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24.07.2023
7 Minuten
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/08/Alte-Post.mp3
Audio-Podcast: 06:41 min. Kennen Sie… die alte Post? Die alte
Post am Kornmarkt war zu ihrer Erbauungszeit die neue Post und
ersetzte den vorherigen Standort in der Neustraße nicht nur
räumlich. Mit dem monumentalen “Post- und Telegraphengebäude” der
Kaiserlichen Oberpostdirektion manifestierte die Regierung in dem
schlossartigen Gebäude ihre Wichtigkeit mitten in der Stadt.
Immerhin war Trier einer der 26 Regierungsbezirke Preußens und
somit auch Ort für eine zentrale Stelle der Post. Doch auch in der
neuen Post steckt altes Gemäuer. TRIER. Den westlichen Abschluss
des Kornmarktes bildet heute ein einziges langgestrecktes Gebäude.
Ganze 15 Achsen, mehr als 40 Fenster und sechs Balkone gliedern die
dreigeschossige Fassade und erinnern ein wenig an ein
herrschaftliches Palais aus barocken Zeiten. Ein bisschen davon ist
tatsächlich in dem Gebäude zu finden, das in den letzten
Jahrhunderten immer breiter und niedriger wurde. Mehrere Bauphasen
hat das Objekt hinter sich, die jeweils den Charakter grundlegend
änderten. Begonnen hat die Geschichte der heutigen Fleischstraße
57-60 in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 1746 legt die
Stadt Trier den öffentlichen Platz an, auf dem Markt gehalten wird,
wie der heutige Name noch anklingen lässt. Ab 1749 entsteht der
barocke Georgsbrunnen. In diesem neu gestalteten Ambiente lässt
sich der Trierer Kaufmann Johann Jacob Vacano 1759 ein Palais
errichten. Der Architekt seiner Wahl ist niemand Geringeres als der
kurtrierische Hofwerkmeister Johannes Seiz, der nicht nur den oben
genannten Brunnen entworfen hat, sondern einige Jahre später auch
den Südflügel des Kurfürstlichen Palais errichtet. Der Schüler des
berühmten Balthasar Neumann erschafft mit dem Bürgerhaus ein
repräsentatives Gebäude, welches Ähnlichkeiten mit dem großen Bau
neben der Konstantinbasilika nicht verleugnen kann. Im großen, die
drei Mittelachsen überspannenden Dreiecksgiebel ist das Relief
einer Burg angebracht gewesen, weswegen das Haus auch den Namen
Königsburg erhält, wie die Trierer Chronik 1920/21 berichtet. 1830
erwirbt der Trierer Postdirektor Conrad das Gebäude für die
Preußische Postverwaltung, in welches die Trierer Post auch
einzieht. Obwohl das Anwesen mit seinem großen Hintergebäude,
gepflastertem Hof, großem Magazin, einer Wagenremise, Pferdestall
und Futterspeicher beträchtliche Ausmaße hat, wird es der
Verwaltung zu klein. Nach dem Kauf der Nachbarhäuser werden diese
Gebäude kurzerhand abgerissen, um Platz für die neue Post zu
schaffen. Nur das Portal der Königsburg ist heute noch als solches
erhalten und führt in den großen malerischen Innenhof, der von
weiteren Flügeln umfasst wird. 1879 bis 1882 schließlich lässt die
preußische Regierung die neue Post errichten, welche die westliche
Seite des Kornmarkts fortan dominieren wird. Nach dem Entwurf von
August Kind aus dem Reichspostamt Berlin arbeiten an dem Trierer
Gebäude Postbaurat Cuno als Oberbauleiter und Regierungsbaumeister
Hausmann als Bauleiter. Hinter den elf Achsen der Fassade an der
Fleischstraße befindet sich im Erdgeschoss die Schalterhalle. Im
ersten Obergeschoss residiert die Oberpostdirektion, in der zweiten
Etage wohnt der Oberpostdirektor. Richtung Metzelstraße im Westen
sind die Postkasse, Telegraphie-Räume sowie eine weitere Wohnung
und die Remisen für die Kutschen und Fahrzeuge untergebracht, wie
die Denkmaltopographie berichtet. Das südliche Portal, welches in
den Innenhof des Haupttraktes führt, ist das Portal der Königsburg
von 1759. Das Jahr selbst findet sich als Reminiszenz etwas weiter
oben wieder, und zwar in der Kartusche im Fensterscheitel des
