Thema in Sachsen Archiv
106 Episoden
39 Minuten
Mit neuen Gaskraftwerken will sich Deutschland künftig vor Stromengpässen schützen. Doch diese Sicherheit hat ihren Preis. Ab 2031, also ab dem Zeitpunkt, an dem die ersten neu gebauten Kraftwerke ans Netz gehen sollen, ist eine Umlage geplant, die jeder Stromverbraucher zahlen muss. Wie stark wird sich das auf die Stromrechnung auswirken? Energieökonom Dominik Möst von der TU Dresden rechnet es im Podcast „Thema in Sachsen“ von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung vor. Der Wissenschaftler kommt zu dem Schluss, dass es mit dem Strompreis ab dann zwar weiterhin „grundsätzlich in die falsche Richtung geht“, eine Kostenexplosion allerdings nicht zu erwarten sei. Stattdessen sei es positiv zu bewerten, dass mit den neuen Reservekapazitäten überhaupt erst die Voraussetzungen für eine sichere Stromversorgung geschaffen würden. Doch ist das Setzen auf Gas solch eine gute Idee, wo doch ausgerechnet dieser Rohstoff im Zuge globaler Konflikte immer teurer geworden ist und starken Preisschwankungen unterliegt? Auch diese grundsätzliche Frage beantwortet der Wissenschaftler und erklärt dabei genau, wie groß die Lücke in der Stromversorgung wird, wenn ab 2038 die Kohleverstromung endgültig vorbei ist. Dass in den kommenden fünf Jahren Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von elf Gigawatt gebaut werden, ist mit dem sogenannten „Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz“ besiegelt worden. Wie insbesondere Sachsen davon profitieren will, erklärt im Podcast Franziska Höhnl, Landespolitik-Korrespondentin von SZ und LVZ. Die Reporterin schildert, wie vor allem die bisherigen Braunkohlestandorte in der Lausitz und rund um Leipzig auf Investitionen und neue Perspektiven hoffen können. Zudem ordnet Höhnl ein, was es mit der Abschwächung des ursprünglich geplanten „Südbonus‘“ auf sich hat – und wieso das vergangene Woche verabschiedete Gesetz auch ein Beleg dafür ist, wie sich ostdeutsche Interessen auf Bundesebene durchsetzen können. Die Folge von „Thema in Sachsen” behandelt außerdem auch zentrale Verbraucherfragen: Warum wird Strom trotz eines fortwährend steigenden Anteils erneuerbarer Energien nicht automatisch günstiger? Welche Rolle könnten Batteriespeicher künftig übernehmen? Und wieso ist bei aller Kritik am Bau von neuen Gaskraftwerken die andauernde Diskussion um eine Rückkehr zur Atomkraft nicht zielführend? Alle Antworten gibt es im Podcast.
51 Minuten
„Der Aufsichtsrat schneidet sich ins eigene Fleisch, sollte er den Standort schließen“, das sagt Jens Katzek, Geschäftsführer des Automotiv Cluster Ostdeutschland im Podcast „Thema in Sachsen“ von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung. Der Branchenexperte ordnet darin ein, welche Folgen es hätte, sollte der Volkswagen-Konzern sein Werk in Zwickau aufgeben. Der mutmaßliche Plan ist vor reichlich zwei Wochen bekannt geworden, als eine Streichliste durch einen Bericht im Manager Magazin lanciert wurde. Demnach erwägt VW offenbar die Schließung von vier Werken in Deutschland. Darunter ist auch das in Zwickau, das wiederum erst vor wenigen Jahren für mehr als eine Milliarde Euro speziell für die Produktion von E-Autos umgebaut wurde. Was würde passieren, wenn VW in Zwickau wirklich dichtmacht? Könnte das Werk von einem anderen Hersteller übernommen werden - perspektivisch vielleicht chinesische Autos produzieren? Oder macht sich die Region Südwestsachsen jetzt unabhängiger von der Autoproduktion und setzt künftig den Schwerpunkt auf andere Branchen - zum Beispiel Rüstung? Darum geht es in der aktuellen Folge des Podcasts, in der neben dem Auto-Experten Katzek auch mehrere VW-Mitarbeiter zu Wort kommen. Außerdem schildert Investigativreporter Gunnar Klehm seine Eindrücke von Recherchen vor Ort und Oberbürgermeisterin Constance Arndt beschreibt die heikle aber nicht aussichtslose Situation für ihre Stadt.
