menschen IHM überlassen, die uns Mühe machen.

Und dann darauf vertrauen, dass ER sich darum kümmert und dass ER es gut für uns macht.

 

„Lass einfach los!“ – zu Jesus hin!

Ganz bestimmt kann dann auch bei uns Neues wachsen, wenn wir bereit werden, loszulassen…

 

Sei gesegnet im Loslassen! SHALOM und herzliche Grüße von Ute Wolf

Veränderungen

3 Minuten
Kennt Ihr die Faszination des Neuen? Etwas Neues erleben, einen Tapetenwechsel, mal ein neues Outfit kaufen oder neue Gedankenansätze hören.

Das wollen wir doch immer wieder. Menschen suchen Neues. Wir lesen in den Evangelien, dass sich viele aufmachten, um Johannes den Täufer zu hören und später, um Jesus zu hören. Da hat jemand etwas Spannendes, Neues zu bieten.

Und auf der anderen Seite tun wir uns mit Veränderungen so schwer. Selbst kleine Routinen, wie das Aufstehen zu einer anderen Uhrzeit oder mit dem anderen Bein zuerst in die Hose zu steigen, kosten uns Überwindung.

Große Veränderungen wie ein Umzug oder eine Lebensstilveränderung machen uns Angst. Wir versuchen diese Veränderungen zu vermeiden.

Ich denke, es sind viel mehr Menschen aus Neugier zu Johannes in die Wüste gegangen, als seiner Aufforderung nach Umkehr, nach Veränderung auch zu entsprechen.

Aber was ist der Unterschied zwischen unserem Wunsch nach Neuem und der mir erst einmal unangenehmen Veränderung?

Einmal geht es um die Entscheidung bzw. die Freiwilligkeit. Es ist etwas anderes, ob ich mich entscheide umzuziehen, weil ich einen Tapetenwechsel brauche oder ob ich umziehen muss, weil ich mit dem Bestehenden überfordert bin oder der Vermieter kündigt.

Der andere Aspekt sind die Konsequenzen. Wenn ich mir etwas Neues kaufe, so sind die Konsequenzen, der Preis bekannt. Ich weiss, was ich opfern, einbringen muss. Ist mir der Preis zu hoch, verzichte ich auf das Neue.

Bei größeren Veränderungen ist uns häufig der Preis zu hoch. Damit ist nicht Geld gemeint, sondern Verzicht auf etwas, was uns wichtig ist. Das kann zum Beispiel die gute Nachbarschaft sein, die Schokolade am Abend oder das Loslassen von Feindbildern. Die Veränderung ist es mir nicht wert, darauf zu verzichten.

Oder ich kenne die Konsequenzen nicht. Die Unsicherheit, wie es sein wird, ist oft noch schlimmer, als zu wissen, was passiert.

Was hilft trotzdem eine Veränderung einzugehen oder auch zu akzeptieren:

Erstens: Begleitung. Jesus verspricht uns, jeden Weg mitzugehen und mitzutragen. Egal, was passiert, Jesus ist bei mir und hält zu mir. Wir müssen nicht allein durch, auch dann nicht, wenn wir einen Fehler gemacht haben; auch den müssen wir nicht allein ausbaden.

Zweitens: Erlauben wir uns den Verlust zu betrauern und dann auch bewusst loslassen. Dazu gehört auch ehrlich zu mir selbst zu sein, was ich als Verzicht erlebe. Trauen wir uns, diesen Verlust an Gott zu klagen.

Drittens: Sehen wir das Positive, das die Veränderung bringt. Bringt sie mir mehr Lebendigkeit, mehr Freiheit, mehr Liebe? Führt sie mich mehr zu mir selbst oder näher zu Jesus? Wir brauchen die positive Perspektive, ein Ziel.

Ich wünsche uns allen den Mut, uns an Jesu Hand auf Veränderungen einzulassen. Eure Christine Sommer
3 Minuten
Dreierlei bewegt mich. Könnte das zusammenfließen in einen großen Strom der Dankbarkeit und Ermutigung, dachte ich. Ich versuch’s.

Am Sonntag haben wir Erntedank gefeiert. Das spricht immer noch viele Menschen an. Wir spüren, trotz aller Mühen, trotz aller Widrigkeiten in unserer Zeit, da bleibt noch viel zu danken in unserem Leben. Es gibt das Unverdiente. Er könnte es Gnade nennen, wenn er an Gott glauben würde, sagte Wolf Biermann jetzt in einem Interview zu seinem 90. Geburtstag. Ich sage: Gott sei Dank, dass ich mit Gott rechnen darf, auch in unserer wirren Zeit.

