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Kennen Sie Trier? Architektur-Podcasts. Archiv

31 Episoden
6 Minuten
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Obelisk.mp3 Audio-Podcast: 6:27 min Kennen Sie... den Olewiger Obelisken? Obelisken kennen wir vor allem aus dem alten Ägypten, aus Rom oder Paris. In ihrem Ursprungsland entstanden die hochaufragenden Monumente als steingewordene Strahlen des Sonnengottes Re und standen immer zu zweit vor den ihm geweihten Tempeln. Durch den Schattenverlauf konnten die Ägypter die Zeit ablesen. Aus einem einzigen Granitblock wurde die eckige, sich nach oben verjüngende Säule gefertigt. Die meist vergoldete Spitze in Pyramidenform spiegelte das Sonnenlicht wider. Rom ist die Stadt mit den meisten ägyptischen Obelisken in Europa. Ihren Weg hierher fanden die oft mehrere hundert Tonnen schweren Stücke auf dem Schiffsweg. Die römischen Kaiser brachten sie als Zeichen ihrer Macht von ihren Feldzügen mit oder errichteten sie später nach ägyptischen Vorbild selbst. Der berühmte mit Hieroglyphen versehene Obelisk von Luxor, der die Pariser Place de la Concorde schmückt, ist im Unterschied dazu keine Raubbeute, sondern ein ganz offizielles Geschenk der Ägyptischen Regierung an den französischen König Louis Philippe (1773-1850). Spätestens zu dessen Lebzeiten wurde der Obelisk in Europa dann zu einem Monument, mit dem man entweder besonderer Menschen gedachte, gewonnene Schlachten dokumentierte oder auch naturwissenschaftliche Neuerungen würdigte. Auf Friedhöfen finden sich Obelisken zum Gedenken an Kriegsopfer oder auch für Familien. Die Monumentenform war modern, auffällig und beliebt. Und so entstand auch in Trier der Obelisk, der gegenüber dem Weindorf Olewig zu Füßen der Weinberge steht. Vor dem Ausbau der Umgehungsstraße stand das Monument in einer Baumgruppe in der Nähe des damaligen Klosters St. Xaverius. Vor genau 40 Jahren wurde es dann gut sichtbar in den Weinberg gesetzt. „Unserem Lehrer“ ist der Obelisk gewidmet. So steht es inmitten eines Blätterkranzes auf der Sockelseite, die der Straße zugewandt ist. Erst wenn man die Inschrift auf der Rückseite liest, findet man Details: „Dr. J. P. W. Stein aus Trier wirkte 15 Jahre als Lehrer der Mathematik am Gymnasium zu Trier und starb d. 17. Maerz 1831 im 35. Jahre seines Alters.“ Der so überaus geehrte Johann Peter Wilhelm Stein wurde 1795 in Trier geboren und sein Name taucht in den Medien auf, seit er 10 Jahre alt war. Denn die Trierer Schulen haben den besonders hervorragenden Eleven der Stadt jährlich Preise verliehen und diese mit Ehrenmeldungen bedacht. Der junge Stein wurde so zwischen 1805 bis 1810 für seine Leistungen in den Fächern Latein, Französisch, Religion, Physik und Geometrie ausgezeichnet. Im Fach Mathematik bestand er schließlich den Concours pour l’admission und konnte ein Studium an der Ecole polytechnique in Paris aufnehmen. Ausgebildet für den französischen technischen Staatsdienst, arbeitete er bis zur Abdankung von Napoleon als „ingénieur géographe“ in der Armee. Zurück in Trier, wurde er ab 1816 mit gerade 21 Jahren als Professor bzw. Lehrer an seiner alten Schule, dem königlich-preußischen Gymnasium, heute Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, angestellt. Während es üblich war, dass ein Lehrer mehrere Fächer unterrichtet, wurde Stein fast ausschließlich im Fach Mathematik eingesetzt. Schon nach zwei Jahren erhielt Stein von einem Schulrat ein Zeugnis ausgestellt, in dem ihm bescheinigt wurde, er habe „...ein angeborenes Talent zum Lehren und ein vorzügliches Streben, sich wissenschaftlich auszubilden; der Lehrer Stein ist in seinem Fache, der Mathematik, wohl unterrichtet, und er würde mit der Zeit etwas Vorzügliches leisten können, wenn ihm nicht eine gründliche Kenntnis der alten Sprachen und die philosophische Bildung gänzlich abginge.“ Das Spektrum des Fachs Mathematik legte er gemäß seiner Ausbildung recht weit aus, denn neben Arithmetik und Geometrie unterrichtete er auch die Feldmesskunst. Und dies nicht nur, indem er wie in seiner Zeit üblich, vorne an der Tafel stand und dozierte, während die Schüler mitschreiben mussten. Er bezog seine Schüler in den Unterricht ganz aktiv ein, ließ diese Lösungswege erarbeiten und regte deren selbsttätiges und selbstständiges Arbeiten an, wie Guido Groß in seiner Festschrift zum 150. Todestag von Johann Stein ausführt. Und um in der Natur zu messen, ging er ins Freie und machte praktische Übungen. Da die vorhandenen Lehrbücher seinen Ansprüchen nicht gerecht wurden, publizierte Johann Stein ab 1820 nicht nur Lehr-, sondern auch diverse Fachbücher. Mehrere Auflagen hatten beispielsweise seine Ausführungen zur Arithmetik, in dessen Vorwort er in der Ausgabe von 1825 schreibt: „Um dem Wunsche mehrerer Lehrer, welche mit Recht für die unteren und mittleren Klassen ein ausführlicheres Handbuch verlangten, nachzukommen, habe ich die gegenwärtige zweite Auflage gänzlich umgearbeitet und durch die Anordnung derselben zu erreichen gesucht, dass sie nicht nur für alle Klassen eines Gymnasiums, sondern auch für die Bürger-Schulen und selbst für die Volksschulen, in den Händen eines geschickten Lehrers, einen geeigneten Leitfaden darbiete.“ Sein Ziel war also die Bildung junger Menschen aller Schulformen mit Methoden, die zu seiner Zeit als innovativ und besonders galten. Dies war wohl auch der Anlass für seine ihn verehrenden Schüler, ihm nach seinem frühen Tod das für seine Zeit hochmoderne Denkmal zu erbauen. Dr. Johann Stein hinterließ sechs Kinder, vier von seiner ersten Frau, die kurz nach der Geburt des jüngsten Kindes starb sowie zwei seiner zweiten Frau. Die Witwe Catharina Schlink erhielt aus Dankbarkeit den Werken ihren Mannes gegenüber für sich und die sechs Kinder eine Wohnung mit vier Zimmern und Küche im Gymnasium. Sie eröffnete einen Manufakturwarenladen und überlebte ihren Mann 48 Jahre.

