Die Krisen überwinden
Alternativen zur kapitalistischen Wirtschaft
Alternativen zur kapitalistischen Wirtschaft
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05.08.2026
37 Minuten
In der Tradition des Ökonomen John Maynard Keynes hat der Staat eine zentrale Rolle bei der Steuerung der Wirtschaft. Laut Keynes muss der Staat mit einer antizyklischen Fiskalpolitik dafür sorgen, dass Schwankungen zwischen Boom und Rezession nicht zu stark ausfallen. In einer Hochkonjunktur muss der Staat bremsend eingreifen und sparen und in einer Rezession muss er die Wirtschaft durch staatliche Aufträge und eigene Investitionen ankurbeln. Nach diesem Ansatz haben die Regierungen in Deutschland besonders nach dem 2. Weltkrieg bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts durchaus erfolgreich ihre Wirtschaftspolitik gestaltet. Heute hat sich wieder eine liberale Wirtschaftspolitik durchgesetzt, in dem der Staat die Steuerung der Wirtschaft weitgehend den Märkten überlassen hat. Allerdings zeigt sich auch hier – entgegen der reinen Lehre der liberalen Wirtschaftstheorie - , dass der Staat eben doch immer wieder eingreifen und somit auch immer mehr Geld zur Verfügung haben muss. Denn nahezu alles Geld, das gegenwärtig in Umlauf ist, ist nur deshalb im Umlauf, weil es sich irgendjemand per Kredit von einer Bank geliehen hat. Hieran wird sich nach dem Willen der jetzigen Regierenden auch auf absehbare Zeit nichts ändern. Das heißt also, wenn Verbraucher:innen im Supermarkt per EC-Karte für 50,00 € einkaufen, muss sich irgendjemand dafür verschuldet haben. Solange wir mit Geld bezahlen wollen, muss es auch in der gleichen Höhe Schulden bei irgendjemanden in gleicher Höhe geben. Eine Welt ohne Schulden kann es in unserem System daher gar nicht geben. Und wenn obendrein alle ihre Kredite zurückzahlen würden, gäbe es zwar keine Schulden mehr, aber eben dummerweise auch kein Geld. In einer Zeit wie der gegenwärtigen, in der nachholend viel in Infrastruktur (Verkehr, Klimaschutz, Bildung, Sicherheit) investiert werden muss und große Kostensteigerungen im Renten, Gesundheits- und Pflegesektor zu erwarten sind, muss sich der Staat bei knapper Haushaltslage entscheiden: Wo sparen - und wo investieren?
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08.06.2026
21 Minuten
Die Regierungen sind nun schon seit Jahrzehnten im Wesentlichen damit beschäftigt, einen riesigen Mangel zu verwalten. Den Mangel an Geld. Beliebt kann man sich damit nicht machen, wie die Umfragen in fast allen europäischen Ländern zeigen. Das fehlende Geld dient aber auch als Argument dafür, dass wichtige gesellschaftliche Vorhaben, die vielleicht dem einen oder anderen weh tun könnten, erst gar nicht oder nur halbherzig angegangen werden. Unbequeme fortschrittlichen Konzepte werden so vom Tisch gefegt, sei es eine Gesundheitsreform, eine anständige Grundversorgung, Maßnahmen zum Umweltschutz usw. Bei vielen Bürgerinnen und Bürgern entsteht aber so – nicht unberechtigt – der Eindruck des Stillstands. Die Krisen verschärfen sich überall und die Regierung verharrt in einer Art Schockstarre. Welche Auswege gibt es aus diesem Dilemma?
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05.01.2026
27 Minuten
Wir vertreten die Meinung, dass allen Bürger:innen eine angemessene Grundversorgung in den Bereichen Wohnen, Strom, Wasser, Gesundheit, Pflege, Care, Mobilität, Ernährung, Bildung, digitale Infrastruktur zu gewähren ist. Die angemessene Versorgung mit diesen Gütern darf nicht in Frage gestellt sein oder vom Geldbeutel der Eltern oder anderen Privilegien abhängen. So lautet ein Vorschlag von uns, dass zumindest bei den sogenannten Gemeingütern, also Gütern, die für alle Menschen zur Verfügung stehen müssen, nicht die Gesetze des Marktes und der privaten Kapitalmehrung entscheidend sein dürfen, sondern in erster Linie die Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigt werden sollen. Der Staat muss Rahmenbedingungen schaffen, dass die Versorgung mit diesen Gütern für alle Menschen möglich ist. Am Geld muss das nicht scheitern. Wir haben in den vorherigen Folgen ja ausführlich dargestellt, dass der Staat auf demokratische Art und Weise für diese Güter Geld bereit stellen kann. Auch rechtlich sieht das eigentlich recht gut aus. Die Artikel 14 und 15 des Grundgesetzes eröffnen hier tolle Möglichkeiten. Wenn sich beispielsweise viele Bürger:innen in Deutschland für weitgehende Vergesellschaftungen in diversen Bereichen einsetzen würde, wäre hier einiges zu gewinnen.