Darum feiere ich von Herzen Erntedank. Und ich singe mein Lieblingslied immer wieder:

Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust.

Ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist,

daraus uns alle früh und spat viel Heil und Gutes fließt.

Erntedank feiert Gott den Schöpfer und Paul Gerhardt nennt ihn den Brunn der Gnad und die ewige Quelle.

Was sind die Quellen, aus denen wir leben? Das ist das Zweite, was mich bewegt. Denn zurzeit führen wir in unserer Gemeinde den Kurs von Stufen des Lebens durch mit dem Motto: Quellen, aus denen Leben fließt. Eingestimmt mit Vivaldis vier Jahreszeiten sprudelten die Beiträge in unserer großen Gruppe. Einige haben sehr spontan genannt, was für sie Quellen sind, aus denen ihnen Leben zufließt. Immer wieder waren es Bilder aus der Natur, das Wachsen der Pflanzen im Garten, an einem See sitzen, Vögeln zusehen, zur Stille finden, ein gutes Buch lesen, ein persönliches Gespräch führen und Musik hören und selbst singen. Quellen aus denen Leben fließt. Grund zur Dankbarkeit, nicht nur an Erntedank, aber da erst recht.

Meiner Frau und mir ist der Erlebnisurlaub im September zu einer Quelle der Freude geworden, die in unseren Alltag weiterströmt. Am See sitzen. Baden. Standup paddeln ausprobieren. Lauthals lachen bei unserem Fallen ins Wasser. Und abends einen riesigen Schwarm von Hunderten von Schwalben am Himmel beobachten. Das hat uns erfüllt. Und nachts der klare Sternenhimmel.

Also bei mir fließen zusammen: Erntedank, Erlebnisurlaub und der Kurs. „Quellen, aus denen Leben fließt“. Gut, wenn ich weiß, wo meine Quellen sind. Besser noch, wenn ich sie aufsuche, mich dort niederlasse, von ihnen lebe. Was ist dir Quelle, aus denen dir Leben zufließt?

Unser ältester Teilnehmer und Klavierbegleiter mit seinen demnächst 95 Jahren sagte: Für mich ist das Gebet eine Lebensquelle.

Mit quellfrischen Grüßen zu Erntedank

Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

Lobe den Herrn

3 Minuten
Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

Damit überschreibe ich das Stufen.aufs.Ohr, das ich heute am 27.9.26 schreibe - 44 Jahre nachdem im Wohnzimmer von Waltraud Mäschle der erste Stufen-Kurs stattfand.

In diesen 44 Jahren hat Gott durch und mit diesen Kursen viel Segen fließen lassen.

Mich freut es immer riesig, wenn Menschen mir erzählen, wie Gott nachhaltig durch die Bodenbilder, die biblischen Geschichten, die Impulse, die Mitgebsel … in ihr Leben gesprochen hat und immer wieder spricht. Manchmal kommt ein Bild nach Monaten oder Jahren wieder in den Sinn und erinnert Menschen daran, dass Gott bei Ihnen ist; dass die schwierige Situation JETZT nicht das Ende ist. Was für ein Segen. Was für eine Kraft.

Der Herr hat so viel Gutes getan -in diesen 44 Jahren im Miteinander unterwegs sein und durch das Erleben dieser Kurse.

Was hat Gott DIR Gutes getan?

Pausiere doch einen kurzen Moment und lass deine Seele sich erinnern, an das GUTE, das Gott dir durch die Stufen-Arbeit zufließen hat lassen -

und dann schicke das Lob gleich nach „oben“ zu Gott.

Stell dir mal vor, dass unser LOB wie bunte Luftballons dem Himmel entgegensteigen - voller Dankbarkeit und Freude! Was für ein schönes, lebendiges und buntes Bild. Ein Luftballonstart zur Ehre Gottes!

Ich bin mir sicher, Gott sieht alle unsere bunten, DANKtragenden Luftballons und freut sich über unser Lob.

Und so wie beim Luftballonstart hoffe ich, dass unsere Lob-und Danke-Ballons auch hinausfliegen ins Land - zu den Menschen um uns herum - und sie von unseren Lob- und Dank-Botschaften hören, die einladen: Komm und sieh - erlebe selbst in einem der Kurse oder Stufen-Angeboten: Es gibt diesen Gott, der dich sieht. Es gibt diesen Gott, der mit dir durchs Tal geht. Es gibt einen Gott, der dich herauslockt und will, dass du lebst. Es gibt diesen Gott, dessen JA über deinem Leben steht und unter allem, dass du erlebt hast. Denn unsere Botschaft ist heute immer noch dieselbe, wie damals vor 44 Jahren - gegründet auf ein Wort aus Jesaja 61: Gott hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, das sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn, zu trösten alle Trauernden.