Ordenskommende

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http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Ordenskommende.mp3 Audio-Podcast: 08:19 min Kennen Sie… die Ordenskommende? Wie ein kleines Schloss steht es mitten in der Stadt. Ein Weg führt unter Bäumen und an Wiesen vorbei auf ein prachtvolles Portal zu. Mit seinem umgebenden Mauern und Zäunen wirkt es im Areal der Trierer Berufsbildenden Schulen wie ein vergessenes Kleinod. Ursprünglich als Sitz des Deutschen Ordens errichtet, beherbergen das Haus und seine beiden Nebengebäude aus dem 18. Jahrhundert heute verschiedene Institutionen aus Bildung und Kultur. Trier. Seit 1242 ist in Trier ein Ordenshaus des Deutschen Ordens bezeugt. Der Ritterorden entstand in Folge der Kreuzzüge des 12. Jahrhundert und breitete sich schnell im heutigen Mitteleuropa aus. In der Blüte der Aktivitäten der Deutschordensritter entstanden um das Jahr 1300 zahlreiche Backsteinburgen im Deutschordensland, dem späteren West- und Ostpreußen. Berühmtestes Beispiel ist die Marienburg (1309-1454), der größte Backsteinbau Europas in der polnischen Stadt Malbork. Auch ein halbes Jahrhundert später noch bauten die jahrhundertelang karitativ und politisch machtvollen Deutschordensritter groß und unübersehbar. Im Heiligen Römischen Reich gliederte sich der Orden territorial in einzelne Balleien, also Verwaltungseinheiten auf, die von einem Landkomtur geleitet wurden. Genau ein solcher Sitz befand sich für die Ballei Lothringen seit 1295 in Trier. In den Ordenskommenden lebten sowohl Ritter, Priester als auch Laien ein klösterliches Leben. Im Trierer Deutschen Orden fanden sich vornehmlich Angehörige der Trierer führenden Familien, von denen zahlreiche Stiftungen belegt sind. So geht auch der Standort der Ordenskommende am Trierer Schießgraben auf eine Schenkung des Trierer Schöffen und Deutschherren Jakob von Oeren aus dem Jahr 1294 zurück. Im Jahr 1305 wurde ihn Trier auch eine Kirche des Deutschen Ordens errichtet, welche über Jahrhunderte hier stand und erst 1803 nach der Aufhebung der Kommende abgebrochen wurde. Schon nach der Reformation löste sich das gemeinschaftliche Leben im Deutschen Orden auf, die Hauptaufgabe bestand von nun an im Militärdienst. Mit dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs begann ab 1648 eine Phase des Neubeginns – vor allem architektonisch. Nicht nur der Hauptsitz in Mergentheim wurde mit Schloss und Kirche ausgestattet, auch die regionalen Verwaltungssitze wurden erneuert. In Trier errichteten die Trierer Deutschherren, wie sie auch genannt wurden, um 1731 auf dem von der Familie Oeren überlassenen Gelände einen zweigeschossigen Neubau, der durch elf Achsen gegliedert ist. Das barocke Gebäude ist mit einem für damalige Verhältnisse modernem Mansarddach gedeckt. Besonders hervorgehoben wird die Mittelachse aus unverputztem Sandstein und einem prachtvollen ornamentierten Eingangsportal. Über der Türe befindet sich das Wappen des ab 1701 hier residierenden Landkomturs auf dem Wappen des Deutschherrenordens, einem schwarzen Kreuz auf silbernem Grund. Das oben liegende Wappen zeigt nochmals das Ordenskreuz in zweifacher Ausführung sowie das Wappen der Familie Stein-Kallenfels mit einem laufenden Löwen auf grünem Untergrund. Über dem Fenster des ersten Geschosses findet sich schon auf Höhe des Daches ein weiteres Wappen unter einem geschweiften Giebel. Das farbenfroh gefasste Schild ist das des damaligen Hochmeisters des Deutschen Ordens, Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, der auch Fürstbischof von Trier und Mainz war. 1762 ließ der Landkomtur Boos von Waldeck rund um das Gebäude einem großen Park anlegen, der zudem noch mit Statuen ausgestattet wurde. Das freistehende Haupthaus wurde zum Mittelpunkt einer Gesamtanlage mit dem noch heute vorhandenen dazugehörendem Wirtschaftsgebäude sowie einer Orangerie, die südwestlich im rechten Winkel zur Kommende erbaut wurde. Ursprünglich wird hier der Marstall vermutet, ein repräsentativer Pferdestall. Anlehnend an das Hauptgebäude wird auch die Mittelachse betont, hier durch ein Wappen in einer verspielten Kartusche sowie einem von Vasen und Voluten verzierten Zwerchhaus auf dem Dachsims. Der dritte zur Kommende gehörende Bau ist das sogenannte Ökonomiegebäude, welches bereits seit Beginn der Deutschordenszeit in Trier deren Domizil war, wie aus der Oeren-Schenkung zu ersehen ist. Direkt an die Stadtmauer angebaut liegt es parallel zur Orangerie und besitzt im südlichen Teil einen Gewölbekeller aus dem 13. Jahrhundert. Das langgestreckte Haus wurde im Jahr 1661 aufwändig repariert und renoviert, worüber die Inschrift auf dem Wappenrelief auf der Ostseite Auskunft gibt. 1856 baute der königliche Bau-Inspector Johann Georg Wolff einen zweigeschossigen Anbau mit vier Achsen an das bestehende Gebäude an. Dieser Anbau ist im Gegensatz zu dem älteren Gebäudeteil in beiden Etagen mit Fenstern ausgestattet und passt sich in seinem Formen der barocken Architektur des Hauptgebäudes an. Genutzt wurde er als Garnisonsbäckerei des inzwischen im Hauptgebäude residierenden Garnison-Provinzialamtes. Nach der französischen Revolution nämlich löste sich der Orden im Zuge der Säkularisierung auf. Heute existiert der Deutsche Orden als geistlicher Orden mit etwa 1000 Mitgliedern in Deutschland, Belgien, Tschechien, Österreich und Italien, in Trier existiert kein Konvent mehr. Die seit Anfang 2002 unter Denkmalschutz stehenden drei Gebäude des Deutschen Ordens werden zum größten Teil auch heute noch genutzt. Nach schweren Kriegsschäden entkernte man das Hauptgebäude im Inneren und stellte es 1955 wieder her, so dass hier nur zwei Jahre später die Sonderschule einziehen konnte. Heute bildet hier die Berufsbildende Schule für Ernährung, Hauswirtschaft und Sozialpflege aus. Und auch das Ökonomiegebäude an der Stadtmauer dient einer kulturellen Aufgabe. Während in dem älteren Teil ein Kulissenlager des Trierer Stadttheaters untergebracht ist, dürfte die alte Garnisonsbäckerei am Schießgraben vielen Trierern noch als Ort des Jazz-Clubs bekannt sein. Noch in diesem Sommer wird wieder Musik durch die zwei Etagen hallen, wenn die villaWuller ihren Club in den Räumen mit den alten Jazzkonzertplakaten im Flur eröffnet. Schon bei der Designfusion 2011 wurden die Räume für eine Ausstellung genutzt.
7 Minuten
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Porta-Nigra-von-Trier-Sued.mp3 Audio-Podcast: 7:51 min Kennen Sie… die “Porta Nigra” von Trier-Süd? Mit der rasanten Vergrößerung der Stadt Trier verloren die mittelalterlichen Stadtmauern im Laufe des 19. Jahrhunderts so sehr an Bedeutung, dass sie bis zur Jahrhundertwende abgerissen wurden. An dem auf deren Fundamenten angelegten Alleenring steht nicht nur das einzig übrig gebliebene römische Stadttor, sondern im Süden auch eine ganz ähnliche Architektur, die zwar nur mehr als 100 Jahre alt, aber in ihrer Art in Trier einmalig ist. Bei einem Spaziergang an der Südallee Richtung Stadtbad geht ein Mann mit einem Kind an der Hand vor mir her, welches laut fragt “Ist das die Porta Nigra?”. Ich schaue in die gleiche Richtung wie die beiden vor mir und verstehe die Assoziation des Jungen sofort. Das Doppelhaus mit den beiden rund herauskragenden rundlichen Erkern, den beiden mittigen Torbögen und den vielen Fensteröffnungen weist die gleichen Charakteristika auf, wie das nördliche Tor der römischen Augusta Treverorum aus dem Ende des 2. Jahrhunderts. Die steinsichtigen Fassaden mit den grob behauenen Steinquadern sind sich einfach zu ähnlich. Beim zweiten Blick auf das imposante Bauwerk, das in einer geschlossen bebauten Reihe zwischen historistischen Wohngebäuden steht, wird besonders deutlich, wie sehr sich das Haus von den danebenliegenden Gebäuden unterscheidet. Es wirkt durch seine Breite und Dunkelheit besonders mächtig, ja beinahe archaisch zwischen den hell verputzten und teilweise mit filigranen Jugendstilornamenten oder farblich abgesetzten Simsen verzierten Fassaden. Gebaut hat es der Trierer Architekt Peter Marx (1871-1958) im Jahr 1900. Bereits 1788 wird die Allee – damals als Nußbaumallee – außerhalb der Stadtmauer angelegt, welche durch die Stadterweiterung Triers zu einem Straßenzug mit Gewerbe, Gerbereien und Wohnhäusern bis hin zur Mosel ausgebaut wird. Die ersten Gebäude entstehen hier in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts. Erst gegen Ende des Jahrhunderts beginnt der Bau von Villen entlang der wie heute von Bäumen gesäumten Straße. Die Denkmaltopographie der Stadt Trier verweist beispielsweise auf die Villa Schaab, die in den 60er Jahren für den Bau des Polizeipräsidiums abgerissen wurde. Mit dem Steinbau von Marx ist eine der wenigen Villen aus dieser Zeit erhalten geblieben. Es ist eines der ersten Werke, die Peter Marx direkt zu Beginn seiner Zeit als selbstständiger Architekt in Trier baut. 1900 gründet er nach dem Studium an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg in seiner Heimatstadt sein eigenes Architekturbüro. Der aus einer Tuchfabrikantenfamilie stammende Marx hat vorher schon eine Ausbildung zum Bautechniker gemacht und einige Zeit in Köln und Brüssel gearbeitet. Zwei Jahre lang, 1894 und 1895, verbringt er in New York und lernt dort die neuen Techniken im Beton- und Stahlbau kennen. Studienreisen führen ihn nach Italien, Frankreich, Schottland und England. Man darf davon ausgehen, dass er sich in internationaler zeitgenössischer Architektur bestens auskennt und seine Selbstständigkeit mit einem großen Erfahrungsschatz beginnt. So extravagant das Haus in der Südallee heute erscheint, so modern war es in seiner Bauzeit. Um 1900 wird historistisch gebaut, sowohl bei öffentlichen Gebäuden, Kirchen aber auch Wohnhäusern und Villen. Die Architekten greifen auf dagewesene Stilformen zurück. So entstehen in ganz Preußen beispielsweise zahlreiche neogotische Kirchen oder im Renaissancestil gestaltete öffentliche Gebäude. Die Verwaltungen, Kirchen und Grundbesitzer bauen Gebäude, die entweder ihre Macht und Wichtigkeit darstellen sollen oder im Privaten stolz das Selbstverständnis des Bürgertums präsentieren. Womöglich sollte das Doppelhaus Aufmerksamkeit erregen, um auf das Unternehmen des Bauherrn und die damalige Nutzung aufmerksam zu machen. Auf dem Grundstück der rechten Haushälfte befindet sich nämlich zur Bauzeit die Schreinerei von Quirin Hofscheuer, die über den Toreingang der linken Haushälfte zugänglich ist. Diese Türe ist auch heute noch erhalten und mit ihren aufwändigen Schnitzereien wohl ein Stück aus dieser Werkstatt. Peter Marx zitiert und variiert in seiner Doppelvilla romanische und damit ursprünglich römische Bauformen, was für Wohngebäude eher untypisch und für Trier einmalig ist. Die Rundbögen über den Eingängen und die massiven Steinquader erinnern sowohl an römische Torbauten wie auch an romanische Burgen. Die verwendeten Quader sind bossiert, also an der Sichtseite ungeglättet und nur grob behauen – das war nötig, damit die Seile beim Hochziehen der oft tonnenschweren Quader nicht abrutschten. Diese rohe Behauung steht im Kontrast zur explosionsartig wachsenden Stadt mit seinen bürgerlich-biedermeierlichen Wohngebieten. Der symmetrischen Strenge der antiken Vorbilder stellt Marx jedoch Strukturelles entgegen. Besonders auffällig ist die Asymmetrie der Fassade. Während er beim linken Flügel gleich zwei halbrunde Erker nebeneinander platziert, findet sich auf der rechten Seite nur ein Erker. Und auch die Giebel der beiden Zwerchhäuser sind in ihrer Ausformung nicht symmetrisch. Die Abwandlung antiker Architektur passt interessanterweise wieder zur Porta Nigra, welche mit den zwei unterschiedlich hohen Türmen auch ein asymmetrisches Erscheinungsbild hat. Inwieweit Peter Marx das römische Tor zum Vorbild genommen hat, kann jedoch nur spekuliert werden. Modern und zeitgenössisch sind an der Villa deren Details, wie beispielsweise die an die Sezessionsarchitektur erinnernden Umfassungen der Gaubenfenster oder die flankierenden Schmuckelemente rechts und links der Giebel. Der Balkon zwischen den Erkern verbindet die beiden Häuser und nimmt Bezug auf die historistische Landhausarchitektur, die hier ins städtische Umfeld herein interpretiert wird. Vor allem die kleinen skulpturalen Elemente lockern das monumentale Gebäude auf und verweisen auf Dämonen, welche die mittelalterlichen Gotteshäuser schützen. Es lohnt sich, hier Details zu suchen. Der tief religiöse Peter Marx hat in seiner Trierer Zeit nach dem frühen Tod seiner Frau 1907 hauptsächlich Kirchenbauten errichtet. Durch seine politischen Aktivitäten als Separatist zugunsten einer “Rheinischen Republik” wird er in Trier nach dem Abzug der französischen Besatzungsgruppen verfolgt, 1934 flieht er vor den Nationalsozialisten zu einem Bruder nach Rom. Hier forscht er im Vatikan und bereitet eine mehr als 700-seitige Sammlung von Kirchengrundrissen mit Kommentaren, den Corpus Basilicarum orbis christiani vor, die jedoch nie gedruckt wird. 1947 kehrt er nach Trier zurück, wo er als seinen letzten Bau 1953/54 die Igeler Kirche realisiert. Info: Weitere Informationen zum Leben und Werk von Peter Marx haben die Trierer Kunsthistoriker Jens Fachbach, Georg Schelberg und Mario Simmer im Neuen Trierischen Jahrbuch 48, 2008 zusammengefasst. Hier wird auch eine Monographie der Autoren zum Architekten angekündigt.