ersten Stockwerks direkt über dem Eingang. Parallel dazu steht über
dem besonders hervorgehobenen Eingang zur ehemaligen Posthalle das
Baujahr 1881. Das Portal ist von Säulen umgeben, die als Hinweis
auf die Nutzung des Anwesens mit Posthörnern verziert sind. Nach
über zwanzig Jahren wird es der Postdirektion wieder zu eng und das
bekannte Prozedere von 1879 wiederholt sich. Die Verwaltung kauft
die anliegenden Häuser auf, reißt sie ab und erweitert das Haus in
die Breite. Aus den elf Achsen werden 15. Je zwei Achsen zu jeder
Seite werden ab 1908 bis 1911 angebaut, im Stil des vorhandenen
Gebäudes. Und auch das Areal in Richtung Westen wird verändert und
erweitert. Ein Relief über dem Eingang des neuen Südflügels zeigt
ein Segelfrachtschiff auf bewegter See mit Paketpost an Bord – ein
modernes Zeichen für die schon damals globalen Betätigungsfelder
der Post. Heute zeigt sich das Gebäude schlicht, aber etwas aus der
Façon geraten. Das lange Gebäude mit den drei Stockwerken wirkt mit
dem arg flach geratenen Dach etwas gedrängt, die Leichtigkeit des
bewegten Daches fehlt. Doch gerade die Strenge der Fassade, die
vielen Fenster und Öffnungen machen neugierig auf das, was innen
passiert. Und das ist eine ganze Menge, seit die Post das Gebäude
nicht mehr nutzt und zudem verkauft hat. Vor den
Renovierungsmaßnahmen waren die Fenster im Erdgeschoss noch
geteilte Sprossenfenster, die zum Stil des Gebäudes passten. Heute
sind diese leider nur noch in den oberen Etagen erhalten. Im
Erdgeschoss ist die Fensterhöhe bei den kleinen Fenstern nach unten
vergrößert, wodurch das Gesims nach unten “rutscht” und an den
Portalen keine einheitliche Linie mehr bildet. Die dunkelgrauen
Fensterumrandungen und Einteilungen bilden keine Symbiose mehr mit
den oberen Etagen und zollen mehr dem Konsum Tribut als dem
städtebaulichen Gesamtbild, welches auf diese neuen
Schaufensterflächen gut hätte verzichten können. Eine hervorragende
Umnutzung der ehemaligen Postdirektion zu einem Shoppingcenter ist
übrigens in Amsterdam gelungen. Die Fenster sind original groß
geblieben, Außenwerbung fehlt und der Städtebummler fragt sich, was
es hier wohl zu entdecken gibt – und geht einfach hinein.
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22.07.2023
1 Minute
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Apollo-Theater.mp3
Audio-Podcast: 8:02 min Kennen Sie… das “Apollo-Theater”? Mit 1000
Sitzplätzen war das “Apollo-Theater” eines der beiden größten
Trierer Kinos, welches seine Glanzzeiten in den späten vierziger
und den fünfziger Jahren erlebte. In der belebten Saarstraße war es
das Einzige im Süden der Stadt. Zudem wurden dort Aufführungen,
Konzerte und sogar Boxkämpfe geboten. Noch heute kann man das
Gebäude zu geschäftsüblichen Zeiten betreten und beim genauen
Hinschauen Relikte aus der Kino-Ära entdecken – es wird als
Supermarkt genutzt. Apollon ist in der griechischen und römischen
Mythologie der Gott des Lichts, der Künste und auch der Musik. Dies
prädestiniert den Sohn des Zeus und der Leto geradezu, als
Namensgeber vieler Lichtspielhäuser auf der ganzen Welt zu
fungieren. Im Trierer Apollo-Theater war er sogar mit einer
überlebensgroßen Skulptur präsent, welche das Foyer vor dem
Zuschauerraum schmückte. Der Eingang des Kinos lag in der
Saarstraße. Von der Römerzeit an war sie eine wichtige
Ausfahrtsstraße aus der Stadt in Richtung Saar und Saarbrücken.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Saarstraße
zu einer belebten Geschäftsstraße mit repräsentativen Wohnhäusern
Trierer Fabrikanten und Gewerbetreibender, war gleichzeitig aber
auch ein Mischgebiet mit Produktions- und Werkstätten. An der
heutigen Saarstraße 90/92 befand sich ebenfalls eine Werkstatt, bis
