Ich habe bemerkt, dass viele Menschen im Internet meine Audios
verwenden, um damit auf YouTube neue Videos zu erstellen und damit
Geld zu verdienen. Das ist nicht ok. Also habe ich diese
Urheberrechtsverletzungen gemeldet. Die Videos wurden entfernt. In
der Diskussion mit den Menschen, die meine Inhalte gestohlen
hatten, ist mir aufgefallen, dass viele Menschen nicht wissen, dass
es in Deutschland ein Urheberrecht gibt. Das amerikanische
Copyright ist bekannt, aber das deutsche Urheberrecht nicht. Also
möchte ich auf diesem Weg erklären, was es damit auf sich hat.
Stell dir vor, du hast einen Text geschrieben. Es ist ein
wissenschaftlicher Text oder eine kleine Kindergeschichte oder
vielleicht ist es auch kein Text, sondern ein gemaltes Bild. Ohne
dass du etwas tust, besitzt du an dieser Schöpfung das
Urheberrecht. Es geht hier um dein geistiges Eigentum. Es geht um
ein Werk, das du geschaffen hast. Wenn du ein Erfinder bist, dann
schützt ein Patent deine Erfindung. Beim Urheberrecht geht es um
die Wissenschaft, die Kunst und Literatur. Du bleibst Urheber
deiner Werke. Erst 70 Jahre nach deinem Tod werden die Werke
gemeinfrei. Bis dahin bekommen beispielsweise noch deine Erben das
Geld, das du mit deinen Werken verdient hast. Das Urheberrecht kann
also vererbt werden. Du kannst es aber nicht zu Lebzeiten an
jemanden übertragen, es bleibt immer dein eigenes Urheberrecht. In
Deutschland wird dieses Recht sehr ernst genommen. Wer dagegen
verstößt, kann eine Geldstrafe bezahlen müssen. Im schlimmsten Fall
muss er für bis zu drei Jahre ins Gefängnis. Erst im 19.
Jahrhundert wurden die Werke von Autoren und Künstlern langsam
geschützt. Erst gab es eine zehnjährige Schutzfrist des Werkes,
dann eine die bis 30 Jahre nach dem Tod des Künstlers reichte. Das
heute gültige deutsche Gesetz gibt es seit 1965. Noch kurz zu pro
und contra in dieser Sache: Gut am Urheberrecht ist, dass Autoren
und Künstler geschützt werden. Wenn alles einfach kopiert werden
dürfte, hätten die Kreativen keine Einnahmequelle mehr. So aber ist
ihre Arbeit geschützt, in die sie viel Zeit und Energie investiert
haben. Kritisiert wird oft, dass die Kreativität durch das
Urheberrecht eher gehemmt wird. Denn ein Musiker darf zum Beispiel
nicht kleine Teile eines anderen Musikstückes verwenden, ohne die
Erlaubnis des Urhebers zu haben. So etwas wie Mashups sind daher
rechtlich schwierig. Ich selber finde es wichtig, dass es das
Urheberrecht gibt. Allerdings gibt es in Deutschland eine zweite
Sache, die eng damit zusammenhängt: Abmahnungen. Zwei davon habe
ich bereits für Slow German erhalten. Das bedeutet, dass ein Anwalt
mir schreibt, ich hätte unrechtmäßig (also verboten) ein Foto
benutzt. Ich muss Strafe zahlen und versprechen, das nie wieder zu
tun. Oder ich kann vor Gericht gehen. Einige hundert Euro musste
ich dafür schon bezahlen. Wie das passiert ist? Ich habe Fotos
verwendet, die in der Wikipedia als gemeinfrei gekennzeichnet
waren. Das stimmte aber nicht. Der Fotograf hat mich danach
abgemahnt. Seitdem habe ich nur noch garantiert gemeinfreie Bilder
auf meiner Internetseite oder Bilder, die ich selber gemacht habe
oder Freunde von mir. Ich habe meine Lektion gelernt. Es gibt dazu
ein passendes Sprichwort: Aus Schaden wird man klug. Hier noch zwei
interessante Videos zum Thema: Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg207kurz.pdf
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