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http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Preussisches-Schloss.mp3 Audio-Podcast: 7:51 min Kennen Sie… das preußische Schloss? Schlicht, sachlich, zig Fenster und fast ein eigenes Karree auf dem Weg vom Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt: Das imposante Verwaltungsgebäude der ehemaligen Trierer Reichsbahndirektion verbirgt hinter seiner monumentalen Fassade unerwartete Details. Mit mehr als 300 Räumen zählt das Anwesen zu den größten Immobilien der Stadt. Im Keller des in den Zwanziger Jahren errichteten Gebäudes wütete einst die Gestapo und folterte Gegner des NS-Regimes. Heute residiert hier unter anderem das Mehrgenerationenhaus, in dem gleich mehrere Verbände und Einrichtungen ihren Sitz haben, Platz ist außerdem für ein Café und weitere Institutionen. Deutschland – Behördenland. Das Vorurteil wurde in einer Zeit geboren, als die preußische Regierung Verwaltungsbauten errichten ließ, die an die Schlösser aus früheren Jahrhunderten erinnern. Hier wurde verwaltet, bilanziert und auf den Weg gebracht, was den Freistaat Preußen wirtschaftlich erfolgreich machte. In Trier war vor allem die Anbindung an das Eisenbahnnetz entscheidend für den Aufschwung und die Entwicklung der Stadt nach dem Ersten Weltkrieg. Schon seit 1914 waren die Verbindungen in den Westen und Süden gut ausgebaut, als Station zwischen dem Ruhrgebiet und Frankreich wurde Trier zum belebten Standort für Gewerbe und Handel. Nach dem Weltkrieg war Trier für ein gutes halbes Jahr Sitz der Zentraleisenbahndirektion, welche die Erlasse der linksrheinischen Eisenbahndirektionen Köln und Saarbrücken verwaltete. Wenige Monate später wurde die Eisenbahndirektion Saarbrücken aufgelöst und nach Trier verlegt – samt 500 Mitarbeitern. Für dieses Team mussten Arbeitsplätze und Wohnungen geschaffen werden, die der Architekt, Regierungs- und Baurat Karl Albermann plante und in den Jahren 1922 bis 1925 errichtete. Eine Plakette, die an einen überdimensional großen Kronkorken erinnert, dokumentiert die Bauzeit an einem Nebeneingang in der Christophstraße. Die Reichseisenbahndirektion an der Ecke Balduinstraße/Christophstraße wurde Verwaltungsgebäude und Wohntrakt in einer Einheit. Als vierflügelige Anlage ist das Gebäude auf einem typischen Schlossgrundriss mit einem L-förmigen Anbau im Osten errichtet worden, der an der Balduinstraße die Wohnungen der preußischen Beamten beherbergte. Der Haupteingang, der ebenfalls in den Anbau führt, ist mit Fassadenschmuck und vorgelagerten Balkonen ausgewiesen. Diese Asymmetrie zeigt, dass der Architekt bewusst von den historistischen Architekturformen der Gründerzeit Abstand genommen hat. Von außen ist das Gebäude schlicht gehalten. Auf einem Erdgeschoss mit gedrungen wirkenden rundbogigen Arkadengängen an den Straßenseiten erheben sich drei Stockwerke mit eher kleinen einfachen Sprossenfenstern. Der mit wenigen Stufen etwas erhöhte Eingangsbereich ist ebenfalls mit Rundbögen gekennzeichnet und über einen dreieckigen Vorplatz zu erreichen. Das Schlichte war so gewollt, wie die Urkunde zur Grundsteinlegung verrät, die Karl-August Heise in seinem Buch “Die alte Stadt und die neue Zeit” zitiert: “…soll ein Bau errichtet werden, in einfachsten Formen, welche auch nach außen erkennen lassen, daß unser Vaterland durch das Friedensdiktat von Versailles arm geworden ist”. Einziger “Schmuck” ist das von zwei barbusigen Damen flankierte Wappen mit den Initialen RBDT für Reichsbahndirektion Trier, welches im Detail expressionistische Zickzacklinien aufweist. Begleitet wird das Wappen beidseitig von jeweils zwei Medaillons, unter anderem mit Tier- und Pflanzenmotiven. Aussagekräftiger sind die Medaillons an dem Gebäudeflügel, der mit seiner Schmalseite Richtung Balduinstraße weist. Die drei runden Reliefs zeigen Bezüge zur Eisenbahn. Links schmiegt sich eine starke Frau mit antiken Zügen an eine Lokomotive, rechts hält ein athletischer Jüngling Blitze fest als Allegorie auf die Elektrifizierung der Eisenbahn in den vorangegangenen Jahrzehnten. In der Mitte nimmt der Götterbote Hermes mit seinem Schlangenstab eine zentrale Position ein – als Schutzgott des Verkehrs und der Reisenden. Ein eher unauffälliger Eingang befindet sich an dem Anbau in der Balduinstraße, in dem die Wohnungen der Mitarbeiter platziert wurden. Auch hier gliedert sich die Fassade asymmetrisch durch die vier bis auf den Boden reichenden Fenster, welche die Räume mit mehr Tageslicht versorgen, oberhalb und neben der Haustür. Schlossähnlich symmetrisch dagegen präsentiert sich die Fassade des Flügels entlang der Deworastraße. Der dreigeschossige Mittelteil mit Mansarddach wird von zwei viergeschossigen Gebäudeteilen flankiert, von denen eine Ecke modern abgerundet ist – ein erster Hinweis auf spätere Großstadtarchitektur, welche dieses Motiv gerne variierte. Das Innere des Gebäudes mit 320 Räumen und knapp 9.000 Quadratmetern Nutzfläche ist vergleichsweise spielerisch gestaltet – im Gegensatz zur beinahe zeitlosen Außenwirkung mit überschaubaren Details. Schon das Foyer mit seinen achteckigen Säulen und dem monumentalen Haupttreppenhaus lässt erahnen, welch hohen Stellenwert die Direktion hatte – ohne nach außen zu sehr zu protzen. Vorherrschend ist auch hier die Verwendung von expressionistischem Dekor. Alle Türen haben profilierte Steingewände mit erhabener Zimmernummer. Besonders die erste Etage ist im Flur mit zeitgenössischen Ornamenten geschmückt, die teils abstrakt aber zuweilen auch figürlich sind. Das Portal – wahrscheinlich zu den Räumen des Trierer Reichsbahndirektors – ist besonders durch zackige Reliefs und einen zarten Frauenkopf betont, der so gar nicht zu den eher tumben Medaillons daneben zu gehören scheint. Auf dem ersten spielt eine Putte mit Mozartfrisur mit einer Eisenbahn während daneben ein Kind mit derben Stiefeln bis zur Hüfte mit einem Riesenschritt einen Zug überquert. Vom Zauber der Siebenmeilenstiefel keine Spur. Es ist das Gesamtkunstwerk des Gebäudes, das im Inneren vor allem in den schlicht weiß und grau gehaltenen Fluren architektonisch überzeugt. Die Flure mit Farbfassungen in braun, beige und orange lassen die Räume duster und unzeitgemäß wirken. Das zentrale Treppenhaus mit einem mittig eingepassten Aufzug zeigt in einem Detail, dass Karl Albermann gerade das streng Monumentale mit zartem Unerwartetem kombiniert. Einfach stilisierte farbig gefasste Äpfel machen das eiserne Treppengeländer zu einem Kunstwerk an sich. Auch der obere Abschluss des Treppenhauses mit einem expressionistisch geschmückten Pfeiler zeigt, dass alle Ebenen des Gebäudes, also auch in der Verwaltung, das Recht auf etwas Schönes haben. Jede der zahlreichen achteckigen Säulen ist mit sternförmigen Profilen gestaltet. Bereits nach zehn Jahren, 1935, verlor Trier den Sitz der Eisenbahndirektion wieder an Saarbrücken, seitdem hat das Gebäude unterschiedliche Nutzungen erlebt. In der Zeit des Nationalsozialismus hatte die Trierer Gestapo hier ihr Hauptquartier. Im Keller im zweiten Untergeschoss wurde gefoltert und von hier aus gelangten die Verfolgten zum nahe gelegenen Güterbahnhof – und von dort zum Transport in die Konzentrationslager. Heute beherbergt das Gebäude verschiedene soziale Einrichtungen, Büros und Unternehmen.
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http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Pyramidenkirche.mp3 Audio-Podcast: 6:11 min  Kennen Sie… die Pyramidenkirche? Aus Ägypten sind sie am bekanntesten und auch die Maya haben in Südamerika Stufenpyramiden errichtet. Die Architekturform, die im dritten Jahrtausend vor Christus begann und im noch unentdeckten Amerika eine weitere Blütezeit erlebte, hat in den folgenden Architekturepochen kaum noch Planer angesprochen. Die glattwandigen Pyramiden jedoch erleben vor allem im 20. Jahrhundert mit dem Werkstoff Glas eine kleine Renaissance. Mit der Kirche St. Michael im Stadtteil Mariahof besitzt Trier ein Bauwerk, welches als einmalig zu bezeichnen ist und Architekturstudierende aus der ganzen Republik anzieht. Die Massen strömen nicht erst in den Innenhof des Pariser Louvre, seit Dan Brown in “The Da Vinci Code” die Suche nach dem heiligen Gral genau dort enden lässt. Schon als der chinesisch-stämmige Architekt Ieoh Ming Pei den Eingangsbereich des Museums 1989 mit einer raumgreifenden gläsernen Pyramide fertigstellte, begeisterten sich die Besucher an der alten Form in neuem Gewand. Das Motiv ist beispielsweise auch im luxemburgischen Museumsneubau des Mudam zu finden, ebenfalls ein Pei-Gebäude. Pyramiden krönen den Frankfurter Messeturm, die Ulmer Bibliothek oder sind die Grundform für Hochhäuser in den Vereinigten Staaten. Doch die etwas sperrigere Form der Stufenpyramide mit ihren Ecken und Kanten erlebte keine neue Blütezeit. Umso bedeutender ist die Interpretation eines Kirchenraumes aus dieser Jahrtausende alten Form. Möglich machte dies die Konzeption eines komplett neuen Stadtteils von Trier nicht auf der grünen Wiese, sondern eher auf spröden Feldern rund um das Gut Mariahof der Familie von Nell, welches auf dem ersten Bergzug des Hunsrücks, dem Mühlenberg, liegt. Hoch über dem Moseltal wurde eine Gartenstadt von Grund auf aus einem Guss geplant und umgesetzt. Die große Neubaumaßnahme in Zeiten knapper Wohnungen begann mit einem Architektenwettbewerb, der im April 1960 entschieden und ab 1962 umgesetzt wurde. Insgesamt 1200 Wohnungen wurden in Form von Mietwohnungen und Einfamilienhäusern errichtet, hinzu kamen eine Ladenzeile und ein eigenes Heizkraftwerk. Der fußgänger- und kinderfreundliche Stadtteil zog viele Familien an, welche die vier Kilometer in die Innenstadt dank der wachsenden Mobilität gut meistern konnten. Moderne weiße Häuser mit Flachdächern in verschiedenen Etagenhöhen prägen bis heute das für Trier innovative Wohnumfeld, dem Mitte der sechziger Jahre noch eine eigene Kirche fehlte. Es war wieder ein Wettbewerb, dessen ersten Preis der Dillinger Architekt Konny Schmitz im Jahr 1965 gewann. Sein Entwurf für das Zentrum von Mariahof – in der Flucht der Ladenpassage – sah eine Kirche in der Form einer Stufenpyramide vor. Ausgeführt in Stahlskelettbauweise mit einer Fassade aus unverkleidetem Beton, orientiert sie sich an den verschieden hohen bestehenden Gebäuden und weist zugleich eine klassische Form auf. 1968 wurde der Grundstein gelegt. Die Grundform des Kirchenbaus ist ein Quadrat, welches abgestuft in fünf Ebenen übereinander liegt. Durch jede der nach oben hin kleiner werdenden Ebenen in Zimmerhöhe entsteht ein Kirchenraum mit einer maximalen Höhe von 15 Metern über dem zentralen Altar. Das Raster von Kuben mit einer Größe von jeweils drei mal drei mal drei Metern ist komplett in Sichtbeton ausgebildet und strukturiert den Innenraum. Das Tageslicht dringt durch die Lichtkuppeln der verschieden hohen Flachdächer und Lichtleisten zwischen den Ebenen ein und verleiht dem Gebäude im Inneren eine Transparenz, die von außen kaum möglich scheint und den Blick nach oben richtet. Die Spannweite von 33 Metern im ebenerdigen Quadrat trägt sich ganz ohne Säulen und Pfeiler, auch ein für Kirchen übliches Gewölbe ist hier nicht zu finden. Der zentrale Altarraum wird von drei Seiten mit Gestühl umgeben. Die durch die Quadrate und Kuben entstehenden Ecken des Hauptraumes sind als Kapellen angelegt, diese sind sehr offen und bilden einen klassischen Kapellenkranz. Darunter findet sich auch die sogenannte Werktagskapelle, ein abgeschlossener Raum auf quadratischem Grundriss. Nur die Orgel, die zwischen den beiden Eingängen und dem Altarraum hoch aufragt, bildet eine optische Begrenzung, die aber durch die Glaswände wieder aufgehoben wird. Der Trierer Künstler Jakob Schwarzkopf (1926-2001) gestaltete 1982 diese Glasflächen mit biblischen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Sie flankieren die beiden Eingangstüren und bilden einen passenden Kontrast zu den betonsichtigen Wänden. Das Gebäude ist auch heute noch ein sehenswertes Bauwerk, nicht nur für Trier ist es etwas Besonderes. Die Pfarrkirsche St. Michael steht bereits jetzt unter Denkmalschutz. Nicht selten führen die Exkursionen von Kunst- und Architekturstudierenden, die Trier besichtigen, auch auf den Berg hinter Heiligkreuz. Doch nicht nur zu Entstehungszeiten war die Kirche in Triers jüngstem Stadtteil innovativ, modern und zeitgemäß. Auch heute birgt sie etwas Seltenes in ihrem Kellergeschoss. Die schlicht gestaltete Urnengruft beherbergt Schmuckurnen und Aschenkapseln von Verstorbenen aus der Pfarreiengemeinschaft Heiligkreuz, St. Maternus und St. Michael sowie von verstorbenen Bürgern der Stadt Trier, die schon zu Lebzeiten einen Platz reserviert haben. Hier liegt seit Juli 2010 auch der Architekt der Kirche, Konny Schmitz, der damit seine ganz persönliche Verbindung zu der Pyramidenkirche zum Ausdruck gebracht hat.

