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60 Episoden
26 Minuten
Ein Thema, das in der Gesellschaft viel tabuisiert wird: Adipositas. Darüber klärt Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“ auf!

Adipositas ist die Bezeichnung dafür, dass das Körperfett sich über das normale Maß hin vermehrt hat. Es wird gemessen nach dem BMI (Body Mass Index):

Übergewicht: 25 bis 29,9

Adipositas I: 30 bis 34,9

Adipositas II: 35 bis 39,9

Schwere Adipositas: ab 40

Das Problem daran sind vor allem die möglichen Folgeerkrankungen: Bluthochdruck, Diabetes, Gelenkbeschwerden und Arthrose.

Andrea betont, dass Übergewicht nicht stigmatisiert werden sollte mit einem „die Dicken essen zu viel“. Es gibt verschiedenste Einflussfaktoren, beispielsweise Bewegungsmangel, hormonelle oder genetische Einflüsse (Bsp: Schilddrüsenunterfunktion), psychische Komponenten (Stress, Frustessen, Schlafmangel) und Medikamente (Antidepressiva, Kortisonpräparate).

Adipositas ist somit eine chronische Erkrankung, die einer gezielten Therapie bedarf.

Sie nutzt für die Diagnostik gerne das Tool eines Ernährungstagebuchs. Hierbei sollen die Patient:innen 14 Tage lang alles aufschreiben, was sie essen und finden so oft schon selbst Ernährungsfallen, in die sie tappen. Ein häufiges Problem sind auch zuckerreiche Getränke.

Andrea erklärt auch die Therapie der Adipositas.

Der Start ist immer eine Lebensstiländerung. Oft gibt es Verhaltensweisen, die noch aus der Kindheit stammen, welche aufgelöst werden müssen.

Die Krankenkassen bieten teilweise Programme zum Abnehmen an, hierfür ist aber ein bestimmter BMI notwendig. Andrea bietet in ihrer Praxis eine Adipositas-Themensprechstunde an, welche allerdings eine IGeL-Leistung ist. Diese Investition zahlt sich aber langfristig aus!

Hierbei unterstützt sie durch ernährungsmedizinische Beratung.

Ein neuer Ansatz ist die medikamentöse Therapie, die „Abnehmspritze“.

Eigentlich ist diese für die Diabetes-Behandlung entwickelt worden, die Wirkstoffe beeinflussen allerdings das Sättigungsgefühl und helfen so bei Gewichtsverlust.

Doch auch hier ist es wichtig, den Lebensstil parallel zu ändern!

Bei schwerer Adipositas bietet sich teilweise ein chirurgischer Eingriff an, beispielsweise ein Magenbypass.

Ergänzend kann Psychotherapie helfen, denn manchmal ist Adipositas ein Schutz der Psyche, beispielsweise bei Missbrauch oder krassen Formen der psychischen Unterdrückung. Essen ist dann ein tröstendes Mittel, eine fundierte psychische Aufarbeitung ist dann enorm wichtig.

Zusätzlich können Ergotherapie und auch Hypnose helfen.

Viele dieser Maßnahmen sehen auf den ersten Blick nach Lifestyle-Medizin aus und müssen auch selbst bezahlt werden. Doch es sind präventive Investitionen, die eurer eigenen Gesundheit guttun.

Lasst euch unbedingt in eurer eigenen Hausarztpraxis beraten!

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22 Minuten
Welche Hürden gibt es im aktuellen Gesundheitswesen, vor allem im ländlichen Raum? Und was muss sich verändern, um Versorgung langfristig sicherzustellen?

Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“.

Wer auf dem Land lebt, kennt es: Man muss längere Strecken hinter sich bringen, um beispielsweise einkaufen gehen zu können. Für den Besuch beim Arzt gilt das gleiche.

Früher gab es in jedem Dorf eine kleine Praxis oder eine Gemeindeschwester – das hat sich aber verändert. Die Anzahl der Praxen nimmt kontinuierlich ab, die Anzahl der älter werdenden Patient:innen nimmt zu.

Die Behandlung und Versorgung werden dadurch nicht schlechter, sie müssen nur anders organisiert werden. Andrea erzählt, welche Anpassungen es gibt und beginnt mit der VERAH  (Versorgungsassistentin in der hausärztlichen Praxis). Diese ist in vielen Praxen auf dem Land etabliert, ist extrem spezialisiert und betreut Patient:innen auch außerhalb der Praxis bei Hausbesuchen. Sie übernimmt dabei Wundmanagement, Überprüfung der Medikamenteneinnahme, Blutdruck- und Blutzucker-Messungen. Damit ist sie ein wichtiges Bindeglied zwischen Praxis und Patient:innen. Besonders für ältere und geriatrische Patient:innen ist das ein enormer Vorteil.

In manchen Praxen machen VERAHs und PCM (Primary Care Manager) auch teamgeführte Infektsprechstunden.

Zusätzlich gibt es digitale Helfer, denn Medizin kann auch zum Teil digital stattfinden. Dies passiert beispielsweise über Videosprechstunden oder über Gesundheits-Apps und DIGAs.

Auch die ePA, die elektronische Patientenakte findet Andrea sehr gut, denn sie sorgt für einen guten Überblick und unterstützt die Kommunikation zwischen Haus- und Fachärzt:innen.

Auch das Telemonitoring für Patient:innen mit Herzinsuffizienz darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben!

Dann gibt es noch digitale Assistenzsysteme. Andrea beispielsweise hat in ihrer Praxis eine Online-Rezeption etabliert. Diese ist eine Entlastung für das Team, denn die dahinterliegende KI nimmt das Telefon ab, sortiert die Anrufe, erkennt Notfälle und gibt die Anliegen strukturiert an das Praxisteam weiter. Das ist somit nicht nur für die Mitarbeitenden von Andrea, sondern auch für die Patient:innen ein echter Mehrwert.

Übrigens sind diese Systeme private Investitionen und werden nicht von den Kassen oder dem Bund unterstützt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die eigene Verantwortung, welche Patient:innen für ihre Gesundheit übernehmen sollten. Zusätzlich zu den Behandlungen, welche durch die Kasse finanziert werden, gibt es ergänzend die IGeL-Leistungen, also die individuellen Gesundheitsleistungen. Diese sind kein Luxusgut, sondern eine sinnvolle Investition in die eigene Vorsorge.

