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  3. Mindmaps: der Philosophiepodcast (RefLab) Podcast

Episoden

1 Stunde 5 Minuten
Manuel und Peter fragen, wie eng Heideggers Philosophie mit seiner Nähe zum Nationalsozialismus verknüpft ist. Sie diskutieren, was von seinem Denken bleibt, wenn Werk und Biografie nicht sauber zu trennen sind. In dieser zweiten Heidegger-Folge von MindMaps knüpfen Manuel und Peter an die Einführung in sein Denken an und wenden sich nun der politischen und moralischen Belastung seines Werks zu. In diesem Gespräch steht die Frage im Zentrum, wie Heideggers Nähe zum Nationalsozialismus seine Rezeption geprägt und verdunkelt hat. Ausgehend von Heideggers Weg vom katholisch geprägten Milieu in Messkirch über Marburg bis nach Freiburg zeichnen die beiden noch einmal die Linien eines Denkens nach, das existenzielle Fragen mit grosser Schärfe formuliert und gerade deshalb einen so nachhaltigen Einfluss entfaltet hat. Zugleich zeigen sie, weshalb diese philosophische Wucht nicht von Heideggers politischer Verstrickung abgelöst betrachtet werden kann. Zur Sprache kommen seine Rektoratsrede, die Absage an die akademische Freiheit, sein Verhalten gegenüber Husserl und seine anhaltende Weigerung, sich nach 1945 eindeutig vom Nationalsozialismus zu distanzieren. Manuel und Peter arbeiten heraus, dass Heideggers Kritik am Regime nicht auf dessen Menschenverachtung zielte, sondern darauf, dass es aus seiner Sicht den eigenen Anspruch eines «ursprünglichen» Aufbruchs verriet. Ein wichtiger Teil der Folge gilt den Schwarzen Heften und der Frage, weshalb ihre Veröffentlichung ein Wendepunkt in der Heidegger-Rezeption war. Die dort greifbaren antisemitischen und verschwörungstheoretischen Motive verschärfen den Verdacht, dass es sich nicht um einen äusserlichen politischen Irrtum handelte, sondern um Haltungen, die mit seinem Denken zumindest eng verbindbar sind. Damit führt diese zweite Folge die in der ersten bereits sichtbaren Bruchstellen konsequent weiter. Manuel und Peter fragen, wie man Heidegger heute lesen kann, ohne sein Werk vorschnell zu verwerfen und ohne seine Abgründe zu verharmlosen. Eine Folge über philosophische Grösse, politische Blindheit und die Zumutung, beides zugleich auszuhalten.
1 Stunde 7 Minuten
Kann die Aufklärung ihre eigenen Versprechen noch einlösen – oder muss sie zuerst über sich selbst aufgeklärt werden? Manuel und Peter diskutieren Michael Hampes Buch «Die Krise der Aufklärung» und fragen, was von Fortschritt, Wahrheit und Vernunft bleibt, wenn die grossen Gewissheiten ins Wanken geraten. Die Aufklärung steht für Vernunft, Freiheit, Selbstbestimmung und wissenschaftlichen Fortschritt. Doch gerade diese Erfolgsgeschichte hat ihre Schattenseiten: Kolonialismus, ein übersteigerter Fortschrittsglaube und die Vorstellung, mit Vernunft und Wissenschaft die Wirklichkeit vollständig erfassen und beherrschen zu können. In seinem Buch «Die Krise der Aufklärung» setzt der Philosoph Michael Hampe deshalb bei einer unbequemen Frage an: Muss die Aufklärung ihre eigenen Voraussetzungen noch einmal kritisch prüfen? Manuel und Peter zeichnen Hampes philosophischen Ansatz nach. Eine zentrale Rolle spielt dabei sein Fallibilismus: Menschliche Erkenntnis bleibt fehlbar, vorläufig und korrigierbar. Hampe wendet sich deshalb gegen grosse Systeme und abstrakte Begriffe, die einzelne Erfahrungen vorschnell einer allgemeinen Ordnung unterwerfen. Stattdessen rückt er das Besondere, Widerständige und Individuelle in den Vordergrund. Daraus entwickelt Hampe die Idee einer «skeptischen Aufklärung». Sie soll auf Selbstgewissheit, Fanatismus und autoritäre Wahrheitsansprüche verzichten und sich mit einem bescheideneren Ziel begnügen: Illusionen abbauen, Grausamkeit und Ungerechtigkeit vermindern und die eigenen Überzeugungen immer wieder der Kritik aussetzen. Doch trägt dieser Minimalkonsens? Manuel und Peter fragen, wer eigentlich bestimmt, was als Wissen, Gerechtigkeit oder Grausamkeit gilt – und ob nicht genau dort erneut jene Deutungshoheit entsteht, die Hampe überwinden möchte. Besonders scharf wird das Problem, wenn Gewalt im Namen einer vermeintlich höheren Ordnung gerechtfertigt werden kann. Zum Schluss öffnet sich die Diskussion auf eine theologische Perspektive. Im Gespräch mit Nietzsche, Foucault und der biblischen Überlieferung fragen Manuel und Peter, ob das christliche Motiv von Selbsthingabe und Machtverzicht eine Alternative zum menschlichen Willen zur Durchsetzung eröffnet. So wird aus der Besprechung von Hampes Buch eine grundsätzliche Debatte darüber, wie Wahrheit vertreten werden kann, ohne den anderen zu überwältigen – und welche Form von Aufklärung heute noch tragfähig sein könnte.
