Thomas Jensen und Holger Hübner gehen ein Bierchen trinken in einer
norddeutschen Gaststätte. Das war im Jahr 1989. Und während sie da
so sitzen, haben sie eine Idee... Jahre später ist ihr Heimatdorf
Wacken die Welt-Hauptstadt des Heavy Metal. Wie es dazu kam,
erzähle ich dir heute. Beide Freunde waren Heavy Metal-Fans. Ihr
Heimatort war Wacken. Das ist eine kleine Gemeinde in
Schleswig-Holstein. Heute hat sie 1840 Einwohner. Thomas und Holger
jedenfalls hatten die Idee, in einer Kiesgrube ein Konzert zu
veranstalten. Die Musikrichtung war klar: Rock und Metal sollten
gespielt werden. Und das sollte nicht nur einen Tag dauern, sondern
die Besucher und Besucherinnen sollten in Wacken campen dürfen. Sie
durften also in Zelten übernachten. Die Idee wurde im nächsten Jahr
umgesetzt. 1990 gab es also das erste Festival in Wacken. Es fand
im August statt und dauerte zwei Tage lang. Auf der Bühne waren
ausschließlich deutsche Bands zu sehen. Wer als Zuschauer oder
Zuschauerin dabei sein wollte, musste zwölf Mark Eintritt bezahlen.
Und weil das Festival so gut ankam bei den Leuten, wurde es im
nächsten Jahr gleich wieder veranstaltet. Da kamen dann schon 1300
Menschen zu Besuch. Die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf. Im
dritten Jahr waren zum ersten Mal international bekannte Bands mit
dabei, zum Beispiel "Saxon". 26 Bands traten auf, manche von ihnen
aus Schweden, Amerika, Irland und Belgien. Reich wurden die
Veranstalter in diesem Jahr nicht. Sie mussten so viel Geld für die
Security und die Beseitigung des Mülls ausgeben, dass sie am Ende
25.000 Mark verloren. Aber sie machten weiter. Jeden Sommer lockten
neue Bands zum Festival. 1996 waren erstmals 10.000 Zuschauer mit
dabei - und die Kiesgrube wurde zu klein. Also zog das Festival um
- es blieb aber in der kleinen Gemeinde Wacken. Die nächsten Jahre
erzähle ich dir im Schnelldurchlauf. 2006 waren schon 62.500
Besucher in Wacken, und die Veranstalter stießen an ihre Grenzen.
Noch größer könnte es nicht werden, so dachten alle. Jedes Festival
war Monate im voraus schon ausverkauft. Das heißt, es gab keine
Karten mehr zu kaufen. Man verlängerte die Dauer des Festivals auf
drei Tage, also von Donnerstag bis Samstag. Natürlich sollen nicht
alle Gäste mit dem Auto anreisen - also gibt es seit 2002 einen
Sonderzug, der von Zürich über Stuttgart und München und andere
Städte in den Norden fährt. Im Zug gibt es einen DJ - es ist
wahrscheinlich der lauteste Zug Deutschlands! Was noch? Es gibt ein
Fußballturnier in Wacken, auch eine Art Gottesdienst. Es gibt
75.000 zahlende Besucher auf einem Gelände von 240 Hektar mit acht
Bühnen. 1300 Toiletten werden für die Leute aufgestellt, dazu 500
Duschen. 5000 Menschen arbeiten für das Festival, 1800 davon sorgen
für die Sicherheit und Ordnung. Ach, und seit 2017 gibt es eine
Bier-Pipeline, die einen Kilometer lang ist und innerhalb einer
Stunde 10.000 Liter Bier transportieren kann. Wir erinnern uns:
Beim ersten Wacken-Festival kamen 6 Bands und 800 Teilnehmer
zusammen, und man musste umgerechnet 6,14 Euro Eintritt bezahlen.
Beim letzten Wacken-Festival 2019 waren es 218 Bands vor 75.000
Besuchern und die Karten kosteten 221 Euro. Ausverkauft war es nach
vier Tagen. 2020 fand das Festival aufgrund der Corona-Pandemie nur
online statt. Menschen wie ich, die mit Heavy Metal nicht viel am
Hut haben, kennen das Festival nur aus den Nachrichten: Da sieht
man dann im Sommer fröhliche Menschen im Matsch auf dem
Campingplatz feiern. Eine tolle Erfolgsgeschichte. Text der Episode
als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg231kurz.pdf
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