27 Minuten
Mitten in einem Gewerbegebiet in Dölzig bei Leipzig, zwischen Tankstellen und Lagerhallen, leben acht Sibirische Tiger. Doch die Idylle der einstigen „Tigerkönigin“ Carmen Zander ist längst zu einem juristischen Schlachtfeld geworden. Nach einem dramatischen Tigerausbruch im Mai, bei dem ein Helfer lebensgefährlich verletzt wurde und Tiger-Männchen Sandokan erschossen werden musste, stellt sich die Frage: Hätte diese Katastrophe verhindert werden können? In dieser Folge von „Thema in Sachsen“ rekonstruieren wir den Vorfall und blicken hinter die Kulissen des umstrittenen Tigerplatzes. Warum darf Carmen Zander ihre Tiere trotz fehlender Genehmigungen seit Jahren behalten? Wie bewerten Experten die Haltung direkt an der A9? Und was passiert nun mit den verbleibenden Tigern? In dieser Episode im Gespräch: Laura Krugenberg: Reporterin der Leipziger Volkszeitung, die den Fall seit Langem begleitet. Carmen Zander: Die Dompteurin über die dramatischen Minuten des Ausbruchs. Dr. Dörnath: Eine Tierärztin, die den Zustand der Tiger als „Goldstandard“ verteidigt. Carina Heinrich: Die Landestierschutzbeauftragte über die Gefahren privater Wildtierhaltung. Patrick Müller: Sprecher der Auffangstation AAP über Raubkatzen, nachdem sie aufgenommen wurden. Ralf Huppertz: Vorstandsvorsitzender vom Verband Deutscher Circusunternehmen über die beste Lösung für Carmen Zander und ihre Tiger Weitere Hintergründe und die komplette Reportage zum Nachlesen: Carmen Zander: Eine Tigerkönigin ohne Reich https://kurz.lvz.de/nthy Carmen Zander nach Tigerangriff: „Ich verstehe nicht, was hier passiert ist“: https://kurz.lvz.de/it7r
48 Minuten
Drei Jahre Bauzeit, schneller fertig als geplant, 1000 neue Arbeitsplätze, fünf Milliarden Euro Investition - das ist ein Großprojekt. Und noch dazu eins, bei dem nicht reflexartig zuerst darüber gesprochen wird, was alles schiefgegangen ist. Die bevorstehende Eröffnung der vierten Fabrik des Halbleiterkonzerns Infineon Technologies AG in Dresden am 2. Juli verdeutlicht: Deutschland kann es noch. Für Thomas Richter ist die nagelneue Smart Power Fab aber noch weit mehr als ein erfolgreich abgeschlossenes Bauprojekt. Der Geschäftsführer von Infineon Dresden hat vor etwas mehr als 30 Jahren in der Halbleiter-Industrie angefangen. Mitte der 1990er war er dabei, als in Dresden zum ersten Mal auf der Welt die industrielle Produktion von Mikrochips auf 300-Millimeter-Wafern erfolgte. Für die Branche war das ein Meilenstein, für Sachsen der Beginn des Aufstiegs zu einer weltweit führenden Region in der Halbleiterproduktion. Für den 52-Jährigen fühlt es sich so an, als würde sich ein Kreis schließen. „Ich darf jetzt zum dritten Mal an diesem Standort eine Erweiterung mit begleiten. Das macht mit mir persönlich etwas, dass ich diese Erfolgsgeschichte immer wieder mit begleiten und vielleicht ein Stück weit auch mitschreiben durfte“, sagt Richter im Podcast „Thema in Sachsen“ von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung. In dem exklusiven Interview vor der Eröffnung spricht Thomas Richter über die Bedeutung der Smart Power Fab für Dresden, Sachsen und Europa. Warum kommt die Fabrik genau jetzt zur richtigen Zeit? Es geht um den KI-Boom, um wie Pilze aus dem Boden schießende Rechenzentren und wieso gerade jetzt Mikrochips aus Dresden weltweit gebraucht werden. Außerdem schildert Richter, wieso Chip-Produzenten trotz gut laufender Geschäfte beim Bau neuer Fabriken staatliche Förderungen in Anspruch nehmen. Die neue Fab von Infineon wurde mit einer Milliarde Euro subventioniert. Wieso der Manager nicht von einer Subvention sprechen will, sondern lieber von einer Investition, erklärt er ausführlich und kommt dabei zu einem wichtigen Punkt. „Wir wachsen! Das ist eine Riesenchance, insbesondere gegenüber anderen Regionen in Deutschland.“ Doch wieso ist Sachsen dank der Halbleiterindustrie wirtschaftlich besser aufgestellt als viele andere Regionen Deutschlands? Und weshalb ist für ein Fortbestehen dieses Wachstums das Werben um internationale Fachkräfte und mehr Frauen in technischen Berufen entscheidend? Auch darum geht es in dem Interview - und um die inzwischen über 30-jährige Erfolgsgeschichte von Silicon Saxony.
45 Minuten
„Gasheizungen in Deutschland sind generell sicher“, sagt Henry Auerbach. Aber: „Einen hundertprozentigen Schutz vor manipulativen oder kriminellen Eingriffen gibt es nicht.“ Auerbach ist technischer Berater beim sächsischen Innungsfachverband Sanitär Heizung Klima und beschäftigt sich in der aktuellen Folge von "Thema in Sachsen" mit der Frage, inwiefern sich Gasheizungen und Leitungen bestmöglich schützen lassen. Anlass ist der Einsturz eines Mehrfamilienhauses in der Görlitzer James-von-Moltke-Straße am 18. Mai, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Die genaue Ursache für das Unglück ist zwar noch nicht eindeutig festgestellt, allerdings gilt eine Gasexplosion als wahrscheinlich. Zudem nährt die Verhaftung zweier Buntmetalldiebe sowie ein damit zusammenhängender Zeugenaufruf der Polizei den Verdacht, dass möglicherweise ein Defekt oder Leck an der Heizungsanlage eine Kette von Ereignissen ausgelöst hat, die in der Katastrophe endete. Auerbach schildert, welche hohen Sicherheitsstandards Gasheizungen in Deutschland erfüllen müssen. Bindend für den Betrieb und die Installation von Anlagen sei demnach die sogenannte Technische Regel für Gasinstallationen, die von der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches herausgegeben wird. „Beispielhaft müssen Gasheizungen wiederkehrend auf Dichtheit geprüft werden und gegen manipulative Eingriffe durch Gasströmungswächter, Sicherheitsschellen und Sicherheitsverschlüsse geschützt werden“, sagt Auerbach. Anschließend erklärt er, wie genau diese Bauteile vor den Folgen unsachgemäßer Manipulation schützen können - und was man zusätzlich zur Erhöhung der Sicherheit beitragen kann. Stichwort: Gaswarnmelder. Außerdem berichtet Sebastian Beutler, Reporter und Leiter der Görlitzer Lokalredaktion, wie die Stadt mit dem Unglück umgeht. Beutler rekonstruiert im Podcast die ersten Stunden und Tage nach dem Einsturz und ordnet den aktuellen Stand der Ermittlungen ein. Warum wird eine Gasexplosion vermutet? Wie kam die Polizei zwei Buntmetalldieben auf die Spur? Und wie sicher weiß man, dass die beiden aus Polen und Afghanistan stammenden Männer, sich am Unglückstag in dem späteren Einsturzhaus aufgehalten haben? Beutler beantwortet die wichtigsten Fragen - auch zu einer politischen Debatte, die die AfD nach dem zweiten Wahlgang der OB-Wahl in der Stadt angestoßen hat. Dabei hatte sich Amtsinhaber Octavian Ursu von der CDU am 31. Mai durchgesetzt. Erst rund eine Woche danach wurde die Verhaftung der Buntmetalldiebe öffentlich bekannt. Die AfD wittert einen Skandal bzw. wirft den Behörden das bewusste Zurückhalten von Informationen vor. Lokalreporter Sebastian Beutler erklärt, wieso das „aus der Luft gegriffen“ ist. Schließlich erklärt Marko Laske, Sprecher der Polizeidirektion Dresden, wie groß das Phänomen Buntmetalldiebstahl ist, warum Ermittlungen oft schwer sind und wie Täter versuchen, ihre Beute zu Geld zu machen. Und: Laske gibt Tipps, wie man sein Hab und Gut vor Einbrechern schützen kann bzw. wo es kostenfreie Informationsangebote zu dem Thema gibt.
