Viele konkrete Bewerbungstipps und Infos über den Bewerbungsprozess
in Unternehmen von Personalvermittlerin Vanessa Stammnitz gibt es
in der einhundertzweiundfünfzigsten Episode des IT-Berufe-Podcasts.
TL;DR Für deinen Berufseinstieg nach der IT-Ausbildung habe ich mit
Personalberaterin Vanessa Stammnitz über die Jobsuche gesprochen.
Bewirb dich etwa sechs Monate vor deinem gewünschten Start und
zeige mit einer Projektliste, was du bereits gemacht hast. Auch
wenn dir einzelne gefragte Technologien fehlen, kannst du dich auf
eine passende Stelle bewerben; im Gespräch zählen ebenso deine
Lernbereitschaft und wie du ins Team passt. Eine Personalberatung
kann dich beim gesamten Prozess begleiten und vorab Fragen zum
Gehalt klären, wobei Vanessas Beratung für dich als Bewerber:in
kostenlos ist. Kapitelmarken [00:00:00] Bewerbung und Jobsuche nach
der IT-Ausbildung [00:01:39] Vanessa Stammnitz und ihre
Personalberatung [00:02:43] SAP und Industrie 4.0 [00:04:43] Offene
Stellen besetzen und Start-ups begleiten [00:07:35]
Bewerber:innenmarkt und Arbeitsumfeld [00:08:44] Großraumbüros und
wechselnde Schreibtische [00:11:37] Vanessas Weg in die
Personalberatung [00:14:48] Alltag und gezielte Suche nach
Bewerber:innen [00:16:20] Private Daten und problematische Inhalte
im Internet [00:19:22] Fähigkeiten im Lebenslauf und im Portfolio
zeigen [00:21:03] Brauchst du eine eigene Onlinepräsenz? [00:24:45]
Der erste Kontakt mit einer Personalberatung [00:25:30] Berufliche
Ziele und passende Stellen klären [00:29:08] Kosten und Hilfe bei
Fragen zum Gehalt [00:31:43] Stellen vorschlagen und
Wunscharbeitgeber hinterfragen [00:34:36] Unbekannte Unternehmen
und passende Teams [00:36:09] Gehalt und persönlicher Eindruck
[00:37:49] Schwache Noten im Vorstellungsgespräch ansprechen
[00:39:51] Anschreiben, Lebenslauf und Projektliste [00:43:18]
Arbeitszeugnisse und vollständige Unterlagen [00:45:22] Zertifikate
und praktische Erfahrung [00:47:18] Bewerben trotz fehlender
Technologiekenntnisse [00:50:38] Wann du dich vor Ausbildungsende
bewerben solltest [00:52:47] Wie lange ein Bewerbungsprozess dauert
[00:56:55] Mehrere Angebote und offene Kommunikation [01:00:07] Wie
Unternehmen mit mehreren Kandidat:innen umgehen [01:01:38] Warum
Unternehmen Personalberatung beauftragen [01:04:35] Fachkenntnisse
und Persönlichkeit im IT-Team [01:07:43] Kommunikation und
Zusammenarbeit in IT-Berufen [01:08:49] Chancen mit Ausbildung oder
Studium [01:11:14] Umschulung und ältere Bewerber:innen [01:13:10]
Nachfrage nach erfahrenen COBOL-Entwickler:innen [01:14:52] Eine
passende Personalberatung auswählen [01:16:45] Kontakt zu Vanessa
und Hinweise im Blog [01:18:30] Shownotes und Feedback Allgemeines
zur Person Wie ist dein Name und wo arbeitest du? Vanessa
Stammnitz, seit 2017 Inhaberin von Stammnitz Personal, einer
Personalberatung mit Schwerpunkt SAP. Ich komme ursprünglich aus
Leipzig, lebe und arbeite aber in Esslingen. Wir vermitteln insb.