50 Minuten
Eine Philosophie nach dem Zusammenbruch grosser Gewissheiten: Diese Folge führt in Martin Heideggers Denken ein und zeigt, warum seine Begriffe von Angst, Sorge und Sein zum Tode bis heute nachwirken. Es geht um die Wucht von Sein und Zeit, um seine eigentümliche Sprache und um die politischen Abgründe, die in dieser Einführung bereits sichtbar werden. An ihm kommt bis heute kaum jemand vorbei, der oder die sich für Philosophie interessiert: Martin Heidegger. Manuel und Peter zeigen, weshalb es sich lohnt, zuerst Husserl im Blick zu behalten und dann die Verschiebung zu verstehen, die Heidegger vornimmt: weg von einer reinen Erkenntnistheorie, hin zu einer Analyse des Daseins. Im Zentrum stehen Begriffe wie Angst, Sorge, Geworfenheit und Sein zum Tode. Die Folge führt durch Heideggers biografische Stationen, von der katholischen Herkunft in Messkirch über das Theologie- und Philosophiestudium bis zu den prägenden Jahren bei Husserl, nach Marburg und schliesslich nach Freiburg. Dabei geht es auch um die enge und später tragisch beschädigte Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Schon hier zeigt sich, dass Werk und Biografie bei Heidegger nicht sauber voneinander zu trennen sind. Ausführlich besprechen Manuel und Peter, warum Sein und Zeit in einer erschütterten Epoche auf so grosses Echo stiess. Nach dem Ersten Weltkrieg zerbrachen Fortschrittsglaube, Vernunftoptimismus und das Vertrauen in eine geradlinige Universalgeschichte. Heidegger gab darauf keine tröstenden Antworten. Er beschrieb die Krise als Grundzug menschlicher Existenz und traf damit ein Lebensgefühl, das viele wiedererkannten. Zur Sprache kommt auch die berühmte «Kehre» in Heideggers Denken. Aus der Daseinsanalyse wird zunehmend die Frage nach dem Sein selbst. Dabei misstraut Heidegger der überlieferten metaphysischen Sprache und sucht andere Ausdrucksformen, auch im Rückgriff auf Dichtung und auf Autoren wie Hölderlin. Das macht seine Texte produktiv, sperrig und bis heute umstritten. Zum Schluss markieren Manuel und Peter bereits die Bruchstellen, an denen die nächste Diskussion ansetzt: Heideggers Religionsphilosophie, seine Wirkung auf die Theologie und die verhängnisvolle Nähe zum Nationalsozialismus. Eine Folge, die Orientierung gibt, ohne die offenen Fragen zu glätten.
1 Stunde 13 Minuten
Ist unsere Verletzlichkeit ein Mangel, den wir überwinden sollten – oder eine Voraussetzung dafür, dass unser Leben überhaupt Bedeutung gewinnt? Manuel und Peter diskutieren Matthias Jungs Buch «Sinn und Organismus» und fragen, was seine Philosophie für unser Menschenbild im Zeitalter von KI und Transhumanismus bedeutet. Wir denken, fühlen und entscheiden nicht losgelöst von unserem Körper. Für Matthias Jung ist diese Einsicht der Ausgangspunkt einer Anthropologie, die den Menschen als verkörpertes, verletzliches und endliches Lebewesen versteht. In seinem Buch «Sinn und Organismus. Wie Verkörperung Menschsein ermöglicht» verbindet er Phänomenologie und Pragmatismus mit Erkenntnissen der Kognitionswissenschaften und dem gegenwärtigen Embodiment-Diskurs. Manuel und Peter gehen Jungs Versuch nach, klassische Gegensätze zu überwinden: Geist und Körper, biologische Existenz und kulturelle Sinnbildung, Mensch und Tier. Welche Rolle spielt unsere Leiblichkeit dafür, dass uns überhaupt etwas bedeutsam wird? Was unterscheidet menschliche Sinnbildung von der Wahrnehmung anderer Lebewesen? Und entsteht Sinn allein aus unserer Auseinandersetzung mit der Welt – oder kann uns Sinn auch als etwas begegnen, das wir nicht selbst erzeugen? Besonders aktuell wird Jungs Ansatz dort, wo er sich gegen transhumanistische Visionen richtet. Wenn Menschen ihre biologischen Grenzen technisch überwinden, Leiden reduzieren oder Körperteile durch leistungsfähige Prothesen ersetzen könnten: Ginge dabei tatsächlich etwas Wesentliches am Menschsein verloren? Peter bezweifelt, dass Jungs Kritik an diesem Punkt weit genug trägt. Auch vermeintlich unmittelbare körperliche Erfahrungen sind neurologisch vermittelt – und technische Erweiterungen des Körpers müssen deshalb nicht zwangsläufig zu einem Verlust authentischer Erfahrung führen. Das Gespräch führt damit mitten in eine theologische Frage: Gehören Verletzlichkeit, Endlichkeit und Leidensfähigkeit zum Menschsein selbst? Manuel und Peter diskutieren, wo eine Würdigung menschlicher Verletzlichkeit in deren Verklärung umzuschlagen droht – und was die biblische Vorstellung eines leiblichen, geschöpflichen Lebens dazu beitragen kann. Dabei reicht der Bogen von der alttestamentlichen Anthropologie über Auferstehung und ewiges Leben bis zur Frage, wie viel Transhumanismus-Kritik philosophisch tatsächlich begründet werden kann. Eine Folge über verkörperten Geist, die Grenzen des Menschen und eine ebenso einfache wie schwierige Frage: Würde ein Leben ohne Verletzlichkeit noch dasselbe bedeuten?
