Für viele Auszubildende zählt das Führen des Ausbildungsnachweises
- des Berichtshefts - nicht gerade zu den Lieblingstätigkeiten. Es
wird also Zeit, sich in der zweiundfünfzigsten Episode des
Anwendungsentwickler-Podcasts einmal eingehender mit ihm
auseinanderzusetzen. Inhalt Von vielen Azubis wird das Berichtsheft
als nervige Pflicht angesehen, aber es gibt auch einen konkreten
Grund, warum es erforderlich ist. Und mit ein wenig Einsatz kann
das Führen des Berichtshefts sogar Spaß machen. Warum muss ich
überhaupt ein Berichtsheft führen? Laut § 43 (Zulassung zur
Abschlussprüfung) des Berufsbildungsgesetzes (BBiG)
"Berufsbildungsgesetz (BBiG)") gilt: Zur Abschlussprüfung ist
zuzulassen, [...] wer an vorgeschriebenen Zwischenprüfungen
teilgenommen sowie vorgeschriebene schriftliche
Ausbildungsnachweise geführt hat [...] Das bedeutet, dass man nur
zur Prüfung zugelassen wird, wenn man sein Berichtsheft
ordnungsgemäß geführt hat. U.a. in § 7 (Berichtsheft) der
Verordnung über die Berufsausbildung im Bereich der Informations-
und Telekommunikationstechnik wird darüber hinaus das Berichtsheft
für die IT-Berufe noch etwas genauer beschrieben: Der Auszubildende
hat ein Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises zu führen.
Ihm ist Gelegenheit zu geben, das Berichtsheft während der
Ausbildungszeit zu führen. Der Ausbildende hat das Berichtsheft
regelmäßig durchzusehen. Es gibt also eine eindeutige gesetzliche
Regelung zum Berichtsheft. Und daran hat sich jeder
Ausbildungsbetrieb, aber auch jeder Azubi zu halten. Wir schauen in
der Prüfung auch durchaus in die Berichtshefte und nehmen
Stichproben von den vermittelten Inhalten. Gerade bei etwas
schlechteren Prüflingen ist häufig die Frage, ob der
Ausbildungsbetrieb eine Mitschuld trägt. Und das lässt sich nur
anhand der Ausbildungsinhalte nachweisen. Und genau dieser wichtige
Grund spricht auch aus Sicht des Prüflings für die korrekte Pflege
des Berichtshefts. Es ist nämlich der einzige schriftliche Nachweis
für ein Fehlverhalten des Ausbildungsbetriebs. Wenn der Ausbildende
den Azubi drei Jahre lang nur Kaffee kochen lässt und das auch
immer brav im Berichtsheft unterzeichnet hat, hat der Azubi später
bei Problemen in der Abschlussprüfung die Möglichkeit, sich über
das Ausbildungsunternehmen zu beschweren. Natürlich sollte man
nicht bis zur Abschlussprüfung damit warten. Also wenn im ersten
Jahr außer einfachen Hilfstätigkeiten kein ausbildungsrelevanter
Inhalt im Berichtsheft steht, wird es als Azubi Zeit, tätig zu
werden und die zuständige IHK zu kontaktieren. Wann sollte ich das
Berichtsheft pflegen? Ich kenne einige Azubis, die das Führen des
Berichtshefts nicht so ernst nehmen, und teils kurz vor der Prüfung
Nachtschichten einlegen, um ein Berichtsheft zu produzieren. Das
würde ich definitiv nicht empfehlen! Zusätzlich dazu, dass damit
der gesamte Sinn des Berichtshefts hinfällig wird, ist es auch
einfach schwierig, sich Ausbildungsnachweise für drei Jahre aus den
Fingern zu saugen. Und wenn man dann noch alle Nachweise mit dem
gleichen Datum unterschreibt, macht man es dem Prüfungsausschuss
leicht, den Schwindel zu erkennen. Eine vernünftige Ausbilderin
wird darauf achten, dass das Berichtsheft regelmäßig geführt wird
und den notwendigen Qualitätsanforderungen genügt.
