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  3. Mindmaps: der Philosophiepodcast (RefLab) Podcast

Episoden

1 Stunde 13 Minuten
Ist unsere Verletzlichkeit ein Mangel, den wir überwinden sollten – oder eine Voraussetzung dafür, dass unser Leben überhaupt Bedeutung gewinnt? Manuel und Peter diskutieren Matthias Jungs Buch «Sinn und Organismus» und fragen, was seine Philosophie für unser Menschenbild im Zeitalter von KI und Transhumanismus bedeutet. Wir denken, fühlen und entscheiden nicht losgelöst von unserem Körper. Für Matthias Jung ist diese Einsicht der Ausgangspunkt einer Anthropologie, die den Menschen als verkörpertes, verletzliches und endliches Lebewesen versteht. In seinem Buch «Sinn und Organismus. Wie Verkörperung Menschsein ermöglicht» verbindet er Phänomenologie und Pragmatismus mit Erkenntnissen der Kognitionswissenschaften und dem gegenwärtigen Embodiment-Diskurs. Manuel und Peter gehen Jungs Versuch nach, klassische Gegensätze zu überwinden: Geist und Körper, biologische Existenz und kulturelle Sinnbildung, Mensch und Tier. Welche Rolle spielt unsere Leiblichkeit dafür, dass uns überhaupt etwas bedeutsam wird? Was unterscheidet menschliche Sinnbildung von der Wahrnehmung anderer Lebewesen? Und entsteht Sinn allein aus unserer Auseinandersetzung mit der Welt – oder kann uns Sinn auch als etwas begegnen, das wir nicht selbst erzeugen? Besonders aktuell wird Jungs Ansatz dort, wo er sich gegen transhumanistische Visionen richtet. Wenn Menschen ihre biologischen Grenzen technisch überwinden, Leiden reduzieren oder Körperteile durch leistungsfähige Prothesen ersetzen könnten: Ginge dabei tatsächlich etwas Wesentliches am Menschsein verloren? Peter bezweifelt, dass Jungs Kritik an diesem Punkt weit genug trägt. Auch vermeintlich unmittelbare körperliche Erfahrungen sind neurologisch vermittelt – und technische Erweiterungen des Körpers müssen deshalb nicht zwangsläufig zu einem Verlust authentischer Erfahrung führen. Das Gespräch führt damit mitten in eine theologische Frage: Gehören Verletzlichkeit, Endlichkeit und Leidensfähigkeit zum Menschsein selbst? Manuel und Peter diskutieren, wo eine Würdigung menschlicher Verletzlichkeit in deren Verklärung umzuschlagen droht – und was die biblische Vorstellung eines leiblichen, geschöpflichen Lebens dazu beitragen kann. Dabei reicht der Bogen von der alttestamentlichen Anthropologie über Auferstehung und ewiges Leben bis zur Frage, wie viel Transhumanismus-Kritik philosophisch tatsächlich begründet werden kann. Eine Folge über verkörperten Geist, die Grenzen des Menschen und eine ebenso einfache wie schwierige Frage: Würde ein Leben ohne Verletzlichkeit noch dasselbe bedeuten?
59 Minuten
Kann Edmund Husserl zeigen, dass wir der Wirklichkeit wirklich begegnen und nicht nur unseren eigenen Wahrnehmungen? Seine Phänomenologie setzt genau dort an: bei der Lebenswelt, bei der Erfahrung und bei der Hoffnung, zu den Sachen selbst vorzudringen. Mindmaps kehrt in der philosophiegeschichtlichen Reihe zu einem Denker zurück, ohne den sich das Denken des 20. Jahrhunderts kaum verstehen lässt: Edmund Husserl. Manuel und Peter zeichnen nach, warum Husserl einerseits erstaunlich unbekannt geblieben ist und andererseits Spuren hinterlassen hat, die von Heidegger über Levinas bis zu Sprachtheorie, Soziologie und Habermas reichen. Im Zentrum steht Husserls phänomenologische Methode. Was meint der berühmte Ruf «zu den Sachen selbst»? Das Gespräch zeigt, weshalb Husserl dem Neukantianismus, dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisideal und der klassischen Subjekt-Objekt-Spaltung misstraut. Erkenntnis, so seine Einsicht, entsteht nicht aus reiner Distanz. Wer die Welt erkennen will, ist immer schon in sie verwickelt. Manuel und Peter arbeiten heraus, warum Husserl das Bewusstsein nicht als blossen Spiegel versteht, sondern als intentional auf Welt bezogen. Sie sprechen über das «Abschichten» von Vorannahmen, über die Hoffnung auf eine wirkliche Begegnung mit der Sache selbst und über die Überzeugung, dass sich Wirklichkeit nicht in Messdaten, Konstruktionen oder Perspektiven erschöpft. Gerade an Beispielen wie Kunst, Naturerfahrung und zwischenmenschlicher Begegnung wird deutlich, was Husserl gegen einen verengten Wissenschaftsbegriff stark machen will. Zugleich bleibt die Folge nicht bei Sympathie stehen. Peter benennt präzise, wo Husserls Ansatz überzieht: Der Anspruch, am Ende zu einer sicheren «Wesenschau» der Dinge zu gelangen, trägt nicht. Phänomenologie öffnet wichtige Räume, sobald sie aber absolute Erkenntnissicherheit beansprucht, droht sie in einen irrationalen Offenbarungsanspruch zu kippen. Genau an dieser Spannung wird sichtbar, warum Husserl bis heute so anregend und so umstritten ist. Eine Folge über Erkenntnis, Begegnung und die Frage, ob die Welt mehr ist als das, was wir über sie verfügen können. Und zugleich die ideale Vorbereitung auf den nächsten grossen Namen dieser Reihe: Martin Heidegger.
