Podcaster
Episoden
12.12.2025
48 Minuten
Körperliche Nähe ist ein menschliches Grundbedürfnis. Dennoch
fragen wir uns immer wieder: Wie viel Nähe ist gesund? Was
bedeutet Verwöhnen? Wo beginnt gesunde, wo überfordernde
Körpernähe? Spätestens während der Coronapandemie, in der
Körperkontakt plötzlich als Gefahr deklariert wurde, wurde
deutlich, wie sehr uns Berührung fehlt. Zugleich zeigen
zahlreiche Studien auf, inwieweit körperliche Nähe weitreichende
Auswirkungen auf unsere soziale, kognitive, emotionale und
körperliche Entwicklung hat. Bereits Babys und Kleinkinder senden
deutliche Signale, wenn sie Körperkontakt wünschen. Besonders in
den ersten Lebensjahren ist dieses Bedürfnis stark ausgeprägt.
Mit zunehmendem Alter wird Körpernähe nicht weniger wichtig, aber
sie braucht bewusster gestaltete Momente.
Körpernähe ist dann gesund, wenn beide Beteiligten sich dabei
wohlfühlen. Wir spüren sehr schnell, wenn Zuwendung nur
halbherzig geschieht. Deshalb ist es wichtig, gut auf die eigene
Körperwahrnehmung zu hören. Das Bild einer Ampel kann dabei
helfen: Sind wir auf Grün? Passt es gerade für uns? Manchmal
braucht es eine Phase der Annäherung, bevor echter Körperkontakt
möglich ist. Das zeigt sich unter anderem dann, wenn Kinder in
einem starken Gefühlsausdruck sind: Wut, Traurigkeit, Anspannung.
Manche reagieren auf körperliche Annäherung mit Schlagen, Beißen,
Wegdrücken oder „Zwirbeln“ mit den Fingern in die Haut der
Bezugsperson. Dahinter steht meist ein Zeichen von innerer Not,
die sich über solche Abwehrmechanismen ausdrückt.
Wie können Eltern in solchen Momenten präsent bleiben und
gleichzeitig die eigenen körperlichen Grenzen wahren? Schließlich
ist Schmerz durch einen Schlag oder Biss real. Die erste Reaktion
darauf ist oft Flucht oder Abwehr. Das ist ein natürlicher
Schutzmechanismus. Und was, wenn es den Eltern selbst zu viel
wird?
Kinder lernen am Modell Körpergrenzen zu respektieren. Wenn wir
uns erlauben, für unsere Bedürfnisse einzustehen, finden wir auch
immer wieder neu in eine gemeinsame Balance. Genau das stärkt
Bindung.
Mit zunehmendem Alter kann Körpernähe in vielfältiger Form gelebt
werden: über Körperpflege, spielerische Momente, Sport oder
gemeinsame Aktivitäten. Körperkontakt bleibt ein lebenslanges
Bedürfnis, von der Wiege bis zur Bahre. Denn Berührung ist ein
wesentlicher Teil unserer Kommunikation.
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21.11.2025
47 Minuten
In dieser Folge geht es darum, wie wir unsere Kinder sicher und
liebevoll durch ihre sexuelle Entwicklung begleiten können. Wir
sprechen darüber, warum Sexualität von Anfang an Teil des
Menschseins ist, wie Kinder ihren Körper entdecken und weshalb
klare Worte wie Penis und Vulva so wichtig sind. Dabei beleuchten
wir die drei Entwicklungsbereiche – oral, anal und genital – und
zeigen, wie Wissen, Sprache und offene Gespräche Kinder stärken
und vor sexualisierter Gewalt schützen. Benennen, erklären und
konkrete Informationen unterstützen Kinder, ein gesundes Gefühl
für den eigenen Körper und seine Grenzen zu entwickeln. Kinder,
die Worte für ihren Körper und ihre Gefühle kennen, erleben mehr
Selbstwirksamkeit und sind besser geschützt.
Zudem widmen wir uns der Frage, was bei Doktorspielen normal ist,
welche Regeln Orientierung geben und wie Kinder durch körperliche
Erfahrungen Stress regulieren. Sprache hilft ihnen dabei, ihre
Gefühle einzuordnen: Was fühlt sich gut an? Was nicht? Zu wissen,
dass sie sich Erwachsenen anvertrauen und Erlebtes benennen
können, ist ein wichtiger Schutzfaktor.
Diese Folge macht Mut, Unsicherheiten anzusprechen, eigene
Grenzen ernst zu nehmen und die natürliche Neugier unserer Kinder
mit Offenheit, Klarheit und Achtsamkeit zu begleiten.