Regierungsburg

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http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/08/Regierungsburg.mp3 Audio-Podcast: 08:28 min  Kennen Sie… die Regierungsburg? Die preußische Verwaltung hat den Ruf einer schnörkellosen, farblosen und langweiligen Bürokratie, die in kasernenartigen Bauten Briefe schreibt, Gesetze anordnet und Dokumente archiviert. Das Ganze geschieht – so das Klischee – von einer Schar Beamter in grauen Anzügen mit Ärmelschonern und Aktentasche bei absoluter Pünktlichkeit. Einen überraschenden Kontrast dazu bildet das Gebäude, welches die Regierung Trier 1905 an der Ecke Deworastraße/Sichelstraße eröffnet und bis Sommer 2013 das Vermessungs- und Katasteramt Trier beherbergte. Heute befindet sich hier ein Teil der Stadtverwaltung. Raumgreifend und majestätisch ist die “Neue Regierung”, welche ab 1903 zwischen dem Hauptbahnhof und der Domimmunität errichtet wird, um den Trierer Beamten einen repräsentativen Rahmen für ihre tägliche Arbeit zu geben und nach außen hin Machtanspruch zu visualisieren. Die Pläne aus dem Jahr 1901 stammen von Baurat und Kreisbauinspektor Fülles und dem Regierungsbaumeister Raabe, ausführender Architekt war Landbauinspektor Jaffke. Die beiden fast identischen Hauptflügel des ehemaligen Vermessungs- und Katasteramtes mit Büros und Zeichensälen prägen noch heute das Straßenbild von Dewora- und Sichelstraße. Der Besucher, Bittsteller oder vorbeispazierende Bürger mag sich ob der farblichen und fröhlichen Ausgestaltung der Details und Formen an eine mittelalterliche romantische Burg erinnert fühlen. Standhaft und robust ist der steinerne Sockel, auf dem das Gebäude ruht. Die Hausteine, die bis in die erste Etage des Gebäudes reichen, verleihen den beiden straßenseitigen Flügeln eine unaufdringliche Monumentalität, die im zweiten Obergeschoss aufgelöst wird. Hier erst sind die Wände rund um die Fenster schlicht hell verputzt und nehmen dem Haus die Schwere, die man ob seiner Maße erwarten würde. Knapp 35 Meter lang sind die Flügel an der Sichel- beziehungsweise Deworastraße, die jeweils mit einem Eckpavillon mit spitzem Giebel enden. Hinter den drei Rundbogenfenstern des rechten Pavillons befindet sich ein repräsentativer Sitzungsraum.   Die Hauptfassade selbst liegt quer zwischen den beiden Flügeln und ist komplett mit dem natursteinfarbenem Haustein umrandet. Besonders hier fallen die unregelmäßig verteilten Bossensteine ins Auge, die durch ihre grobe Textur den Burgcharakter des neoromanischen Hauses unterstreichen. In der Mitte befindet sich der zentrale Eingang, den man über eine zweiflügelige Treppenanlage erreicht. Ursprünglich hat eine ausladende mittige Freitreppe in das Behördengebäude geführt. Diese einzige maßgebliche Veränderung des Gebäudes, welches im zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont blieb, erfolgte im Jahr 1930, als das Haus nach der Nutzung durch amerikanische und französische Besatzer wieder an die Trierer Regierung kam. Die heutigen zwei Treppen führen auf einen überdachten Vorbau mit Säulen, die einen Rundbogen halten. Farbig gefasst sind die Kapitelle, die einen Vorgeschmack auf die reiche innere Ausstattung des Hauses geben. Das Kapitell der linken Säule wird von vier Eulen gebildet, das auf der rechten zeigt vier Schlangen. Alle bildlichen Steinarbeiten stammen von den Trierer Bildhauern Matthias Moritz und Gustav Sobri. Weiterer figürlicher Schmuck ist auch in den drei Medaillons über den Fenstern des Hauptgeschosses zu finden. Das mittlere Medaillon mit der Krone des Königsreichs Preußen wird flankiert von zwei inhaltlich auf den Zweck des Hauses hinweisenden Bildern. Im linken Rundbild ist ein Greif zu sehen, dem ein Mann Münzen aus dem Maul nimmt. Der Legende nach hortet das Fabeltier bekanntlich Gold, was im übertragenen Sinne an die Regierung abgegeben werden muss. Dies ist ein Hinweis auf die Steuerverwaltung, die auch raumtechnisch im linken Flügel untergebracht war. Passend dazu widmet sich das rechte Medaillon dem zweiten Bereich der Verwaltung, der Vermessungs- und Katasterbehörde. Zu sehen ist ein Ingenieur, der mit einem Zirkel etwas auf den vor ihm liegenden Plan zeichnet. Neben ihm steht ein zeitgenössischer Feldvermesser, auf dem Tisch liegt ein dreieckiges Lineal. So modern die technische Ausstattung ist, so altertümlich sind die Frisuren und Kleidungsstücke der gezeigten Personen. Sie sind die Reminiszenz an die mittelalterliche Romanik, die der Ideengeber für die Neoromanik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts war. Im verputzen Giebel ist zentral und unübersehbar das Wappen der preußischen Königreiches aufgebracht. Im Inneren wird der Besucher nach einem dunklen Windfang in einem sechseckigen Vestibül in Empfang genommen, der durch dunkle Säulen mit aufwendig gestalteten Kapitellen gestaltet und von einem Rippgewölbe überspannt ist. Auch hier ist der Schmuck der Kapitelle wie bei der Fassade wegweisend. Auf der einen Seite sind Vermesser mit ihren Instrumenten zu finden, gegenüber Hinweise auf die Steuerverwaltung wie Geldsäcke und Münzen. Drei große Rundbogenfenster weisen auf den Innenhof des Gebäudes und führen den Blick auf den abgerundeten Verbindungstrakt, der die beiden Pavillons an den Enden der Seitenfassaden verbindet. Es sind vor allem die Kapitelle von Moritz und Sobri, die das Gebäude so interessant machen. Mal wird frech die Steuerschraube karikiert, mal finden sich althergebrachte Motive wie Blattmasken oder der grüne Mann. Am Fuße einer Säule sitzt eine Kröte, Hund und Katze beäugen sich kritisch auf einem Kapitell oder eine Fratze glotzt nach mittelalterlicher Manier unter einem Vorsprung hervor. Und auch die Architekten selbst sowie zwei Zeitgenossen lassen sich im Figurenschmuck verewigen – im Gegensatz zu den meisten anderen mittelalterlich anmutenden Personen im Schick des frühen 20. Jahrhunderts, wie die gezwirbelten Bärte erkennen lassen. Und auch dem Ort des Hauses wird im Ornament Tribut gezollt. Hinweise auf die sich unter dem Gebäude befindenden ehemaligen Kelleranlagen der Weinbaudomäne finden sich in prallen Weinreben und gestapelten Fässern. Der rückwärtige halbrunde Trakt ist im Unterschied zu den beiden dreigeschossigen Flügeln mit der verbindenden Fassade weitaus niedriger. Auf der Höhe von knapp zwei Geschossen der anschließenden Pavillons befinden sich hier vier niedrige Etagen. Diese beherbergen von Beginn an das Archiv der im Hause befindlichen Verwaltungen, hatten also keinen repräsentativen Zweck zu erfüllen. Die bautechnische Ausstattung im Inneren war im Kontrast zur neoromanischen Optik hochmodern, wie im Zentralblatt der Bauverwaltung 1906 nachzulesen ist: “Die Decken bilden Koenensche Voutenplatten zwischen I-Trägern, die zur Schalldämpfung mit 5 cm starker Sandschicht überdeckt sind. (…) Die Flurgänge sind mit Längstonnengewölben aus Schwemmsteinen überwölbt, darüber liegt die tragende Technik, die durch quergespannte preußische Kappen gebildet wird.” Trier ist in der Zeit zwischen der Jahrhundertwende und dem Ersten Weltkrieg eine wirtschaftlich aufstrebende Stadt, die auch architektonisch große Schritte macht und sich geplant vergrößert. Hierfür ist die “Neue Regierung” ein eindrucksvolles Beispiel. Das ehemalige, “alte” Regierungsgebäude am Domfreihof wurde zu klein und so entschloss man sich 1903, diesen repräsentativen Neubau zu errichten, wie es in Preußen gerne der Fall war. Nahezu gleichzeitig entsteht in den Rheinanlagen in Koblenz das preußische Regierungsgebäude im gleichen Stil, zu nennen ist auch das Landgericht in Berlin-Tegel. Alle Gebäude verbinden alte Sehgewohnheiten mit modernem Inhalt und Ausstattung, die Macht bekommt ein liebliches, vertrautes Angesicht.  

Rosenvilla

1 Minute
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Rosenvilla.mp3 Audio-Podcast: 6:01 min Kennen Sie … die Rosenvilla? Verwunschen wie Dornröschens Schloss steht die Trierer Rosenvilla hinter einem filigran verzierten Zaun. Das zweiteilige Gartentor mir zartem Blumendekor lenkt den Blick auf das von hohen Bäumen umgebene freistehende Haus. Ein geschwungener Weg führt durch niedrige Beete zum unter einer Holzveranda liegenden Eingang. Die Geschichte der Villa erschließt sich, wenn man die zahlreichen Verzierungen und Details entdeckt, die vor allem mit einem Motiv spielen: der Rose. Die Adresse des Hauses im Norden Triers verrät, was es mit der Rosenvilla auf sich hat, denn die heutige Peter-Lambert-Straße trägt seit 1990 den Namen ihres Bauherrn. Peter Lambert, geboren 1859, war zu Lebzeiten ein in der ganzen Welt bekannter Rosenzüchter und Gartenbauer. Schon sein Vater und dessen Brüder waren Blumenzüchter, doch Peter Lambert ist mit seiner 1891 gegründeten „Baum- und Rosenschule“ noch weitaus erfolgreicher. 1899 heiratet er die Luxemburgerin Leonie Lamesch, die aus einer Rosenzuchtfamile stammt, in der Peter Lambert lernte. Im selben Jahr noch erbauen die frisch vermählten Rosenfreunde ihr privates Wohnhaus im Norden von Trier. Die Rose muss eine besondere Anziehungskraft auf das Paar ausgeübt haben, denn selten findet man Berufs- und Privatwelt in einem Haus auf so malerische Art und Weise vereint wie hier. Das Haus hat mit seinem runden Treppenturm und den aufwändig verzierten Erkern ein wenig den Charakter eines kleinen Schlosses. An der heutigen Straßenseite schmiegt sich ein Giebel mit überdachtem Freisitz an den runden Treppenturm. Für schönes Wetter liegt direkt daneben eine ausladende Terrasse, von der man heute nicht mehr auf die ehemals in unmittelbarer Nähe liegenden Nutzflächen der Firma Peter Lambert sehen, sondern eher den Stand der Dinge im Moselstadion verfolgen kann. Während die Hausflächen selbst schlicht verputzt sind, liegt das Augenmerk des Architekten auf den zwei Erkern, die der Trierer Bildhauer Carl Kaurisch aus heimischem Rotsandstein ausgeführt hat. Die besonders interessante Seite des Hauses ist der Mosel zugewandt. Direkt neben dem Eingang befindet sich einer der beiden Erker auf einer voluminösen Sandsteinbrüstung im ersten Geschoss. Auf der Konsole mit einer Girlande aus Äpfeln, Eicheln und Nüssen liegen drei quadratische Bildfelder. Links wird das Motiv der Obst- und Nussgirlande in noch ausladender Form wieder aufgenommen, überhöht von einem Frauenkopf mit Weintraubenschmuck im Haar. Das rechte Feld ist sein Pendant, diesmal sind es jedoch prall gefüllte Rosenblüten sowohl in der Girlande als auch im Haar der Dame. Im mittleren Feld wird dargestellt, wie solch Frucht- und Blumenpracht erst zustande kommen kann. Eine Putte mit Landschaftsplan auf den Knien sitzt inmitten einer Felsenlandschaft mit einer Architekturruine im Hintergrund. Noch ungeordnet ist das Ambiente, welches mit Hilfe von Werkzeug, Zirkel, Maßdreieck und Flächenmesser erst gestaltet werden muss. Neben diesen Symbolen für den Gartenbau weist ein Bündel Rosen auf die Rosenzucht im Betrieb von Peter und Leonie Lambert hin. Der zweite Erker wird von drei mannshohen Fenstern im Erdgeschoss an der Westseite des Hauses gebildet. Fünf hohe schmale Pilaster umrahmen die Seiten, den oberen Abschluss bilden gestaltete Gesimse. Die oberen Streifen und die äußeren Sandsteinfelder zeigen Szenen aus der Natur. Ein Knabe flötet unter einem Baum; Vögel, Ginkoblätter und ein Fuchs beleben das Schauspiel. Mit einem Bienenstock, Wassertieren und einer Eule wandert das obere Band bis zum rechten Pfeiler, der zwei Kinder zeigt, die auf einem Baum klettern, dessen Ast gerade kracht. Informativ wird es wieder in der Mitte. Die beiden inneren Lisenen sind mit Wappenfeldern geschmückt, die Daten und Fakten zum Wohnhaus liefern. Hier erfahren wir zum Beispiel, dass das Wohnhaus von Carl Walter entworfen wurde, der es auch 1907 erweiterte, immerhin hatten die Lamberts mindestens drei Kinder. Vielleicht sind es ja Familienszenen, die hier zu sehen sind. Links bindet ein Junge ein Rosenbäumchen an einen Pfahl, während ein Zweiter dessen Duft genießt. Rechts sitzt ein Mädchen unter einem Rosenbaum und bindet einen Strauß. Ergänzt wird diese Szene von einem Zweig eines Apfelbaumes, in dem auch ein Porz Viez hängt. Links beschreiben ein Beutel mit Sämereien sowie einem Setzdorn eine typische Tätigkeit im Gartenbau. Im Inneren des Hauses setzt sich die Rose als Gestaltungselement weiter fort, so als Stuck im Treppenhaus, in Bleiglasfenstern und auch geschnitzt in der Haustür. Hier hat Peter Lambert die Ideen für hunderte von Rosensorten bekommen, die auf Weltausstellungen zu sehen waren und in die ganze Welt versandt wurden. Von hier aus startete er zu seinen Jurorentätigkeiten bei Präsentationen bis nach St. Petersburg, Lyon, London oder Florenz. Von hier aus gab er als Geschäftsführer und Redakteur die Rosenzeitung heraus . Und er gründete den Verein Deutscher Rosenfreunde. Das heute noch bestehende gleichnamige Gartencenter gehört einem entfernteren Teil der Familie und ist nicht direkter Nachfahre von Peter Lambert. In dem Haus sind heute mehrere Wohnungen untergebracht. Ganz so große Rosenfreunde wie der Vorbesitzer scheinen darin nicht zu wohnen.
7 Minuten
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Sonnenblumenhaus.mp3 Audio-Podcast: 06:38 min  Kennen Sie… das Sonnenblumenhaus? Seit Anfang 2011 bleiben in der Nagelstraße immer wieder Menschen stehen und beugen sich nach hinten, um das Haus mit dem hohen Giebel gut und vor allem ganz in den Blick zu bekommen. Das schmale Jugendstilhaus mit dem frischen farbenfrohen Anstrich und der riesigen Sonnenblume ist neu erblüht. Wo einst das “Unausprechliche” feilgeboten wurde, befindet sich heute die Genussgesellschaft. Der Jugendstil hat in Trier nicht viele architektonische Spuren hinterlassen. Noch weniger ist er in der Moselstadt als eine Bauströmung bekannt, die Farbe als wesentliches Gestaltungselement nutzt. Die wenigen Fassaden der Wohnhäuser aus der Zeit des frühen 20. Jahrhunderts mit Jugendstildetails sind monochrom oder farblich schlicht gehalten und auch in dieser Form renoviert worden. Mut zur Farbe hingegen hat der Eigentümer der Nagelstraße 31 bewiesen. Das dreigeschossige Haus wurde 1905 von dem Architekten H. Meppert entworfen und vom Bauunternehmer Stefan Weber & Söhne errichtet. Von Beginn an ist im Erdgeschoss ein Ladenlokal geplant gewesen. In den beiden oberen Etagen befinden sich Wohnräume. Zwischen den späthistorischen Bauten muss das Haus vor mehr als 100 Jahren ähnlich viel Aufmerksamkeit erfahren haben, wie nach der Renovierung. Hochgestreckt überragt es mit seinem Zwerchhausgiebel die Nachbarhäuser. Das dominierende Element ist die darauf aufgebrachte Sonnenblume mit ihren fünf Blüten. Ganze drei Meter hoch und zweieinhalb Meter breit ist das florale Motiv des Giebels. Sonnengelb sind die Blütenblätter der zentralen, ganz geöffneten Blüte und der flankierenden, teilweise noch geschlossenen kleineren Blüten am Hauptstiel. Die Pflanzenblätter sind in einem natürlichen gedeckten Grün gehalten und auch die Kerne haben ihre natürliche Farbe, sind also sehr dunkel. Sieben Quadratmeter Sonnenblume und Kastanienblätter, die so groß sind wie Backbleche: Die Stuckateure haben an der Fassade 1905 alles in Handarbeit modelliert und einzigartige Objekte geschaffen. Üblich war es bei Putzfassaden des Jugendstils, fertige Teile anzukleben. Die heutige Farbfassung entspricht der Originalen, welche die letzten Jahrzehnte vor der grundlegenden Renovierung fast monochrom übermalt war. Gerade die Architekten der neuen Bewegung um 1900 hatten es sich zur Aufgabe gemacht, abseits des Historismus Formen zu entwickeln, die sowohl einen neuen Stil bilden als auch im Kunsthandwerk zum Design für alle Schichten werden sollten. Dass dies weder im “Arts and Craft Movement” im englischsprachigen Raum noch in der Kunstgewerbebewegung in Deutschland funktionierte, lag sicher nicht nur an den gehobenen Preisen und der damit verbundenen Exklusivität der Objekte. Die Bauherren mussten das Neue, Innovative und Moderne auch wollen. Genau diese Kombination ist der Grundgedanke der Renovierung des erst seit 2009 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes in der Nagelstraße, die ein Jahr später startete. Der in das Haus verliebte Eigentümer stellt so viel Authentizität wieder her wie möglich, möchte darunter aber eine zeitgemäße Nutzung nicht leiden lassen. Wo bis Mitte 2008 noch BHs, Wäsche und Strümpfe von Miederwaren Fey auslagen, ist nun ein komplett neuer Eingangsbereich entstanden, der die zentral aufgebaute dreigliedrige Fassade nach unten hin symmetrisch weiterführt. Schon zur Bauzeit war das Erdgeschoss dreigeteilt. In der Mitte befand sich damals das Schaufenster, links der Eingang in die Privatwohnungen der Obergeschosse und rechts davon der Eingang in das Ladenlokal. Die erste Eigentümerin, die aus Frankreich stammende Baronesse Elisabeth du Sartz de Vigneulle, fertigte und verkaufte hier in ihrem eigenen Atelier – wie ihre Nachfolgerin – “das Unaussprechliche”, wie man damals Wäsche, Strumpfhalter oder Knöpfe für die untersten Schichten der “feinen Damengarderobe” nannte. Die Erdgeschossgliederung geschah durch Quinter Säulen aus Gusseisen, welche die Glastüren von dem Schaufenster trennten. Das Schaufenster von Miederwaren Fey aus den 50er-Jahren mit dem asymmetrischen Eingang auf der linken Seite nahm keinen Bezug zum historischen Gebäude und konnte so durch die moderne Neugestaltung mit Stahlträgern und einer Tür aus dem Baujahr 1905, die exakt an diese Stelle passt, mit dem Einverständnis der Denkmalpflege ersetzt werden. Der Miederladen Fey aus dem Jahr 1953 ist jedoch als solcher samt Tür, Schaufenster und Innenausstattung auch schon wieder als Denkmal erhaltenswert und komplett in den Roscheider Hof in Konz überführt worden – als Teil der Ladengasse des 20. Jahrhunderts. Nicht nur die Holztür, die den zentralen Eingang in die Genussgesellschaft bildet, ist Hingucker in der Fußgängerzone zwischen Metzgerei und Eisdiele. Auch der farbige und überbordende Schmuck der beiden Obergeschosse ließ sogar die Gerüstbauer, Anstreicher und langjährigen Anwohner staunen. In der ersten Etage werden die drei mittig angeordneten Fenster von Gesichtern und Gehängen flankiert, unter der Fensterreihe sorgt ein Blumenfries für die Betonung der eigentlich für den Jugendstil nicht typischen Mittelachse. Die zweite Etage wird von zwei Kastanienbäumen umrankt, deren braune Wurzeln auf dem Gesims liegen und deren Äste die zentrale Gesichtsmaske mit Blättern, Kastanien und Kastanienblüten umspielen. Die Fassade ist nahezu komplett im bauzeitlichen Zustand erhalten. Neben kleineren Ausbesserungsarbeiten ist sie nur einmal komplett neu gestrichen worden, in einer fast einfarbig wirkenden grau-beige-weißen Fassung, welche nur wenige Blattgoldelemente dekorierten. Jahrzehntelang blieb diese unscheinbare Fassade unbeachtet. Die jetzige Farbfassung macht aus dem Geschäfts- und Wohnhaus wieder ein neu zu entdeckendes Objekt. Ein neuer Stil, Jugendstil im 21. Jahrhundert.