Rechtschreibfehler usw. sollten also im Berichtsheft nicht
auftauchen. Auch sollte das Berichtsheft regelmäßig ausgedruckt und
abgeheftet werden, damit nicht kurz vor der Prüfung die große Panik
einsetzt oder man das Berichtsheft gar ganz vergisst. Damit hat man
als Azubi auch regelmäßig eine Unterschrift des Ausbildenden und
könnte sich ggfs. bei der IHK beschweren, wenn es Probleme gibt.
Ein guter Ausbildungsbetrieb wird kein Problem damit haben,
regelmäßig das Berichtsheft abzuzeichnen. Was heißt nun regelmäßig?
Das kommt wohl wieder einmal auf die IHK an. Bei der IHK Oldenburg
(siehe Berichtsheft kaufmännisch) sind die Ausbildungsnachweise als
Wochenprotokolle zu führen und einmal monatlich zu unterzeichnen.
Das ist meiner Meinung nach auch sinnvoll, da man als
Anwendungsentwickler ja durchaus länger an Projekten arbeitet und
nicht täglich etwas zu berichten hat (z.B. "Heute habe ich eine
Schleife programmiert."). Ich habe aber auch schon (dicke)
Berichtshefte gesehen, die aus Tagesprotokollen bestanden. Also:
Informiere dich bei deiner IHK, wie das Berichtsheft zu führen ist.
Normalerweise sollte dein Ausbildungsbetrieb das aber auch wissen.
In welcher Form sollte das Berichtsheft geführt werden? Ich habe
schon einige Berichtshefte gesehen, die handschriftlich geführt
wurden. Ich finde allerdings das passt nicht so recht zu einem
IT-Beruf. Außerdem ist das ein ziemlicher Aufwand. Ich würde also
getippte Berichte empfehlen. Natürlich könnte man nun eine
Word-Datei anlegen - ggfs. auf Basis einer bestehenden Vorlage der
IHK -, aber auch davon rate ich ab. Schließlich sind wir doch
ITler! Also bevorzuge ich etwas modernere Methoden. Ich empfehle,
das Berichtsheft in einem Wiki oder einer Plain-Text-Datei (z.B.
mit Markdown) mit Versionierung (z.B. mit Git) zu führen. Das
erleichtert die Korrekturen und auch die Prüfung durch den
Ausbilder. Im Firmenwiki kann der Ausbilder sich jederzeit ein Bild
vom Stand des Berichtshefts machen und ggfs. schon Korrekturen
einbringen. In Word-Dateien ist das einfach umständlicher. Aus den
Wiki-Texten kann man dann z.B. ein LaTeX-Dokument füllen und hat
auf Knopfdruck ein perfekt gesetztes Berichtsheft. Meine Azubis
haben das Ganze so schon umgesetzt. Zusammenfassung Warum muss ich
überhaupt ein Berichtsheft führen? Um dich gegenüber deinem
Ausbildungsunternehmen abzusichern, falls du keine adäquate
Ausbildung bekommst. Bin ich verpflichtet, das Berichtsheft zu
führen? Ja. Das regelt §43 des BBiG: Zur Abschlussprüfung ist
zuzulassen, [...] wer an vorgeschriebenen Zwischenprüfungen
teilgenommen sowie vorgeschriebene schriftliche
Ausbildungsnachweise geführt hat [...] Und die Verordnung über die
Berufsausbildung im Bereich der Informations- und
Telekommunikationstechnik sagt: Der Auszubildende hat ein
Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises zu führen. Ihm ist
Gelegenheit zu geben, das Berichtsheft während der Ausbildungszeit
zu führen. Der Ausbildende hat das Berichtsheft regelmäßig
durchzusehen. Ich bin dualer Student oder externer Prüfling. Muss
ich auch ein Berichtsheft führen? Externe Prüflinge müssen häufig
kein Berichtsheft führen, sondern nur einen Praxisbericht
schreiben. Kannst du mir eine verbindliche Auskunft darüber geben,
ob und wie ich mein Berichtsheft zu führen habe? Nein. Das kann nur
die für dich zuständige IHK. Gibt es Vorlagen für das Berichtsheft?