Beten wir, dass Gottes Segen weiter fließt, zu uns, durch uns und über uns hinaus in diese Welt.
3 Minuten
Es ist nun 10 Jahre her, dass mein Mann verstorben ist. 10 Jahre. Eine lange Zeit, so kommt es einem vor und dann doch wieder nicht. Manche Gefühle kommen in Erinnerung von den letzten Abschiedswochen. Es gibt so einige Situationen, die ich noch haargenau vor meinen inneren Augen habe. Ich fühle manche Gefühle des Schmerzes, der Ohnmacht, der Trauer, auch mit und für die anderen.

Gleichzeitig staune ich, wie ich damals mit der Diagnosestellung jeden Tag mein Herz und Kopf aufgerichtet habe zu Dem hin, Der mir jeden Tag Anlass zur Dankbarkeit auch nur für die kleinsten Dinge gab. Immer wieder sind mir liebe Worte, Unterstützungen durch Familie und Freunde, Begegnungen und Begebenheiten „zugefallen“!

Ja, das hat MIR geholfen.

Ich kann nur sagen MIR, denn jeder geht einen solchen Weg ganz individuell.

Mir hat geholfen, Trauer, Schmerz und Ohnmacht zuzulassen. Auch zu erkennen, dass jedes Familienmitglied seinen eigenen Weg durch diesen Abschied finden muss, der ihnen nicht erspart bleibt. 

Getragen hat mich die tägliche Suche nach Gottes Wort. Ich weiß noch, ich habe in der Bibel, vor allem in den Psalmen gesucht, wie und wer Gott ist. Ich habe mich festgehalten an Worten, die mir und uns zugesagt wurden.

Es gab Gottesdienste, die gestärkt haben und ermutigt.

Es war die Gemeinde und unser Pfarrer, der uns liebevoll begleitete.

Am Tag der Beerdigung tröstete mich unser Trauspruch als Losungswort: wandelt als Kinder des Lichts. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit, drum prüft was da sei wohlgefällig vor dem Herrn.

Eine der größten Freude und Grund zur Dankbarkeit heute ist, wenn mir Menschen begegnen, die von meinem Mann erzählen, über sein segensreiches Wirken in der Familie, Kirche, bei Feiern und unter Freunden. Ja, der Segen bleibt und hinterlässt seine Spuren, denen wir zu Seiner Zeit begegnen dürfen. Welch Freude!!!!

So ist die Dankbarkeit das stärkste Wort, auch wenn manches ungeklärt und unausgesprochen blieb. Dann bin ich dankbar für die Möglichkeit, bei Gott um Vergebung zu bitten. Mir ist so wichtig geworden, Klärungsmöglichkeiten im Miteinander, wenn möglich, direkt anzusprechen.

Mir ist so wichtig geworden, die kleinen Augenblicke, Momente, Erlebnisse, Eindrücke zu genießen. Dies im Bewusstsein der Einmaligkeit dieser Momente.

Der Segen bleibt.

So viel ist seitdem geschehen, so viel Neues ist geworden, eine neue Generation wächst inzwischen heran.

Das Leben geht weiter, der Schmerz, der Verlust ist immer eine Wunde, die bleibt. Aber auch die Erfahrung, im Schmerz gehalten zu sein von Dem Gott, der sagt: ich bin bei dir.

Diese Erfahrung wünscht Ihnen immer wieder, Isabel Prinzessin zu Löwenstein, Heidelberg

Ewigkeit

3 Minuten
Der aktuelle Stufen-Newsletter spricht mich spontan an. Damaris Friedrich teilt ihre Gedanken zum Thema Ewigkeit. Sie erreicht mich bei dem Thema, das mich schon mein ganzes Leben elektrisiert.

Bevor ich mit siebzehneinhalb Jahren zum ersten Mal mit Jesus Bekanntschaft gemacht habe, war ich überzeugt davon, dass die Christen lediglich auf die Ewigkeit vertrösten. Auf einer missionarischen Veranstaltung sagte mir dann jemand, dass ewiges Leben hier und jetzt anfängt. Jetzt, wenn ich mein Leben mit Jesus Christus teile und ihm vertraue. Das war ein völlig neuer Gedanke für mich und damit waren meine Argumente gegen Gott wie weggefegt. Bis heute ist es so, dass das Thema Ewigkeit für mich entscheidend ist.

