Weißt du schon, was du nach deiner Ausbildung zum Fachinformatiker
machst? Eine tolle Alternative zum Studium bespreche ich mit Simon
Stork in der einhundertsiebenundzwanzigsten Episode des
Anwendungsentwickler-Podcasts: die IHK-Weiterbildung zum Operative
Professional. TL;DR Mit Simon Stork schaue ich auf den Operative
Professional, eine IHK-Weiterbildung für deinen beruflichen Weg
nach der Ausbildung zum/zur Fachinformatiker:in. Du lernst Methoden
für die Projektleitung und bereitest dich darauf vor,
Mitarbeiter:innen zu führen und Aufgaben im mittleren Management zu
übernehmen. Simon hat berufsbegleitend zwei Jahre gebraucht und
damals rund 5.900 Euro einschließlich Prüfungsgebühren bezahlt,
wobei er über Meister-BAföG einen Teil erlassen bekam. Seine
Erfahrungen zeigen, wie der Abschluss bei Bewerbungen helfen und zu
einem höheren Gehalt beitragen kann. Kapitelmarken [00:00:01]
Operative Professional und berufliche Wege nach der Ausbildung
[00:01:54] Simon Stork und seine Arbeit im CAD- und PLM-Bereich
[00:04:24] Von der IT-Ausbildung zur berufsbegleitenden
Weiterbildung [00:09:09] Der Operative Professional und seine vier
Ausrichtungen [00:11:30] Lerninhalte für Projektleitung und
mittleres Management [00:15:20] Erwartungen und persönliche Ziele
vor der Weiterbildung [00:17:16] Blended Learning und Workshops vor
Ort [00:20:11] Projektmethoden im beruflichen Alltag [00:22:58]
Schriftliche Prüfung mit Situationsaufgaben [00:26:32]
Projektdokumentation und Niveau des Abschlusses [00:28:34] Dauer
und Abgabetermine [00:30:08] Das passende Projekt und Vorgaben der
IHK [00:31:50] Kosten und Finanzierung über Meister-BAföG
[00:34:10] Bildungsträger auswählen und Zusatzkosten einplanen
[00:36:21] Gehalt und beruflicher Aufstieg [00:38:04] Erfahrungen
mit Bewerbungen und Arbeitgebern [00:41:17] Weiterbildung zum
Strategic Professional [00:43:08] Simons Gründe für den Operative
Professional [00:48:23] Persönlicher und finanzieller Ertrag
[00:50:25] Verkürzter Bachelor nach dem Operative Professional
[00:51:37] Erprobter Zugang zum Masterstudium [00:53:13]
Anerkennung im öffentlichen Dienst [00:54:09] OP-Blog und Kontakt
zu Simon [00:55:33] Hinweise für deinen weiteren Berufsweg Inhalt
Allgemeines zur Person Wie ist dein Name und wo arbeitest du (falls
gewünscht)? Simon Stork, im Consulting tätig, eher Projektleitung
und IT, kein Programmierer. 35 Jahre alt, verheiratet, komme aus
Paderborn. An welchen Projekten arbeitest du zur Zeit in deinem
Tagesjob? CAD/PLM, Consulting, Einführung von Systemen, Change
Management, Requirements Engineering, ca. 50/50
technisch/Projektleitung. Wie bist du zur Informatik bzw.