die Familie Schieffer 1937 das Grundstück aufkaufte, um hier
1940/1941 auf einem Luftschutzkeller ein Kino zu errichten – das
“Apollo-Theater” mit knapp 1000 Sitzplätzen. Eduard Schieffer
(1852-1922) besaß zuerst eine Brauerei in Prüm, zog dann nach Trier
und eröffnete hier eine Brauerei. Die Söhne Ernst und Karl
Schieffer betrieben nicht nur die Lokale “Schieffer-Keller”,
“Astoria” und “Postkutsche”, sondern auch drei Kinos: das
“Palast-Theater” am Konstantinplatz, das “Metropol” in der
Moselstraße und das “Neue Theater” in der Simeonstraße. Das
Palast-Theater musste jedoch abgerissen werden, woraufhin der
Neubau in der Saarstraße geplant wurde. Zur Bauzeit inmitten des
zweiten Weltkrieges boomte das Kinoleben. Nicht nur, dass die in
Trier Gebliebenen Abwechslung vom harten Alltag dringend nötig
hatten, auch die politische Propaganda setzte bekanntlich voll auf
das Medium Film. Allein in den Jahren 1934 bis 1942 entstanden im
Deutschen Reich insgesamt etwa 1000 neue Kinos. Mittels der in
allen Kinos obligatorisch gezeigten Wochenschauen wurden die Bürger
gezielt “informiert” und über das Kriegsgeschehen auf dem Laufenden
gehalten. Um an geeignetes Baumaterial heranzukommen, war es
notwendig, gute Beziehungen zu haben, was der Familie Schieffer gut
gelang. Entsprechend ausgestattet war das “Apollo-Theater” in der
Saarstraße 90/92 auch. Fünf steinerne Torbögen bildeten den
Eingang, konnten mit Gittern abgesperrt werden und boten Platz für
Kinoplakate und Reklame. Im geräumigen, sich anschließenden Vorraum
lagen an der linken Schmalseite die beiden Kartenschalter,
gegenüber befand sich die Garderobe. Mit seiner Marmoroptik,
schmiedeeisernen Absperrgittern und Wandleuchtern sowie der
strukturierten Putzdecke machte das “Apollo-Theater” vor allem im
Inneren einen edlen Eindruck. Vom Vorraum aus erreichte man zwei
hintereinanderliegende Foyers. Der Kassenraum und das sich daran
anschließende erste Foyer sind die beiden einzigen Räume, die noch
heute ihre originale Höhe haben. Die weiß verputzten
Kassettendecken geben einen kleinen Eindruck davon, wie aufwändig
das Kino 1940/41 ausgestaltet worden ist. Das zweite Foyer war
insgesamt schmaler und schloss an der Nord- und Südseite jeweils
mit abgerundeten Wänden ab. Die südliche Nische war der Standort
für die Apollo-Statue. Von hier aus gelangte man über die
Seitengänge in den Zuschauerraum, der in erster Linie als
Parketttheater ausgebaut war. Eine kleine Loge an der Rückwand des
Kinoraumes fasste nur etwa 20 Zuschauer. Wie hoch der Kinoraum
ursprünglich war, lässt sich erahnen, wenn man vom heutigen
Parkplatz aus das Gebäude betrachtet. Hier ist die Architektur ganz
einfach an der rückseitigen Fassade ablesbar. Rechts und links
liegende niedrigere Umgänge begleiten den einen riesigen und hohen
Raum wie die Seitenschiffe eine Basilika. Über die Gänge haben die
Zuschauer nach der Filmvorführung den Saal in Richtung
Hohenzollernstraße wieder verlassen. Heute befinden sich im
südlichen Rundgang die Getränke, der gegenüberliegende ist
geschlossen und dient dem Marktbetreiber für die Anlieferung der
Waren und der Pfandflaschensammlung. Einer der ersten Filme, der im
“Apollo-Theater” wochenlang lief, war “Das Lied von Bernadette” aus
dem Jahr 1943. Der mit Oscars und Golden Globes preisgekrönte
amerikanische Film wurde nicht nur mit großen Plakaten auf
Lastwagen im gesamten Trierer Umland angekündigt, sondern die
katholische Kirche empfahl Sonntags regelmäßig, sich doch unbedingt
diesen erbaulichen Film anzusehen. Im Krieg brannte das
“Apollo-Theater” im Inneren aus, konnte aber im Dezember 1948 mit
der gemalten Ausstattung eines Düsseldorfer Künstlers als eines der
größten Kinos in Rheinland-Pfalz wieder den Betrieb aufnehmen.