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10.10.2025
30 Minuten
Auch wenn es Mütter oft anders vermittelt bekommen: Nicht immer
geht das Herz auf, wenn sie ihr Baby nach der Geburt in den Armen
halten. Manchmal bleibt dieses erwartete Glücksgefühl aus. Viele
Frauen sind enttäuscht darüber. Enttäuscht von sich. Enttäuscht
von ihrem Kind. Das ist für betroffene Frauen nicht einfach,
nicht zuletzt weil in unserer Gesellschaft die Mutterliebe
glorifiziert wird, so als läge es in der Natur der Dinge, dass
sich innige Mutterliebe unmittelbar und selbstverständlich
einstellt.
Barbara möchte in dieser Folge Zuversicht vermitteln. Nicht immer
ist der erste Kontakt mit dem Baby herzwärmend. Manchmal erwächst
die Mutterliebe erst nach Wochen oder Monaten, manchmal erst nach
Jahren und manchmal bleibt sie ganz aus. Oft entfaltet sie sich
in unscheinbaren leisen Momenten, unerwartet. Wichtig ist zu
wissen: Es geht vielen Frauen so. Liebe nimmt ganz
unterschiedliche Wege. Niemals ist sie linear, immer ein Prozess,
der sich nicht auf Kommando oder unter Druck entfaltet. Stellt
sich das Mutterglücksgefühl nicht ein, erleben viele Frauen
Schuld, Scham oder ein Gefühl von Verlust: „Ich habe etwas nicht
erlebt, von dem ich glaubte, es erleben zu können.“
Neben anderer Faktoren, beeinflusst das Geburtserleben selbst
unmittelbar diesen Prozess. Unter der Geburt wirken körperliche,
emotionale und soziale Faktoren zusammen. Vaginale Untersuchungen
oder Eingriffe können Überforderung, oftmals das Erleben von
Übergrifflichkeit auslösen. In solchen Situationen reagiert das
körperliche Schutzsystem: Der Körper schaltet auf Überlebensmodus
und betäubt sowohl das körperliche als auch das emotionale
Erleben. Somit wird auch der Zugang zu den Liebesgefühlen
eingefroren. Im diesem Notmodus ist es neurologisch unmöglich,
Wärme und Nähe zu empfinden. Dieses Wissen entlastet Betroffene:
Es ist kein persönlicher Mangel, sondern eine Schutzreaktion des
Körpers.
Solche schmerzhafte Geburtserfahrungen können verarbeitet und
integriert werden, dann wenn die Eltern Unterstützung erfahren,
wenn jemand wohlwollend zuhört und anerkennt, wie schwierig
dieses Erleben war. Darüber können sich Schmerz, Wut und
Verzweiflung zeigen. Das gibt den Raum frei für andere Gefühle.
Wann und ob das passiert, dafür gibt keinen Garant. Hartmut Rosa
beschreibt solche Zustände als "unverfügbar", etwas über das wir
nicht bestimmen bzw. verfügen können. Entscheidend ist das
Vertrauen: Jede Mutter, jeder Vater, jedes Kind, kurzum jede:r
von uns trägt dieses lebendige Liebesband in sich, das sich
entfalten will. Bleibt es aus, bleibt die Sehnsucht danach.
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19.09.2025
37 Minuten
Auch wenn wir diese Episode bereits zu Beginn des Sommers
aufgenommen haben und sich die Veröffentlichung wegen technischer
Probleme verzögert hat – das Thema bleibt zeitlos und aktuell.
Wir sprechen in dieser Folge darüber, wie in Momenten der Stille
oft Unliebsames an Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen aufsteigt.
Im Alltag finden diese inneren Bewegungen oft gar keinen Raum,
werden unterdrückt oder durch zusätzliche Aktivitäten verdrängt.
Mit der Geburt und dem Heranwachsen des Kindes verändern sich
immer auch Routinen und liebgewonnene Strategien im Umgang mit
Stress. Kinder durchkreuzen nicht selten unsere Pläne und so
entstehen oft unerwartet Momente des Stillstands. Kinder leben
ein anderes Zeitgefühl, weg von einem getakteten Alltag. Ein
solcher Stillstand mag zunächst einladend klingen, wird
allerdings für viele Eltern zur Herausforderung. Plötzlich fällt
das „Aktionismus-Schutzschild“ weg, wir können nicht
einfach raus und uns ablenken. So sind wir unerwartet auf uns
selbst zurückgeworfen.