St. Ambrosius

10 Minuten
https://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/St-Ambrosius.mp3 Audio-Podcast: 9:35 min  Kennen Sie… St. Ambrosius? Der um 339 in Trier geborene heilige Ambrosius ist neben Hieronymus, Augustinus und Gregor dem Großen einer der vier abendländischen Kirchenväter. In seinem Geburtsort ist er vor allem durch Einrichtungen im Norden der Stadt bekannt, hier tragen eine Straße, Schule und ein Kindergarten seinen Namen. Das erste Gebäude, das sich auf den späteren Bischof von Mailand berufen hat, ist die Not- und Nachkriegskirche St. Ambrosius, eine ehemalige Reithalle mit Glas- und Bildhauerarbeiten zahlreicher Künstlerinnen und Künstler. Bis heute werden in dem ewigen Provisorium Gottesdienste gefeiert. Der Norden der Stadt ist seit dem frühen 19. Jahrhundert von militärischen Bauten geprägt. Die preußische Militärsiedlung und die Goebenkaserne werden von der späteren französischen Regierung genutzt und ausgebaut. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg werden zahlreiche Kasernengebäude zu Wohnhäusern. Eine der militärischen Immobilien ist eine preußische Reit- und Exerzierhalle an der Ambrosiusstraße. Nach dem Krieg wurde dieses von Zerstörungen verschonte Gebäude zur Kirche umfunktioniert. Schon seit den 30er Jahren nämlich war die Bevölkerung des nördlichen Stadtteils stark gestiegen und ein neuer Kirchenbau sollte die größte Trierer Pfarrei St. Paulin entlasten. Bis 1945 war diese Pfarrei von 7.000 auf 10.500 Katholiken angewachsen. In der neu zu gründenden Kirchengemeinde bei der Goebenkaserne sollten davon 4.300 Gläubige betreut werden. Mit Platz für rund 2.000 Gottesdienstbesucher war der Raum von St. Ambrosius auch weitaus größer als der von St. Paulin, wie ein Zeitungsartikel von 1946 Auskunft gibt. Die Umbauten des Gebäudes – in dem zuletzt Autos parkten – zu einem Kirchenraum, waren im Oktober 1947 fertiggestellt und die Kirche St. Ambrosius wurde festlich eingeweiht. Aus einer Grube vor der Halle wurde Schutt und Erdreich in das Innere geschafft, um einen erhöhten Altarraum zu errichten. Angeleitet wurden die Arbeiten von dem Trierer Architekten Professor Fritz Thoma (1901-1977), Mitglied der Dombau- und Diözesanbaukommission des Bistums. Zum Einsatz kamen vor allem Invalide und junge Männer, die nicht im Wohnbau tätig sein konnten, der von Seiten der Stadt Vorrang hatte. So durfte zum Beispiel kein Baumaterial des städtischen Baustoffkontingents in Anspruch genommen werden. Notwendig aber auch vorhanden waren ehrenamtliche Hilfe und hohes Engagement der Bevölkerung. Ein damals 16-jähriger Helfer erinnert sich in der Chronik von St. Ambrosius: “Wir zeigten unsere Arbeitsschuhe. Dann bekamen wir von Amerika jeder ein paar neue Schuhsohlen, die man mit Geld nicht bezahlen konnte. Auch Pastor Weins zog über Land und hamsterte Kartoffel und Gemüse. Pauliner Frauen kochten in der Schule ein Mittagessen für uns alle. Dazu gab es großes Stück Brot, das die Bäckerei Becker jeden Tag ohne Marken stiftete. Ein Strauch wurde nie gefeiert. Es war in der Hungerszeit auch nichts da. Entlohnt wurden wir mit einem Stundenlohn von ein paar Groschen.” Die Notkirche zeigte sich bei ihrer Einweihung schlicht. Die quer über den Raum gespannte Balkendecke unter dem Satteldach der Reithalle verdeckte den Blick auf die großen Thermenfenster. Der wenige Schmuck bestand aus Pflanzen und einem modernen Altar auf der erhöhten Insel im Westen des Gebäudes. Von außen hatte sich wenig an der Optik der ehemaligen Reithalle geändert. In einem zweiten Bauabschnitt wurde aus der Notkirche ein aufwändig gestaltetes Gotteshaus. 1952 konnte die Kirche die Reithalle sowie das anhängende Kammergebäude, also ein militärisches Lagerhaus, kaufen. Bis dahin war das Gebäude von der französischen Militärregierung angemietet worden. 1954 begannen ebenfalls unter Fritz Thoma weitreichende Umbauten, die St. Ambrosius bis heute innen und außen prägen. Die auffälligste Veränderung ist der neue Dachstuhl. Statt der querliegenden niedrigen Balken und Bögen wird das Dach nun von einer filigranen hölzernen Rahmenbinderkonstruktion mit Fachwerkstreben gestützt, welche die Höhe des Raumes betont. Der Altarraum wird um sechs mit dunkelroten Mosaiksteinen gestalteten Stufen erhöht und bietet in dem dahinter tieferliegenden Raum Platz für Orgel und Chor. Zu den beiden halbrunden Thermenfenstern im Westen und im Osten kommen zwei langgestreckte Schleppgauben, welche die kleinen Dachgauben ersetzen und den Raum mit Tageslicht durchfluten. Der an die Ostfassade mit den beiden Eingängen vorgesetzte zweiwandige Glockenturm vor dem Fenster macht nun auch von außen sichtbar, dass die ehemalige Reithalle kein profanes Gebäude mehr ist. Im Glockenturm läutete vorerst die kleine Ambrosiusglocke des Domes. Eine Werktagskapelle zwischen den beiden Eingängen im Osten von St. Ambrosius ist schlicht und modern gestaltet und konnte mit einem Vorhang abgetrennt werden. Schon vor dem zweiten Umbau wurde die Kirche mit christlicher zeitgenössischer Kunst weiter ausgestaltet. Vom Bildhauer Anton Nagel stammt die im Eingangsbereich stehende Schmerzensmutter, die seit 1950 dort steht und von Gefallenenkreuzen umrahmt wird, sowie die Madonna als Friedenskönigin auf der Altarinsel. Ebenfalls von Nagel ist der Familienaltar aus dem Jahr 1953, der an der südlichen Längswand steht. Er stellt Maria, Josef und Jesus als spielendes Kleinkind dar und passt gut zu der jungen Gemeinde mit inzwischen 5.000 Mitgliedern. Mit dem Umbau 1954 erhielt St. Ambrosius auch einen eigenen Kreuzweg, der von der Ordensfrau Schwester Eberhardis aus dem Böhmerkloster gestiftet wurde und die Längsseiten zwischen den rechteckigen Fenstern ziert. Gebrannt wurde die Arbeit aus regionalem Ton in Speicher. Aufnahmen aus dem Wiedereröffnungsjahr zeigen Wandbehänge seitlich des Altars, welche von der Trierer “Kunstgewerblerin” Elsbeth Forster gestaltet wurden. Auf der Epistelseite ist der heilige Ambrosius zu sehen, auf der Evangelienseite die heilige Elisabeth. Ab 1961 wird in St. Ambrosius nochmals in die Ausstattung investiert. Die Gemeinde erhält neben vier eigenen großen Glocken auch eine Taufkappelle, die wohl zu den verkanntesten Kunstwerken des 20. Jahrhunderts in Trier zählen darf. An der südlichen Längswand ist ein eigener Raum mit schwarzgrauen Mosaiksteinen ausgekleidet, der schon selbst wie ein großes Taufbecken anmutet. Sowohl der Weihwasserbehälter als auch das Taufbecken aus schwarzem Stein sind rund und stehen auf einem kreuzförmig ausgebildeten Sockel. Der massive Weihwasserbehälter ist von einer steinernen Pyramide bedeckt und am Rand mit leichten Wellenformen symbolisch gestaltet. Das Taufbecken selbst steht schlank und elegant auf einem hohen kreuzförmigen Fuß. Die Taufkappelle selbst stammt von Fritz Thoma und dem Trierer Bildhauer Michael Trierweiler (1908-1998). Der Raumeindruck wird heute leider durch einen dort abgestellten riesigen Kerzenständer sowie eine Kniebank gestört. In warmes Licht getaucht wird der kleine Raum durch das hohe Glasfenster, das den heiligen Ambrosius bei der Taufe von Augustinus zeigt. Das Fenster hat der langjährige Leiter der Trierer Kunstgewebeschule, Heinrich Dieckmann (1890-1963) entworfen, ein Schüler von Jan Thorn-Prikker. Ebenfalls von Dieckmann sind sie Entwürfe für die beiden farbenfrohen Thermenfenster, die im Westen Geburt, Kreuzigung und Auferstehung Jesu und im Osten das Jüngste Gericht zum Thema haben. Und auch die 20 Seitenfenster des Langhauses werden in den 60er Jahren künstlerisch gestaltet. Reinhard Heß (1904-1998) ist der Urheber der expressiven rein grafisch gestalteten Rechteckfenster. Seit 1963 steht zudem vor dem Kirchengebäude die 2,50 Meter hohe Skulptur, die den ältesten Kirchenvater mit mildem Gesichtsausdruck direkt unter diejenigen mischt, die den Platz vor der Kirche aufsuchen. Die monumentale Plastik in abstrakter Form aus dunkler Mayener Basaltlava zeigt Ambrosius mit seinen Attributen Mitra, Stab, Buch und Bienenkorb. Sie ist das letzte Werk des noch jungen aus Beckingen stammenden Bildhauers Albert Zapp (1925-1963), der noch im selben Jahr an den Folgen eines Autounfalls gestorben ist. Das 1983 eingeweihte Ambrosius-Relief über dem Seitenportal stammt im Entwurf wie die ebenfalls roten Sandsteinreliefs über den beiden Haupteingängen von dem Bildhauer Willi Hahn (1920-1995). Sie passen stilistisch gut zu dem Glockenturm und repräsentieren in ihrer realistischen Ausführung der Heiligengeschichten die aufstrebende christliche Kunst in den fünfziger Jahren. Die Ausführung indes hat sein Sohn Joachim übernommen.