Viele Trierer erinnern sich noch heute an die Karl-May- und
Ben-Hur-Filme, die hier alle liefen. In Trier-Süd konnte man auch
die deutsche Uraufführung des Farbfilms “Johanna von Orléans” mit
Ingrid Bergmann sehen, wie ein Fotodokument aus dem Nachlass des
Dekorations- und Werbemalers Conrad Martin zeigt. Der Künstler und
Grafiker hat für die zahlreichen Trierer Kinos in seinem Atelier in
der Sichelstraße Werbungen auf Stoffbahnen und auch Lastwagen
gemalt, wie Karl Fuhrmann im Neuen Trierischen Jahrbuch 1999
ausführt. Das Apollo-Theater hatte aber nicht nur eine Leinwand,
sondern auch eine Bühne, die so groß war, dass hier in den 50er
Jahren Boxkämpfe stattfinden konnten. Selbstverständlich liefen
hier auch die ersten Rock-’n'-Roll-Filme und einmal haben sogar
“Die Lords” im “Apollo-Theater” gespielt. Da nach den wenigen
Konzerten aber meist die Inneneinrichtung ziemlich ramponiert
worden ist, hat man sich wieder auf Filme konzentriert. Für die
Verwendung des Kinos als Bühnentheater waren hinter der Bühne in
der ersten Etage Künstlergarderoben eingerichtet worden, die über
ein kleines Treppenhaus erreicht werden konnten. Aus der Bühne
wurde die Fleischtheke, darüber befinden sich die Sozialräume der
Angestellten. Mit der Verbreitung der Fernsehapparate in den
Privathaushalten begann allerspätestens in den Sechziger Jahren das
große Kinosterben. 1960/61 wurde das Haus im vorderen Teil mit
zwei Etagen aufgestockt, die vermietet werden konnten. 1967 schloss
das “Apollo-Theater”, noch im gleichen Jahr wurde mit einem
Holzgerüst die Schräge bis zur Oberkante der Bühne ausgeglichen, um
den Verma-Markt hier einzurichten. Als späterer Edeka-Markt wurden
zahlreiche Umbauten getätigt, dabei wurde auch die Decke im
Zuschauerraum angehängt, um Heizkosten zu sparen. Aller
Modernisierungen zum Trotz sieht man offenen Auges jedoch noch so
Einiges, was an das Kino erinnert – unter anderem die beiden Säulen
bei der Gemüseabteilung, die Türprofile an den Durchgängen der
Foyers und in den Seitengängen sowie die Nische, in der Apollo
stand.
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21.07.2023
1 Minute
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Drachenhaus.mp3
Audio-Podcast: 6:47 min Kennen Sie… das Drachenhaus? Auf dem
Weg zu den Ausflugszielen Wildschweine, Weisshauswald oder
Tiergehege lässt man es links liegen, denn es ist im Vorbeifahren
kaum auszumachen. Erst wenn man die abschüssige Wiesenfläche des
alten Rosengartens betritt, erkennt man die immensen Ausmaße des
Drachenhauses. Seinen Namen hat es erst Jahre nach der
Fertigstellung erhalten, das Haus selbst hat eine längere
Geschichte. Zu römischer Zeit ist der heutige Westteil der Stadt
auch außerhalb der Stadtmauer besiedelt. Die Römerbrücke führt über
den Fluss zu Grabstellen, Grabmonumenten, Heiligtümern und einem
großen Tempelbezirk. Von der Brücke aus führen jenseits des
Stadtzentrums drei römische Fernstraßen in die Zentren Reims, Köln
und Richtung Andernach. Nach dem Zusammenbruch der römischen Epoche
in Trier im fünften Jahrhundert beginnt die Stadt unter den Franken
wieder zu wachsen. Es sind vor allem die Erzbischöfe und Klöster,
die im frühen Mittelalter neue Häuser gründen und die Wirtschaft
ankurbeln. Eine wichtige Rolle spielt das Benediktinerkloster St.