In unserer schnelllebigen Zeit sind wir unzähligen Reizen
ausgesetzt. Was oft fehlt, ist die Integration dieser Eindrücke –
das Innehalten, das notwendig wäre, um all die Eindrücke und
Erfahrungen zu verarbeiten. All das Nichtverarbeitete steigt im
Moment der Stille auf. Das einfache Sein, die pure Präsenz wird
zur Bedrohung.
Kinder laden uns ein, aus dem Getrieben-Sein auszutreten. Wenn
wir in solchen Momenten die aufsteigende Unruhe annehmen, können
wir Emotionen, Erfahrungen und Erlebnisse innerlich auch
verarbeiten. In der Folge kann sich eine friedvolle Stille und
Ruhe entfalten. Es gibt Raum für Neues.
Über all das sprechen wir in dieser Folge.
Viel Freude beim Anhören!
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06.06.2025
37 Minuten
In dieser Folge geht es um die Suche nach einer neuen
Alltagsstruktur, wenn ein Kind ins Leben kommt – und darum, wie
sich vieles verändert, was uns früher gutgetan hat. Viele
Strategien zur Selbstregulation oder Stressbewältigung, die vor
dem Kind funktioniert haben - wie Reisen, spontane Ausflüge oder
Sport -, sind mit Baby oder Kleinkind kaum mehr möglich. Diese
Veränderungen können schmerzhaft sein, bedeutet es doch, von
Vertrautem Abschied zu nehmen. Das darf betrauert werden.
Gleichzeitig entsteht die Frage: Was tut mir jetzt gut? Was passt
zu meinem veränderten Leben? In welcher Form kann ich meine
Ressourcen neu gestalten? Vielleicht ist es kein Yogakurs mehr,
sondern Tanzen im Wohnzimmer. Solche neuen Wege helfen nicht nur
uns selbst, sondern zeigen auch unseren Kindern, wie wir als
Eltern für unser Wohlbefinden sorgen.
Solche Veränderungen benötigen Zeit. Vertrautes fällt weg, Neues
ist noch nicht im Alltag etabliert. Schlafmangel, Stillen,
körperliche Veränderungen – all das hat Auswirkungen auf unsere
Kräfte und Bedürfnisse. Wenn wir versuchen, alles wie früher zu
machen, entsteht oft zusätzlicher Stress. In dieser Phase ist es
hilfreich, Neues einfach mal auszuprobieren, um herauszufinden,
was aktuell noch passt.
Viele junge Eltern erleben eine Art Entweder-Oder: Entweder ich
bin für mein Kind da – oder ich tue etwas für mich ohne mein
Kind. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch darin, beides
miteinander zu verbinden: Zeiten mit dem Kind so zu gestalten,
dass auch sie zu Ressourcentankstellen werden können – ohne dabei
in den Modus des „Bespaßens“ zu verfallen.
Wo brenne ich für etwas? Und wie kann ich diese Leidenschaft mit
meinem Kind teilen? Wenn wir nur noch durchhalten, rutschen wir
schnell in den Überlebensmodus. Zeit für sich selbst oder als
Paar braucht heute mehr Planung und hängt stark vom vorhandenen
Unterstützungsnetz ab. Spontanität weicht der Organisation – aber
das bedeutet nicht, dass es nicht möglich ist.
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Über diesen Podcast
Barbara Walcher, EEH (Emotionelle Erste Hilfe) Therapeutin, und
ich, Lydia, sprechen über Schwangerschaft, Geburt und die ersten
Lebensjahre mit Baby. Dabei beziehen wir uns auf jene Themen, die
in diesem Zeitraum präsent sind und auch mich als Mama
bewegen. Wir beide begeben uns auf eine Reise, wo wir selbst
noch nicht wissen, wo sie uns hinführen wird. Auf dieser Reise
möchten wir euch mitnehmen. Wir versuchen Themen offen zu begegnen
und Worte zu finden, wo manchmal Worte noch fehlen. Dabei schauen
wir auf Themen, die gerade in meinem Muttersein und in Barbaras
Praxis wiederkehrend sind. Wir werden auf physiologische
Entwicklungsthemen der Kinder blicken und unsere Ansprüche und
Erwartungen hinterfragen. Wir wissen, dass Familie so vieles
sein kann und dass das Leben mit Kindern so bunt und verschieden
ist, wie es eben Familien gibt. Daher ist uns bewusst, dass wir all
diesen Realitäten nicht gerecht werden können. Wir möchten dich,
liebe Zuhörerin, einladen, daraus das mitzunehmen, was für dich
passt. Alles andere lass einfach hier.
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