LaTeX-Vorlage für das Berichtsheft Ausbildungsnachweis für die
Berufsausbildung, IHK Oldenburg Was gehört ins Berichtsheft? Die
Tätigkeiten, die du im Rahmen deiner Ausbildung durchgeführt hast.
Was du gelernt hast. Die Inhalte in der Berufsschule. In welcher
Form soll ich das Berichtsheft führen? Am häufigsten sehe ich
ausgedruckte DIN A4-Blätter in stabilen Schnellheftern aus Pappe*.
Einige Prüflinge lassen ihr Berichtsheft sogar binden. Es gibt aber
auch IHKen, die das Berichtsheft online haben möchten. Einige
Prüflinge führen das Berichtsheft auch handschriftlich (davon würde
ich aber abraten). * Wie soll ich das Berichtsheft technisch
führen? Mit einem Textverarbeitungsprogramm deiner Wahl, z.B.
LaTeX, Word* oder einem simplen Texteditor. Auf jeden Fall so, dass
du es später einfach in die von der IHK gewünschte Form bringen
kannst. Darf ich das Berichtsheft während der Arbeitszeit führen?
Ja (siehe oben). Wie detailliert müssen die Einträge sein? Meiner
Meinung nach reichen Wochenprotokolle mit einer Auflistung der
wichtigsten Tätigkeiten. Es ist nicht sinnvoll, stundengenau zu
protokollieren und jede kleine Fitzeligkeit aufzuschreiben. Im
Zweifel bitte deine IHK nach den Vorgaben fragen. Wie oft sollte
ich das Berichtsheft aktualisieren? Ich empfehle einmal
wöchentlich. Dann hat man die Tätigkeiten noch im Kopf und es geht
ganz schnell. Bei Tagesprotokollen logischerweise täglich. Kann ich
das Berichtsheft nicht auch kurz vor der Prüfung erstellen?
Theoretisch ja, ist aber sehr schwierig. Versuch dich mal daran zu
erinnern, was du letzte Woche Mittwoch gemacht hast! Und die
Einträge müssen auch chronologisch korrekt sein (z.B. die
Projektbearbeitungszeit). Außerdem ist dann der eigentlich Sinn des
Berichtshefts völlig verfehlt. Wann und wem muss ich das
Berichtsheft vorlegen? Das Berichtsheft wird am Tag der mündlichen
Prüfung dem Prüfungsausschuss vorgelegt (siehe auch Checkliste für
die Projektpräsentation und das Fachgespräch). Es gibt aber auch
IHKen, die das anders machen (z.B. online einreichen). Was
passiert, wenn ich das Berichtsheft nicht mit zur mündlichen
Prüfung bringe? Du wirst nicht geprüft und musst ggfs. ein halbes
Jahr auf den nächsten Termin warten. Schauen die Prüfer wirklich in
das Berichtsheft? Das kommt auf den Prüfungsausschuss an. Wir
schauen immer rein. Geht das Berichtsheft mit in die Benotung ein?
Nein. Hast du ein paar konkrete Tipps zum Führen des Berichtshefts?
Berichtsheft jede Woche aktualisieren; Termin im Kalender
blockieren. Berichtsheft als Chance und Absicherung verstehen.
Dokumentation für das Abschlussprojekt üben. Achte auf deine
Rechtschreibung, Interpunktion und Grammatik. LaTeX oder/und
Markdown und Git verwenden. Pflege des Berichtshefts zur
Retrospektive der eigenen Woche nutzen. Berichtsheft als
Erfolgsprotokoll führen. Berichtsheft immer sofort dem/der
Ausbilder/in vorlegen. Einträge im Berichtsheft sind potentielle
Blog-Beiträge. Vielleicht lässt sich das Berichtsheft aus der
Zeiterfassung generieren. Fazit Das Berichtsheft ist vielleicht
etwas lästig, aber absolut notwendig (für die Zulassung zur
Prüfung) und sinnvoll (als Nachweis bei einer schlechten
Ausbildung). Also mach das beste draus und schieb es nicht ewig vor
dir her....
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.