Stadtbad

1 Minute
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Stadtbad.mp3 Audio-Podcast: 6:05 min Kennen Sie... das Stadtbad? Baden hat in Trier schon unter den Römern eine große Rolle gespielt, noch heute beeindrucken die Ruinen der Barbara- und Kaiserthermen. Vis-à-vis der mächtigen Anlage am Ende der Südallee hat das Trierer Stadtbad seinen Standort. Und auch das Angebot ist über die Jahrhunderte ähnlich geblieben. Zeitlos wie der Spaß und die Freude am Wasser ist auch die Architektur des Hallenbads aus dem Jahr 1929. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es durchaus nicht üblich, dass in jeder städtischen Wohnung auch ein eigens Bad vorhanden war. Da eigene Bäder den begüterten Haushalten vorbehalten waren, publizierte die Trierer Presse im Jahr 1927: „Trier hat keine Schwimmhalle. Wo baden denn im Winter die 60.000 Einwohner dieser Stadt? [...] Eine Statistik würde sicherlich für Trier beschämend sein, da festgestellt werden würde, wie wenige Menschen in Trier im Winter baden könnten.“ Just in dieser Zeit verkaufte die Stadt ihr Elektrizitätswerk an das RWE, so dass sich mit dem Erlös die Chance bot, ein eigenes Stadtbad zu errichten. Den ausgeschriebenen Wettbewerb gewann 1929 das Trierer Architekturbüro Brand und Mertes, eröffnet wurde das Stadtbad bereits 1931. An der Ecke zur Gerberstraße sehen wir noch heute ein Bauwerk, welches ganz dem Neuen Bauen des frühen 20. Jahrhunderts verpflichtet ist. Der kubische Baukörper ist mit rot-braunem Klinker verkleidet und hat einen markanten vorgelagerten Uhrturm in der Mitte der Straßenfront zur Südallee. Links von dem Turm schloss sich bis zur großen Erweiterung der Wannenbadflügel an, der vielen Trierern endlich die Möglichkeit zu einer adäquaten Körperhygiene bot. Nach Süden heraus öffneten sich 26 Zellen mit Badewannen zum Außengelände des Stadtbades mit einem Becken und einer großen Spielwiese, wie man auf der perspektivischen Zeichnung von Ferdinand Weeser-Krell aus dem Jahr der Eröffnung, 1931, gut nachvollziehen kann. Das Trierer Stadtbad kommt ohne aufwändigen Schmuck aus und die Klinker sind so vermauert, dass nur der Turm eine plastische Struktur und das Hauptgebäude am oberen Rand ein unaufdringliches Dreieckmuster erhalten. Allein der Haupttrakt rechts vom Eingang sowie der auffällige Turm sind heute noch original, der links liegende Flügel wurde bei einer großen Erweiterung ab 1980 mit dem heute noch bestehenden Neubau ersetzt. Bei diesen Maßnahmen wurde die östliche Wand der Schwimmhalle durchbrochen, so dass der heutige Raumeindruck mit weiteren Becken und Sprungturm ein ganz anderer ist als zur Bauzeit. Das zweigeschossige Hauptgebäude erhebt sich jedoch noch immer über glatten hellen Arkaden aus Muschelkalk, ein Material, das auch in den Umfassungen der Fensterbänder wiederkehrt. Im ersten Stockwerk befanden sich ein großer Gymnastikraum mit schwarzem Flügel sowie ein Aufenthaltsraum mit modernen Stahlrohrmöbeln, der zusätzlich zu den Fenstern von einem Oberlicht erhellt wurde. Von hier aus gelangte man auch auf die sich an die Schwimmhalle anschließende 40 Meter lange östlich liegende Sonnenterrasse, von wo man ebenfalls einen Blick auf das Außengelände hatte. Entlang der Gerberstraße schließt sich neben den niedrigen Bedienstetenwohnungen auch die eigentliche Schwimmhalle mit je elf schmalen hochformatigen Fenstern an den Längsseiten ab. Das Kopfende Richtung Süden wird aus weiteren fünf Fenstern gebildet, so dass der Innenraum mit somit 27 fast raumhohen Fenstern lichtdurchflutet war, wie zeitgenössische Fotos zeigen. Die Fensterfläche betrug insgesamt 216 Quadratmeter, so dass ein weitestgehend transparenter und quasi schattenloser Raum entstand. Den Effekt, nicht in einem Raum, sondern eher im Freien zu schwimmen, wurde durch das 250 Quadratmeter große Oberlicht verstärkt. Die Wände waren aus grüner Terrakotta gestaltet, das Becken mit seegrünen Mosaikplatten ausgelegt und alle Metallteile waren entweder chromgelb lackiert oder blank verchromt, wie ein Bericht aus der Trierischen Heimat von 1932 wiedergibt. Form follows function ist bei diesem Gebäude in einer klaren Form angewandt, denn es sind die Fenster, die das Gebäude gliedern – und zwar rein aus dem Zweck heraus, den die dahinter liegenden Räume haben. An der Ecke zur Gerberstraße befindet sich die mit großflächigen Fenstern gegliederte Ladenfront, in der im Laufe der Zeit mal eine Gastronomie, mal ein Friseur zu finden war. Im Erdgeschoss öffnen sich die Muschelkalkarkaden zum ehemals unter dem Turm liegenden Eingangsbereich. Ursprünglich berat der Badende hier eine 120 Quadratmeter große Halle mit türkisblauem und grünem Terrakotta an den Wänden. Im jetzigen Verwaltungstrakt lassen sich noch einige Wände samt der Umrahmung des Kassenbereichs finden. Verchromte Stahlmöbel luden zum Entspannen ein, der Glas- und Mosaikschmuck wurde von Kat Becker und Michael Trierweiler, Künstlern der Trierer Kunstgewerbeschule, gestaltet. Im ersten Stock befanden sich die Umkleideräume mit der sich anschließenden Schwimmhalle. Dem zentral im Turm liegenden Erfrischungsraum samt Klubzimmer schloss sich eine weitere Terrasse gen Kaiserthermen an, die besonders der Oberbürgermeister Felix Zimmermann in seiner Amtszeit von 1980-1989 häufig für politische Gespräche nutzte. Genau wie sein römisches Pendant auf der anderen Straßenseite ist „Das Bad an den Kaiserthermen“, wie es heute heißt, weiterhin Ort für Kommunikation, Austausch und Sport, wie es auch die Römer hielten, wenn sie einen Tag in den Thermen verbrachten.

Stadtmauer

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http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Stadtmauer.mp3 Audio-Podcast: 09:09 min   Und klassisch zum Lesen: Kennen Sie Triers Stadtmauer? An diversen Stellen im Stadtbild Triers tauchen Stücke einer Stadtmauer auf – als klassische Mauer, mit einem Turm oder auch mit einem Durchgang. Die wenigen heute noch zu findenden Zeugnisse der bis in 19. Jahrhundert herein befestigten Stadt Trier stammen aus verschiedenen Jahrhunderten und umschließen mal das römische, mal das mittelalterliche oder auch das neuzeitliche Trier. Als Trier im Jahre 16 vor Christus gegründet worden ist, siedelte sich auf dem östlichen Moselufer inmitten von landwirtschaftlich genutzter Fläche eine römische Stadt an, die vom Western her über eine hölzerne Brücke erreichbar war. Augusta Treverorum vergrößerte sich mit ihrem rechtwinkligen Straßennetz bis ins späte 2. Jahrhundert so weit, dass eine Befestigung notwendig wurde. Aus dieser Zeit ist die Porta Nigra als das beste erhaltene Stadttor des Römischen Reiches nördlich der Alpen weltweit bekannt. Die rund drei Meter breite und sechs Meter hohe römische Stadtmauer umschloss die Stadt allerspätestens im 4. Jahrhundert mit einer Länge von 6480 Metern. Durch fünf Tore konnten Besucher und Reisende in die Stadt mit mehreren zehntausend Einwohnern eintreten und von mindestens 45 Türmen aus konnte sie kontrolliert und verteidigt werden. Eindrucksvoll ist dies heute noch am römischen Stadtmodell im Rheinischen Landesmuseum nachzuvollziehen. Im Osten verlief die Mauer durch das Amphitheater, in dem auch ein Eingangstor zu finden war. Im Süden reichte die spätrömische Kaiserresidenz bis hin zur Porta Media, dem Pendant zur Porta Nigra. Diese lag im Bereich der heutigen Kreuzung Töpferstraße/Saarstraße. Die massive Befestigung schaffte es jedoch nicht, dem Alemannensturm im Jahr 275 Einhalt zu gebieten. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts verließen die Römer Trier und in den folgenden Jahrzehnten wurde die Stadt mehrfach von Vandalen, Franken und Hunnen gestürmt. Eine Spur der Verwüstung hinterließen im späten 9. Jahrhundert die Wikinger. Inzwischen war das Stadtgebiet immer kleiner geworden, die römischen Baudenkmäler wurden als Steinbrüche genutzt. Nur wenige Mauerteile aus römischer Zeit sind heute noch zu finden, zum Beispiel am Schießgraben, an der Porta Nigra und dem Amphitheater sowie als Fundamente späterer Mauern. Aus der einstigen größten Stadt nördlich der Alpen mit kosmopolitischem Flair wurde im Laufe der Jahrhunderte Kurtrier. Es war Erzbischof Bruno (1102-1124), welcher Trier wieder einen Stadtcharakter gab. Er beschloss, die Stadt rundum zu befestigen, wie es für Städte vor allem mit eigenem Stadtrecht charakteristisch war. Doch die Stadt war weitaus nicht mehr so groß und die neue Stadtmauer umschloss nur etwa die Hälfte des Stadtgebiets unter römischer Herrschaft. Während im Westen entlang der Mosel und im Norden der Verlauf gleich blieb, endete die Stadt im Osten bereits hinter dem Dombering. Im Süden verlief die Stadtmauer von den einbezogenen Resten der Kaiserthermen bis hin zur inzwischen steinernen Römerbrücke. Im Jahr 1248 wurde der letzte Bauabschnitt der Stadtmauer an den Barbarathermen errichtet und schloss die mittelalterliche Stadtfläche, die nun weniger als halb so groß wie 1000 Jahre zuvor war. Die neue Mauer hatte insgesamt 60 Tore und Türme, nachvollziehbar ist dies zum Beispiel gut an der Kastilport in der Nähe des Rheinischen Landesmuseums. Entlang der Ostallee und der Schellenmauer finden sich diverse hochaufragende Türme mit Schießscharten. Von der Seite des Palastgartens aus lassen sich die Innenseiten der runden Türme entdecken. Einen Plan mit allen mittelalterlichen Wehrtürmen und Pforten hat 2005 Rainer Thelen veröffentlicht – ein perfekter Begleiter für einen Spaziergang rund um die Innenstadt in der grünen Lunge von Trier. Die im Mittelalter nur noch 125 Hektar große Stadt war zwar gut geschützt, doch die Einwohnerzahl schrumpfte weiter stetig. Zur Hochzeit im 14. Jahrhundert zählte die Stadt bis zu 10.000 Personen, Ende des 17. Jahrhunderts waren es weniger als 4000. Dem Dreißgjährigen Krieg folgten Erbfolgekriege und die Stadt wurde von französischen Truppen eingenommen und besetzt. In den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts schleiften die Franzosen die Stadtmauer. Erst Jahrzehnte später wurde sie unter Kurfürst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg in den Jahren 1716-1721 wieder aufgebaut. Bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert war diese Stadtmauer in Betrieb und prägte das Stadtbild, auch wenn sie mit zunehmendem Alter nicht mehr zur Verteidigung benötigt wurde. Schon 1777 wurde eine baumbestandene Allee rund um die Innenstadt angelegt und 1822 waren die Graben rund um die Stadt bereits zugeschüttet. Als dann im Jahr 1875 auch die preußische Mahl- und Schlachtsteuer abgeschafft wurde, die der Stadt für jedes hierher gelieferte Fleisch und Getreide Steuern brachte, hatte die Stadtmauer keinen Sinn und Zweck mehr zu erfüllen. Kurzerhand wurde beschlossen, die Stadtmauer komplett abzureißen und die Stadt zu den Vororten zu öffnen. Das Projekt spaltete die Stadt in zwei Lager, so Karl-August Heise in seiner Publikation „Die alte Stadt und die neue Zeit“. Während die eher Konservativen auf einen Erhalt aus traditionellen Gründen pochten, sahen die Befürworter eines Abrisses darin die gelungene Überwindung eines Feudalsystems. Dennoch sollten ein paar der Türme erhalten bleiben, denn damit „ließe sich die charakterlose Monotonie“ der betroffenen Stadtteile beheben. Auch seien diese Reste der Stadtmauer ja Zeichen dafür, in einer Stadt und nicht im Dorf zu leben. Abgerissen wurden neben der Mauer selbst unter anderem das Simeonstor direkt neben der Porta Nigra oder auch das Neutor an der Neustraße. Gerettet werden konnten wenige Türme, darunter auch der rote Turm in der Südallee. Seine tiefe Lage lässt erahnen, wie hoch das Stadtniveau seit dem Mittelalter angewachsen ist und wie tief die Gräben Trier einst vor Eindringlingen geschützt haben. Um die Ausgestaltung des grünen Rings hat sich in besonderem Maße der 1844 gegründete Verschönerungsverein eingesetzt. Der Privatgeistliche Richard Aloys Fischer vermachte diesem wenige Jahre später sein ganzes Vermögen. In vielfacher Art und Weise unterstützte der Verein die Stadt in kultur- und kunsthistorischen Maßnahmen und förderte vor allem auch „die schönen Anlagen der Stadt“, wie Gottfried Kentenich berichtet. Die letzte Tat des Vereins war die Wiederherstellung des Roten Turms in der Südallee. Aus Dank an den Financier steht einige Meter westlich ein Brunnen zu Ehren von Fischer, bei dem eine Putte hoch über dem nicht mehr genutzten Wasserbecken auf einem Delfin reitet und sicher einen hervorragenden Blick in den Alleenring genießt.