52 Minuten
„Wir haben es am Ende hinbekommen.“ Erleichtert spricht Marcus Hoffmann am vergangenen Sonntag diese Worte in die Mikrofone von Reportern. Der CDU-Mann und Politik-Neuling hatte da gerade den zweiten Wahlgang der Wahl zum Oberbürgermeister in Aue-Bad Schlema für sich entschieden – mit gerade einmal rund 500 Stimmen Vorsprung vor Stefan Hartung, dem Kandidaten der rechtsextremen Kleinstpartei Freie Sachsen. Das Ergebnis ist denkbar knapp und liefert die Erkenntnis, dass sogar rechts neben der AfD noch Platz ist. Fast die Hälfte der Wahlberechtigten in der kleinen Stadt im Erzgebirge haben Hartung gewählt, einen früheren NPD-Funktionär und Mitgründer der vom Verfassungsschutz beobachteten Freien Sachsen. Nach dieser Wahl stellen sich nun viele Fragen. Angefangen damit, wieso es überhaupt ein solch enges Rennen werden konnte. Was sagt das über die Stimmung in Aue-Bad Schlema aus? Und was lässt sich daraus ableiten? Der Podcast „Thema in Sachsen“ sucht nach Antworten. Zu Gast sind Janek Treiber, Politikwissenschaftler an der TU Dresden, sowie Josa Mania-Schlegel, Investigativreporter von SZ und LVZ. Das Ergebnis zeige, so sagt es der Politologe Treiber, „dass der Bedeutungsverlust der sogenannten etablierten Parteien“ vor allem in ländlichen Gegenden inzwischen so weit fortgeschritten sei, „dass auch solche Kandidaten [wie Hartung] in die Nähe eines Wahlsiegs kommen können“. Für die CDU biete der Wahlsieg daher keinen Grund zum Feiern. Im Gegenteil, warnt der Experte: „Dass die Partei hier auf Augenhöhe fast schon in einem Abwehrkampf mit einer Kleinstpartei war, das sollte der CDU zu denken geben“, sagt Treiber. Sachsens CDU war im Wahlkampf in der Erzgebirgsstadt wenig sichtbar. Hat die Partei das Risiko, dass tatsächlich ein Rechtsextremist die Wahl gewinnen könnte, unterschätzt – oder war das eine bewusste Strategie? In seiner Analyse kommt Treiber zu dem Schluss, dass das eher spärliche Einmischung der Landespolitik auf eine schwindende Bindungskraft führender Politiker zurückzuführen ist. Diese Einschätzung deckt sich mit Aussagen des Wahlsiegers. Marcus Hoffmann, der im Podcast auch mehrmals zu hören ist, betont: „Für uns war es wichtig, dass der Fokus wirklich auf dieser Personenwahl liegt. Deswegen ist es so, wie wir es gemacht haben und wie es lief, eigentlich perfekt gewesen.“ Im zweiten Teil der Podcastfolge berichtet Reporter Josa Mania-Schlegel von seinen Eindrücken aus Aue-Bad Schlema am Wahlabend. Er beschreibt die Stimmung in der politisch gespaltenen Stadt und erzählt, wie er insbesondere das Auftreten des künftigen OB erlebt hat. Hoffmann sei „ein ganz leiser, zurückhaltender Mensch“. Wird es ihm gelingen, die Menschen in Aue-Bad Schlema wieder zusammenzuführen? Der Reporter hat Hoffmann gefragt, wie er das schaffen will.