Nicht nur die Praxisinhaber:innen, sondern auch die Patient:innen müssen verstehen, dass sich die Versorgung verändert. Medizin wird immer mehr zur Teamarbeit und benötigt digitale Unterstützung.

Frust und Meckern bringen uns nicht weiter, wir müssen uns drauf einlassen. Nur so können wir die Versorgung auf dem Land sicherstellen.

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29 Minuten
Prävention – das ist ein Herzensthema von Dr. Andrea Morawe. Die Hausärztin erklärt in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen, was eigentlich hinter Prävention steckt, was Ärzt:innen darunter verstehen und was sie sich von den Krankenkassen und auch der Politik wünscht, um das Land gesünder zu machen.

Prävention dient dazu, Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen oder sie frühzeitig zu erkennen. Das Ziel ist dabei, dass kein erheblicher Schaden bei den Patient:innen entsteht.

Prävention wird dabei in 4 Teile eingeteilt:

Primärprävention: Alles, was vorbeugend gemacht werden kann, bevor es zur Entstehung einer Krankheit kommt, beispielsweise Impfungen, gesunde Ernährung, Bewegung und auch eine Zuckersteuer.

Sekundärprävention: Dazu gehören Screenings wie beispielsweise Krebsvorsorge oder Check ups. Dieser Punkt ist wichtig, wenn eine Krankheit schon eingetreten ist, sie aber frühzeitig erkannt werden soll, sodass man schnell intervenieren kann.

Tertiärprävention: Hierbei sollen Rückfälle oder Folgeerkrankungen vermieden werden. Denn viele Krankheiten ziehen weitere Folgeerkrankungen durch die Erstkrankheit nach sich. Dafür werden Patient:innen in Chronikerprogrammen, sogenannten DMPs (Disease Management Programs) betreut.

Quartärprävention: Dies ist ein Schutz vor Überdiagnostik oder unnötigen, medizinischen Leistungen. Für Patient:innen ist das oft schwierig zu fassen, hierbei hilft die Hausarztpraxis: Was ist überhaupt notwendig?

Andrea hat einen Wunsch an die Politik: Die Zuckersteuer. Dies wäre eine starke Primärprävention auf gesellschaftlicher Ebene und würde gesundes Verhalten leichter machen. In Mexiko und Großbritannien gibt es so etwas bereits, hier müssen Hersteller Abgaben zahlen, wenn sie zu viel Zucker in ein Produkt tun. Dadurch ist in Großbritannien die durchschnittliche Zuckermenge in Softdrinks um 30% gesunken.

In Deutschland setzt die Politik auf freiwillige Selbstverpflichtung, was Andrea für nicht besonders schlau hält. Denn in Deutschland nehmen wir definitiv zu viel Zucker zu uns.

Sie erklärt uns auch noch einiges zu Vorsorgeuntersuchungen: Gesundheits-Check ups, der BhA1c-Test für die Langzeit-Blutzuckerbestimmung, Leberwerte und ein Ultraschall der Bauchorgane. Dies kann alles dabei helfen, einen Einblick über den eigenen Gesundheitszustand, v.a. in Bezug auf Zucker, zu bekommen. Diese Leistungen werden nicht alle von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen und sind somit IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen).

Wichtig für die Patient:innen ist: Diese Untersuchungen sind oft gar nicht so teuer!

Für Andrea sind diese ein Ausdruck davon, dass Patient:innen eigenverantwortlich mit ihrem Körper umgehen.

Vorsorge ist keine Frage der Versicherungsart, sondern einer subjektive Haltung.

Zum Schluss erklärt Andrea noch die 5 Säulen der Primärprävention:

Ernährung (hat einen Einfluss von 80%, wenn man Übergewicht reduzieren möchte)

Bewegung (und damit ist gar kein krasser Sport gemeint, sondern 150 Minuten Bewegung pro Woche)

Mentale Gesundheit (und dabei besonders die Reduktion von negativem Stress)

Gesunder Schlaf

Verantwortung (nicht rauchen, wenig Alkohol, aktuelle Impfungen).

Sie appelliert auch an die Ärzt:innen: Schaut regelmäßig ins Impfbuch der Patient:innen und beratet sie rundum.

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23 Minuten
Was ist die Landarztquote und warum ist sie sinnvoll? Das erklärt Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“.

Denn die Landarztquote versucht, die ambulante, medizinische Versorgung zu verbessern und in den nächsten Jahren sicherzustellen.

Sie richtet sich an junge Menschen mit Abitur, die studieren wollen, eventuell aber nicht den NC haben, den sie für ein Medizinstudium bräuchten.

Das Bundesland vergibt dabei einen gewissen Anteil der Studienplätze in der Humanmedizin an Bewerber.innen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen und eine besondere Verpflichtung eingehen, denn sie müssen unterschreiben, dass sie in der hausärztlichen Versorgung in Sachsen-Anhalt tätig werden wollen. Dabei wird das Studium an der Universität in Halle oder Magdeburg absolviert. Nach der abgeschlossenen Facharztweiterbildung (Allgemeinmedizin) wird man dann für mindestens 10 Jahre als Hausärztin oder Hausarzt in einem unterversorgten oder drohend unterversorgten Gebiet tätig. Die Hoffnung des Landes ist, dass die Menschen sich in diesen 10 Jahren in der Region heimisch fühlen und auch darüber hinaus nicht abwandern.

Doch was bedeutet es, ein unterversorgtes Gebiet zu sein?

Diese Einordnung richtet sich nach der Bedarfsplanung, welche erklärt, wie viele Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen man in einer Region benötigt. In Ballungsräumen ist ohne Bedarfsplanung nämlich möglich, dass eine Überversorgung entsteht – in ländlichen Gebieten, welche auf den ersten Blick eher unattraktiv wirken, entsteht oft eine Unterversorgung.

Dabei ist der Versorgungsgrad die zentrale Kennzahl: Das Verhältnis von tatsächlicher zu errechnet erforderlicher Arzt-Zahl.

Dabei sind 100% eine angemessene Versorgung, unterversorgt ist ein Gebiet bei 75% und drohend unterversorgt bei 75-100%.