Treppenturm

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http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Treppenturm.mp3 Audio-Podcast: 4:37 min Kennen Sie… den Treppenturm? Eingequetscht zwischen Gebäuden des 20. Jahrhunderts erhebt sich an der Biegung von der Stresemannstraße in die Fußgängerzone dennoch stolz ein weiß verputztes Gebäude mit markanten roten Fenstereinfassungen und Treppenturm. Dass das ehemalige Hinterhaus, eines der wenigen erhaltenen Renaissancegebäude seiner Art in Trier, sich heute allen Flanierenden direkt zeigt, ist das Ergebnis eines massiven Straßendurchbruchs. Dort, wo den Heuschreckbrunnen heute ein kleiner Platz umgibt, standen bis 1940 Häuser. Es bedarf einiges an Vorstellungsvermögen, sich die Topografie vorzustellen und die Entwicklung der großen innerstädtischen Kreuzung zu verstehen. Am einfachsten ist es, sich die Stresemannstraße wegzudenken. Lief man die Nagelstraße vom Sonnenblumenhaus an entlang der durchgängigen Bebauung immer weiter Richtung Kreuzung und nahm die nach links führende Biegung, erreichte man den Anfang der Brückenstraße. Und zwar auf der Seite, auf der sich heute ein Weinlokal und ein Bücherladen befinden. Das damalige Haus Brückenstraße 1 stand genau in der Biegung hatte beträchtliche Ausmaße nicht nur an der Straßenseite. Ein langgestrecktes Hinterhaus flankierte einen Hof, an den sich ein Hinterhaus mit Treppenturm anschloss. Genau dieser ist heute von der Straße aus sichtbar. 1940 nämlich beschloss die Stadt Trier, eine Brandgasse zu errichten. Durch die Anlage dieser neuen Straße wurde erstmals eine Verbindung der Kreuzung – vorbei an der Kirche St. Antonius – mit dem Viehmarkt geschaffen. Diese Brandgasse hat damit auch die Jüdemerstraße durchbrochen. Die geschlossene Architektur an der südlichen Seite der Kreuzung von Brücken-, Johannis-, Metzel-, Fleisch- und Nagelstraße wurde abgerissen und von dem Gebäude Brückenstraße 1 bleibt nur das Hinterhaus bestehen. Später wird die Brandgasse dann nach dem Reichskanzler und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann (1878-1929) benannt. Das dreigeschossige Giebelhaus mit dem polygonalen Treppenturm hat nun die Adresse Stresemannstraße 3 und ist eines der wenigen erhaltenen Renaissancegebäude seiner Art in Trier. Der Kernbau stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und wurde als Wohn- und Geschäftshaus genutzt. Die Fassade des Hauses ist weiß verputzt, die Fenster werden von roten Sandsteingewänden gerahmt. Das Portal ziert ein dreiteiliges Fassadenrelief mit einer zentralen Figur, die von wappenähnlichen Teilen mit christlichen Symbolen flankiert wird. Rechts ist das Herz Jesu zu sehen, links ein von einem Kreuz bedeckter Giebel, der unter zwei Rad- oder Nimbuskreuzen zu finden ist. Im Inneren des Treppenturmes ist eine Wendeltreppe erhalten, die bis in die obersten Turmgeschosse führt. Die Fachwerkkonstruktion stammt jedoch nicht aus der Bauzeit, sondern wurde im 19. Jahrhundert ergänzt. Das mit dem Portalschmuck aufwändig gestaltete Hinterhaus gehörte zu der sogenannten Wolff’schen Apotheke. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist hier eine Apotheke von Apotheker Winterseel nachgewiesen, der im Jahr 1901 wohl neue Regenrohre an das gesamte Anwesen anbrachte, wie der Plan aus der Bauakte nahelegt. Noch heute trägt die Apotheke im gegenüber liegendem Haus Venedig den Namen Wolf Apotheke, was wohl eine Reminiszenz an das alte Gebäude darstellt. Der Treppenturm selbst steht seit Anfang 1996 unter Denkmalschutz. An seiner linken Seite hat Korb Regnery 1959 ein damals topmodernes Geschäftshaus angebaut. Fotos aus der Bauzeit zeigen einen stark angeschlagenen Treppenturm mit bröckelnder Fassade und unverputztem Ziegelwerk in der Fachwerkkonstruktion des Daches. Der Treppenturm, der „Regnery-Altbau“, wurde saniert und zu einem richtigen Schmuckstück gemacht, das heute seine besten Jahre schon wieder hinter sich hat. Zerborstene Scheiben und ein tiefer Riss über dem Portal zeigen an, dass das Bauwerk ein wenig mehr Pflege gebrauchen könnte, um auch weiterhin an seinen Aufstieg zu erinnern – vom Hinterhofdasein zum stolzen Haus am Platz mit erhobener Fachwerkhaube.

Treviris-Haus

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http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2015/01/Treviris-Haus.mp3  Audio-Podcast: 7:24 min Kennen Sie... das Treviris-Haus? Das Wohnhaus am Anfang der Maximinstraße ragt nicht nur wegen seiner Höhe heraus. Auch der Fassadenschmuck zur Geschichte der Stadt Trier ist etwas Besonderes, nämlich eine Spielart des Jugendstil auf einem noch stark historistisch geprägten Gebäude. Die personifizierte Stadt Trier ist der Mittelpunkt des Schmucks über der historischen Eingangstüre. Maximinstraße 1. Schon die Adresse trägt Bedeutendes im Namen. Es ist das erste Haus der Straße, die an den Trierer Bischof Maximin erinnert und zu dessen Reichsabtei sie führt. Und gleichzeitig ist es ein Künstlerhaus, denn der Bauherr war der in Trier rege tätige Bildhauer Carl Kaurisch. Dieser hat den Hausbau an der prominenten Stelle dazu genutzt, zum einen sein eigenes Metier zu präsentieren und zum anderen die Historie Triers zu würdigen. Dafür setzte er markante Trierer Bauwerke in Szene, welche die Trierer Geschichte und das Straßenbild bis heute prägen. Das dreigeschossige Haus mit Mietwohnungen fällt besonders deshalb von der Paulinstraße kommend sofort ins Auge, weil es recht unvermittelt auf das flache Gebäude eines Autohändlers folgt, welches aus den zwanziger Jahren stammt. Die sich anschließenden Gebäude im Straßenverlauf erreichen dessen Monumentalität und Höhe nicht mehr. Von vorne betrachtet, ist es ganz klassisch achsensymmetrisch gegliedert, die Betonung liegt in der Mitte auf dem dreiseitigen Erker. Das Erdgeschoss ist mit hellen Sandsteinquadern verkleidet. Aus dem gleichen Naturstein sind ebenfalls der die Etagen umspannende Erker samt Giebel sowie die Fensterumrahmungen gestaltet. Sandsteinquader bilden an den beiden Seiten der Fassade den optischen Abschluss als schmale Lisenen. Ein zweiter Werkstoff der Fassade ist roter Klinkerstein. Hiermit sind die Flächen der beiden Obergeschosse ausgefüllt, die von den Sandsteinen umrahmt werden. Die schlichten Klinkerwände ergeben zusammen mit dem aufwändigen Schmuck auf den Sandsteinflächen einen reizvollen Materialmix, der zum Ende des Historismus gerne eingesetzt wurde. In dieser Epoche nahmen die Architekten Details aus der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Architektur zum Vorbild und formten diese zeitgenössisch aus. Das Haus in der Maximinstraße 1 ist ein Beispiel für die Phase, in der die Architekten noch historistisch bauten, die Dekorateure aber schon dem Jugendstil verpflichtet waren. Der Aufbau folgt den drei Achsen in allen drei Geschossen. Allein das auffällige Eingangstor scheint ein Quader breit zu weit nach rechts geraten zu sein, um sich in die strenge Fassadengliederung einzufügen. Typisch für die Architektur des Jugendstil sind die Asymmetrie und ein dekorativer Fassadenschmuck. Wirklich asymmetrisch ist der Eingang auf der rechten Seite hier zwar nicht, aber in der Ausformung der Holztür finden sich ebenso wie im Fassadenschmuck Elemente der Bauform, die vor allem im nahem Belgien ganz außerordentliche Bauwerke erschaffen hat. Wir finden hier eine spannende Mischform vor, dessen Schmuck einen besonderen Blick wert ist. Über dem Bogen des Eingangsportals befindet sich mittig ein Wappen sowie ein Spruchband. Darüber thront das Porträt der personifizierten Stadt Trier, bezeichnet mit „TREVIRIS“. Im Stile einer römischen Porträtbüste blickt der Frauenkopf mit Schultern und angedeuteter Brust streng frontal nach vorne. Ihr Gewand mit mittig sitzender Brosche trägt sie ebenso symmetrisch wie ihr gescheiteltes volles Haar, welches mit einem Stirnband gebändigt wird. Gedrehte Locken fallen rechts und links gefällig auf die Schultern. Als Krone trägt sie ein burgähnliches Fantasiegebäude auf dem Kopf, der von einer Gloriole umgeben ist. Zu ihren Seiten finden sich zwei der wichtigsten Gebäude der Stadt Trier, welche bedeutende Epochen der ältesten Stadt Deutschlands darstellen. Links von ihr sehen wir als Relief die Westfassade des Trierer Doms als Zeichen der mittelalterlichen Stadt. Als Pendant dazu repräsentiert die Porta Nigra die römische Augusta Treverorum. Umgeben ist die Architektur von wild rankenden Kieferzweigen mit langen Nadelbüscheln und Zapfen. „GOTT BESCHÜTZE TRIER | SEIN VOLK UND DIESES HAUS“ – Der Spruch richtet sich an alle Trierer und ganz besonders an diejenigen, die in dem Mietshaus wohnen. 1906 teilten sich das geräumige Haus der Besitzer und Bildhauer Carl Kaurisch selbst mit dem Weinhändler Heinrich Jäger, dem Kreisassistenzarzt Dr. Hermann Clauditz und den Rendanten Gustav Berkhan. Ein zweites Bildmotiv befindet sich auf der Brüstung des Erkers im ersten Geschoss. Hier ist der heilige Maximin dargestellt, welcher der Straße seinen Namen gegeben hat. Im Gegensatz zur Dame Treviris wirkt er dynamischer. Sein leicht zur Seite gelegter bärtiger Kopf zeigt den ernst blickenden Bischof von Trier mit seiner Mitra auf dem Kopf. Dazu trägt er ein Gewand, das mit Kreuzen verziert ist. Mit seiner rechten Hand segnet er den Betrachter, in seiner Linken hält er ein Kirchenmodell, evtl. ein Symbol für die nahegelegene Reichsabtei St. Maximin. An dieser Stelle hat der aus Frankreich stammende Maximin der Legende nach einst ein Kloster gegründet. Und auch hier ist der florale Schmuck weitaus mehr als optisches Beiwerk. Wie aus dem Stein gewachsen klettern Weinranken erst nach oben und dann als Reliefstreifen über die gesamte Breite des Gebäudes. Statt Konsolen sehen wir fein ausgeformtes Wurzelwerk, aus dem die zwei Weinstöcke mit großen Blättern und üppigen Früchten an den vorderen Kanten des Erkers emporwachsen. An der Brüstung im zweiten Stockwerk wachsen die Pflanzen nochmals zusammen und bilden als oberen Abschluss ein regelmäßiges Blätterfries. Alles, was Trier zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer auch wirtschaftlich aufstrebenden Stadt macht, ist auf der Fassade des Wohnhauses wiederzufinden: die römischen Ursprünge, die Macht und der Reichturm der Kirchen im Mittelalter und der frühen Neuzeit sowie der Wein als wichtigstes internationales Handelsobjekt bis zu dessen Blütezeit um die Jahrhundertwende. Das Treviris-Haus mit seiner auffälligen Fassade und Dachgestaltung steht seit 1987 unter Denkmalschutz.