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23.12.2025
28 Minuten
Als Mitarbeitende, Bürgerinnen und Bürger einer bestimmten Stadt oder Region müsste es auch ein Recht geben, darüber mit zu entscheiden, welche Güter in welcher Qualität und mit welchen lokalen Ressourcen hergestellt werden. So sollten Bürger beispielsweise mitentscheiden können, wie viele und welche Autos gebaut werden und auf ihren Straßen herumfahren können. Dieser Wunsch kommt manchem vielleicht etwas komisch vor. Wir leben doch in einem freien Land, wo jeder frei entscheiden kann, was er tun und lassen will. Diese Freiheit ist allerdings sehr individualistisch gedacht. Denn mit einem Auto habe ich erheblichen Einfluss auf das Leben anderer. Zum Beispiel brauchen Autos riesige Straßen, versiegeln wertvollen Boden, brauchen Unmengen von Rohstoffen. Außerdem verschmutzen Autos die Luft, sie sind laut und äußerst gefährlich. Müssen Bürger:innen das einfach ungefragt hinnehmen? Dabei ist das Auto ja nur ein Gut von vielen weiteren Beispielen. In der Wirtschaft werden tausende unterschiedliche Güter hergestellt, ohne dass die Allgemeinheit im Sinne des Gemeinwohls ein Wörtchen mitreden darf, dabei geht es um wertvolle Ressourcen. Schon deshalb brauchen wir auch in der Wirtschaft demokratische Spielregeln, um uns nicht gegenseitig zu schädigen. Auch weil wir so wahnsinnig viele Güter ohne eine demokratische Kontrolle produzieren, steigt die Verschmutzung der Umwelt, die CO2 Belastung, der Meeresspiegel, die Erderwärmung, der tägliche Stress bei der Arbeit. Es wird also höchste Zeit, dass wir uns als Gesellschaft fragen, ob wir diese Unmengen von Gütern - die einen riesigen ökologischen Fußabdruck hinterlassen - überhaupt haben wollen. Von den Antworten darauf wird unser Leben und das der nachfolgenden Generationen wesentlich bestimmt.
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20.09.2025
28 Minuten
In den ersten Folgen haben wir aufgezeigt, dass unsere gegenwärtig praktizierte Demokratie bei der Selbstwirksamkeit eine echte Schwachstelle hat. Die großen gesellschaftlichen Entscheidungen werden von professionellen Politiker:innen, einflussreichen Lobbyisten und Wirtschaftsvertretern gefällt. Die meisten Bürger:innen empfinden sich als machtlos und von den eigentlichen Entscheidungen ausgeschlossen. Die allgemeine Stimmung ist entsprechend – was unsere Demokratie angeht – eher von Frustration und Enttäuschung geprägt. Hier setzt die Frage an, wie wir in der Gesellschaft miteinander umgehen. Demokratie ist eben weit mehr als eine abstrakte Regierungsform, sie ist im Idealfall eine alltägliche Lebensform. Ganz alltägliche Fragen, etwa wie wir bei Konflikten mit Kolleg:innen umgehen, wie Interessengegensätze in den Kommunen ausgetragen oder wie in einer Bürgerinitiative gute Entscheidungen gefunden werden sind auf gute Art und Weise demokratisch zu beantworten. In der aktuellen Folge befassen wir uns deshalb mit dem kulturellen Umfeld - also mit der Art, wie wir miteinander umgehen, in der Gesellschaft, im Geld- und Finanzwesen, in der Arbeitswelt, im Unternehmen oder in den Schulen. Ganz grundsätzlich kann man doch sagen: Alle Menschen möchten gehört werden. Sie möchten das Gefühl haben, dass ihre Stimme zählt - und etwas verändern kann. Nur dann entsteht das, was wir gesellschaftliches Engagement nennen.
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Über diesen Podcast
Hängen unsere vielfältigen und weltweiten Krisen alle irgendwie
miteinander zusammen? Welche Rolle spielt dabei unser
kapitalistisches Wirtschaftssystem? Feuerwehr oder
Brandbeschleuniger? Die Autoren der Akademie Solidarische
Ökonomie, Norbert Bernholt und Klaus Simon, vertreten die Ansicht,
dass wir mit einem Wirtschaftssystem, das auf Rendite und Profit
ausgerichtet ist, die Probleme unseres Jahrhunderts nicht lösen
werden. Eine andere solidarische und nachhaltige Wirtschaft ist
nicht nur dringend nötig, sie ist auch möglich. Auf den Prüfstand
gehören dann Fragen zum Eigentum, zum Geld- und Finanzsystem, zur
Bedeutung des Marktes und vieles mehr. In monatlichen
Podcast-Folgen erläutern die Akademie-Autoren die Grundlagen
unseres heutigen Wirtschaftssystems, erklären verständlich, wie
unser Geld in die Welt kommt und warum unser derzeitiges
Wirtschaftssystem Wachstum braucht. Sie decken dabei
weitverbreitete Mythen auf und erhellen so die Hintergründe vieler
Krisen. Sie beginnen in den ersten etwa zehn Folgen mit einer
Analyse des Geld- und Finanzsystems und zeigen anschließend konkret
auf, wie ein solidarisches Geld- und Finanzsystem aussehen könnte –
eines, das kein Wachstum mehr braucht. In einem solchen System geht
es dann nicht mehr darum, aus Geld noch mehr Geld zu machen,
sondern das Geld schlicht in den Dienst des Gemeinwohls zu
stellen.
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