Softwareentwicklung gekommen? Ich bin ein Kind der 80er Jahre, war
technikinteressiert und bin mit dem C64 über Spiele in den Umgang
mit Computern eingestiegen. Mit 13 hatte ich meinen ersten PC. Dann
kam das Internet und mein Einstieg in HTML/PHP. Programmieren war
mir zu monoton und ich wollte lieber FISI werden und mit Netzwerken
arbeiten. Welche Ausbildung bzw. welches Studium hast du im Bereich
der Informatik absolviert? 2001 habe ich die Ausbildung zum FISI
angefangen, dann kurz Lehramt studiert, aber doch wieder zum
gewechselt. Operative Professional (OP) Wie bist du selbst zu der
Weiterbildung gekommen? Welche Alternativen hast du dafür
ausgeschlagen? "Nur" eine Ausbildung reichte mir nicht. Zertifikate
(z.B. MCSA) sind aber zeitlich begrenzt und sehr teuer. Ich suchte
eine Weiterbildung ohne Verfallsdatum. Ein Studium war die
Alternative. Ich habe den OP im Netz gefunden. Ich war schon
Projektleiter und der OP passte inhaltlich sehr gut dazu. Was ist
der Operative Professional? Der OP ist eine Art "Meister" für
ITler. Offiziell: "Aufstiegsweiterbildung" im Anschluss an die
Ausbildung. Welche Ausrichtungen des OP gibt es? Entwickler,
Ökonom, Berater, Projektleiter Projektleiter ist mit ca. 80% die
verbreitetste Form. Inhalte der Richtungen gleichen sich zu 90%.
Aber die Projektarbeit am Ende unterscheidet sich vom Fokus und es
gibt leicht andere Aufgaben in der Prüfung. Welche Ausrichtung hast
du für dich selbst gewählt und warum? Projektleiter, weil das genau
zu meinem Aufgabengebiet passte. Welche Inhalte werden beim OP
vermittelt? Der OP hat eigentlich nichts mit Technik zu tun. Es
geht um die Vorbereitung auf eine Karriere im mittleren Management.
Themen: Personalmanagement, Projektanbahnung, Requirements
Engineering, Konfliktmanagement, Projektblockaden auflösen,
Methoden, Controlling, Pflichtenheft. Wir haben z.B. Rollenspiele
gemacht, um praktische Erfahrungen im Team zu sammeln. War dir die
fehlende Technik bewusst? Was sagen andere Teilnehmer dazu? Ja, ich
habe mich sogar bewusst dafür entschieden. Ca. 80% der Teilnehmer
wussten ebenfalls bescheid, aber auch der Rest war letztlich mit
den Inhalten zufrieden. In welcher Form hast du die Weiterbildung
absolviert (z.B. via Präsenzveranstaltungen oder komplett online)?
Würdest du evtl. auch ein komplettes Selbststudium empfehlen? Ich
habe ein "Blended Learning" absolviert, also Vorbereitung Online
und Präsenzphasen vor Ort. Mit einem Tutor hatten wir alle 6-8
Wochen 2 Tage Vollzeit Veranstaltungen vor Ort. Dort haben wir
Aufgaben gelöst, präsentiert (!) und Gruppenarbeiten durchgeführt.
Ein Selbststudium ist nicht zu empfehlen, da die Bildungsträger
besser wissen, was die IHK hören will, und die Fragestellungen
kennen. Sind die vermittelten Inhalte von Wert und für die Praxis
relevant? Wie hoch war der Anteil an Lehrstoff, den du direkt in
der Praxis anwenden konntest? Wichtig ist das Wording: Begriffe
(FMEA, RAKI) und Methoden sollte jeder Projektleiter kennen. Sie
sind enorm wichtig für eine gute Kommunikation. Es wurden auch
typische Projektmethoden nach PMBOK oder ISO gelernt. Auch
Zertifikate wie PRINCE/ITIL/AdA sind möglich. Wie sieht die Prüfung
aus? Es gibt eine Präsentation, Klausuren und eine
Projektdokumentation. Es wird keine reine Begriffsabfrage
durchgeführt, sondern konkrete Fragestellungen zu Beispielprojekten
werden bearbeitet. Es wird eher Modellierung/Dokumentation mit EPKs
usw. gefordert, die z.B. die Wahl des korrekten Abstraktionslevels
erfordern. Es wird Bezug zum konkreten Projekt mit Bewertung und
Planung der Projektphasen hergestellt. Es geht um die praktische
Anwendung und den Transfer des gelernten Wissens. Meine
Projektdokumentation war ca. 65 Seiten lang. Das Projekt sollte
min. 1/2 Jahr, max. 1 Jahr dauern. Das Projekt sollte "echt" sein
und nicht hypothetisch. Wie lange hat deine Fortbildung zum OP
gedauert? Normalerweise dauert der OP 1,5 Jahre. Man hat 1 Jahr
Zeit für die Projektdoku. Was kostet der OP? Eigentlich fallen nur
die Prüfungskosten an, wenn man alles im Selbststudium macht. Mit
Bildungsträger liegt man bei ca. 5.900 EUR (rein Bildungsträger und
Prüfung, keine Fahrt-/Hotelkosten). Eine Finanzierung ist über
(Meister-)Bafög möglich. Bei erstmaligem Bestehen der Prüfung
werden 50% der Kosten erlassen. Firmen bezahlen auch häufig die
Weiterbildung. Ein Aufstieg im Job ist ja meist das Ziel, also
sollte sich der OP amortisieren. Ich selbst hatte eine deutliche
Gehaltssteigerung durch den OP. Allerdings ist der konkrete Anteil
des OP daran schwer einzuschätzen, da ich mich auch persönlich
weiterentwickelt habe. Welchen Bildungsträger würdest du empfehlen?
