#39 | AI und Sprache: Demokratisierung oder Verflachung? | Gast: Barbara Schwede, Kommunikationsexpertin
29 Minuten
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vor 1 Woche
In dieser Folge des Podcasts «AI und Gesellschaft – Wege
in die neue Welt» diskutiert Moderator Christoph Soltmannowski
mit der Strategie-Expertin Barbara Schwede über die
tiefgreifenden Veränderungen unserer Sprache durch Artificial
Intelligence (AI oder KI, Künstliche Intelligenz). Während die
Technologie den Zugang zur schriftlichen Kommunikation
demokratisiert, warnt die Expertin vor einem schleichenden
«sprachlichen Einheitsbrei» und dem Verlust kultureller
Identität.
Die Sprache ist das Betriebssystem unserer Gesellschaft. Doch was
passiert, wenn dieses System zunehmend von Algorithmen
umgeschrieben wird? Barbara Schwede, Dozentin und Inhaberin einer
Agentur für digitale Strategie, blickt im Gespräch mit Moderator
Christoph Soltmannowski auf eine Entwicklung, die weit über
blosse Effizienzsteigerung hinausgeht.
KI fungiert heute in erster Linie als Werkzeug der
Demokratisierung. Menschen, denen es bisher schwerfiel, Gedanken
präzise zu strukturieren oder komplexe Sachverhalte zu
formulieren, erhalten durch KI-Tools eine Stimme, die «perfekt
geschliffen» klingt. Diese Inklusion ermöglicht eine breitere
Teilhabe an öffentlichen Diskursen und baut Barrieren ab.
Doch diese neue Leichtigkeit hat ihren Preis: den Verlust der
Einzigartigkeit. Schwede beobachtet eine zunehmende
Vereinheitlichung. KI-Texte folgen oft den gleichen Mustern:
typische Bulletpoints, Dreierfiguren bei Adjektiven und ein immer
ähnlicher werdender Aufbau. Die Expertin geht sogar so weit, dass
sie ihren eigenen Schreibstil anpasst, um nicht nach «Maschine»
zu klingen – so verzichtet sie mittlerweile zum Beispiel bewusst
auf Bindestriche, weil diese für sie heute nach einem typischen
KI-Duktus aussehen.
Ein zentraler Kritikpunkt im Podcast ist der Umgang mit der
Verantwortung. Die Perfektion der KI-Outputs verleitet dazu, in
einen «geistigen Schlummermodus» zu verfallen; Texte werden
unreflektiert übernommen.
Hier zieht Barbara Schwede eine klare rote Linie: «Solange mein
Name unter einem Text steht, muss ich dafür einstehen können».
Die Verantwortung für Fakten und die ethische Einordnung bleibt
eine rein menschliche Domäne. Besonders in der
Krisenkommunikation oder bei juristischen Themen sei menschliche
Kontrolle absolut unerlässlich.
Gutes Texten bleibt Handarbeit
Für die Medienbranche und die Unternehmenskommunikation bietet KI
enorme Chancen zur Automatisierung repetitiver Aufgaben, wie etwa
die Aufbereitung von Inhalten für verschiedene Kanäle oder
einfache Übersetzungen. Dennoch bleibt gutes Texten laut Barbara
Schwede Handarbeit: Tiefgehende Recherche, das Einfühlen in
emotionale Kontexte und eine klare Haltung lassen sich (noch)
nicht durch Wahrscheinlichkeitsberechnungen ersetzen.
Marken stehen vor der Herausforderung, trotz KI-Unterstützung ein
eigenes Profil zu behalten. Während KI häufig Ecken und Kanten
«weichspült», entsteht Aufmerksamkeit gerade durch humorvolle
Stolpersteine oder dialektale Feinheiten – Elemente, bei denen
die KI oft versagt.
Verflachung droht
Besorgniserregend ist laut Schwede die kulturelle Verflachung. Da
viele Modelle auf englischsprachigen Daten basieren, gehen lokale
Referenzen, spezifische Sprichwörter und die spielerische Freude
an der Sprache oft verloren. «Ich habe manchmal das Gefühl, der
Spaß an der Sprache geht ein bisschen verloren», so Schwede im
Podcast.
Die Zukunft der Sprachberufe sieht Schwede in einer massiven
Konsolidierung. Während das Auftragsvolumen für einfache
Übersetzungen bereits radikal auf ein Zehntel geschrumpft ist,
gewinnen strategische und kuratorische Fähigkeiten an Bedeutung.
Die Rolle des Menschen wandelt sich vom reinen Texter zum
kritischen Kurator, der den Output der Maschine steuert, prüft
und mit individueller Kreativität veredelt.
Website von Barbara Schwede:
Die Schwedin.
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