Damaris zitiert den Song: „Die Ewigkeit ist mein Zuhause. Gott hat sie mir ins Herz gelegt.“ Ich spüre dem nach – und ja, das trifft es. Die Ewigkeit ist mein Zuhause, meine Heimat und mein Anker. Gott Vater, Sohn und der Heilige Geist stehen für diese Ewigkeit.

Alles was ich erlebe, teile ich mit dem, der mich hält. All die wunderbaren Erfahrungen mit Familie und Freunden, mit Natur, Jahreszeiten und all den Wundern des Lebens. Und gleichzeitig geht es immer darum, ob ich auch bereit wäre, das alles loszulassen.

Auch das Schwere, was ich nicht verstehe, halte ich dem hin, zu dem ich eine feste Beziehung habe, eine Verbindung. ER ist mein Fixpunkt, ohne den ich mir das Leben und das Sterben nicht vorstellen kann.

Das alles gehört schon zu ewigem Leben. Es ist ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit. Oder der Geschmack der Ewigkeit? Jetzt sehen wir erst bruchstückhaft. Wir erleben schon etwas davon, was wir einst in der Vollendung sehen werden.

Vielleicht ist es wie bei den Israeliten, die 40 Jahre durch die Wüste gewandert sind. Sie erlebten, wie Gott sie ernährte mit dem Honig des Himmels, dem Manna und zu trinken fanden sie auch. Gott führte sie durch trockenes Land und versorgte sie. Es war noch nicht das versprochene Land, aber sie erlebten schon die Versorgung und die Güte Gottes.

Und uns sagt Jesus zu: „Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“

Dieser gute Hirte ist vertrauenswürdig, in Zeit und Ewigkeit.

Ihre und Eure Traudel Krause

Raum zu sein

4 Minuten
Bei meiner morgendlichen Andacht hörte ich einen Vers aus Offenbarung 3: Hör doch! Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten. Ich werde mit ihm das Mahl einnehmen und er mit mir.

Allerdings hörte ich den Vers in Englisch und da lautet der letzte Satz: Ich werde bei ihm eintreten und mit ihm zusammen essen und er mit mir.

Ich hörte diesen Satz während des Frühstücks. Ganz gemütlich saß ich auf unserer Terrasse, leckeren Kaffee und Marmeladenbrot vor mir, der Wind rauschte, angenehme Temperaturen, grün um mich herum - und mein Herz horchte auf.

Jesus klopft bei mir an. Freut sich, wenn ich ihn einlasse - um dann mit mir zusammen am Tisch zu sitzen und zu essen. Gemeinschaft mit mir zu haben. Zu sein.

 

Es hat mich an einen Satz einer mir lieben Pfarrerin erinnert - als sie das Kirchenfest „Die Kirche bleibt im Dorf“ mit folgenden Worten eröffnete: In unseren Häusern haben wir viele Räume. Jeder Raum hat einen bestimmten Zweck - so wie wir auch bestimmten Rollen in unserem Leben haben.

Die Kirche - das Gotteshaus - ist ein Raum, der zwecklos ist. Ein Ort, wo wir einfach kommen dürfen - und sind. Wo Gott da ist - am Tisch sitzt und mit uns ist.

Wie oft meine ich, dass es in Gottes Haus darum geht heiler, reifer, lebendiger, gottesfürchtiger, frommer zu werden…  gestärkt zu werden, Klarheit zu bekommen, Angst hinter mir zu lassen, keinen Mangel mehr zu empfinden, Bedürfnisse gestillt zu bekommen…

 

JA, das ist für mich eigentlich das RADIKALE an Jesus - an dem Dreieinigen Gott - dass ICH sein darf vor ihm. Er empfängt mich, nimmt mich in die Arme - ohne dass ich irgendwas davor oder danach tun muss. Ich muss nicht erst „rein, fromm“ werden, um zu kommen, sozusagen richtig „christlich“ leben - und ich muss auch danach nicht „sündfreier“, heiler, richtiger leben -

Ich darf sein, weil JESUS zu mir kommt, weil JESUS überwunden hat.

 

Ich glaube und erlebe - dass die Gemeinschaft mit Jesus, das mit ihm am Tisch sitzen, SEIN, immer etwas in mir wirkt - das geht mit Gott gar nicht anders -

ABER das ist nicht der Grund des Zusammenseins - das ist nicht der Zweck der Gemeinschaft.

