Mehr als 100 Millionen Menschen sprechen die deutsche Sprache. Vor
allem in Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein. Aber
auch in Teilen von Belgien, Luxemburg, Dänemark und Italien wird
deutsch gesprochen. Aber wie ist diese Sprache eigentlich
entstanden? Reisen wir also in die Vergangenheit. Sprachforscher
haben herausgefunden, dass viele Sprachen in Europa und Asien einen
gemeinsamen Ursprung haben. Sie nannten diese Sprachen deswegen
indogermanische Sprachen. Dazu gehörte auch die ursprüngliche
Sprache, die im heutigen Deutschland gesprochen wurde. Die
verschiedenen Sprachen entwickelten sich natürlich immer weiter.
Aber das dauerte sehr lange. Man schätzt, dass es sogar ein bis
zwei Jahrtausende dauerte, bis sich die germanische Sprache aus dem
Indogermanischen entwickelte. Wir müssen uns das alles aber so
vorstellen: Die Welt war damals überhaupt nicht dicht besiedelt. Es
lebte hier ein Grüppchen Menschen, dann kam lange nichts, also nur
Wiesen und Wälder, und dann viele Kilometer entfernt lebte wieder
ein Grüppchen Menschen. Die verschiedenen Völker und Stämme blieben
also unter sich. Sie vermischten sich nicht. Sie trafen sich so gut
wie nie. Es wurde natürlich wenig gereist. Wenn man doch reiste,
dann zu Fuß - und nicht besonders weit. Wozu auch? Die Menschen
hatten in dieser Zeit wenig Gründe, zu reisen. Jeder germanische
Stamm sprach daher seine eigene Stammessprache. Sie hatte sich über
Jahrhunderte entwickelt und verändert. Die Sprache hatte außerdem
damals keine festgelegten Regeln wie heute. Doch dann änderten sich
die Zeiten. Und immer wenn sich die Geschichte änderte, sich also
das Leben der Menschen merklich veränderte, änderte sich natürlich
auch die Sprache. Es gab zum Beispiel Völkerwanderungen, die
Menschen legten jetzt große Strecken zurück - und sie nahmen ihre
Sprache natürlich mit auf die Reise. Dann gab es noch andere
Einflüsse für jede Sprache - zum Beispiel kamen die Römer in das
Gebiet, das heute Deutschland ist. Also übernahmen die Germanen
viele lateinische Wörter von ihnen. Nach dem Zerfall des Römischen
Reiches wurde alles wieder anders. Die germanischen Stämme wurden
christianisiert. Die christliche Kirche hatte danach einen großen
Einfluss auf die Menschen. Die gemeinsame Volkssprache wurde
wichtiger, damit man sich auch verständigen konnte. Also wurde aus
vielen kleinen Sprachen in einer Region sozusagen eine größere
Sprache, genannt Dialekt. Und jetzt sind wir auch schon in der
Zeit, in der das Wort "deutsch" zum ersten Mal geschrieben
auftaucht. Im Jahr 786 ist es soweit. Die älteste schriftlich
überlieferte Sprachform des Deutschen nennt man Althochdeutsch. Es
wurde zwischen 750 und 1050 verwendet. Wir würden heute nichts
davon verstehen, es war eine komplett andere Sprache. Und Ihr als
Deutschlernende werdet Euch wahrscheinlich ärgern, dass es das
Althochdeutsche jemals gab. Denn in dieser Zeit erschienen
plötzlich die Artikel, die es vorher noch nicht gegeben hatte.
Deswegen müsst Ihr Euch heute also mit "der", "die" und "das"
herumärgern. Auch das System der Zeiten hatte sich geändert, die
Grammatik wurde insgesamt etwas komplizierter. In der
Sprachgeschichte wird oft das Wort "Lautverschiebung" verwendet.
Das ist recht kompliziert, und wir müssen hier nicht lange darauf
eingehen. Es bedeutet aber letztlich, dass sich die Aussprache
stark verändert hat und bestimmte Buchstaben anders ausgesprochen
wurden als vorher. So klang die Sprache nach der Lautverschiebung
völlig anders. Gegenden, in denen die Lautverschiebung nicht
stattfand, sprachen weiter so wie vorher. Und so entwickelten sich
verschiedene Sprachgruppen voneinander weg. Deswegen können wir
hier in Deutschland heute die Niederländer nicht wirklich verstehen
- obwohl die Sprachen den gleichen Ursprung hatten. Von 1050 bis
1350 gab es dann im Mittelalter das Mittelhochdeutsch. Es wurde in
dieser Zeit auch immer mehr geschrieben und nicht nur gesprochen,
allerdings schrieben die Menschen in vielen verschiedenen
Varianten. Und weil Frankreich viel Einfluss hatte, übernahmen die
Menschen damals auch viele französische Wörter in ihren
Sprachgebrauch. In dieser Zeit entstand übrigens auch das
Nibelungenlied, über das es eine eigene Podcast-Episode gibt.
Langsam kommen wir zur Entwicklung der heutigen deutschen Sprache.
Man nennt die Anfänge davon "Frühneuhochdeutsch". Schwieriges Wort,
oder? Diese Phase dauerte von 1350 bis 1650. Der Handel war sehr
wichtig in dieser Zeit, und das bedeutete, dass Kaufleute aus
verschiedenen Regionen miteinander kommunizieren mussten. Dialekte
waren schwer zu verstehen, also versuchte man, eine gemeinsame
deutsche Sprache zu finden. Es gab auch die ersten Universitäten,
Kultur und Bildung wurden wichtiger. Und dann passierte etwas sehr
entscheidendes für die deutsche Sprache: 1446 erfand Johannes
Gutenberg den Buchdruck. Bücher mussten also nicht länger per Hand
abgeschrieben werden - man konnte sie drucken. Sie wurden dadurch
billiger und es gab viel mehr davon. Viele Bücher wurden zu dieser
Zeit noch in Latein gedruckt, aber langsam setzte sich auch hier
die deutsche Sprache durch. Langsam versuchten die Menschen dann
noch Regeln für ihre Sprache aufzustellen. Zum Beispiel dass alle
Substantive groß geschrieben werden sollten. Es dauerte lange, um
solche Regeln durchzusetzen. Martin Luther übersetzte die Bibel in
die deutsche Sprache und sorgte damit dafür, dass viele Wörter und
Redewendungen verbreitet wurden. Erst von 1650 bis zum Ende des 18.
Jahrhunderts entstand eine wirklich einheitliche deutsche
Literatursprache. Danach gab es dann auch eine moderne
Sprachwissenschaft. Zu den bekanntesten Sprachwissenschaftlern
dieser Zeit gehören die Gebrüder Grimm, die Ihr durch die Märchen
kennt. Sie schrieben nämlich 1854 das "Deutsche Wörterbuch". Bis
vor knapp 100 Jahren gab es allerdings noch keine einheitliche
Rechtschreibung. Jeder konnte Wörter also so schreiben, wie er es
für richtig hielt. 1880 versuchte Konrad Duden das zu ändern - und
er schaffte es. Bis heute sind die gelben Duden-Bücher weit
verbreitet. Und heute? Heute werden in verschiedenen Regionen
Deutschlands unterschiedliche Dialekte gesprochen. Allerdings gibt
es viele Menschen, die gar keine Dialekte mehr beherrschen. Die
gemeinsame Sprache nennt sich Standardsprache oder auch
Hochdeutsch. So wird beispielsweise im Fernsehen oder Radio
gesprochen und das versteht auch jeder Deutsche. So ist auch dieser
Podcast verfasst. Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg181kurz.pdf
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.