Maria ad Martyres oder auch St. Maria ad Ripa, also am Flussufer.
Hier residieren die ersten Bischöfe, hier sind Kanoniker
nachgewiesen. Zu einer Hochzeit des Klosters wird im 18.
Jahrhundert ein riesiger Neubau mit Kirche errichtet, dessen heute
erhaltener Ostflügel das Exhaus beherbergt. Zu dieser Zeit hat das
Kloster reiche Besitztümer, die sich bis über die Mosel über den
steilen Felshang hinauf ausbreiten. Zu den Ländereien gehört auch
das Mergener Grünhäuschen, das an der Stelle des heutigen
Drachenhauses gestanden hat. In relativer Nähe dazu bewirtschaftet
das Kloster St. Martin das Weisshäuschen sowie die Schäferei des
Gutes Sievenicher Hof auf dem Gelände Ottoscheuer – an der Stelle
der heutigen Hochschule. Dieses komplette Gelände inklusive aller
Gebäude kauft um 1820 Georg Nikolaus Wilhelm von Haw (1793-1862),
Sohn eines Kurfürstlichen Hofrats und des Amtsverwalters von Daun
und später Pfalzel. Von 1818 bis 1839 wird Wilhelm von Haw nach
einer internationalen Karriere als Jurist Oberbürgermeister von
Trier. Er ist einer der ersten, der sich inmitten der Natur
niederlässt und damit den westlichen Stadtteil am Berghang zu einem
beliebten Baugebiet für spätere Villen macht. Während Haw an der
Stelle des Weisshäuschens um 1823 die imposante Villa Weisshaus als
sein privates Wohnhaus errichtet, entsteht an der Stelle des
Grünhäuschens 1829 das heute sogenannte Drachenhaus. In diese Zeit
fällt auch die Heirat mit Elisabeth Franziska Nell, der Tochter
eines der reichsten Einwohner der Stadt, des königlichen
Kommerzialrats Christoph Phillip Bernard Nell. Insgesamt nimmt sich
die Einheit aus der Privatvilla mit dem Schäfergut und dem heute so
genannten Drachenhaus herrschaftlich aus. Die Familie Haw
repräsentiert feudalen Lebensstil mit bürgerlicher Nähe, sind doch
alle Trierer immer als Gäste in den Parkanlagen willkommen. Die
fast schlossartige Fassade des Drachenhauses mit ausladenden neun
Achsen unter einem flachen Walmdach ist für den Zweck des Gebäudes
repräsentativ ausgestaltet. Es ist das Ökonomiegebäude, welches zur
Hawschen Villa Weisshaus gehört und welche etwa 700 Meter entfernt
liegt. An Stelle des Hofs Grünhäuschen unter klösterlicher Führung
entsteht eine Dreiflügelanlage mit einem rückwärtig gelegenen
Innenhof, der über monumentale Tore zu erreichen ist. Obwohl die
beiden hinteren Seitenflügel versetzt zur Fassade stehen, damit
sich eine große Fläche bildet, treten sie in der Gesamtansicht
komplett in den Hintergrund – wohl auch, weil sie nur eingeschossig
sind. Zu erfassen ist die Fassade erst, wenn man den Hang
herabläuft und sich mitten in die Wiese der sich anschließenden
Gartenanlage stellt. Diese ist wie das Wildgehege auch nach
Fertigstellung immer öffentlich zugänglich gewesen, obwohl es zum
privaten Grund und Boden der Familie Haw gehört hat. Die Fenster
der neun symmetrischen Achsen variieren schlicht aber spielerisch.