59 Minuten
Kann Edmund Husserl zeigen, dass wir der Wirklichkeit wirklich begegnen und nicht nur unseren eigenen Wahrnehmungen? Seine Phänomenologie setzt genau dort an: bei der Lebenswelt, bei der Erfahrung und bei der Hoffnung, zu den Sachen selbst vorzudringen. Mindmaps kehrt in der philosophiegeschichtlichen Reihe zu einem Denker zurück, ohne den sich das Denken des 20. Jahrhunderts kaum verstehen lässt: Edmund Husserl. Manuel und Peter zeichnen nach, warum Husserl einerseits erstaunlich unbekannt geblieben ist und andererseits Spuren hinterlassen hat, die von Heidegger über Levinas bis zu Sprachtheorie, Soziologie und Habermas reichen. Im Zentrum steht Husserls phänomenologische Methode. Was meint der berühmte Ruf «zu den Sachen selbst»? Das Gespräch zeigt, weshalb Husserl dem Neukantianismus, dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisideal und der klassischen Subjekt-Objekt-Spaltung misstraut. Erkenntnis, so seine Einsicht, entsteht nicht aus reiner Distanz. Wer die Welt erkennen will, ist immer schon in sie verwickelt. Manuel und Peter arbeiten heraus, warum Husserl das Bewusstsein nicht als blossen Spiegel versteht, sondern als intentional auf Welt bezogen. Sie sprechen über das «Abschichten» von Vorannahmen, über die Hoffnung auf eine wirkliche Begegnung mit der Sache selbst und über die Überzeugung, dass sich Wirklichkeit nicht in Messdaten, Konstruktionen oder Perspektiven erschöpft. Gerade an Beispielen wie Kunst, Naturerfahrung und zwischenmenschlicher Begegnung wird deutlich, was Husserl gegen einen verengten Wissenschaftsbegriff stark machen will. Zugleich bleibt die Folge nicht bei Sympathie stehen. Peter benennt präzise, wo Husserls Ansatz überzieht: Der Anspruch, am Ende zu einer sicheren «Wesenschau» der Dinge zu gelangen, trägt nicht. Phänomenologie öffnet wichtige Räume, sobald sie aber absolute Erkenntnissicherheit beansprucht, droht sie in einen irrationalen Offenbarungsanspruch zu kippen. Genau an dieser Spannung wird sichtbar, warum Husserl bis heute so anregend und so umstritten ist. Eine Folge über Erkenntnis, Begegnung und die Frage, ob die Welt mehr ist als das, was wir über sie verfügen können. Und zugleich die ideale Vorbereitung auf den nächsten grossen Namen dieser Reihe: Martin Heidegger.
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Über diesen Podcast

Was wir über Gott und die Welt denken, hat nicht bei uns angefangen. Unsere weltanschaulichen und ethischen Überzeugungen stehen auf den Schultern großer Vordenker vergangener Jahrhunderte. Wir verdanken ihnen viel, dürfen ihre Vorgaben aber auch kritisch hinterfragen. In diesem Podcast nehmen Manuel Schmid und Heinzpeter Hempelmann ihre Hörer:innen mit auf eine faszinierende Zeitreise zu den Wurzeln unseres Denkens. Immer wieder werfen sie auch einen spezifisch theologischen Blick auf einflussreiche philosophische Entwürfe. Dabei wird deutlich, wie präsent die Philosophiegeschichte auch im 21. Jahrhundert ist, und wie sehr sie heutige Diskussionen in Politik, Gesellschaft und Religion mitbestimmt. «mindmaps» fordert dich heraus, mitzudenken, zu widersprechen und den eigenen Horizont zu erweitern!
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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