Wie sieht es eigentlich in Deutschland mit der Sucht aus? Eine
Sucht nennt man umgangssprachlich eine Abhängigkeit von etwas. Wenn
ich süchtig bin, möchte ich etwas bestimmtes immer wieder unbedingt
haben und kann nicht mehr an etwas anderes denken. Oft führt die
Sucht dazu, dass ich immer mehr von dem haben möchte, wovon ich
abhängig bin. Jetzt aber zu Deutschland. Ich habe aktuelle Zahlen
für dich gesucht. Deutschland hat momentan fast 83 Millionen
Einwohner. 12 Millionen davon rauchen. 1,6 Millionen Menschen in
Deutschland sind alkoholabhängig. Außerdem schätzt man, dass 2,3
Millionen Menschen in Deutschland von Medikamenten abhängig sind.
600.000 nehmen zu viele Drogen - wobei dazu auch Cannabis gezählt
wird. Und immerhin eine halbe Million Menschen in Deutschland ist
süchtig nach Glücksspielen. Die neueste Sucht ist die Internetsucht
- es wird vermutet, dass in Deutschland etwa 560.000 Menschen
onlineabhängig sind. Das Bundesministerium für Gesundheit sagt:
120.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen
des Rauchens. Es wurde viel unternommen, um die Menschen vom
Rauchen abzuhalten. Seit 2007 darf man in öffentlichen Gebäuden
nicht mehr rauchen, also auch nicht in Restaurants. Viele Arten von
Zigarettenwerbung sind verboten. Und auf jeder Zigarettenschachtel
gibt es Bilder, die abschrecken sollen. Beispielsweise von
amputierten Beinen oder einer schwarzen Lunge. Die Zukunft sieht
gut aus: Immer weniger Jugendliche rauchen. 2001 waren es noch 27
Prozent, heute sind es 7 Prozent. Rauchen ist nicht mehr so cool
wie früher. Und das Handy hat dafür gesorgt, dass man in nervösen
Situationen etwas in der Hand halten kann, das kein Nikotin
enthält. Und Alkohol? 9,5 Millionen Menschen in Deutschland trinken
zu viel Alkohol. Alkohol gilt in der Gesellschaft als positiv. Man
denkt an das „Feierabendbier“, also eine Art Belohnung nach der
Arbeit. In Bayern gilt das Zusammensitzen bei einem Bier als
„gemütlich“. Wein wird ebenso als Genuss gesehen. Alkohol kann in
jedem Supermarkt gekauft werden, wenn man alt genug dazu ist. Das
heißt: Ab 16 Jahren dürfen Teenager in Deutschland Bier, Wein oder
Sekt kaufen und trinken. Getränke mit mehr Alkohol, also Whisky
oder Wodka, dürfen ab 18 Jahren gekauft und getrunken werden. Mit
18 Jahren ist man in Deutschland volljährig. Eine Ausnahme gibt es
übrigens: Wenn die Eltern dabei sind, dürfen auch Jugendliche ab 14
schon Bier, Wein oder Sekt trinken. Für Fahranfänger gilt übrigens
ein absolutes Alkoholverbot am Steuer. Erfahrene Fahrer dürfen bis
0,5 Promille im Blut haben. Immer mehr Menschen sind in Deutschland
auch vom Internet abhängig. Während die Frauen eher in sozialen
Netzwerken zu finden sind, begeistern sich die Männer eher für
Online-Computerspiele. Für diese Sucht gibt es Beratungsstellen -
wie für alle anderen Suchtprobleme auch. Wenn ich zugeben kann,
dass ich Probleme in einem dieser Bereiche habe, kann ich entweder
anonym bei einer Hilfestelle anrufen oder zu Treffen gehen. Es gibt
Therapiemöglichkeiten und Informationsmaterialien. Übrigens nicht
nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für die Angehörigen -
denn die leiden meistens genauso unter der Sucht wie die
Abhängigen. Seit 1968 ist die Alkoholabhängigkeit als Krankheit
anerkannt. Das bedeutet, dass die Krankenkasse die Kosten für die
Behandlung übernimmt. In der Umgangssprache wird das Wort „Sucht“
übrigens ziemlich oft verwendet. Ich kann zum Beispiel „süchtig
nach Schokolade“ sein, wenn ich einfach besondere Lust darauf habe.
Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg186kurz.pdf
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