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Beschreibung
vor 6 Tagen
Formulare, Verwaltungslogiken, digitale Systeme: Hartmut Rosa
erklärt, warum moderne Gesellschaften uns immer häufiger in
vorgegebene Optionen zwingen. Manuel und Peter nehmen diese These
auf und prüfen, wo sie überzeugt, wo sie zu pauschal wird und warum
sie auch theologisch interessant ist. Mit dieser Folge bekommt
«mindmaps» einen Relaunch: Der Podcast bleibt philosophisch,
richtet den Blick aber stärker auf aktuelle Bücher, die Debatten
prägen, unsere Gegenwart deuten und auch für Theologie und Kirche
relevant sind. Manuel Schmid und Peter Hempelmann befragen solche
Texte kritisch und erkunden ihren Ertrag für Theologie und Kirche.
Zum Auftakt dieses neuen Formats sprechen Manuel und Peter über
Hartmut Rosas Essay «Situation und Konstellation. Vom Verschwinden
der Spielräume». Im Zentrum steht Rosas These, dass Menschen in der
spätmodernen Gesellschaft immer häufiger nicht mehr als
urteilsfähige Handelnde gefragt sind, sondern nur noch als
Vollziehende: Sie kreuzen Kästchen an, folgen digitalen Menüs,
reagieren auf vorgegebene Optionen und verlieren dabei ein Stück
Handlungsmacht. Manuel zeichnet nach, wie Rosa zwischen offenen
«Situationen» und festgelegten «Konstellationen» unterscheidet. An
vielen Beispielen wirkt diese Diagnose unmittelbar einleuchtend:
bei Telefon-Hotlines, Versicherungen, Formularen,
Verwaltungsabläufen oder dem Video Assistant Referee im Fussball.
Gerade darin sieht Manuel die Stärke des Buches: Rosa beschreibt
Erfahrungen, die viele kennen, und gibt einem diffusen Frust einen
klaren Begriff. Zugleich beobachtet er, dass das Buch einen
populistischen Unterton hat oder zumindest solche Folgerungen
begünstigt, weil es das Gefühl verstärken kann, man sei anonymen
Systemen ausgeliefert, die «von oben» über das eigene Leben
verfügen. Peter widerspricht an entscheidenden Punkten. Er hält die
Gegenüberstellung von Situation und Konstellation für zu scharf,
methodisch zu grob und stellenweise suggestiv. Viele der von Rosa
kritisierten Regeln schaffen nicht nur Enge, sondern schützen auch
vor Willkür, Ungleichbehandlung und Machtmissbrauch.
Konstellationen sind für Peter deshalb nicht einfach das Gegenstück
zur Freiheit, sondern oft selbst Bedingungen für Gerechtigkeit. Das
Gespräch fragt deshalb, ob Rosa die Komplexität moderner Ordnungen
zu schnell in ein eingängiges Schwarz-Weiss-Schema presst. Dazu
kommt eine philosophische Vertiefung: Wie tragfähig ist ein
phänomenologischer Ansatz, der mit lebensnahen Beispielen arbeitet
und daraus weitreichende Gesellschaftsdiagnosen ableitet? Manuel
und Peter sprechen über die heuristische Kraft von Rosas Denken,
aber auch über die Gefahr, aus eindrücklichen Einzelbeobachtungen
vorschnell eine grosse Theorie zu machen. Im letzten Teil öffnet
sich die Diskussion in Richtung Theologie. Peter liest die
Evangelien als Schule der Freiheit: Jesus lasse sich immer wieder
nicht in vorgegebene Alternativen drängen, sondern durchkreuze
starre Logiken, öffne neue Spielräume und verwandle festgelegte
Konstellationen in lebendige Situationen. So wird aus der
Buchbesprechung auch eine programmatische Folge für den neuen
«mindmaps»-Kurs: ein Gesprächsraum zwischen Philosophie, Theologie
und Gegenwartsdeutung.
erklärt, warum moderne Gesellschaften uns immer häufiger in
vorgegebene Optionen zwingen. Manuel und Peter nehmen diese These
auf und prüfen, wo sie überzeugt, wo sie zu pauschal wird und warum
sie auch theologisch interessant ist. Mit dieser Folge bekommt
«mindmaps» einen Relaunch: Der Podcast bleibt philosophisch,
richtet den Blick aber stärker auf aktuelle Bücher, die Debatten
prägen, unsere Gegenwart deuten und auch für Theologie und Kirche
relevant sind. Manuel Schmid und Peter Hempelmann befragen solche
Texte kritisch und erkunden ihren Ertrag für Theologie und Kirche.
Zum Auftakt dieses neuen Formats sprechen Manuel und Peter über
Hartmut Rosas Essay «Situation und Konstellation. Vom Verschwinden
der Spielräume». Im Zentrum steht Rosas These, dass Menschen in der
spätmodernen Gesellschaft immer häufiger nicht mehr als
urteilsfähige Handelnde gefragt sind, sondern nur noch als
Vollziehende: Sie kreuzen Kästchen an, folgen digitalen Menüs,
reagieren auf vorgegebene Optionen und verlieren dabei ein Stück
Handlungsmacht. Manuel zeichnet nach, wie Rosa zwischen offenen
«Situationen» und festgelegten «Konstellationen» unterscheidet. An
vielen Beispielen wirkt diese Diagnose unmittelbar einleuchtend:
bei Telefon-Hotlines, Versicherungen, Formularen,
Verwaltungsabläufen oder dem Video Assistant Referee im Fussball.
Gerade darin sieht Manuel die Stärke des Buches: Rosa beschreibt
Erfahrungen, die viele kennen, und gibt einem diffusen Frust einen
klaren Begriff. Zugleich beobachtet er, dass das Buch einen
populistischen Unterton hat oder zumindest solche Folgerungen
begünstigt, weil es das Gefühl verstärken kann, man sei anonymen
Systemen ausgeliefert, die «von oben» über das eigene Leben
verfügen. Peter widerspricht an entscheidenden Punkten. Er hält die
Gegenüberstellung von Situation und Konstellation für zu scharf,
methodisch zu grob und stellenweise suggestiv. Viele der von Rosa
kritisierten Regeln schaffen nicht nur Enge, sondern schützen auch
vor Willkür, Ungleichbehandlung und Machtmissbrauch.
Konstellationen sind für Peter deshalb nicht einfach das Gegenstück
zur Freiheit, sondern oft selbst Bedingungen für Gerechtigkeit. Das
Gespräch fragt deshalb, ob Rosa die Komplexität moderner Ordnungen
zu schnell in ein eingängiges Schwarz-Weiss-Schema presst. Dazu
kommt eine philosophische Vertiefung: Wie tragfähig ist ein
phänomenologischer Ansatz, der mit lebensnahen Beispielen arbeitet
und daraus weitreichende Gesellschaftsdiagnosen ableitet? Manuel
und Peter sprechen über die heuristische Kraft von Rosas Denken,
aber auch über die Gefahr, aus eindrücklichen Einzelbeobachtungen
vorschnell eine grosse Theorie zu machen. Im letzten Teil öffnet
sich die Diskussion in Richtung Theologie. Peter liest die
Evangelien als Schule der Freiheit: Jesus lasse sich immer wieder
nicht in vorgegebene Alternativen drängen, sondern durchkreuze
starre Logiken, öffne neue Spielräume und verwandle festgelegte
Konstellationen in lebendige Situationen. So wird aus der
Buchbesprechung auch eine programmatische Folge für den neuen
«mindmaps»-Kurs: ein Gesprächsraum zwischen Philosophie, Theologie
und Gegenwartsdeutung.
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