Zewener Turm

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http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Zewener-Turm.mp3 Audio-Podcast: 5:41 min Kennen Sie… den Zewener Turm? Das mittelalterliche Turmhaus in Zewen steht seit hunderten von Jahren zwischen Trier und Luxemburg. Als Burg gebaut, diente es als Wachturm, Zollstation, Bauernhof und Wirtshaus. Der ursprüngliche Eingang im ersten Stock und die wenigen Wandöffnungen wurden im 19. Jahrhundert durch Türen im Erdgeschoss und großflächige Fensteröffnungen in der ersten Etage ergänzt. Das unter Denkmalschutz stehende Haus ist heute in Privatbesitz. Der Zewener Turm hebt sich deutlich von der ihn umgebenden Ein- und Mehrfamilienhäusersiedlung ab. Zwischen weißen Rauputzfassaden mit braungläsernen Baumarkttüren, grünweißer Plattenabdeckung und monumentaler Säulenarchitektur jüngster Bauzeit ist der Turm ein Ruhepol für das Auge. Er strotzt mit seiner natursteinfarbenen Schlichtheit den architektonischen Launen der nachfolgenden Jahrhunderte. Dass er dabei selbst nicht so ganz aus dem Ei gepellt ist, steht ihm gut. Schon die Römer siedelten in der Ebene zwischen Mosel und den etwas höher liegenden Wäldern. Eine gepflasterte Überlandstraße verband Luxemburg und Trier und führte an der – Zewen den Namen gebenden – Ebene vorbei. Im Mittelalter war hier ein Ort, in dem Weinbau betrieben wurde und – so wie heute – Gemüse- und Obstbauern die Stadt versorgten. Genau an dieser Straße wurde um 1200 das Turmhaus errichtet. Das Baumaterial war der einheimische rote Sandstein. Mit grob gehauenen Bruchsteinen erreicht der Turm auf einem Grundriss von sechs mal sechs Metern vier Geschosse. Die Mauern selbst zeugen mit einer Stärke von 1,10 Metern von Wehrhaftigkeit. Zusätzlichen Schutz bot ein Graben, welcher den Turm vor Eindringlingen feite. Wenige Wandöffnungen dienten der Beobachtung und Verteidigung von Feinden. Wie im Mittelalter üblich, befand sich der Eingang im ersten Obergeschoss. Die Giebelseite mit der rundbogigen Türöffnung richtet sich gen Ortskern. Sowohl der Eingang als auch die Schießscharten des Turms auf dieser Seite sind mit gehauenen Eckquadern mit abgeschrägten Kanten aus Sandstein umrahmt. Heute sind ein Teil der Schießscharten vergrößert und zu Fenstern ausgebaut. Den Originalzustand kann man im dritten Geschoss noch gut erkennen. Auch die Türen im Erdgeschoss sowie die großflächigen Fensteröffnungen der ersten Etage, die sich zur Wasserbilliger Straße hin öffnen, stammen aus dem 19. Jahrhundert. Die Veränderungen tragen der abwechslungsreichen Geschichte des Zewener Turms Rechnung. Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz berichtete 1954, dass der Turm die einfachste Form einer Wasserburg darstelle, womit er sowohl Wohn- als auch Wehrzweck in einem Gebäude vereinte. Er war für lange Jahre der Wachturm der Grenze zwischen dem Kurstaat Trier und Luxemburg. In der Folge des Dreißigjährigen Krieges und des Krieges zwischen Louis XIV. und den Generalstaaten wurde Trier wiederholt eingenommen und auch zu großen Teilen zerstört. Eine der Belagerungen nahm ihren Gang vom Zewener Turm aus, wo sich am 15. Juni 1684 französische Truppen unter Marschall Crequi mit einer Delegation der Stadt Trier zu Verhandlungen traf. Josef Fisch hat diese Begegnung und die Geschichte des Turms im Neuen Trierischen Jahrbuch 1978 ausführlich rekonstruiert. Die Trierer mussten innerhalb von zwei Stunden einen Zugang zur Stadt gewährleisten oder alternativ alle Kosten der Heeresverpflegung sowie der Abrissarbeiten tragen. Crequi blieb einen Monat in der Stadt, riss Türme ab, schleifte die Festungsbauten und füllte alle Stadtgräben auf, infolgedessen sich die Stadt nicht mehr sichern konnte. Bis zum Jahr 1715, als die Franzosen das Gebiet verließen, stand der Zewener Turm offen und ungenutzt mitten im Feld, an der Straße. Erst dann wurde er repariert und bekam eine neue Funktion. Genau wie der zweite mittelalterliche Turm in Zewen-Oberkirch, der nicht erhalten ist, diente er als Zollstelle. Zusammen mit Ackerland wurde er als Lehen an Franziskus Neuhäuser vergeben, der den Turm aus eigenen Mitteln instand setzte. Nach dessen Tod kaufte dessen Frau Magdalena ein weiteres am Turm liegendes Grundstück an, um hier unter anderem einen Viehstall anzubauen. 1794 marschierten nochmals Franzosen ein. Die Revolutionstruppen schlossen die Zollstation, da sowohl Luxemburg als auch das Rheinland als französische Departements administrativ territorial neu geordnet wurden. Im Zuge der Auflösung des Kircheneigentums und des Kurstaates wurde der Turm 1804 mit den dazugehörigen Nebenbauten und Ländereien verkauft und wechselte mehrere Male den Besitzer. Er wurde als Wohnhaus und auch als Wirtschaft genutzt. 1936 wurde er in der Liste der Kunstdenkmäler der Rheinprovinz im Landkreis Trier besonders erwähnt. Wenige Jahre vorher hatten Denkmalpfleger den Turm ausgemessen, Zeichnungen hergestellt und ihn fotografisch dokumentiert. Ein Granateinschlag im Frühjahr 1945 zertrümmerte das Dach. Zehn Jahre lang war der Turm Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt, bis er ein neues Dach erhielt. In dem wiederhergestellten Anbau aus dem 19. Jahrhundert lebt heute eine Familie, die sich der Geschichte und Bedeutung des Turms bewusst ist und dafür sorgt, dass die Substanz erhalten bleibt: Als Zeichen der Geschichte der Großregion.

Zurlauben

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http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/10/Zurlauben.mp3 Audio-Podcast: 5:59 min Kennen Sie… Zurlauben? Barocke Häuser, idyllische Gärten, Terrassen und viel Gastronomie. „Zurlauben“ sagen die Trierer zur schmalen Straße zwischen der Mosel und der Ascoli Piceno Straße, der mehrspurigen Einfahrt von der Autobahn in die Innenstadt. Im Ortsnamen „Zurlaubener Ufer“, so heißt die Straße im Stadtplan, steckt das Wort Laube und dies passt hervorragend zu den kleinen Häuschen und Pavillons, die einst als Gartenlauben errichtet wurden und von denen einige noch heute zu finden sind. Genau daher kommt es, dass der Straßenname mit den pittoresken Lauben erklärt wird, obwohl dies zeitgeschichtlich gar nicht passen kann, aber im Laufe der Jahrhunderte praktischerweise passend wurde. Denn die Lauben stehen nachweislich erst seit dem 18 Jahrhundert hier. Der Ortsname selbst ist aber bereits in Quellen aus den 13. und 14. Jahrhundert erwähnt – vielleicht gab es dort ja auch schon Lauben oder es gibt noch eine andere sprachgeschichtlich erklärbare Deutung. Auf alle Fälle sind es heute tatsächlich die Lauben, die aus dem Zurlaubener Ufer eine für Trier ganz besondere Straße machen, denn sie ist nah dran am Fluss, also eigentlich ist Zurlauben das Dorf am Fluss, wie Trier vielleicht ja noch die Stadt am Fluss werden kann. Das Potenzial wäre allemal vorhanden. Die dörfliche Struktur, die wir heute an der gebogenen schmalen Straße mit seinen meist nur zwei Stockwerke hohen Gebäuden mit Mansarddächern ablesen können, war seit der Entstehung im frühen Mittelalter gegeben. Als Vorort vor den Stadtmauern Triers wie zum Beispiel auch Pallien, Kürenz oder St. Barbara hatte Zurlauben im Jahr 1801 mit 293 Einwohnern eine stattliche Größe. Die direkte Lage am Wasser bot den hier lebenden und arbeitenden Fischern und Schiffern einfachen Zugang zur Mosel. Die Häuser und auch die dazugehörigen Lauben sind alle nach den schweren Zerstörungen unter Ludwig dem XIV. entstanden. Während der französischen Zeit wurde die Trierer Stadtmauer wieder zur Festungsanlage, die davorliegenden Siedlungen jedoch niedergerissen, um im Kriegsfall ein freies Schussfeld haben zu können. Bei dem Neuaufbau von Zurlauben legte man vor den Häusern Richtung Mosel großzügige Gärten an, die mit Lauben und Pavillons ausgestattet wurden. Um die Hanglage in Richtung Mosel auszugleichen, endeten die Gartengrundstücke mit einer hohen Mauer, die zugleich Hochwasserschutz bieten sollte. Die Pavillons und Terrassen, die oberhalb der Mauer lagen, waren erstklassige Orte, um einen schönen Blick auf die Mosel, die gegenüberliegenden roten Felsen und Pallien genießen zu können. Unterhalb der Mauern führten flache Wiesen zum Ufer und der wichtigen Fähre, welche bis zum Bau der Kaiser-Wilhelm-Brücke im Jahr 1914 nach Pallien übersetzte. Von der für den Vorort charakteristischen Mauer ist seit den späten Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts nichts mehr zu sehen, denn als Maßnahme gegen die Überschwemmungen wurde ein richtiger Damm aufgeschüttet. An dessen höchster Stelle ist nun ein Fahrradweg und es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre diese letzte Nähe eines Stadtteils zur Mosel auch verschwunden gewesen. Denn Mitte der 50er Jahre gab es bei den Planungen der Umgehungsstraße tatsächlich die ernsthafte Überlegung, die Moseluferstraße auf dem Abschnitt vom Exzellenzhaus bis zum Georg-Schmitt-Platz vor Zurlauben, also direkt an der Mosel entlangführen zu lassen. Bei dieser Lösung wären die Lauben nicht erhalten geblieben und Trier hätte den heute so idyllischen Stadtteil verloren. Das bürgerschaftliche Engagement des Vereins Trierisch sorgte nach dieser weisen Entscheidung auch direkt dafür, sich um die markanten Doppellauben am nördlichen Ende von Zurlauben zu kümmern, die sich in einem erbärmlichen Zustand befanden. 1956 erhielten die beiden Lauben neue mit Schiefer gedeckte Dächer, kurz drauf wurde auch die wie ein Gerippe dastehende Fachwerkkonstruktion mit den Sandsteinfenstern wieder verfüllt und verputzt. Mitten in dem Straßenzug steht eine weitere verhältnismäßig große Gartenlaube, in der heute der Männergesangsverein Zurlauben residiert. Die Laube gehörte einst zum Gasthaus „Zum goldenen Karpfen“. Der Architekt und Denkmalpfleger Friedrich Kutzbach unterbreitete 1927 kurz nach dem Bau des Hochwasserdamms Vorschläge zur besseren Gestaltung von Zurlauben, die zwar nicht umgesetzt wurden. Hierhin beschreibt er jedoch auch die Nutzung der Lauben: „Es handelt sich um Gastlauben, Vorgänger der heutigen Hallen auf Weißhaus und Schneidershof, man trank dort im Angesicht des Flusses einen Schluck Viez oder Wein und aß dazu frischen Moselfisch, wie zwei Dachläden dorther, die sich im Moselmuseum befinden, Männer in alter Tracht an Gefäßen mit Fischen, zeigen, eine Art Firmenschild des Lokales, von dem sie stammen, das noch heute steht und 1792 datiert ist.“ Das Bild, das sich Kutzbach vor beinahe 100 Jahren bot, unterscheidet sich nur durch die Ansicht von Seiten der Mosel. Wir können hier auf dem Damm entlangspazieren, aber Kutzbach wäre damals für folgende Gestaltungslösung gewesen: „An dieser Laube müßte auch der ehemals wasserseitig bestandene Balkon wieder hergestellt werden.“