60 Minuten
Wahrheit ist für Kierkegaard kein Gedanke, den man abhakt, sondern etwas, das ins Leben einschneidet. Diese Folge fragt, warum sein Denken bis heute nachwirkt – und weshalb es zugleich provoziert, tröstet und widerspricht. Im zweiten Teil zu Søren Kierkegaard geht es um die Wirkungsgeschichte seines Denkens und um die Frage, was Wahrheit für ihn überhaupt bedeutet. Kierkegaard interessiert sich nicht für Sätze, die richtig klingen, aber am Leben vorbeigehen. Wahrheit muss den Menschen treffen, sein Leben fordern und sich in der Existenz bewähren. Darin liegt auch seine Kritik an abstrakten Systemen, wie er sie bei Hegel und im deutschen Idealismus sieht. Gleichzeitig wendet er sich gegen ein Verständnis von Subjektivität, das Wahrheit im bloss individuellen Empfinden auflöst. Wahrheit geht durch das Subjekt hindurch, aber sie entspringt nicht einfach ihm selbst. Manuel und Peter zeichnen nach, wie stark Kierkegaard damit die Moderne geprägt hat. Sie sprechen über seine indirekte Kommunikation und die Pseudonyme, über seinen Einfluss auf Literaturtheorie und Lebensweltphilosophie, auf Heidegger, Sartre und Camus, aber auch auf die protestantische Theologie bei Karl Barth und Rudolf Bultmann. Im Zentrum steht ausserdem Kierkegaards Analyse menschlicher Existenz: das ästhetische, das ethische und das religiöse Leben – und die Frage, warum sein Denken schliesslich auf eine christliche Perspektive zuläuft. Gerade hier zeigt sich, dass man Kierkegaard nur verkürzt versteht, wenn man seine Glaubensüberzeugung ausblendet. So entsteht das Bild eines Denkers, der den Menschen in seiner Freiheit ernst nimmt, ihn aber nicht sich selbst überlässt. Eine Folge über Entscheidung, Schuld, Gnade und die Zumutung, Wahrheit nicht nur zu denken, sondern zu leben.
52 Minuten
Markus Gabriels Buch «Ethische Intelligenz» entfaltet grosse Hoffnungen auf die moralische Rolle der KI. Im zweiten Teil der Diskussion gehen Manuel und Peter in die Tiefe und prüfen kritisch, wie tragfähig seine Thesen über Bewusstsein, Freiheit, moralische Tatsachen und das Menschsein im Gegenüber zur Maschine wirklich sind. In dieser Folge von «mindmaps» setzen Manuel und Peter ihr Gespräch über Markus Gabriels Buch «Ethische Intelligenz» fort. Weil die Diskussion so dicht und materialreich geworden ist, erscheint sie in zwei Teilen. Hier rückt nun die kritische Analyse ins Zentrum. Es geht um die Frage, ob aus wachsender Rechenleistung tatsächlich eine neue Qualität von Intelligenz entsteht oder ob technische Komplexität dabei vorschnell in Personalität, Bewusstsein und Tiefe umgedeutet wird. Manuel und Peter diskutieren, ob KI den Menschen wirklich besser verstehen kann, als er sich selbst versteht, und was von menschlicher Freiheit übrig bleibt, wenn Maschinen unser Verhalten immer präziser beschreiben und vorhersagen. Dabei gerät auch Gabriels Rede von «moralischen Tatsachen» in den Blick. Kann KI tatsächlich helfen, normative ethische Grundsätze freizulegen? Oder steckt in diesem Denken eine problematische Verkürzung, die den Menschen auf auswertbare Muster reduziert? Das Gespräch führt mitten hinein in philosophische und theologische Grundfragen: Was ist Bewusstsein? Was ist Personalität? Und worin liegt eine Humanität, die sich nicht auf Berechenbarkeit und Leistung zurückführen lässt? So wird der zweite Teil nicht nur zur Kritik an einem viel diskutierten Buch, sondern zu einer grundsätzlichen Debatte über das Menschenbild im Zeitalter der KI. Anmerkung: In der neuen Reihe von «mindmaps» werden aktuelle Sachbücher kontrovers und mit philosophisch-theologischem Tiefenblick besprochen. Die Reihe erscheint in Kooperation mit der EKS (Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz) – momentan im Wechsel mit Folgen in der «alten», philosophiegeschichtlichen Reihe. Bei unserem Zweiwochen-Rhythmus dürft ihr euch also auf etwa eine Buchbesprechungs-Folge und eine Philosophiegeschichts-Folge pro Monat freuen...
