Es ist höchste Zeit für Redewendungen! Redewendungen sind kurze
Sätze, die eine andere Bedeutung haben als das, was sie wörtlich
aussagen. Sie sind für Sprachenlerner schwer zu verstehen. Ich habe
einige Redewendungen und umgangssprachliche Aussprüche für Euch
gesammelt.Wenn jemand sagt „Das ist der Hammer!“, dann hat das
selten etwas mit Werkzeug zu tun. Es ist vielmehr ein Ausdruck des
Erstaunens. Ich höre, dass es auf der Welt geschätzt 100.000
verschiedene Spinnenarten gibt. Also sage ich: „Das ist der
Hammer!“ Wenn ich dann zum Bahnhof laufe und mein Zug fährt mir vor
der Nase weg, ärgere ich mich. „Er fährt mir vor der Nase weg“
heißt, dass es sehr knapp war, dass ich den Zug beinahe noch
erwischt hätte, er dann aber wegfuhr. Wenn ich den Zug erwische,
dann habe ich Schwein gehabt. Das Schwein ist in Deutschland ein
Symbol für Glück – wir schenken uns an Silvester kleine Schweine
aus Marzipan. „Schwein gehabt!“ heißt also das gleiche wie „Glück
gehabt!“. Wenn ich merke, dass mein Magen knurrt, habe ich Hunger.
Wenn ich großen Hunger habe kann ich auch umgangssprachlich sagen:
Ich habe Kohldampf. Kohl ist so etwas ähnliches wie ein kräftiger
Salat, und Dampf ist eigentlich das, was aus dem Topf kommt, wenn
Wasser beim Kochen verdunstet. Kohldampf. Ich bestelle mir dann
eine große Portion im Restaurant, um den Hunger zu stillen. Und als
die riesige Portion kommt, sagt mein Gegenüber: „Da waren aber die
Augen größer als der Magen!“. Das bedeutet: Vor lauter Hunger haben
die Augen die Portion falsch eingeschätzt, man hat sich zu viel
bestellt. Wenn im Restaurant dann die Rechnung kommt und ich merke,
dass ich nicht genug Geld dabei habe, kann ich zu meinem Freund
sagen: Ich bin knapp bei Kasse. Das heißt: Ich habe nicht viel
Geld. Wenn ich gerade mit einem scharfen Messer in der Hand durch
die Gegend laufe, kann jemand zu mir sagen: „Pass auf, das kann ins
Auge gehen!“ Damit meint er gar nicht, dass ich mir das Messer ins
Auge stechen könnte. Sondern generell: Es könnte schief gehen. Es
könnte etwas passieren. Wenn jemand mich sieht und denkt: Sie ist
aber dick geworden! Dann wird mir dieser Mensch das wahrscheinlich
nicht direkt sagen. Er wird es mir indirekt sagen. Dafür gibt es
eine Redewendung: Er sagt es mir durch die Blume. Wenn wir eine
Reise machen und uns wundern, dass in einer Gegend nichts los ist,
dann sagen wir: Hier werden nachts die Gehsteige hochgeklappt. Das
ist natürlich Unsinn, alle Gehsteige bleiben, wo sie sind. Da aber
so wenige Menschen unterwegs sind, könnte man sie entfernen, ohne
dass es jemanden stören würde. Wenn ich mit jemandem verabredet bin
und er taucht nicht auf, dann sage ich: Er hat mich versetzt. Er
hat mich einfach dort stehengelassen und ist nicht gekommen.
Vielleicht verstehe ich dann, dass er kein guter Mensch ist – und
ich sage: Mir geht ein Licht auf! Das bedeutet einfach: Ich
verstehe! Also: Geht Euch jetzt ein Licht auf? Text der Episode als
PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg115kurz.pdf
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