1 Stunde
Der illegale Handel mit Haustieren – insbesondere mit Hundewelpen – ist ein so großes Problem, dass sich damit auch die Europäische Union beschäftigt. Ende April hat das EU-Parlament ein Gesetz verabschiedet, das darauf abzielt, „missbräuchliche und grausame Geschäftspraktiken einzudämmen – und die Gesundheit von Hunden und Katzen zu schützen.“ So steht es in der entsprechenden Pressemitteilung des Parlaments. Ein Blick nach Sachsen zeigt: Was die EU gerade regulieren will, ist im Freistaat ein reales Problem. Erst kürzlich hat die Antwort des Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Landtag ergeben, dass in den vergangenen fünf Jahren allein hier fast 1000 Fälle illegalen Tierhandels registriert wurden, meist mit Hundewelpen. In dieser Folge des Podcasts „Thema in Sachsen“ von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung geht es um die Hintergründe der geplanten neuen EU-Regeln, einen ganz konkreten Fall illegalen Welpenhandels an der sächsisch-polnischen Grenze, warum diese Tiere oft nicht gesund sind – und um die Frage, worauf man als Käufer eines Hundes bei der Suche nach einem Welpen achten muss. Zu Gast sind: - Angela Eißner, Tierärztin aus Dresden: Sie erklärt, woran man illegal gehandelte Welpen erkennen kann, welche Krankheiten häufig auftreten und welche Folgen es hat, dass viele der betroffenen Tiere viel zu früh von ihren Müttern getrennt werden. Außerdem berichtet sie von ihren Erlebnissen bei der Arbeit in einem Tierheim und einer Beobachtung, die sie dabei gemacht hat. "Immer in den Sommerferien, wenn sich viele einen Hund zulegen wollen, schwappt förmlich eine Welle von Welpen nach Deutschland rein", erzählt sie und beschreibt damit, wie organisiert illegale Händler vorgehen. - Nancy Wendler und Kai Hartmann, Betreiber einer Dresdner Hundeschule: Sie sprechen darüber, worauf man beim Hundekauf achten sollte und welche Warnsignale es gibt, um nicht einem Betrug aufzusitzen. „Wenn Welpen einfach so verscherbelt werden, dann ist das fragwürdig“, sagen sie und erklären, wie viel ein Hundewelpe von einem vertrauenswürdigen Züchter kostet. Außerdem geben Wendler und Hartmann Tipps, wie das Zusammenleben mit Hunden - insbesondere in den ersten Wochen - am besten funktioniert. - Thilo Alexe, Reporter von SZ und LVZ: Er ordnet die Lage in Sachsen ein und erklärt, wie der illegale Welpenhandel funktioniert – von dubiosen Onlineanzeigen bis hin zu Übergaben auf Rastplätzen an der Autobahn. Brisant wird es beim Thema Strafverfolgung. Denn, wie eine Auskunft des Sozialministeriums zeigt: Die fast 1000 registrierten Fälle haben nur 21 Strafverfahren nach sich gezogen.
1 Stunde 2 Minuten
„Das ist wirklich absurd“, sagt Karin Prien (CDU) bei einer Podiumsdiskussion der Medienhäuser Publix und Correctiv Ende April in Berlin. Sie meint damit: „Die Überheblichkeit, zu glauben, dass der Bestand dieses demokratischen Systems gerettet werden könnte über die wenigen, zum Teil extrem selbstreferenziellen Gruppen, die bei ‚Demokratie leben‘ gefördert werden.“ Die Bundesfamilienministerin hat in dem Talk ihre Pläne zur Umstrukturierung der Förderung des Programms „Demokratie leben“ verteidigt. Bei rund 200 Projekten in Deutschland droht zum Jahresende die Förderung auszulaufen, 24 davon in Sachsen. Der Vorwurf: Einige geförderte Projekte hätten linksliberale Schlagseite und würden nicht die Mitte der Gesellschaft erreichen. In dieser Folge des Podcasts „Thema in Sachsen“ fragen Leipziger Volkszeitung und Sächsische Zeitung: Stimmt das? Was steckt genau hinter den Plänen der Bundesregierung? Wer ist eigentlich die Mitte? Und welche ganz konkreten Folgen hätte ein Ende der Förderung für die betroffenen Projekte in Sachsen? Zu Gast ist Johannes Kieß. Der Demokratieforscher von der Universität Leipzig und stellvertretende Leiter des auf Extremismusforschung spezialisierten Else-Frenkel-Brunswik-Instituts (EFBI) macht deutlich: „Durch das Abbrechen von Förderungen werden sich Trägervereine auflösen müssen und Strukturen verloren gehen.“ Kieß macht im Podcast deutlich, welche Rolle viele Initiativen, die in Schulen, Vereinen oder Gemeinden aktiv sind, haben. Er warnt mit Blick auf organisierte und teils gefestigte rechtsextreme Strukturen in Sachsen: „Demokratieprojekte waren und sind ein Schutzschild dagegen.“ Ist das dem Bundesfamilienministerium etwa nicht klar? Oder versucht das CDU-geführte Ministerium mit der Maßnahme der AfD in der Debatte um Demokratieförderung den Wind aus den Segeln zu nehmen? Der Extremismusexperte hat dazu eine klare Einschätzung - und die fällt weder gut für die CDU aus, noch für die Demokratieförderung. Er sagt: Die geplanten Änderungen seien ein „Angriff auf die gesamte Förderlandschaft“. Und er findet: „Das ist nicht nur ein Kampf um die Mitte, sondern um die Demokratie.“ Außerdem erzählt in dem Podcast der Reporter Valentin Dreher vom Investigativteam der Gemeinschaftsredaktion von LVZ und SZ, was seine Kollegen und er bei Besuchen von betroffenen Einrichtungen in Sachsen herausgefunden haben. Zu hören ist unter anderem eine Pädagogin, die in einer Gedenkstätte in Chemnitz über die Opfer der NS-Euthanasie aufklärt und sich fragt, ob ihr Wirken „zu links“ sei. In Bautzen wird das Projekt Steinhaus besucht, das unter anderem ein Stadtteil-Café als Treffpunkt in einem „Problemviertel“ etabliert hat. Und schließlich wird David Zühlke gefragt, wie er es findet, dass nach Aussagen Karin Priens beispielsweise auch Freiwillige Feuerwehren einen demokratischen Bildungsauftrag übernehmen könnten. Zühlke ist Bürgermeister der Gemeinde Elstertrebnitz südwestlich von Leipzig, Kreisvorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr – und hat eine ziemlich klare Haltung zu der Idee, wie man im Podcast hören kann.