Die KV Sachsen-Anhalt legt diese Zahl fest auf Basis von Versorgungsanalysen, welche dann im Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen bewertet wird. Sobald es einen Beschluss hierzu gibt, dürfen Fördermaßnahmen, wie die Landarztquote, greifen.

In Sachsen-Anhalt ist ein Drittel der hausärztlichen Planungsbereiche unterversorgt oder drohend unterversorgt.

Andrea erklärt, wie der Bewerbungsablauf für die Landarztquote funktioniert. Neben einem Abitur benötigst du nämlich auch ein Motivationsschreiben, eine Verpflichtungserklärung und deine Studierfähigkeit wird getestet. Deine Abitur-Note zählt dabei nur mit 10% in den Prozess ein.

Andrea betont, wie willkommen neue Allgemeinmediziner:innen in Sachsen-Anhalt sind und wie toll diese Tätigkeit ist.

Wenn du dazu Fragen hast, dann schreib Andrea gerne!

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35 Minuten
Wie kann der Weg in die Allgemeinmedizin aussehen? Wie wird man Hausärztin/Hausarzt? Und wie funktioniert das, wenn man schon einen Facharzt hat?

Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“ mit Anke Ebert, Weiterbildungsassistentin für Allgemeinmedizin in einer Landarztpraxis.

Die beiden kennen sich schon seit über 10 Jahren, da sie gemeinsam in einer Klinik im chirurgischen Bereich und in der Notaufnahme gearbeitet haben.

Anke fand diese Station in ihrem Leben sehr wichtig, denn in der Chirurgie lernt man ein sehr breites Feld. Allerdings ist es schwierig dabei, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Auch Andrea hat die Chirurgie sehr erfüllt und sie hat es geliebt, in der Notaufnahme zu arbeiten. Allerdings war auch für sie die Vereinbarkeit ein großes Problem. Hier hat der klinische Bereich definitiv Nachholbedarf, denn es fehlt an Flexibilität und der Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten.

Andrea und Anke haben sich beide dann auf den zweiten Blick in die Allgemeinmedizin verliebt. Sie mögen daran, dass sie viel Dankbarkeit der Patient:innen erfahren und diese lange begleiten. In der Notaufnahme hat man oft nur eine Momentaufnahme der Patient:innen.

Allerdings sind sie sich einig: Es würde allen gut tun, auch mal „die andere Seite“ zu sehen und jeweils im ambulanten und stationären Bereich zu arbeiten.

Andrea genießt, dass sie nun selbstbestimmter arbeiten kann.

Zudem mag sie, dass man in der Allgemeinmedizin viele Möglichkeiten hat, sich noch fortzubilden und neue Erkenntnisse in den Praxisalltag einzubinden.

Anke macht gerade eine Fortbildung in der manuellen Therapie.

Weiter geht es damit, wie man überhaupt in die Allgemeinmedizin kommt.

Die Initiativen Kompass und Kosta unterstützen in Sachsen-Anhalt hierbei und helfen auch dabei, ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Denn darum muss man sich im ambulanten Bereich selbst kümmern!

Auch die Ärztekammer ist ein Unterstützer, sowie die KV, bei der es Förderung für Weiterbildungsassistent:innen gibt. Zudem kann man einen Quereinstieg machen, wenn man bereits einen Facharzt hat. Dadurch verkürzt sich die Zeit für den Einstieg in die Allgemeinmedizin.

Andrea lenkt das Thema nochmal auf das marode Gesundheitssystem. Dieses hat Wunden an allen Ecken und Enden – und es gibt zu wenig Pflaster. Durch die aktuellen Diskussionen werden Ärzt:innen gegeneinander aufgehetzt, wichtiger wäre aber eine reibungslose Zusammenarbeit.

Hier gilt wieder: Ein gutes Netzwerk kann helfen!

Für Andrea sind Gesundheit und Bildung die Grundpfeiler der Demokratie und einer funktionierenden Gesellschaft.

Kompass: https://kompas-weiterbildung.de/

Kosta: https://www.kosta-lsa.de/

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1 Stunde 4 Minuten
Wie funktioniert die ambulante Versorgung, vor allem im ländlichen Raum? Welchen Herausforderungen stehen Hausärzt:innen gegenüber und was haben Arbeitsbedingungen, Entlassmanagement und Ambulantisierung damit zu tun?

Für diese Fragestellungen hat sich Dr. Andrea Morawe jemanden eingeladen, die für sie selbst ein richtiger Star ist: Dr. Laura Dalhaus. Diese ist bekannt durch ihre Social Media-Aktivitäten, die Berufspolitik und den eigenen Podcast „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“.

Laura ist auch Hausärztin auf dem Land. Die beiden kennen sich über Fortbildungen und waren direkt auf einer Wellenlänge.

Wenn man sich im ländlichen Raum niederlässt, steht man erstmal vor Herausforderungen. Zum Beispiel weiß man gar nicht, was nun vergütet wird und was nicht.

Es gibt beispielsweise Pauschbeträge mit Minutenwerten. Und da findet man dann schnell raus: Die geplanten 9 Minuten im Quartal reichen vorne und hinten nicht.

Laura war relativ entsetzt über Zahlen der Krankenkassen: Patient:innen bekommen für 208€ die komplette hausärztliche Versorgung, die Verwaltung kostet 170€ - der Unterschied ist für sie viel zu klein.

Auf der anderen Seite gibt es einen Bonus von bis zu 10.000 € im Jahr, diesen bekommt man aber nicht, wenn man zu viele Labore abnimmt. Wenn man das aber macht, dann macht man eigentlich gute Medizin.

Für Laura ist wichtig zu betonen, dass sie zwar selbstständig ist und das finanzielle, juristische und medizinische Risiko trägt, gleichzeitig aber durch KV, Krankenkassen und Politik in ihren Preisen beschränkt ist.

Diese Herausforderungen sind Patient:innen allerdings nicht klar. Diese haben oft die Erwartungshaltung, dass Ärzt:innen schon alles Notwendige machen – und diese oft das Gefühl, unseriös zu sein, wenn sie etwas als IGeL-Leistung verkaufen.

Eigentlich sollte die Politik darüber aufklären – macht sie aber nicht.

