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SG #058: Humor

SG #058: Humor

Slow German vor 16 Jahren
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Andrew und Xavi aus Barcelona haben mich gebeten, über deutschen
Humor zu sprechen. Darum geht es also in der heutigen Folge. Das
erste, woran ich beim Thema Humor denke, sind Witze. Witze sind
kurze Geschichten, die sich Menschen erzählen, und die ein lustiges
Ende haben. Diese Witze verbreiten sich von Mensch zu Mensch wie
eine Lawine, und manche von ihnen kennt fast jeder. Es gibt
interessanterweise immer Phasen, in denen eine bestimmte Art von
Witzen sehr beliebt ist. Als ich ein Kind war, waren das die
Häschen-Witze. Ein Häschen ist ein kleiner Hase. Wir haben uns also
immer Witze erzählt, in denen ein kleiner Hase in ein Geschäft
kommt, um etwas zu kaufen. Ich werde jetzt keinen dieser Witze
erzählen, aber Ihr könnt sie euch wahrscheinlich vorstellen. Aus
heutiger Sicht waren sie nicht sehr lustig. Eine andere Phase waren
unter Erwachsenen die Blondinenwitze. Darin machte man sich über
blonde Frauen lustig und stellte sie als besonders dumm dar. Auch
Menschen aus verschiedenen Regionen machen sich gerne über andere
Regionen lustig. In Deutschland veräppelt man oft Ostfriesen, das
sind Menschen die ganz weit im Norden leben. Veräppeln ist übrigens
ein anderes Wort für "sich über jemanden lustig machen". Man kann
auch sagen: Veralbern. Natürlich gibt es auch in Deutschland
Menschen, die davon leben, lustig zu sein. Ich meine jetzt nicht
Clowns, sondern Comedians und Kabarettisten. In Deutschland wird
gerne eine Grenze gezogen zwischen diesen beiden Berufen. Comedians
gibt es eigentlich erst seit gut 20 Jahren in Deutschland – das
sind Menschen, die sich meist ganz alleine auf eine Bühne stellen
und lustige Dinge erzählen. Kabarettisten gibt es schon viel länger
hier – sie haben meistens einen politischen Hintergrund oder sind
sehr gesellschaftskritisch. Daher ist es oft schwer, ihren Humor zu
verstehen – wenn man die Hintergründe nicht genau kennt. Ich möchte
Euch heute einige Spaßmacher vorstellen. Im Moment ist ein Mann in
Deutschland regelrecht berühmt, weil er unglaublich viele Zuschauer
hat. Er hat es sogar geschafft, 70.000 Menschen in das Berliner
Olympiastadion zu locken, um ihnen seine Geschichten zu erzählen.
Damit steht er jetzt sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Sein Name
ist Mario Barth. Er stammt aus Berlin und macht vor allem Witze
über die Beziehung zwischen Männern und Frauen. Ich muss gestehen,
dass ich über seine eher primitive Art von Humor überhaupt nicht
lachen kann – aber er wird von vielen Deutschen gemocht. Es gibt
einige lustige Menschen, die jeder Deutsche kennt, weil sie schon
so lange in Deutschland aktiv sind. Otto zum Beispiel, oder Mike
Krüger, oder Karl Dall. Sie alle mag ich auch nicht – es tut mir
leid! Ich kann Euch aber auch Menschen nennen, die ich lustig
finde. Von den Pionieren ist das zum Beispiel Loriot. Loriot ist
ein Mann, der eigentlich Vicco von Bülow heißt. Vor vielen
Jahrzehnten fing er an, die Menschen genau zu beobachten. Dann hat
er Szenen aus dem Alltag aufgeschrieben und sie so bearbeitet, dass
sie lustig wurden. Sie sind lustig, weil jeder schon einmal etwas
ähnliches erlebt hat. Zum Beispiel wie es ist, wenn dem Menschen im
Restaurant gegenüber eine Nudel im Gesicht klebt – und man sich
nicht mehr auf das Gespräch konzentrieren kann. Schaut Euch mal
Loriot-Sketche bei YouTube an, ich bin gespannt, ob sie Euch
gefallen. Welche Comedians ich empfehlen kann? Da gibt es viele.
Zum Beispiel Dieter Nuhr oder Michael Mittermeier. Momentan ist
auch Eckart von Hirschhausen sehr beliebt – er ist ein Arzt, der
zum Beispiel sehr amüsant darüber spricht, was das Glück für die
Menschen bedeutet. Und Kaya Janar hat sich als Thema vor allem die
multikulturelle Gesellschaft ausgesucht – wie also zum Beispiel
Deutsche mit Türken im Alltag umgehen. Zu den großen Kabarettisten
gehört Dieter Hildebrandt, der mittlerweile über 80 Jahre alt ist
und immer noch sehr aktiv. Ich fürchte aber, dass er für Euch
schwer zu verstehen ist, weil er sehr schnell spricht. Mein großer
Liebling ist aber Hagen Rether. Ich habe ihn schon zwei Mal live
gesehen und im Juni werde ich ihn wieder sehen. Er ist groß und
dünn, hat einen Pferdeschwanz und sitzt immer an einem Flügel, also
an einem großen Klavier. Sein Auftritt dauert drei Stunden – und
jede Sekunde ist kostbar. Er kritisiert die derzeitige politische
Situation sehr genau. Nach der Vorstellung denke ich noch viel über
seine Worte nach. Es gibt im Deutschen eine Redewendung, die sehr
gut zu Hagen Rether passt. Da bleibt einem das Lachen im Halse
stecken. Das bedeutet, dass man im ersten Moment anfängt zu lachen,
dann aber merkt, dass es eigentlich schockierend ist, was er gerade
gesagt hat. Es ist eine eher sarkastische Art von Humor. Wenn es
Euch interessiert – es gibt zwei Kabarettsendungen im deutschen
Fernsehen. Die eine heißt Satiregipfel, die andere "Neues aus der
Anstalt". Ich fürchte aber, dass das noch zu kompliziert für Euch
ist. Vielleicht habt Ihr auch Lust auf deutsche Comedy, dann
schaltet doch den "Quatsch Comedy Club" ein. Zum Schluss noch Musik
von einer deutschen Band namens "Ich und mein Tiger". Der Song
heißt "Bahnhof" – mehr davon unter:www.ichundmeintiger.de. Text der
Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg58kurz.pdf
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„SG #058: Humor“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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