Die Seiten des zweigeschossigen Baus werden durch halbrunde
Thermenfenster im ersten Obergeschoss betont. Darüber erheben sich
zwei niedrige Dreiecksgiebel mit dezentem Schmuck. Auf dem Dach
thront in der Mitte ein achteckiger Dachreiter, darunter nimmt das
Oberlicht der Eingangstür die halbrunde Fensterform der
Thermenfenster dekorativ auf. Quer über die breite Fassade und die
Risalite an den Seiten liegen farblich abgesetzte Gesimse auf der
hellgelben Fläche. An den Ecken sind flankierend zwei Drachen
aufgesetzt, die dem Haus seinen Namen geben. Vor Jahren haben
wuchernde Pflanzen Details der Fassade bedeckt, Heute zeigt sich
das seit Anfang 1999 unter Denkmalschutz stehende Haus in seinen
klassizistischen Formen edel und gut in Schuss, die Begrünung ist
nicht mehr da. Aus der Bauzeit sind wohl schon Fassadenbegrünungen
mit Girlanden oder Spalieren bekannt, jedoch nicht konkret für das
Haus am Stuckradweg 5, obschon dies durchaus passen würde. Die
namengebenden kupfernen feuerspeienden Drachen sind für das
Wirtschaftsgebäude ursprünglich übrigens nicht vorgesehen gewesen.
Sie werden erst um 1870 hier montiert, also acht Jahre nach dem Tod
des Bauherrn. 1863 kauft der Statthalter des Großherzogtums
Luxemburg, Prinz Heinrich der Niederlande, die Anwesen samt der
Gärten, die weiterhin für die Trierer zugänglich bleiben und immer
mehr zum Ausflugsort werden. Die Drachen waren einst Wasserspeier
an einem Haus in der Trierer Innenstadt, genauer der Simeonstraße,
und wurden hier als zusätzliche Dekoration auf den Ecken des
Gebäudes platziert, ohne ihre ursprüngliche Tätogkeit noch ausüben
zu können. Prinz Heinrich funktioniert das Gebäude zu einem
Wohnhaus für seinen Förster um. Auch heute noch ist in dem
Gebäudekomplex die städtische Forstverwaltung nebst einigen
Mietwohnungen untergebracht. Bekannt ist das Drachenhaus den
älteren Trierer sicher noch von dem einst hier angelegten
Rosengarten, doch das ist – genau wie das Weisshaus – ein eigenes
noch zu bearbeitendes Thema.
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20.07.2023
1 Minute
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Eisernes-Haus.mp3
Audio-Podcast: 6:32 min Kennen Sie… das eiserne Haus? Als
eines der wenigen Wohn- und Geschäftsbauten des frühen 20.
Jahrhunderts ist das Haus mit der grünen Stahlfassade in der
Karl-Marx-Straße ein besonderes Beispiel damals moderner
Architektur. Erbaut wurde es nach den Plänen eines
Schlossermeisters, der so sein Arbeitsmaterial werbewirksam an
unüblicher Stelle darstellen konnte. Die Häuser der
Karl-Marx-Straße stehen fast allesamt auf mittelalterlichen
Kellern, die zwei- und dreigeschossigen Häuser selbst sind in dem
Zeitfenster vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert gebaut worden.
Klassizistische Fassaden wechseln sich mit denen des
Späthistorismus ab, dazwischen ist sogar auch ein schmuckes
Giebelhaus aus der Renaissance zu finden. Insgesamt ergibt sich
eine Straße mit kleinstädtischem und homogenem Charakter. Als
Durchgangsstraße zur Römerbrücke war sie schon immer Ort für ein
gemischtes Gebiet mit Gewerbe- und Wohnbauten. Aus dem
beschaulichen Straßenzug ragt die Nummer 43 nicht nur wegen ihrer
alle Nachbargebäude überragenden Höhe hervor, auch die grüne
Stahlfassade steht in direktem Kontrast zu den verputzen Häusern
mit steinsichtigen Fenstergewänden, barocken und historistischen
Schmuckelementen und klassizistisch-strenger Gestaltung. Man kann
sich gut vorstellen, dass diese Straße im Jahre 1887 ganz ähnlich
aussah. Zehn Jahre zuvor war die Stadtmauer zusammen mit vier
Stadttoren abgerissen worden. Trier wuchs über seine
mittelalterlichen Grenzen hinaus und erweiterte sich vor allem nach
Norden und Süden mit geplanten gründerzeitlichen Straßenzügen.