Laura glaubt auch nicht, dass die Politik eine Reform schafft. Wir haben viel zu viele Krankenkassen und bürokratisieren uns zu Tode dabei. Andrea bringt das Beispiel, dass man an einem alten Trabi auch nicht Ewigkeiten rumschrauben kann – irgendwann muss ein neues Auto her.

Sie ist ein Fan von einer Grundversicherung für alle. Die hohe Komplexität des Jobs sorgt auch dafür, dass ältere Ärzt:innen nicht mehr weitermachen wollen.  

Die beiden sprechen auch über die Ambulantisierung. Die Zustände in Krankenhäusern sind teilweise fatal, es geht viel um Geld, nicht um die Patient:innen. Ist ja auch kein Wunder, wenn Konzerne dahinter stehen. Hier fehlt es auch an gutem Entlassmanagement, teilweise werden einfach keine Arztbriefe mehr geschrieben.

Viele Arzt-Patienten-Kontakte könnte man sich sparen, wenn mehr kommuniziert werden würde.

Laura würde auch für kein Geld der Welt mehr in einer Klinik arbeiten.

Hier haben sich auch die Arbeitsbedingungen verändert: In 24h-Diensten gibt es keine Schlaf-Pausen mehr. Darunter leidet auch die Fortbildung.

Doch gibt es einen Lichtblick? Laura hat mit ihrem Kollegen Heinz Giesen das Buch „Operation am offenen Herzen“ geschrieben, ein Businessplan für ein neues Gesundheitssystem. Die Reaktionen waren dafür allerdings minimal. Social Media hat bisher am meisten bewirkt.

Für Andrea ist es wichtig, dass die Patient:innen umdenken und ihre Gesundheit mehr selbst in die Hand nehmen.

Trotz all der Widrigkeiten sind beide sehr glücklich mit ihrem Beruf und würden nichts lieber machen wollen.

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Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus

Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
27 Minuten
Hausärzt:innen sollten auch von Hausärzt:innen lernen!

Das sagt Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“.

Für diese sitzt sie mit Theresa Buuck zusammen. Diese ist auch Landärztin, aber in Neubukow zwischen Rostock und Wismar.

An einem Ort sind sie, weil sie gerade an einer IHF-Fortbildung in Würzburg teilnehmen. Das Wochenende ist von Frauen für Frauen organisiert – ein Women-Power-Wochenende, bei dem Andrea ganz begeistert vom tollen Austausch und dem Gefühl von Vertrautheit ist.

Das IHF, also das Institut für hausärztliche Fortbildung, macht auch Fortbildungen für VERAHs und MFAs. Besonders hervorzuheben ist hierbei nicht nur, dass man sich weiterbildet, sondern auch, dass man sein Netzwerk dabei ausbaut.

Beispielsweise hat Andrea bei einer Fortbildungsveranstaltung Laura Dalhaus kennengelernt, durch die sie wieder ein weiteres Netzwerk erschließen konnte.

Durch so eine Community vergisst man auch mal die Herausforderungen, denen man in einer landärztlichen Praxis gegenübersteht.

Doch was sind diese Herausforderungen?

Als Landärzt:in hat man viel in der eigenen Hand und ist sehr nah an den Patient:innen dran. Auch diese haben ein starkes Vertrauensverhältnis und schätzen die Arbeit der Ärzt:innen sehr wert.

Theresa hat es vorher nie gewollt, mittlerweile betreut sie allerdings auch Kinder in ihrer Praxis.

Bei der IHF-Fortbildung hat Theresa über Gynäkologie in der Hausarztpraxis gesprochen. Auf den ersten Blick passt das gar nicht zusammen. Für Theresa war es aber ein logischer Schritt, auch Leistungen aus der Gynäkologie anzubieten, als die ansässige Gynäkologin im Ort aufhörte und die Versorgung so nicht mehr gesichert war. Sie arbeitete sich in das Thema ein und merkte, dass es sehr gut bei den Patient:innen ankam.

In Großbritannien beispielsweise ist es nicht ungewöhnlich, dass Hausärzt:innen auch gynäkologische Leistungen mitanbieten.

Andrea hat das Thema Endometriose sehr nachdenklich gemacht. Viele Symptome hierbei sind nicht greifbar.

Für die Patient:innen geht es nach Theresas Erfahrung aber nicht immer nur darum, direkt Lösungen zu finden, sondern auch darum, ernstgenommen und wertgeschätzt zu werden.

Dabei sieht sie die Rolle der Hausärzt:innen auch als Educator. Die Gesundheitskompetenz nimmt ab, und da finden Andrea und Theresa es gut, wenn ihre Patient:innen auch Fragen stellen!

Die Lösung finden diese nämlich sonst im Internet – und hier gibt es viele „schwarze Schafe“, die mit gefährlichem Halbwissen glänzen und eigentlich nur Produkte verkaufen wollen.

An die Hausärzt:innen geben sie noch mit, dass es sinnvoll ist, auch mal auf dem Überweisungsschein mehr Informationen einzutragen, sodass die Fachärzt:innen einen besseren Überblick über die Patient:innen bekommen.

Allgemeinmedizin ist eben keine Alleinmedizin!

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14 Minuten
Was steckt hinter dem Orientierungswert – und warum sorgt er aktuell für so viel Diskussion?

Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der neuesten Folge ihres Podcasts “LandMEDchen”.

Die Lage ist angespannt: Die finanziellen Mittel der gesetzlichen Krankenkassen sind irgendwie nicht mehr da. In den Medien wird breit darüber berichtet. So weit, dass die Techniker Krankenkasse sogar eine Nullrunde vorgeschlagen hat – also keine Steigerung in der Vergütung für Ärzt:innen.

Andrea bezeichnet das als respektlos und wenig wertschätzend, vor allem weil derzeit viele Leistungen bewusst vom stationären Bereich in den ambulanten Sektor verlagert werden sollen.

Doch wie funktioniert der Orientierungswert?

Die Vergütung im GKV-System (Gesetzliche Krankenversicherung) orientiert sich am Orientierungswert. Er gilt nicht nur für niedergelassene Ärzt:innen, sondern auch für Psychotherapeut:innen.

Grundlage ist der EBM (Einheitlicher Bewertungsmaßstab): Jede Leistung ist dort mit einem Punktwert hinterlegt und genau beschrieben. Damit daraus dann Geld wird, wird der Punktwert mit dem Orientierungswert multipliziert.