 

Ich merke, wie schwer mir das im Tiefen zu leben fällt: mit Gott zu sein - am Tisch zu sitzen, Zeit mit ihm zu genießen - OHNE dass es mir oder ihm zu irgendetwas „dienen“ muss.

Das buchstabiere ich diesen Sommer. Zu sein. Mich auszuhalten mit meinen unangenehmen Gefühlen - ohne sie „wegzubeten“ oder von Jesus zu erwarten, dass er sie wegnimmt. Sondern mit ihm zusammen da zu sein - in seinem Haus, in seiner Gegenwart.

Wie schön, dass unsere Kirche im Dorf ist, die Tür offen - so dass ich einfach eintreten kann und mich zu ihm setzen kann. Er ist da und wartet. Auch auf dich.

Was hinkt ihr?

3 Minuten
In der Bibel in 1. Könige ab Kapitel 16 können wir über König Ahab und den Propheten Elia lesen. Über Ahab steht dort, dass er tat, was dem Herrn missfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren. Er hatte eine ausländische Frau geheiratet und deren Götterkult von Baal und Aschera übernommen und diese Götter durch den Bau von Anbetungsstätten und staatlich finanzierter Priester so etabliert, dass auch das Volk diesem Kult folgte.

Elia will die Zustände wieder geraderücken und nach einer schweren Dürrekatastrophe fordert er eine Volksversammlung einschließlich aller fremden Priester auf dem Berg Carmel. Über ein Wunder sollte sich der wahre Gott herausstellen.

Doch zuerst wandte Elia sich an das Volk. In 1. Könige 18, Vers 21 steht:

21 Da trat Elia zu allem Volk und sprach: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach, ist’s aber Baal, so wandelt ihm nach. Und das Volk antwortete ihm nichts. 

Wie lange hinkt ihr auf beide Seiten? Oder nach anderen Übersetzungen: Wie lange schwankt ihr noch hin und her? Wie lange noch wollte ihr auf zwei Hochzeiten tanzen? Wie lange braucht ihr noch, um Euch zu entscheiden?

Und das Volk antwortete nichts.

Ich kann das Volk gut verstehen. Warum sollte man alles nur auf ein Pferd setzen? Lieber sichere ich mich ab, und halte mir mehrere Optionen offen.

Und sich klar gegen die Überzeugung der Machtinhaber, derjenigen, die gerade das Sagen haben, deren Urteil wir fürchten, zu positionieren kann gefährlich sein.

Baal und Aschera sind Fruchtbarkeitsgötter oder auch Wettergötter, die eine gute Ernte sicherstellen. In der Verehrung hoffte man auf Erfolg, auf materielle Sicherheit, auf ein gutes Leben.

Mein Eindruck ist, dass wir in einer Zeit leben, in der verschiedene religiöse Einflüsse sich mischen. Ich sehe eine wachsende Anzahl von buddhistischen Dekoelementen, verschiedene Ansätze von Wiedergeburtsglauben werden immer verbreiteter, Schmuckstücke als Glücksbringer oder im Urlaub in fremden Tempeln kleine Rituale auszuführen sind völlig normal.

Und wenn es um innere Einstellungen geht, ist die Frage, welche Opfer ich dem Erfolg bringe, mit welcher Intensität ich mich für mein Glück nach allen Richtungen absichere.

Gott macht immer wieder deutlich, dass er ein eifersüchtiger Gott ist und möchte, dass wir ausschließlich auf ihn vertrauen. Das fällt schwer, weil es unmodern ist, auf Unverständnis stößt und weil es bedeutet, dass ich auf manche Absicherungsmechanismen verzichten muss.

Ich wünsche uns allen den Mut, uns eindeutig für Gott zu entscheiden.

Eure Christine Sommer

 
3 Minuten
Die Ferien haben begonnen. Wie haben wir als Kinder darauf hin gefiebert! Eine große Sehnsucht ist mit Ferien und Urlaub verbunden. Eine Unterbrechung des Alltags – und auch eine große Sehnsucht nach einer überraschenden Berührung der Seele.

In Lukas 18, Vers 35 bis 43 wird die Geschichte vom blinden Bartimäus erzählt. Sein Alltag ist das Betteln und Abhängig-Sein. Er hört, dass Jesus in der Stadt ist und Bartimäus weiß, dem muss ich, dem will begegnen. Er schreit einen Notschrei. Jesus fragt ihn: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er antwortet : ICH WIILL UNBEDINGT SEHEN.

Was wir uns ersehnen von den freien Tagen?– ein tiefes Erfrischt-Werden aus der Quelle und die überraschenden Wunder, die direkt vom Himmel her in unser Leben fallen…. Das wollen wir sehen und erleben.