27 Minuten
Der 4. Mai 2026 wird als trauriger Tag in die Stadtgeschichte von Leipzig eingehen. „Es ist eine Tat, die wahrscheinlich nie verstehbar sein wird“, sagt am späten Montagnachmittag Oberbürgermeister Burkard Jung (SPD) vor Reportern. Kurz zuvor war ein Autofahrer durch die Grimmaische Straße zum Markt gerast. Rund 500 Meter durch die Innenstadt. Das Auto fährt mehrere Menschen an und um. Mindestens ein Mann und eine Frau sterben, weitere Menschen werden durch die Raserfahrt verletzt. Diese Folge des Podcasts „Thema in Sachsen“ von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung fasst zusammen, was sich bereits über die Ereignisse sagen lässt. Was ist - Stand Dienstagmittag - bekannt? Was noch nicht? Wie laufen die Ermittlungen? Und: Wie geht es jetzt weiter? Im Podcast schildert Reporter Josa Mania-Schlegel, was zunächst über den mutmaßlichen Täter bekannt ist. Demnach soll es sich um einen 33 Jahre alten Deutschen handeln. Er soll als Boxtrainer gearbeitet haben. Das Gesundheitsministerium bestätigte am Dienstag, dass sich der mutmaßliche Täter bis Ende April freiwillig für kurze Zeit in einer Psychiatrie im Großraum Leipzig behandeln ließ und für den demnach keine Anzeichen dafür vorlagen, dass er für sich oder andere eine Gefahr darstellt. Reporter Josa Mania-Schlegel beschreibt, wie er die Stadt seit der Amokfahrt erlebt. Er berichtet von zahlreichen Begegnungen mit Augenzeugen, Helfern und Einsatzkräften. Er hat einige Stimmen eingefangen, unter anderem berichtet eine Augenzeugin, eine junge Altenpflegerin, wie sie „einen lauten Knall“ wahrgenommen und dann das Auto des mutmaßlichen Täters mit „mindestens 50 km/h“ durch die Grimmaische Straße habe rasen sehen. „Diese Bilder“, setzte sie an - und kann den Satz nicht beenden. Sie habe versucht den Rat einer Freundin zu befolgen. „Sie sagte: ‚Schau nicht nach unten zu den Verletzten.‘" Ebenfalls zu hören: Sachsens Innenminister Armin Schuster. Der CDU-Politiker dankt Helfern und Einsatzkräften. Explizit wendet er sich allerdings an die „besonnenen Passanten, die nicht nur gut reagiert haben, sondern auch sofort Hilfe geleistet haben.“ Schuster sagt: „Das war eine bemerkenswerte Teilnahme.“ Und tatsächlich, so beschreibt es auch der Reporter Josa Mania-Schlegel, hätten gerade die Menschen in Leipzig dafür gesorgt, dass neben allem Schmerz, den die Tat verursacht hat, auch so etwas wie Hoffnung aufkam. Es gab eine große Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft. Außerdem hatten Passanten großen Anteil daran, dass der Tatverdächtige gestellt werden konnte. „Das Gegaffe, wie man es heutzutage oft kennt, hat sich in Grenzen gehalten. Jeder hatte begriffen, dass etwas Schreckliches passiert ist“, so Mania-Schlegel. „Da bin ich auch ein bisschen stolz auf meine Stadt.“ Schließlich berichtet noch der leitende Arzt der Notaufnahme im Klinikum St. Georg, Robert Stöhr, wie sich binnen kurzer Zeit die Lage für ihn und sein Team im Krankenhaus verändert hat. Stöhr erklärt, es habe einen sogenannten „MANV“-Alarm gegeben. MANV steht für Massenanfall von Verletzten.
53 Minuten
Beruflich ein Weltstar – und in Dresden gern einfach abgetaucht. Wer dem DJ Purple Disco Machine in sozialen Medien folgt, bekommt ein Bild von einem Menschen, der offenbar überall zu Hause ist, von Auftritt zu Auftritt jettet und nie zur Ruhe kommt. Im Talk bei Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung verrät der 46-Jährige, der eigentlich Tino Piontek heißt, dass dahinter Absicht steckt. Während er auf seinen Kanälen fast ausschließlich Bilder von Konzerten oder besonderen Momenten auf Reisen zeige, verbringe er ruhigere Phasen bewusst daheim. „Ich nehme meistens auch im Winter so drei Monate frei. In denen ich dann nur in Dresden bin“, sagt er und erzählt, warum die Zeit mit seiner Familie für ihn kostbar ist. Das Gespräch, das während einer Live-Veranstaltung im Haus der Presse in Dresden aufgezeichnet wurde, gibt es jetzt zum Hören hier in voller Länge in dieser Sonderfolge im Podcast „Thema in Sachsen“. Im Interview mit Feuilletonredakteur Oliver Reinhard gibt Piontek viele private Einblicke und beschreibt insbesondere, wie sich sein Leben nach dem Gewinn eines Grammys verändert habe. 2023 erhielt Piontek für seinen Remix der Single „About Damn Time“ von Rapperin Lizzo den begehrten Musikpreis. Bis dahin, so erzählt er es, hätten ihn Menschen auf der Straße kaum erkannt. „Nicht mal mein Nachbar wusste, was ich mache.“ Seine Heimatstadt Dresden habe sich, wenn man so will, immer wie ein sicherer Rückzugsort angefühlt. Und jetzt, also nach dem Grammy? Das Trennen von Privatleben und Beruf sei ein Balanceakt. Er erzählt, wie ihm das gelinge und was insbesondere seine Frau dazu sagt – begleitet von persönlichen Anekdoten und einigen Lachern. Außerdem schildert Piontek in dem Interview, wie es dazu kam, dass er mit insgesamt vier ausverkauften Shows maßgeblich die Wiedereröffnung des frisch sanierten Dresdner Zwingers mitgestaltet. Darüber entspinnt sich eine Debatte darüber, wieso die sächsische Landeshauptstadt bei popkulturellen Konzerten im Vergleich zu anderen Großstädten aktuell abgehängt zu sein scheint. Piontek berichtet von seinen Erfahrungen bei Gesprächen mit „Personen aus der Stadt“. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Diskrepanz zwischen Hochkultur und Popkultur größer sei „als in vielen anderen Städten, zum Beispiel in Leipzig.“ Hochkultur werde stärker gefördert – und Popkultur: „Ich will es nicht sagen – als Störfaktor gesehen.“ Können DJ-Konzerte im barocken Zwinger die kulturellen Welten vereinen? Piontek hofft, damit etwas „aufbrechen“ zu können, und sagt schließlich: „Am Ende ist es Kultur.“