SAP-Berater, sind aber auch im Bereich Industrie 4.0 unterwegs. Die
beiden Bereiche wachsen aktuell zusammen, da Künstliche
Intelligenz, Robotik und autonome Bereiche der Produktion auch in
SAP Einzug halten bzw. von dort gesteuert oder überwacht werden. An
welchen Projekten arbeitest du zur Zeit in deinem Tagesjob? Ich bin
in der Personalvermittlung tätig, die häufig in Form von kleinen
Projekten abläuft. Ein Kunde erteilt mir z.B. einen Suchauftrag für
einen SAP-Entwickler und ich lege los, z.B. mit einer
Internet-Recherche. Meine Kunden sind häufig Startups, z.B. aus dem
Bereich Industrie 4.0, die oft (noch) keine eigene Human-Resources-
oder Personalabteilung haben, und teils zum ersten Mal außerhalb
des eigenen Freundeskreises Personal suchen. Ich bin
Ansprechpartner für viele Aufgaben im Bereich Personal, z.B. auch
Coaching, Teamaufbau, Mitarbeiter führen und halten, alte
Hierarchien aufbrechen. Die Arbeitswelt ändert sich aktuell stark.
Stichwörter sind Arbeit 4.0, Homeoffice, Agilität oder New Work.
Dafür braucht man neue Prozesse oder Strategien. Unternehmen müssen
mitarbeiterfreundlicher werden, denn wir haben aktuell einen
Bewerbermarkt! Es gibt viel zu wenige Bewerber aktuell. Meine
Kunden suchen teilweise 1-2 Jahre selbst, bevor sie mich
ansprechen. Viele haben schon ihre Anforderungen an die Bewerber
herruntergeschraubt und trotzdem niemanden gefunden. Mitarbeiter
müssen Spaß an der Arbeit haben! Aktuelle Hypes sind z.B.
Großraumbüros mit viel Glas und ohne feste Arbeitsplätze. Das
führte jedoch dazu, dass viele Entwickler das gar nicht so gut
fanden. Wer möchte schon jeden Tag um seinen "Lieblingsplatz" mit
den Kollegen kämpfen? Wenn man dank Homeoffice nur 2 Mal im Monat
im Büro ist, geht das vielleicht, aber für die tägliche Arbeit ist
das Mist. Wie bist du zur Personalvermittlung gekommen? Ich habe
klassisch BWL studiert. Mein duales Studium habe ich im Handel
absolviert in einem eher konservativen Unternehmen. Danach habe ich
bewusst eine 180-Grad-Wendung gemacht und auf einer Jobmesse eine
Personalberatung als neuen Arbeitgeber entdeckt. Danach habe ich
mich dann in diesem Bereich selbstständig gemacht. Welche
Ausbildung bzw. welches Studium hast du absolviert? Leider kann man
"Personal" nicht direkt studieren und es gibt auch keine
Ausbildung. Viele Personalvermittler sind daher ITler oder - wie
ich - BWLer. Meine Mitarbeiterin Jannika ist Studentin mit
Schwerpunkt Personalmanagement. Einige Master-Studiengänge drehen
sich um Personal. Das Thema hat auch viel mit Psychologie zu tun
und natürlich auch mit rechtlichen Inhalten.
Personaldienstleistungen Recruiting-Prozess Wie sieht die tägliche
Arbeit einer Personalberaterin aus? Ca. 70% der Arbeit laufen
telefonisch ab, 30% per Mail oder im persönlichen Gespräch. Ich
muss viele Details und Fragen mit potentiellen Kandidaten abklären.
Die technische Suche läuft häufig über Xing bzw. LinkedIn, aber
vermehrt auch einfach per Google. Ich finde viele Lebensläufe über
Google, komplett mit Namen, Bild usw. völlig frei zugänglich. Da
sind immer häufiger auch Bilder oder Videos online, die für den
Bewerber nicht so toll aussehen. Beispiel: Ein Azubi suchte einen
neuen Betrieb. Bei einer Google-Suche nach seinem Namen wurde
direkt ein Bild von ihm im Anzug, aber mit einer Feuerwaffe in der
Hand angezeigt. Das finde nicht nur ich schnell, sondern auch ein
potentieller Arbeitgeber. Ich coache auch Bewerber, die sich -
gerade in der IT - falsch oder unglücklich darstellen. Sie stellen
ihr Licht häufig unter den Scheffel. Da pushe ich ein bisschen,
damit sie mir Selbstvertrauen zeigen. Muss man heutzutage (als
ITler) online auffindbar sein? Grundsätzlich haben einfach viele
ITler heute eine Online-Präsenz. Und Bewerber werden über Google
gesucht! Dessen muss man sich einfach bewusst sein. Seine
(technischen) Projekte zu zeigen ist sicherlich gut für Bewerber.