Wir waren in unseren Urlaub unterwegs auf den Spuren Luthers. Wir haben erlebt, wie wir tief erfrischt wurden. Zum Beispiel an einem extrem heißen Tag konnten wir uns um die Mittagszeit nur noch in die kühle Kirche in Weimar flüchten. Drinnen eine völlig andere Atmosphäre mit Gänsehautfeeling. Wir wurden begrüßt von einem Chor, der für das bevorstehende Konzert am Abend probte: „Denn er regiert auf immer und ewig“….Händels Halleluja erfüllte die ganze kühle Herderkirche. Unvergesslich dieser Gruß vom Himmel her.

Ein anderes Mal waren wir in der Predigerkirche in Erfurt. Auf der Suche nach Luther stießen wir auf Meister Eckhard, der Jahrhunderte vor Luther in dieser Kirche gewirkt hat. Er überraschte mich mit seiner Aktualität. Zum Beispiel sagte er: “Du brauchst Gott weder hier noch da zu suchen. Er ist nicht weiter als vor der Tür deines Herzens und dort steht er und harrt und wartet.“

Schließen möchte ich mit einem Gebet von Martin Luther, das in der Marktkirche in Wittenberg ausliegt:

Siehe Herr, ich bin ein leeres Gefäß, fülle es! Ich bin schwach im Glauben, stärke mich!

Ich bin kalt in der Liebe, lass mein Herz brennen! Lass meine Liebe herausströmen auf meinen Nächsten.

Ich habe keinen starken, festen Glauben, ich zweifle zuweilen und kann dir nicht völlig vertrauen.

Ach Herr, hilf mir.

Mehre meinen Glauben,

lass mich dir vertrauen.

Ich bleibe bei dir;

Denn von dir darf ich nehmen und muss nicht geben. Amen

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Traudel Krause
1 Minute
Eine Ausstellung zum Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer mit 13 großen Tafeln ist für ein halbes Jahr in unserem Gemeindehaus zu sehen und zu studieren. Die Tafeln wollen uns den Pfarrer, Lehrer der Bibel und Liebhaber der Bergpredigt, den Christenmenschen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer nahe bringen. In einem Lektürekreis haben wir sein Buch „Nachfolge“ gelesen und diskutiert. Nächstes Wochenende laden wir zu einem Bonhoefferwochenende ein, mit einem Filmabend zu dem berührenden Film „Die letzte Stufe“ mit Ulrich Tukur. Für Samstagabend konnten wir Professor Peter Zimmerling gewinnen mit einem Vortrag und Gespräch zu „Glaube mit Verantwortung“. Die Beschäftigung mit Bonhoeffer und das Gespräch miteinander haben mich angestoßen, die Bergpredigt für unsere Nachfolge bewusster zu entdecken und mit ihr zu leben. Dann habe ich das Gedicht von Bonhoeffer aus dem Gefängnis wieder gelesen und auswendig gelernt:

Christen und Heiden

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,

flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,

um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.

So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Also Christen und Heiden, die Jesus Christus nicht kennen, sind solidarisch in ihren Grundbedürfnissen als Menschen. Wir alle brauchen Hilfe, Brot, Glück, Gesundheit und wollen angenommen werden, gerade wenn wir versagt haben. Da erflehen wir Beistand von Gott. Die zweite Strophe macht den Unterschied. Sie ändert die Blickrichtung. Christen sind nicht mehr nur mit sich selbst beschäftigt. Die zweite Strophe weitet den Horizont. Wir sehen das Elend in unserer Welt. Und mitten darin Gott, solidarisch mit den Leidenden. Verletzt von unseren Sünden, selbst schwach am Kreuz und ohnmächtig.

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,

finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,

sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.

Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Bonhoeffer nimmt Jesu Gleichnis vom Weltgericht im Matthäusevangelium Kapitel 26 auf.

Selig nennt Jesus dann die, die sich um Hungernde gekümmert und Fremde aufgenommen haben, Nackte gekleidet und Kranke und Gefangene besucht. Und Jesus fährt fort: „Was ihr getan habt einem von diesem meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Bonhoeffer hat daraus gefolgert: „Christen stehen bei Gott in seinen Leiden“.

Eine nochmals ganz andere Wendung nimmt sein Gedicht in der dritten Strophe Der von uns verletzte Gott versöhnt grenzenlos. Unbegreiflich:

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,

sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,

stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod

und vergibt ihnen beiden.