50 Minuten
Auf den Corona-Boom folgte der Absturz mit ruinösen Rabattschlachten. Die Fahrradbranche hatte es in den vergangenen Jahren nicht leicht: Viele Unternehmen saßen nach starken Verkäufen während der Pandemie auf vollen Lagern. Es kam zu massiven Preisnachlässen, sinkenden Umsätzen – und schließlich vielen Insolvenzen bei Herstellern, Zulieferbetrieben und Händlern. Wie ist die Lage heute? Gibt es wieder Grund für Optimismus – insbesondere in Sachsen, einem Hotspot der Branche? Und was kosten E-Bikes und normale Räder jetzt eigentlich, nachdem sich der Markt wieder zu beruhigen scheint? Darum geht es in dieser Folge des Podcasts „Thema in Sachsen“ von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung. Zu Gast sind SZ- und LVZ-Wirtschaftsreporter Florian Reinke, der einen Überblick über die wichtigsten Zahlen und Fakten gibt, sowie Robert Peschke. Er ist Gründer und Geschäftsführer von Little John Bikes, einer der größten Fahrradhandelsketten Deutschlands mit Hauptsitz in Dresden, Wurzeln in Neukirch bei Bautzen und einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro. Peschke sagt: „Die Branche ist immer noch nervös.“ Zwar seien die Überkapazitäten im Handel inzwischen weitgehend abgebaut. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh, der Markt konsolidiere sich noch. „Das ist ein Prozess von mehreren Jahren, bei dem ich mit dem Verschwinden von Händlern in zweistelliger oder dreistelliger Anzahl rechne.“ Auch große Player würden wackeln. Sein eigenes Unternehmen sei ein Gewinner der zurückliegenden Krisenjahre. „Auch im vergangenen Jahr sind wir wieder gewachsen.“ Das Unternehmen hat inzwischen über 60 Filialen im gesamten Bundesgebiet, Tendenz steigend. Den Grund für den Erfolg sieht er darin, dass seine Firma auf solides Wachstum setze statt auf kurzfristige Umsatzspitzen. „Wir hatten nie ein einziges Fahrrad zu viel auf Lager.“ Flapsig sagt er: „Es gibt den Spruch: Gier frisst Hirn.“ Und die Preise für Fahrräder? Hier hat Peschke gute Nachrichten für potentielle Käuferinnen und Käufer. Auch wenn die Zeit der großen Rabatte vorbei ist, sei der Wettbewerb im Fahrradmarkt nach wie vor groß. Die Folge, hier einmal kurz erklärt, im Podcast aber ausführlich besprochen: Hersteller würden wieder zu niedrigeren Preissegmenten zurückfinden, die sie zuvor aufgebeben hatten. Ein besonderes Augenmerk wird im Podcast auf den E-Bike-Bereich gelegt. Seit 2015 hat sich die Zahl der E-Bikes auf den Straßen in Deutschland verzehnfacht. Aktuellen Erhebungen zufolge sind 17 Millionen elektrisch angetriebene Räder unterwegs. Zum Vergleich: E-Autos sind derzeit rund 2 Millionen in Deutschland zugelassen. Macht die Fahrradbranche vor, wie der Umstieg auf E-Mobilität geht? Außerdem in dieser Podcastfolge: Ein Blick voraus auf die Fahrradfeste von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung. Den Auftakt macht am 10. Mai das LVZ-Fahrradfest, das fünf Touren ab Taucha anbietet. Am 28. Juni folgt dann das SZ-Fahrradfest, das in diesem Jahr sein 30. Jubiläum feiert und wie immer in Dresden startet. Doreen Barz und Kevin Lange, die Chef-Organisatoren der Feste, erklären alles, was man über die Strecken, die Anmeldung und Höhepunkte wissen muss.
1 Stunde 29 Minuten
17 Cent weniger Energiesteuer auf Benzin und Diesel für zwei Monate, dazu ein steuerfreier Krisenbonus von bis zu 1000 Euro, den Arbeitgeber ihren Mitarbeitern zahlen können. Die Bundesregierung hat Anfang dieser Woche ein Entlastungspaket angekündigt und will die Maßnahmen schnell umsetzen. Für kollektives Aufatmen scheinen die Pläne aber nicht zu sorgen. Das ist der Eindruck, den auch die Gäste in der aktuellen Folge im Podcast „Thema in Sachsen“ von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung haben. Befragt wurden der Ökonom und Direktor des Dresdner ifo-Instituts Marcel Thum, der Leipziger Automobil-Experte Jens Katzek sowie Andreas Hanitzsch, Chef eines großen Speditions-Unternehmens mit Sitz in Kesselsdorf. Zunächst ordnet SZ- und LVZ-Korrespondentin Franziska Höhnl die Lage ein und erklärt, wie die Entlastungspläne konkret aussehen. Dabei wird schnell klar: Tankrabatt und steuerfreie Bonuszahlungen sind nichts Neues, das gab es bereits 2022 im Zuge der Energiekrise. Schon damals wurde kritisiert, dass diese Maßnahmen teuer, wenig zielgenau und ohne Garantie dafür sind, dass Entlastungen auch wirklich bei den Verbrauchern ankommen. Die zentrale Frage jetzt ist also: Was bringt das Entlastungspaket? Der Podcast geht dieser Frage nach - insbesondere mit Blick auf die Stimmung in Sachsen. Spediteur Andreas Hanitzsch, Chef von 250 Mitarbeitern, begrüßt die vorübergehende Senkung der Energiesteuer. Doch für echte Entlastung fehle ihm das Entscheidende: „Die langfristige Planungssicherheit.