Das System ist zusätzlich durch abgestufte Leistungen kompliziert.

Jedes Jahr verhandelt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit dem GKV-Spitzenverband über den neuen Wert. In diesem Jahr wurde eine Erhöhung von 2,8 Prozent beschlossen. Klingt zunächst gut – ist es aber nicht.

Für Ärzt:innen, die fast ausschließlich im GKV-System abrechnen (und das sind die meisten ambulanten Ärzt:innen), bedeutet das in der Realität keine Entlastung. Denn die Kosten in den Praxen steigen deutlich stärker.

Haupttreiber sind vor allem die Personalkosten: Steigt der Mindestlohn, müssen auch die Gehälter der Fachangestellten angepasst werden. Andrea betont, dass sie ihren Mitarbeitenden gerne mehr zahlen würde – aber es muss finanziell darstellbar bleiben.

Hinzu kommen steigende Mieten, die je nach Region variieren, und höhere Beiträge bei Versicherungen, zum Beispiel bei Praxisausfall-Versicherungen.

Während die Kosten im Schnitt jährlich um 4,5 bis 7 Prozent wachsen, bringt die Erhöhung um 2,8 Prozent nicht genug Spielraum. Das Ergebnis: Für die Ärzt:innen bleibt am Ende weniger übrig.

Viele werfen niedergelassenen Ärzt:innen vor, sie würden ohnehin sehr gut verdienen. Andrea hält diese Sichtweise für unfair. Ein Medizinstudium ist teuer und lang, und die Verantwortung, die Ärzt:innen gegenüber Patient:innen, deren Familien und dem eigenen Team tragen, sindenorm. Die beschlossene Erhöhung ist daher nicht mehr als ein Kompromiss.

Andreas Appell:

Liebe niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, liebe Vertragspsychotherapeut:innen: Haltet durch! Ihr macht großartige Arbeit. Schließt euch Verbänden an, vernetzt euch und werdet laut – nur so werden wir gehört.

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24 Minuten
Patient, männlich, Mitte 40, kommt aus dem Krankenhaus wegen einer Bursitis am Ellenbogen und hat plötzlich eine neue Diagnose: Diabetes.

Um diesen Fall geht es in der neuen Spezialfolge von „LandMEDchen“.

Bei „Schöner wär’s“ unterhalten sich Dr. Andrea Morawe und Anna List über Fälle, in denen Dinge wirklich besser hätten laufen können. Dabei geht es nicht um Kollegen-Bashing oder einen erhobenen Zeigefinger, sondern darum, die medizinische Versorgung auf dem Land zu stärken.

Doch zurück zu unserem Fall:

Der obengenannte Patient wurde an einem Donnerstag um 2 Uhr entlassen und schlug um etwa halb 4 bei Andrea in der Praxis auf. Dabei hatte er einen Entlassungsbrief und eine „Brötchentüte“.

Der Patient ist kein typischer Arztgänger und war schon zwei Jahre nicht mehr beim Hausarzt.

Das bedeutet: Andrea musste erstmal auf die Akte zugreifen. Dadurch, dass sie einen KV-Sitz übernommen hat und damit auch alle Patient:innen, sind die Akten dafür trotzdem nicht frei zugänglich, sondern in einem Archiv – teilweise in Papierform, teilweise digital. Erst mit Unterschrift des Patienten darf sie auf die Akten zugreifen.

Der Patient hatte auf seinem Entlassungsbrief allerdings etwas stehen, was gar nicht mit der Bursitis (Schleimbeutelentzündung) zu tun hatte: Insulinpflichtiges Diabetes.

Das Problem daran: Der Patient war planlos und überrascht. Andrea und Anna erklärten ihm die Konsequenzen dieser Diagnose, schrieben ihn direkt in das DMP-Programm (Chroniker-Programm) ein und überwiesen ihn zum Augenarzt.

Und ganz wichtig, sie gaben ihm direkt einen Folgetermin für die nächste Blutabnahme.

Außerdem organisierten sie einen Pflegedienst, wobei Andrea wieder ihr starkes Netzwerk zugutekam. Der Pflegedienst unterstützt den Patienten nun in der ersten Zeit beim Spritzen des Insulins. Denn auch ein Blutzuckergerät besaß der Patient noch nicht!

 

Und genau hier stecken Andrea und Anna den Finger in die Wunde: Das Entlassungsmanagement in Kliniken funktioniert einfach oft nicht gut genug. Kliniken können häusliche Krankenpflege arrangieren, sie können Patient:innen aufklären, machen es aber oft nicht.

Auch der Sozialdienst kann hinzugezogen werden.

 

Zudem hat in diesem Fall auch die Kommunikation mit der Klinik nicht richtig funktioniert und die Laborwerte konnten nicht an Andrea geschickt werden. Ein Baustein in einer guten Kommunikation ist somit auch der Anschluss an die TI (Telematikinfrastruktur). Dafür gab es sogar Fördergelder für die Kliniken, sodass sie digital Werte und Informationen verschicken können.

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33 Minuten
Wieso können Ärzt:innen nicht alles verschreiben und untersuchen, was sie selbst oder Patient:innen gerne würden? An welche Regularien müssen Ärzt:innen sich halten?

Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“.

Denn genug Aufklärung von Seiten der Krankenkassen und der Politik gibt es dazu nicht – dann muss Andrea das wohl tun!

Alle Ärzt:innen, die einen Vertrag mit der KV ihres jeweiligen Bundeslands geschlossen haben, müssen sich an Regularien halten. Darunter fällt auch Paragraph 12 aus dem Sozialgesetzbuch 5: Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Sie dürfen das Notwendige nicht überschreiten. Andere Leistungen können Versicherte nicht beanspruchen, sodass sie über die Krankenkassen bezahlt werden.

Daraus entsteht die Abkürzung WANZ: Wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig.

Daraus resultiert auch, dass die gewünschte bestmögliche Versorgung nicht immer möglich ist. Ärzt:innen sollen nämlich nur ausreichend behandeln.

Das verstehen viele Patient:innen nicht, sie wünschen sich oft bestimmte Behandlungen.