Mit herzlichen Grüßen vom Übungsweg der Nachfolge Jesu, Hans-Martin Steffe, Linkenheim
1 Minute
Es war heiß und es herrschte reges Treiben in der Fußgängerzone in Heidelberg. Der Passantenstrom wurde jäh unterbrochen durch den Blick auf die Providenzkirche.

Farbenfrohe Plakate, Fahnen und Schleifen, einladend offene Türen ließen die Passanten innehalten, zu fragen was denn hier los sei.

„Einfach heiraten“ hieß die deutschlandweite Aktion, sich trauen zu lassen.

Schnell waren wir schon vor der Tür in persönlichen Gesprächen.

Als dann auch noch die Möglichkeit eröffnet wurde, eine Beziehung von zwei Menschen einfach mal segnen zu lassen ob nach langen Jahren oder zum ersten Mal oder sich als einzelner Mensch jetzt und mitten im Leben segnen zu lassen, wurde sichtbar Sehnsucht geweckt.

Oft ganz entschlossen betraten dann die Menschen den Innenraum der Providenzkirche. Kleine Sträußchen an den Bankreihen, liebevolle kleine runde Tische für Gespräche. Luftballons und Sonnenblumen strahlten vom Altar.

Im Poividenzgarten stand ein weiterer Altar, einladend geschmückt, im Gemeindehaus luden Getränke und Köstlichkeiten zum Verweilen und Feiern ein.

Auch in den Gesichtern der Pfarrpersonen und Mitarbeitenden spiegelte sich die freudige und erwartungsfrohe Haltung wider.

Es war ein festlicher Raum. Ich hatte den Eindruck, die Liebe, Schönheit, die Weite Gottes war hörbar und spürbar.

Der Glanz der Liebe war sichtbar in den Gesichtern.

Fröhliches Gelächter wechselte mit einer ganz ehrlichen Tiefe, Freud und Leid von Lebenswegen gleichermaßen widerspiegelnd.

Stille, Betriebsamkeit und musikalische Klänge wechselten sich ab.

Der Geist Gottes weht, wann er will, wie er will und wo er will. Es ist ein Geschenk, diesem beim Wirken zuschauenzu dürfen. Nicht zu verschweigen ist der vorherige Aufwand. Aber mit Segen ist oft auch viel Schweiß verbunden.

Mich berührt: Mitten im Unterwegssein, mitten im Leben voller Hochs und Tiefs können Räume entstehen, einladend und schön, fantasievoll und festlich gestaltet.

Wundervoll, wenn die Sehnsucht Gottes mit der Sehnsucht des Menschen in Berührung kommt.

Wenn in einer solchen Umgebung auch das Leid in den Leben der Menschen zur Sprache kommen darf, die Auferstehungskraft, der Heilige Geist, Heilendes, Versöhnendes, wie neues Leben schafft.

Ob das für uns alle eine Ermutigung sein kann, viel mehr mit Räumen und Möglichkeiten des Heiligen zu rechnen, sie zu entdecken im Großen und im Kleinen?

Diese Sehnsucht wünsche ich uns allen, Isabel Prinzessin zu Löwenstein, Heidelberg
1 Minute
Auch noch 1 Woche danach geht mir der Predigttext vom letzten Sonntag nach. Warum? Weil er so aktuell und wichtig ist. Weil ich in meinem Alltag ganz konkret immer wieder damit konfrontiert werde: in den Begegnungen mit einzelnen Menschen, in der Dynamik von Gruppen und auch beim Wahrnehmen der Menschen um mich herum.

Vielleicht seid ihr schon neugierig, um welchen Text es geht… - Ein Abschnitt aus der Feldrede des Lukas-Evangeliums: Verurteilt nicht andere - Lukas 6,36-42.

Bei Stufen bewegen wir eigentlich immer Erzählungen aus der Bibel, in denen Menschen Begegnungen mit Gott-Vater, Jesus oder dem Heiligen Geist haben. Auch wenn wir in manchen Kursen mit Gleichnissen unterwegs sind, gehört die Begegnung mit dem, der sie erzählt - Jesus - ganz ausschlaggebend mit dazu. So ist es auch bei der Feldrede. Nicht irgendein Mensch in der Bibel hält diese Rede, sondern Jesus selbst. Damit bekommt sie eine Kraft und Autorität, der ich mich nicht entziehen kann. Jesus spricht hier zu einer großen Schar seiner Jünger und richtet klare, konkrete Worte an sie - und so auch an uns.