“ Er rechnet vor, wie sich der Preissprung beim Treibstoff für seine Lastwagenflotte auswirkt und was das für sein Unternehmen bedeutet. Auch über den Krisenbonus spricht der Unternehmer. „Grundsätzlich ist es wichtig und richtig, dass auch die Beschäftigten entlastet werden, da sie die steigenden Lebenshaltungskosten ebenfalls spüren“, sagt er. Aber wird er den Bonus auch zahlen können? Jens Katzek, Geschäftsführer des Automotive Cluster Ostdeutschland, sieht in der Krise auch Chancen. Sollte Kraftstoff dauerhaft knapp und teuer bleiben, könnte das den Umstieg auf Elektroautos beschleunigen. Profitieren könnte von einem Wachstum des Markts für E-Autos besonders der Osten. „Über 60 Prozent der hier in Ostdeutschland gebauten Autos sind Elektroautos“, sagt Katzek. Wenn die Nachfrage steige, könne das die hiesige Industrie stärken und Arbeitsplätze sichern. Der Ökonom Marcel Thum bewertet das Paket am kritischsten. „Es wäre besser gewesen, man hätte wahrscheinlich gar nichts gemacht", sagt der Volkswirt der TU Dresden und Direktor des ifo-Instituts. Seine Begründung: Der Preisanstieg sei ein weltweites Marktproblem, das man nicht wegsubventionieren könne. Statt kurzfristiger Maßnahmen brauche Deutschland langfristige Reformen, mehr Innovation und produktivere Unternehmen. Tankrabatt und Krisenbonus seien ökonomisch betrachtet keine Entlastungen. Es handele sich stattdessen um Steuerermäßigungen. „Das Geld fehlt letztendlich im Staatshaushalt. Das muss irgendwo anders aufgebracht werden.“ Letztlich erfolge, wie Thum es ausdrückt, nur eine Umverteilung. „Unserem Wachstumsproblem hilft das überhaupt nichts.“ Zu hören ist neben den drei ausführlichen Interviews mit Hanitzsch, Katzek und Thum auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der in dieser Woche im politischen Betrieb besonders aufgefallen ist. Kretschmer war mehrfach in Live-Schalten bei ARD und ZDF zu sehen, und auch bei SZ und LVZ drückte er am Reportermikrofon deutlich seinen Unmut über das Tempo der Bundesregierung bei der Krisenbewältigung aus.
1 Stunde 12 Minuten
„Das ist der Beginn einer zweiten Welle der Weltraumexploration“, sagt Alexander Gerst. Der deutsche Astronaut hat den Start der Artemis-2-Mission am Mittwoch vergangene vor Ort im Kennedy Space Center in Florida verfolgt. Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert haben sich Menschen in einer Raumkapsel auf den Weg zum Mond gemacht. Zehn Tage und eine Mondumrundung später kehrt die Crew um Kommandant Reid Wiseman zurück auf die Erde. „Historisch“ sei diese Mission, erzählt Gerst weiter – und stellt im Gespräch mit Wissenschaftsredakteur Stephan Schön für den Podcast „Thema in Sachsen“ die besondere Rolle Europas beim Gelingen der neuen Nasa-Pläne für die Erkundung des Mondes heraus. Nimmt man diese Pläne einmal ganz genau in den Blick, was Sächsische Zeitung und Leipziger Volkszeitung in dieser Folge ihres gemeinsamen Podcasts tun, wird deutlich: Auch sächsische Entwicklungs- und Forschungsarbeit trägt maßgeblich dazu bei, dass der Mond nun neu erforscht werden kann. Im Podcast berichtet Reporter Stephan Schön von seinen Eindrücken, die er an den Tagen rund um den Start der Rakete gesammelt hat. Schön war im Kennedy Space Center live dabei, genauso wie schätzungsweise eine halbe Million Menschen, die sich um den 1. April mit unzähligen Camping-Vans auf Merrit Island und im Umland von Cape Canaveral versammelt hatten. Zu hören sind Gespräche, die der Reporter mit Raketen-Touristen führt, die zum Teil mehrere Tage und Tausende Kilometer in ihren Wohnmobilen unterwegs waren. Er besucht einen Laden für Fan-Shirts, der seit 1984 zu jeder Nasa-Mission eine eigene Kollektion kreiert. Und schließlich kommt er ganz nah heran an die Artemis-Crew und hat die Verabschiedung der Astronauten von ihren Familien in Bild und Ton festgehalten. Berührende Szenen, große Emotionen und eine mindestens genauso große Portion Patriotismus - das seien die prägenden Gefühle gewesen, die er auf seiner Reportagereise wahrgenommen habe. Doch was zunächst nach US-Weltraum-Romantik klingt, hat überraschend viel mit Sachsen zu tun und fußt auf teils jahrelanger ganz realer wissenschaftlicher Arbeit. „Eigentlich fängt der Mond gleich hinter Sachsen an“, sagt Schön schließlich – und meint das wörtlich. Eine Schlüsselrolle bei den Artemis-Missionen spielt das sogenannte europäische Servicemodul, kurz ESM. Gebaut wird das bei Airbus Defense and Space in Bremen. Es ist der unscheinbare, aber lebenswichtige Teil des Orion-Raumschiffs: Antrieb, Energieversorgung, Wasseraufbereitung, Sauerstoff – ohne dieses System würde die Mission nicht funktionieren. „Es ist schlichtweg die Überlebenskapsel“, beschreibt Schön das etwa transportergroße Gerät Einer, der dafür sorgt, dass dieses System überhaupt zusammengebaut werden kann, ist Steve Bornhöft. Der Ingenieur stammt aus dem Erzgebirge, hat an der Technischen Universität Dresden studiert – und trägt heute Verantwortung dafür, dass im Reinraum bei Airbus jedes Bauteil im ESM an die richtige Stelle kommt. Von seiner Arbeit hängt das Leben der Crew im All ab. Im Podcast-Interview erklärt er zusammen mit Airbus-Sprecher Ralph Heinrich die Funktionsweise des Moduls – und blickt voraus auf kommende Missionen, an denen auch deutsche Astronauten beteiligt werden sollen. Doch es gibt nicht nur sächsische Beteiligung beim Bau von Raumfahrttechnik, sondern auch bei der Forschung für zukünftige Mondmissionen. An der TU Dresden arbeiten Wissenschaftler daran, die Gefahren von Mondstaub besser handhaben zu können und an Kommunikationslösungen für den Raum rund um den Mond – etwa für die bislang funktechnisch nicht erreichbare Rückseite. Gleichzeitig wird an autonomen Systemen geforscht, die den künftig zunehmenden Verkehr zwischen Erde und Mond koordinieren könnten. An der TU Bergakademie Freiberg untersuchen Wissenschaftler zudem in einem Mondlabor, wie in nicht allzu ferner Zukunft auf dem Erdtrabanten Mondressourcen für eine Forschungsstation abgebaut werden könnten. „Das muss man sich vorstellen wie einen Sandkasten für Erwachsene“, schildert Reporter Stephan Schön und spricht anschließend mit Professor Carsten Drebenstedt, einem Experten auf dem Gebiet für Rohstoffabbau, der eine klare Meinung dazu hat, wie die Menschheit mit Ressourcen auf der Erde und auf dem Mond umgehen sollte.