Auch von Seiten der Ärzt:innen ist das heikel: Sie gehen oft auf Fortbildungen, lernen spannende Medikamente und Verfahren kennen, dürfen diese aber nicht verschreiben.

Zu den WANZ-Kriterien gehört, dass man zuerst nachweisen muss, dass die Standard-Medikation nicht funktioniert. Dazu gibt es Medikamente, die einen Facharztvorbehalt haben, die Hausärzt:innen also gar nicht verordnen dürfen.

Doch was passiert, wenn man nun trotzdem etwas verordnet?

Dann droht ein Regress. Das bedeutet, dass die Ärztinnen und Ärzte die verordnete Therapie selbst zahlen müssen – und das kann schnell mal existenzbedrohend sein.

Andrea erzählt von einem akuten Fall von zwei Orthopäden, die gerade einen Regress von 445.000 Euro am Hals haben.

Deswegen müssen Ärzt:innen auch immer alles dokumentieren und erklären, warum und wie sie den nächsten Therapieschritt gehen.

Und das heißt auch nicht, dass Ärzt:innen diese Behandlungen nicht oft sinnvoll fänden, besonders bei Risikoprofilen. Doch wenn die Behandlungen von der Kasse nicht übernommen werden, gibt es immer noch die Möglichkeit, Leistungen privat zu bezahlen. Das heißt dann IGeL-Leistungen. Diese sind beim Zahnarzt oder auch in der Gynäkologie relativ normal. Diese Leistungen werden nach GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) abgerechnet.

Für Andrea ist es wichtig, diese Leistungen immer zusätzlich anzubieten, um ihren Patientinnen und Patienten die Wahl zu lassen. Auch Check-ups können unter die IGeL-Leistungen fallen, Andrea erklärt das anhand der Schilddrüse.

Das fällt auch den Ärzt:innen nicht immer leicht, denn sie möchten den Patient:innen die Leistungen oft zugestehen – dürfen es aber halt nicht, weil sie sich an die WANZ-Kriterien halten müssen.

Zu Regresswatch: https://regresswatch.de/

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51 Minuten
Was bedeutet es, VERAH zu sein? Welche Aufgabenfelder hat man da? Und welche Herausforderungen gibt es, wenn man geriatrische Patient:innen betreut?

Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge vom Podcast „LandMEDchen“ mit Anna List. Die ist seit 2021 in der Praxis von Andrea tätig und seit 2023 als VERAH unterwegs.

VERAH ist die Abkürzung für Versorgungsassistent:in in der hausärztlichen Praxis. Früher wurde sie auch Gemeindeschwester genannt.

Um VERAH zu werden, braucht man eine abgeschlossene Ausbildung zur MFA (medizinische Fachangestellte) oder als Gesundheits- und Krankenpfleger:in. Ein bisschen Berufserfahrung schadet auch nicht!

Dann kann man beim IAF, also dem Institut für hausärztliche Fortbildung, verschiedene Module absolvieren, u.a. Betreuungsmanagement, Notfallmanagement und Technikmanagement.

Das Ziel der VERAHs ist es, geriatrische Patient:innen so lange wie möglich in der Häuslichkeit zu lassen. Dabei ist auch die Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst (z.B. zum Tabletten stellen) und mit Ergotherapeuten und Physiotherapeuten immens wichtig. Diese helfen dabei, die Tätigkeiten zuhause, wie das Treppensteigen, an Schränke kommen oder Flaschen aufmachen, zu fördern.

Wichtig dafür ist auch ein Pflegegrad. Anna erklärt, wie das Konzept funktioniert und auch, welche Unterstützung dann von der Krankenkasse bezahlt wird.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, dass diese Patient:innen in eine Tagespflege gehen, um tagsüber betreut zu sein. Das ist ein bisschen wie ein Kindergarten für Rentner. In der Umgebung von Andrea’s Praxis sind tolle Tagespflegen, die dann acuh mit Ergotherapeuten und Physiotherapeuten zusamenarbeiten.

Weitere Unterstützung sind Hilfsmittel. Anna erklärt, dass z.B. ein Notfallknopf gut ist. Auch für Umbaumaßnahmen im Haus gibt es Förderungen.

Hier sind auch die Sanitätshäuser ein wichtiger Player – leider sind die digital noch nicht angeschlossen, sodass die Kommunikation schwieriger ist.

Ein sehr schambehaftetes Thema ist die Inkontinenz. Patient:innen können ein Rezept für Inkontinenzmaterial bekommen. Leider reicht die Menge der Windeln und Einlagen nicht immer aus – das ist aber auch von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich.

Doch wie wird so eine VERAH eigentlich bezahlt? Die hausarztzentrierte Versorgung hilft, die Kosten bei der Ausbildung einer VERAH zu refinanzieren.

Wenn Anna mal nicht auf Hausbesuchen ist, dann unterstützt sie in der Praxis und zwar bei der teamgestützten Infektsprechstunde. Im Winter ist die gut gefüllt mit den typischen Husten- und Schnupfenerkrankungen.

Anna fragt dort nach Symptomen, schaut sich Rachen und Ohren an und hört auch mal ab. Über die Jahre hat sie das gut gelernt und Andrea hat sie angeleitet, indem sie ihr Befunde gezeigt hat. Richtiges Hands-on-Lernen, so wie das Medizinstudierende auch tun.

Andrea kommt nur noch kurz dazu, auch wenn das mittlerweile nicht mehr notwendig wäre. Das Problem ist aber der EBM, also der Abrechnungskatalog. Wenn Andrea die Patient:innen nicht gesehen hat, kann sie die Behandlung auch nicht abrechnen.

In Zukunft könnt ihr euch auf noch mehr Folgen von Anna und Andrea freuen, die beiden starten bald mit den Spezial-Folgen „Schöner wär’s“, in denen sie Hilfe geben und zeigen wollen, an welchen Stellen die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren in der Medizin einfacher gehen würde.

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50 Minuten
Worauf muss man achten, wenn man eine Praxis übernimmt? Braucht man als Ärztin und Arzt spezielle Versicherungen? Und muss man als Ärzt:in unternehmerisch denken?

Darüber spricht Andrea Morawe in der neuen Folge von LandMEDchen, der Podcast rund um die ambulante Versorgung auf dem Land, diesmal mit Conny Dietrich.

