Der fußballbegeisterte Briefeschreiber - Gerd Ender
15 Minuten
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 8 Monaten
Zwischen Espresso und Zeitung, irgendwo zwischen Alltag und
Erkenntnis, sitzt in einem McDonald's-Restaurant in Hohenems ein
Mann mit Laptop, wachem Blick und einem offenen Herzen:
Gerd Ender, 62 Jahre alt, aus Altach. Er ist
kein gewöhnlicher Gast. Er ist der Mann hinter „Briefe von Gerd“
– ein stiller Chronist des Lebens, dessen Texte nicht laut
schreien, sondern tief berühren.
Mehr als 300 Briefe hat er geschrieben. Über das
Leben, über Hoffnung, über Vertrauen, über Regen. Es braucht oft
nur ein Wort – und Gerd beginnt zu schreiben. Was dabei entsteht,
sind Texte, die aus der Tiefe kommen. Kein literarischer Prunk,
sondern klare, aufrichtige Gedanken aus einem Leben mit Höhen,
Tiefen – und einem unerschütterlichen Glauben daran, dass es
immer weitergeht.
Sein Weg zum Schreiben begann nicht mit einem Buchvertrag,
sondern mit einem Burnout. In den Vierzigern,
nach einer langen Karriere in der öffentlichen Verwaltung und
einer privaten Doppelbelastung als Vater von vier Kindern – eines
davon mit einer geistigen Behinderung –, wurde sein Leben zu
schwer. Der Körper machte dicht, der Geist ging in den Tunnel.
„Mein Akku war leer“, sagt er rückblickend. Es folgten eine frühe
Pensionierung, eine Ehekrise, eine persönliche Neuorientierung.
Doch Gerd Ender brach nicht – er begann zu schreiben. Zuerst nur
für sich, dann für andere. Das McDonald's in Hohenems wurde sein
Büro, sein Rückzugsort, sein Inspirationsraum. Zwischen sieben
und acht Uhr morgens saß er dort, las Zeitung, tippte seine
Gedanken nieder. Bald kannten ihn die Mitarbeiter. Sie gaben ihm
Themenvorschläge: Vertrauen. Hoffnung. Neuanfang. Und Gerd
schrieb.
Die Briefe waren zunächst Therapie. Später wurden sie
Lebenshilfe für andere. Menschen meldeten sich
bei ihm, schrieben ihm von ihren Sorgen, von Suizidgedanken. Er
antwortete. Persönlich, ehrlich, ermutigend. Mit einer seltenen
Mischung aus Tiefe und Bodenständigkeit. Es entstanden echte
Brieffreundschaften. Gerd war für viele ein Lichtblick. Ein
Mensch, der verstanden hat, wie dunkel es werden kann – und wie
man den Weg zurück findet.
Sein stärkster Satz stammt nicht von ihm, aber er lebt ihn seit
über 15 Jahren wie ein tägliches Mantra. Er stammt von Émile
Coué, einem französischen Apotheker und Begründer der
Autosuggestion:
„Es geht mir mit jedem Tag und in jeder Hinsicht immer
besser und besser.“
Gerd Ender hat diesen Satz kein einziges Mal ausgelassen – nicht
einen Tag. Auch in der dunkelsten Stunde. Und irgendwann, so sagt
er, ging die Spirale nicht mehr nach unten, sondern nach oben.
Millimeterweise.
Sein ungewöhnlicher „Arbeitsplatz“ hat sich längst
herumgesprochen. In den USA nennt man solche Orte
Coffices – Cafés als Ersatzbüro. Für Gerd war es
der perfekte Platz. WLAN, Espresso, Zeitungen – und Menschen.
Menschen, die vorbeikommen, ein Wort dalassen, aus dem ein ganzer
Text entstehen kann. Ein modernes Schreibatelier mit Drive-in.
Auch heute schreibt Gerd noch – wenn auch nicht mehr täglich im
McDonald's. Oft zuhause, manchmal unterwegs, aber immer dann,
wenn ihn ein Gedanke trifft. Wenn seine Finger schneller sind als
sein Kopf, wie er sagt. Schreiben ist seine Form, die Welt zu
ordnen. Seine Art, anderen etwas zurückzugeben. Und: seine
persönliche Stärke.
Gerd Ender ist auch Fußballfan. Schon in jungen Jahren. Er liebt
die Stadionatmosphäre – aber heute aus einem ganz anderen
Blickwinkel. „Früher saß ich in einem Stadion mit 12.000 Menschen
und dachte, ich bin der Ärmste von allen.“ Heute, zehn Jahre
später, im gleichen Stadion: „Ich bin der Glücklichste.“
Was hat sich verändert? Die äußeren Umstände kaum. Aber die
Gedanken – die haben sich gewandelt. Heute lebt
Gerd nach dem Prinzip: „Aussichtslos gibt es
nicht.“ Er glaubt an Lösungen. An Möglichkeiten. An
Aufbruch – auch mitten in der Nacht.
Weitere Episoden
47 Minuten
vor 2 Tagen
14 Minuten
vor 1 Woche
23 Minuten
vor 2 Wochen
32 Minuten
vor 1 Monat
35 Minuten
vor 1 Monat
In Podcasts werben
Kommentare (0)