58 Minuten
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) steht unter Druck. Er muss trotz einer ungewissen Lage bei der Entwicklung des künftigen Rundfunkbeitrags Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe vornehmen und zugleich den Spagat schaffen, die Qualität des Programms zu erhalten. Hinzu kommt mit Blick auf die im September anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine politische Diskussion, die von der dort in Umfragen dominierenden AfD getrieben wird. Die Partei strebt den Ausstieg aus dem Rundfunkstaatsvertrag an. Für den MDR geht es im Augenblick um sehr viel. Intendant Ralf Ludwig, der Anfang März bei der Sächsischen Zeitung und Leipziger Volkszeitung zu einem Gespräch zu Gast war, sagte damals: „Wir gehen längst ans Eingemachte.“ In dieser Folge des Podcasts „Thema in Sachsen“ geht es jetzt um die zentralen Fragen, die sich aus dieser Aussage und den aktuellen Entwicklungen ergeben. Worum geht es bei dem bis zum Bundesverfassungsgericht eskalierten Streit über den Rundfunkbeitrag? Warum sind Beitragsdebatten inzwischen höchst politische Angelegenheiten? Welche Rolle spielt der öffentlich-rechtliche Rundfunk für die Demokratie und Meinungsvielfalt? Könnte ein Bundesland wirklich einfach so aus dem MDR austreten? Und: Was bedeutet das alles für rund 3600 Mitarbeiter und die Tarifgespräche, die ebenfalls gerade begonnen haben? Im Interview zu hören sind der Politikwissenschaftler Janek Treiber von der TU Dresden und der Geschäftsführer des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) in Sachsen, Lars Radau. Außerdem wird das SZ- und LVZ-Gespräch mit MDR-Intendant Ralf Ludwig in Ausschnitten wiedergegeben.
58 Minuten
Die gute Nachricht zuerst: Es gibt keinen Grund zur Panik am Eier-Regal im Supermarkt. Zwar könne es kurz vor Ostern bei manchen Sorten hier und da vorübergehend knapp werden, erzählt Fabian Riedel, Chef des Geflügelhofs Großenhain, im Podcast „Thema in Sachsen“ von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung, aber: „Es gibt genügend Eier und jeder kann am Ostersonntag sein Frühstücksei essen und eins für das Kind verstecken." Jetzt die eher nicht so gute Nachricht, die Folgen für Geflügelhalter, Verbraucher und Tiere hat: „Wir haben noch keine Entwarnung, die Risikoeinschätzung ist weiterhin hoch.“ Das sagt Dr. Susanne Bastian, seit reichlich einem halben Jahr Präsidentin der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen (LUA), und bezieht sich dabei auf die seit Monaten wegen der Vogelgrippe angespannten Seuchenlage. Der Podcast berichtet aus zwei Perspektiven über die aktuelle Situation. Da ist der Praktiker aus der Landwirtschaft – und da ist die Leiterin einer Behörde, die Tierseuchen überwacht und dafür sorgt, Gefahren von Bevölkerung und Tierbeständen abzuwenden. Riedel berichtet aus dem Alltag seines Geflügelhofs, auf dem rund 100.000 Tiere leben, Bastian ordnet die Lage wissenschaftlich ein, erklärt, was die Ursachen für die Verbreitung der Vogelgrippe sind - und schildert, wie Behörden auf neue Fälle reagieren. Drei große Ausbrüche hat es im zurückliegenden Winterhalbjahr in Sachsen gegeben. Was es für einen Geflügelbetrieb bedeutet, wenn er davon betroffen ist, erzählen Riedel und Bastian aus ihren jeweiligen Sichtweisen. Sie erzählen, wie man einen Befall mit dem Vogelgrippe-Virus feststellt und was daraus folgt: in der Regel die Tötung von ganzen Hühnerherden. Für Verbraucher zeigt sich die angespannte Lage weniger in der Verfügbarkeit der Eiprodukte, sondern vor allem beim Preis. Eier sind in den vergangenen Jahren ohnehin deutlich teurer geworden, wie ein kurzer Blick auf die Entwicklung der Erzeugerpreise zeigt, die das sächsische Landwirtschaftsministerium ausweist. Seit 2021 haben sich die Preise demnach im Schnitt je nach Sorte verdreifacht. Riedel erklärt, welche Gründe es dafür gibt - und wieso die Vogelgrippe nur einer von vielen ist. Allerdings - und das lässt zumindest beim Thema Vogelgrippe Hoffnung keimen - gibt es eine spannende Entwicklung. Bastian und Riedel erzählen von einem Impfstoff, der bereits erprobt wird. Wie weit die Forschung ist und wie man überhaupt auf einem Hof 100.000 Tiere impft, auch darüber berichtet diese Folge „Thema in Sachsen“.