Die beiden kennen sich schon seit Jahren, Conny hat Andrea nämlich schon während ihres Studiums beraten. Er hat mal BWL studiert, arbeitete dann als Verkaufsleiter bei Lidl und ist nun bei der Ärztefinanz.

Ihn überzeugte die Idee, dass es einen Anbieter für Kredite und Versicherungen gibt, der sich nur auf Ärztinnen und Ärzte spezialisiert hat.

Er selbst macht den Vergleich von seiner Arbeit zu der eines Allgemeinmediziners. Zunächst gibt es nämlich erstmal eine umfangreiche Anamnese, falls nötig, überweist er die Menschen zu anderen Spezialisten.

Schon im Studium ist es sinnig, sich mit spezifischen Ärzte-Versicherungen auseinanderzusetzen. Und auch als Assistenzärzt:in kann man viel Unterstützung bekommen, genauso wie bei einer Famulatur im Ausland – so wie auch Andrea sie gemacht hat.

Nach dem Studium entscheiden sich einige für eine eigene Praxis. Hier gibt es die Möglichkeit, eine Praxis zu übernehmen. Besonders im ländlichen Raum werden in den nächsten Jahren viele Sitze frei.

Die Planung für die Übergabe einer Praxis sollte schon 3 Jahre vor Schließung stattfinden. Denn im schlimmsten Fall bekommt man als übergebender Arzt tatsächlich kein Geld oder nur einen symbolischen Euro für die eigene Praxis, die man selbst jahrelang aufgebaut und geführt hat. Auch mit dem Steuerberater muss in so einer Situation enger Kontakt gehalten werden.

Conny betreut allerdings auch angestellte Ärztinnen und Ärzte. Dabei legt er den Fokus auch auf die Work Life Balance. Denn es gibt viele Lösungen, bei denen die Vereinbarung von Familie und Beruf gut möglich ist. Dabei schaut er sich auch die gesamte Lebenssituation und die der Partnerin/des Partners an. Ein Ansatz könnte z.B. eine gemeinsame Praxis sein!

Manchmal ist es auch sinnvoll, die eigene Praxis zu vergrößern. Je mehr man die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt, desto besser geht es allen im Team.

Andrea hat die These: Das System funktioniert nur so gut, weil Ärzt:innen Gutmenschen sind und keinen hängen lassen.

Trotzdem sollte man nicht zum Verkäufer werden, sondern aufklären. Viele Menschen sind bereit, Geld in die eigene Gesundheit zu stecken. Unsere Krankenversicherung ist auch schon lange keine All-Inclusive-Medizin mehr!

Zum Schluss klärt Conny noch über Kredite auf und darüber, wann und ob diese notwendig sind.

So könnt ihr Conny erreichen:

Mobil: 0176 62 83 74 03      

(auch per Whatsapp erreichbar)

www.connydietrich.de

Mail: conny.dietrich@aerzte-finanz.de

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15 Minuten
Wie funktioniert der Weg vom Studium in die Allgemeinmedizin? Sollte man sich dann anstellen lassen oder eine eigene Praxis eröffnen?

Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von LandMEDchen.

Sie erklärt, dass die Entscheidung für die Allgemeinmedizin schon im Studium fallen kann – muss aber nicht.

Dort kann man Seminare zum Thema Allgemeinmedizin belegen. Und auch das PJ, also das praktische Jahr, kann man in der Allgemeinmedizin absolvieren.

 

Wichtig dabei ist, dass nicht jede Praxis eine Lehrpraxis ist. Dafür muss man von der medizinischen Fakultät im Fachgebiet Allgemeinmedizin ernannt sein und ein Prüfungsverfahren durchlaufen. Dadurch soll eine gute Lehre sichergestellt sein.

 

In Sachsen-Anhalt gibt es dafür sogar ein Projekt, sodass man regelmäßig in einer Hausarztpraxis „aushilft“. Dann kann man schonmal mit-praktizieren, aktiv abhören, einen Rachen inspizieren oder Ohren anschauen.

 

Nach dem PJ gibt es auch noch die Möglichkeit eines PJ-Wahltertials, in dem man z.B. 4 Monate lang in der Allgemeinmedizin arbeitet.

 

Nach dem dritten Staatsexamen muss man dann die Weiterbildung zur Fachärztin/Facharzt zur Allgemeinmedizin machen. Auch hier gibt es landesspezifische Unterschiede und in Sachsen-Anhalt seit 2020 eine neue Weiterbildungsordnung.

Denn die Bundesländer haben eigene kassenärztliche Vereinigungen und so wird die Weiterbildung beispielsweise in Sachsen-Anhalt gefördert.

 

Andrea erzählt auch von zwei spannenden Projekten: Kosta und KOMPAS. Diese vermitteln Weiterbildungsstätten, beraten und bieten auch Mentoring Gruppen für Weiterbildungsassistent:innen an. Da lernt man dann auch die Dinge, die man sonst nicht im Studium mitbekommt, z.B. wie eine Abrechnung funktioniert.

 

Die gesamte Weiterbildung wird im elektronischen Logbuch dokumentiert, dass man dann bei der Ärztekammer einreicht. Danach erhält man einen Termin für die mündliche Prüfung, bei der man Fälle erläutert und Fragen quer durch die Allgemeinmedizin beantworten muss.

Danach kann man sich stolz Fachärztin/Facharzt für Allgemeinmedizin nennen!

 

Danach gibt es wieder mehrere Möglichkeiten: Anstellung in einer Praxis oder einem MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) oder eine eigene Praxis, z.B. durch eine Berufsausübungsgesellschaft oder die Übernahme einer bestehenden Praxis.

Hierfür muss man erstmal die Zulassung bei der KV beantragen und sich erkundigen, ob ein Sitz verfügbar ist (in Sachsen-Anhalt ist das selten ein Problem).

 

Mit der Zulassung liegen dann aber auch neue Verantwortungsbereiche auf dem eigenen Tisch, denn ab jetzt muss man ausreichend, zweckmäßig und notwendig agieren.

Andrea empfiehlt, bei diesem Schritt auch mit der Ärztefinanz zu sprechen.

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32 Minuten
Wie funktioniert die Ausbildung zur MFA? Wie sieht der Alltag in der Praxis aus?