Aber auch die privaten Hobbys - z.B. eine Fotografie-Seite - sind
potentiell interessant, da es bei Stellenbesetzungen oftmals um den
Menschen geht und nicht um die Technik. Andersherum ist es
vielleicht für einen Bewerber im Bereich IT-Security gerade gut,
wenn man ihn nicht online findet! Da könnte man direkt im
Bewerbungsgespräch fragen, wie er das hinbekommen hat. Insgesamt
sollte der Online-Auftritt einfach zum anvisierten Job passen. Ein
Webentwickler sollte heute einfach online sein! Sicht der Bewerber
Wie läuft der gesamte Prozess bis zur Einstellung ab? Bewerber
bewerben sich direkt auf Stellenausschreibungen, für die ich die
Ansprechpartnerin bin oder bitten mich um Hilfe bei der
Stellensuche. Ich frage dann zuerst, warum er wechseln möchte.
Liegt es z.B. am Standort, dem Geld usw.? Dann frage ich, welches
Unternehmen passen könnte oder welcher Fachbereich. Gerade direkt
nach Ausbildung ist das wichtig: Welcher Bereich passt zum
Bewerber? Soll es vielleicht doch noch ein Studium sein? Ist
vielleicht ein Sabbatical geplant? Wichtig ist auch die
Unterscheidung zwischen Großkonzern und Mittelstand oder
Kleinunternehmen. Das kostet zwar zunächst Zeit, filtert aber viele
unpassende Stellen direkt heraus und lohnt sich daher später.
Weitere Fragen sind z.B. Präferenzen zur Teamarbeit vs. Homeoffice,
Bedürfnisse von Bewerbern mit Kindern, Interesse an Teilzeit usw.
Nach diesem Vorgespräch suche ich dann eine konkrete
Stellenausschreibung und stelle sie dem Bewerber vor, inkl.
Informationen zum zukünftigen Chef, den Projekten, ggfs. nötigen
Englischkenntnissen usw. Viele Bewerber sind gerade bei der ersten
Bewerbung überwältigt von dem ganzen Drumherum. Wer übernimmt die
Kosten für das Verfahren? Für die Bewerber ist eine
Personalberatung immer kostenfrei. Die Unternehmen bezahlen die
Vermittlungskosten. Welche Vorteile bietet die Zusammenarbeit mit
einer Personalberaterin den Bewerbern? Personalberater sind
neutrale Partner der Bewerber. Ihnen darf man auch "dumme" Fragen
stellen. Und sie beruhigen die Kandidaten z.B. vor dem ersten
Interview durch ein Bewerbungstraining. Wann fragt man z.B. am
besten nach dem Gehalt? Das kann ggfs. schon vorab geklärt werden.
Meist ist zumindest eine Gehaltsspanne bekannt. Personalberater
suchen auch direkt gut passende Stellen für die Bewerber heraus.
"Traumarbeitgeber" kann man auch nennen und manchmal funktioniert
das sogar. Viele Bewerber wissen aber gar nicht genau, warum sie
z.B. zu Microsoft wollen. Startups tun sich häufig schwer, gute
Bewerber zu finden, weil die Kandidaten eher zu etablierten
Unternehmen wollen. Dabei sind Startups durchaus interessante
Arbeitgeber. Ich betreue z.B. seit 2014 einen Kunden mit 4
IT-Mitarbeitern, der SAP eingeführt hat. Dort habe ich von Beginn
an das Team mit aufgebaut. Der Chef war sehr nett, aber das wusste
niemand, da das Startup sich noch keinen Namen gemacht hatte.
Gerade Junioren lassen sich häufig von Geld blenden. Eine Forderung
nach 65.000 EUR zum Einstieg ist da keine Seltenheit. Dabei sind
ein doofer Chef und langweilige Aufgaben viel schlimmer für die Zu
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