Das muss jeder selbst entscheiden. Ich habe meinen (manQ) gewählt,
weil er nah an meinem Wohnort lag. Aber viele Teilnehmer kamen auch
von weiter weg. Reine Online-Seminare gibt es auch, da Blended
Learning nicht für alle Teilnehmer klappt. Offiziell ist der OP
gleichwertig zu einem Bachelor. Wie schätzt du die tatsächliche
Anerkennung in der Arbeitswelt ein? Ich habe einen sehr positiven
Eindruck. Ich habe inzwischen mehrere Jobwechsel vollzogen und der
OP war bekannt und anerkannt. Mein erster Jobwechsel fand während
des OPs statt und mit einem Nachweis vom Bildungsträger über den
zeitlichen Umfang in Stunden in der Bewerbung konnte ich einen
guten Eindruck machen. Im Vorstellungsgespräch wurde der OP dann
auch direkt angesprochen und hinterließ einen positiven Eindruck
beim Arbeitgeber. Wird der OP tendenziell von Kollegen anerkannt
oder wird man eher geliebäugelt? Ich selbst habe zwei Kollegen, die
auch den OP gemacht haben. Viele wissen vom OP, aber denken eher an
ein Studium. Der OP ist an den Umfang des Bachelors angelehnt, aber
eben nicht das gleiche, da er kein akademischer, sondern ein
IHK-Abschluss ist. Es gibt auch noch die "Strategic Professionals",
sprich z.B. den "Geprüften Wirtschaftsinformatiker". Macht das
"Upgrade" dazu Sinn? Die Strategic Professionals sind vergleichbar
mit einem Master. Aber sie werden meines Wissens nach nicht so
stark nachgefragt. Die genauen Inhalte sind mir auch nicht bekannt,
da es sehr wenige Informationen online gibt. Das Ziel ist aber wohl
die Vorbereitung auf eine Laufbahn im höheren Management. Technik
wird wieder nicht vertieft. Wovon würdest du die Entscheidung
zwischen OP und Studium abhängig machen? Wann wäre ein Studium
sinnvoller? Ich war zum Start des OP schon in der Arbeitswelt und
ich wollte nicht mehrere Jahre berufsbegleitend studieren. Der
zeitliche Aufwand ist immer interessant. Ein Bachelor läuft 4-5
Jahre berufsbegleitend, was ich sehr lang finde. Im Bachelor lernt
man auch erneut viele Grundlagen, die fertige Fachinformatiker
nicht unbedingt weiterbringen. Der Bachelor ist auf dem Papier
schön und zeigt die Fähigkeit zur akademischen Arbeit. Außerdem
lernt man Grundlagen wie Mathe/BWL usw. Die eigene Motivation ist
wichtig, auch langfristig! Je länger es dauert, umso
wahrscheinlicher bricht man ab. Auch bei 1,5 Jahren hat man mal
Hänger! Wie schätzt du die weitere Entwicklung rund um den OP ein?
Ich glaube, dass viele Firmen aktuell umdenken. Bachelor/Master
sind nicht mehr so wichtig wie früher. Die Fachlichkeit ist eher
gefragt. Das mag auch am Fachkräftemangel liegen. ...
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