47 Minuten
Kann künstliche Intelligenz den Menschen nicht nur effizienter, sondern auch ethisch klüger machen? Manuel und Peter zeichnen nach, warum Markus Gabriel in der KI mehr sieht als ein Werkzeug: ein Gegenüber, das unsere moralischen Muster sichtbar macht und unser Selbstverständnis herausfordert. In dieser Folge von «mindmaps» sprechen Manuel und Peter über Markus Gabriels Buch «Ethische Intelligenz» und rekonstruieren dessen Grundidee. Gabriel versteht KI nicht als neutrales Instrument, das der Mensch einfach benutzt, sondern als Technologie, die tief in Wahrnehmung, Kommunikation und gesellschaftliches Zusammenleben eingreift. Im Zentrum steht seine These, dass heutige KI-Systeme nicht mehr bloss rechnen, sortieren und optimieren. Sie treten als dialogische Systeme auf, reagieren auf emotionale Muster und prägen dadurch auch das Verhältnis des Menschen zu sich selbst. Daraus gewinnt Gabriel die Hoffnung, KI könne zum ethischen Sparringspartner werden: als Spiegel unserer Widersprüche, als Resonanzraum moralischer Selbstverständigung und vielleicht sogar als Hilfe auf dem Weg zu einem humaneren Zusammenleben. Manuel und Peter arbeiten heraus, weshalb diese Diagnose so anziehend ist. Zugleich markieren sie schon im ersten Teil entscheidende Vorbehalte: gegen den Ton der Unausweichlichkeit, gegen die schnelle Absage an politische Regulierung und gegen die Frage, ob Gabriels Zukunftsbild reale Macht- und Gefährdungslagen wirklich präzise genug erfasst. In der nächsten Folge der neuen mindmaps-Reihe geht das Gespräch noch tiefer in die Kritik: dann geht es um Bewusstsein, Freiheit, moralische Tatsachen und die Frage, was den Menschen im Gegenüber zur KI eigentlich auszeichnet. In der neuen Reihe von «mindmaps» werden aktuelle Sachbücher kontrovers und mit philosophisch-theologischem Tiefenblick besprochen. Die Reihe erscheint in Kooperation mit der EKS (Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz) – momentan im Wechsel mit Folgen in der «alten», philosophiegeschichtlichen Reihe. Bei unserem Zweiwochen-Rhythmus dürft ihr euch also auf etwa eine Buchbesprechungs-Folge und eine Philosophiegeschichts-Folge pro Monat freuen...
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Über diesen Podcast

Was wir über Gott und die Welt denken, hat nicht bei uns angefangen. Unsere weltanschaulichen und ethischen Überzeugungen stehen auf den Schultern großer Vordenker vergangener Jahrhunderte. Wir verdanken ihnen viel, dürfen ihre Vorgaben aber auch kritisch hinterfragen. In diesem Podcast nehmen Manuel Schmid und Heinzpeter Hempelmann ihre Hörer:innen mit auf eine faszinierende Zeitreise zu den Wurzeln unseres Denkens. Immer wieder werfen sie auch einen spezifisch theologischen Blick auf einflussreiche philosophische Entwürfe. Dabei wird deutlich, wie präsent die Philosophiegeschichte auch im 21. Jahrhundert ist, und wie sehr sie heutige Diskussionen in Politik, Gesellschaft und Religion mitbestimmt. «mindmaps» fordert dich heraus, mitzudenken, zu widersprechen und den eigenen Horizont zu erweitern!

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