Darüber spricht Dr. Andrea Morawe im Podcast LandMEDchen diesmal mit Amy, ihrer Auszubildenden in der Hausarztpraxis. Amy ist erst 17 Jahre alt und kommt gerade ins zweite Lehrjahr.

Die Ausbildung zur MFA, kurz für medizinische Fachangestellte, kann man wie sie grundständig nach der Schule machen oder als Umschulung.

Amy liebt die Abwechslung bei der Hausarztpraxis, vor allem liebt sie die Hausbesuche. Denn da baut man eine besonders starke Patientenbindung auf.

Sie erzählt außerdem von der schulischen Seite der Ausbildung und von den Herausforderungen. Amy würde sich eine wochenweise Trennung zwischen Schule und Praxis wünschen, denn die Doppelbelastung ist schon schwierig. Sie sieht das auch als Grund dafür, dass in ihrer Klasse der Notendurchschnitt gar nicht so gut ist und sogar bereits ein Drittel der Schüler:innen die Ausbildung abgebrochen haben.

 

Amy rotiert während der Ausbildung in den verschiedenen Bereichen in der Praxis durch: Backoffice, Anmeldung, Sprechstunde, Labor... MFAs kümmern sich auch viel um das Praxismanagement, Formulare, Anfragen von Krankenkassen und um weitere bürokratische Themen.

Amy findet allerdings die Patientenbetreuung besonders schön und möchte nach ihrer Ausbildung gerne die Weiterbildung zur VERAH – Versorgungsassistent:in in der hausärztlichen Praxis – machen.

In der Ausbildung muss Amy außerdem Hospitationen in anderen Praxen machen. Sie hält das für sinnvoll, um auch in andere Praxen und Fachbereiche reinschnuppern zu können. Außerdem hilft es dabei, das eigene Netzwerk weiter auszubauen, vor allem in der ländlichen Versorgung, in der die Dichte an Fachärzten immer weniger wird.

 

Die beiden sprechen außerdem über die Patientenbindung und darüber, wie für Amy der Umgang mit den Patient:innen ist. Durch ihr junges Alter gibt es zwischendurch mal Reibereien mit den älteren, geriatrischen Patient:innen, die Amy dann nicht ernst nehmen oder einfach duzen.

Andrea versucht sie hier besonders zu schützen und ihre Rolle als Fachpersonal hervorzuheben.

Außerdem ist es für Amy besonders, dass sie im gleichen Ort arbeitet, in dem sie auch wohnt. Dadurch kennt sie natürlich viele Patient:innen auch privat. Wichtig ist es hierbei immer zu betonen, dass man sich so nur in der Rolle Fachpersonal – Patient:in trifft und nicht als gute Bekannte.

 

Andrea liebt den Job als Ausbilderin und macht den Auruf: Bildet aus! Gebt Menschen die Chance. Es macht so viel Freude und viel Spaß, wenn die Auszubildenden an den Aufgaben wachsen und sich weiterentwickeln!

 

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11 Minuten
Ein neuer Podcast erblickt das Licht der Medizin-Welt: LandMEDchen, von und mit Dr. Andrea Morawe.

Andrea ist 35 Jahre jung und Fachärztin für Allgemeinmedizin im ländlichen Raum, nämlich in Sachen Anhalt. Nach ihrem Studium arbeitete sie erst in einem kleinen Krankenhaus und entdeckte dort u.a. ihre Liebe für die Chirurgie.

Nach der Geburt ihrer Tochter suchte sie eine Möglichkeit, Familie und Beruf gut unter einen Hut zu bringen, sprach mit ihrer eigenen Hausärztin und die bot ihr an, dass Andrea ihren Sitz übernehmen könnte.

Nach dem Facharzt für Allgemeinmedizin war es dann so weit: Andrea übernahm die Praxis und betreut nun etwa 1.300 – 1.400 Patient:innen pro Quartal.

Dabei ist der Anteil an geriatrischen Patient:innen relativ hoch, was natürlich dem demographischen Wandel geschuldet ist.

 

Doch wie ist dann LandMEDchen entstanden?

 

Andrea möchte vor allem den Nachwuchs auf dem Land fördern. Denn der Fachkräftemangel ist besonders dort ein Problem, es gibt immer weniger Praxen.

Sie möchte gerne die Scheu vor der Niederlassung nehmen, von eigenen Fehlern berichten und über Hürden aufklären. Dazu gibt es Tipps für frisch Niedergelassene, um die eigenen Strukturen zu verbessern.

Außerdem ist es schwierig, das gesamte Feld der Allgemeinmedizin zu überblicken, besonders weil es Unterschiede zwischen der ambulanten und stationären Versorgung gibt.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt für Andrea sind die Patient:innen.

Von Politik und gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) wird uns oft suggeriert, wir hätten eine All-Inclusive-Medizin. Doch es gibt keinen Anspruch auf alle Leistungen. Eine abnehmende Gesundheitskompetenz macht dann die Arbeit für Ärzt:innen nicht einfacher.

Eigentlich ist es die Arbeit von Politik und Kassen, an dieser Stelle aufzuklären, doch da dies nicht passiert, nimmt sich Andrea dieser Aufgabe an.

Im Praxis-Alltag ist oft wenig Zeit dafür, der Podcast soll diese Aufgabe übernehmen.

 

Andrea betont zudem, dass vor allem die Landarzt-Medizin ein Teamsport ist. Ohne eine gute Zusammenarbeit der medizinischen Berufe kann die Versorgung nicht gedeckt werden. Der zunehmende Fachkräftemangel macht diese Situation nicht besser. 

In ihren Augen sollten auch medizinische Fachangestellte und VERAHs (Versorgungsassistent:innen in der hausärztlichen Praxis) ärztliche Aufgaben übernehmen.

Ein Netzwerk ist immens wichtig!

 

Und deswegen könnt ihr euch auch auf viele Gespräche mit Menschen aus medizinischen Berufen freuen!

 

Stellt gerne eure Fragen und meldet euch, wenn ihr selbst mit Andrea im Podcast sprechen wollt!

 

 

00:00:00 Was ist LandMEDchen?

00:03:40 Landarztmedizin als Teamsport

00:05:48 Wer ist Andrea Morawe?

00:09:23 Was uns im Podcast erwartet
LandMEDchen

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