Wenn ich diese Rede lese, begegne ich Jesus, Gott selbst, und Seinem Herzensanliegen, wie wir auf Erden leben sollen - auch miteinander - und zwar nicht nur unter den „Gleichgesinnt-Gläubigen“, sondern untereinander - auch mit unseren „Feinden“.

Sie wird mir zum Spiegel, in dem ich mich erkenne:

mit meiner Sehnsucht nach einer Welt, in der die Liebe füreinander und für Gott größer ist als alles andere

und mit meinen Grenzen der Liebe und meiner Bedürftigkeit nach Gottes Wirken IN mir.

Ein Satz daraus prägt mich: Seid barmherzig, so wie euer Vater barmherzig ist. LK6,36

Wir haben einen unglaublich barmherzigen Vater. Einen, der immer wieder kommt und uns sucht, uns ruft, in den Arm nimmt, bevor wir etwas „checken“, bevor wir die „sauberen Kleider“ anhaben und uns rausgeputzt haben, richtig verhalten und was auch immer man noch an Maßstäben anlegen kann, damit man meint: Gott kommt nun.

NEIN - ER ist es, der den Tod, das Dunkle überwunden hat, der in unsere zerbrochene Welt gekommen ist, damit er mit uns sein kann - bevor wir irgendwas getan haben.

Das gilt es immer wieder zu „begreifen“, zu bewegen, zu meditieren - mir auch einzugestehen: NICHT ICH, SONDERN ER hat getan, überwunden, mich gefunden, mich zuerst geliebt - deshalb kann ich gar nicht anders und will ich lieben, barmherzig sein und Menschen nicht ver- oder beurteilen. Deshalb ist es nicht an mir zu richten - sondern ER allein ist der Richter auf dem Thron.

Dass wir diese Woche entdecken, wie barmherzig UNSER VATER ist - das wünsche ich uns von Herzen.

Seid gesegnet,

Eure Damaris Friedrich

Treu sein

1 Minute
Kürzlich haben wir unseren 39. Hochzeitstag gefeiert! Ich finde, das ist eine ganz schön lange Zeit, in der wir nun schon gemeinsam durch’s Leben gehen – starker Grund zur Dankbarkeit!

Wir haben viel miteinander erlebt, freuen uns an unserem Miteinander und reiben uns natürlich auch immer wieder an unserer Unterschiedlichkeit - bis wir wieder feststellen, dass wir uns letztendlich darin auch gut ergänzen können.

39 Jahre verheiratet sein… ein Weg mit Höhen und Tiefen. Es gibt eben nicht nur die „Hoch-Zeiten“ – da gibt es auch den Alltag mit seinen Stimmungsschwankungen, der Meinungsverschiedenheiten, dem „Nicht-verstehen“…

Und dann gilt es wieder, den anderen neu anzunehmen, Kompromisse zu schließen und manchmal auch um Verzeihung zu bitten und Vergebung in Anspruch zu nehmen.

Wie gut, dass wir vor 39 Jahren eine klare Entscheidung füreinander getroffen haben: „JA, ich will dir treu sein – mit Gottes Hilfe!“

Es ist so wertvoll, dass Gott der verbindende in unserer Mitte ist!

Der Andere kann nicht immer meinen Wunschvorstellungen entsprechen!

So erlebe ich das auch in meiner Gottesbeziehung - Gott reagiert nicht immer so, wie ich mir das vorstelle! Fragen und Gebete bleiben manchmal unbeantwortet – oder es geschieht anders, als ich mir das gewünscht hätte.

Da ist dann mein „Dranbleiben“, meine Treue gefordert!

Ich kann jeden Tag neu den Entschluss fassen: „JA HERR, ich will dir treu sein, mein Leben mit dir zusammen gestalten und auf deine Stimme hören, dir vertrauen – dich HERR sein lassen!“

Und wie sieht unsere Gottesbeziehung anders herum aus?

Wie oft entsprechen wir wohl nicht Gottes Vorstellungen??!

Wie oft lassen wir IHM wenig Raum, dass ER hineinsprechen kann in unsere Gedanken und Pläne – oder können IHM nicht vertrauen?!

Und trotzdem hält ER zu uns - bleibt uns immer treu!

Sein großes Ja, das ER uns von Anfang an gegeben hat, gilt für alle Zeiten!

Wir dürfen uns auf IHN und Sein Wort verlassen, in dem ER uns zusagt:

„Ich bin der HERR, der barmherzige und gnädige Gott. Meine Geduld ist groß, meine Liebe und Treue kennen kein Ende!“  2.Mose 34,6 HfA

Mit diesem treuen Gott können wir gut leben!!!

Herzliche Segensgrüße von Ute Wolf