Trier wuchs während des deutschen Kaiserreichs nicht ganz so
explosionsartig wie die großen Städte, die neuen Gebäude und
Straßenzüge sind praktisch, modern, aber nicht aufsehenerregend. In
dieser Zeit beschließt der Trierer Schlosser Johannes Wehlen, sich
ein Haus zu gestalten, und zwar in der gewachsenen Architektur der
damals noch Brückenstraße genannten Straße. Der mit dem Werkstoff
Eisen arbeitende Handwerker war womöglich von dem innovativen Bau
wie dem Kristallpalast von Joseph Paxton inspiriert, der 1851 für
die Londoner Weltausstellung ganz aus vorgefertigten Gittern aus
Gusseisen und Glassegmenten errichtet wurde. Gusseisen als
neoklassizistisches Dekorations- und Verkleidungsmaterial für
Fassaden wurde bereits seit Jahren in New York und vor allem in
Glasgow getestet – jedoch mit wenig Erfolg. Das Material rostete
und hielt aufgrund seiner Weichheit auch entfernte Brände nicht
aus. Der berühmte Kristallpalast wurde 1936 Opfer des Feuers. Mit
dem modernen Stahl konnten sich die Konstrukteure später viele der
Innovationen für das weitaus massivere Material zu Nutze machen.
Vor allem Brücken, Industriearchitektur und natürlich der
Stahlskelettbau wurden entwickelt, mit dem es möglich war, in die
Höhe zu bauen. Der Wolkenkratzer entstand 1885 in Chicago. Ab 1887
errichtete Gustave Eiffel den nach ihm benannten Pariser Turm,
nachdem er sich als Stahlkonstrukteur für Brücken, Viadukte und
Bahnhöfe international einen Namen gemacht hat. Und ganz in der
Nähe, im rheinland-pfälzischen Bendorf entstand, mit der Sayner
Hütte bereits 1830 eine Industrie halle aus vorgefertigten
Eisengussteilen, die bis heute ein Meisterwerk des Industriebaus
darstellt. 1890 baute sich Johannes Wehlen also in Trier ein
bestehendes Haus so um, dass er eine gusseiserne Fassade aus
vorgefertigten Teilen zur Straßenfront anbringen konnte. Das
dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus ist durch drei Achsen
gegliedert. Zwei hochrechteckige Schaufenster im recht hohen
Ladenparterre wurden von dem Eingang in der rechten Achse
flankiert. Heute ist das Fenster zu einem düsteren Lokal zentriert
und von zwei Eingängen rechts umfasst. Der linke führt in
ehemaliges Lokal, der rechte in die zwei Obergeschosse.
Ursprünglich muss man sich das Haus von Wehlen wohl eher schlicht,
nur durch die riesigen Fensterflächen und Oberlichter gegliedert
vorstellen. Imposante Krönung war auch schon zur Entstehungszeit
die Dachterrasse, die mit einem auffälligen Ziergitter abschließt.
Die beiden Balkone der ersten und zweiten Etage sind laut
Denkmaltopographie der Stadt Trier wahrscheinlich erst um 1900
unter der Mithilfe des Bauunternehmers August Herresthal
hinzugefügt worden. Mit der mutigen Gestaltung seines Hauses
ergänzte der Schlosser Wehlen die Karl-Marx-Straße um eine
Architektur, bei der die Leute noch heute verwundert stehen bleiben
und fasziniert an der dunkelgrünen Fassade hochblicken. Sogar bis
nach Wien wurde von den Haus berichtet, nicht gerade lobend: “Es
ist nach einem eisernen Cassenschrank und ganz mit dem Stoff und
nach dem Geschmack eines Schlossers ausgeführt. […] Sehr nützlich
aber kann solcher Eisenbau für Brauer als Darre, für
Feigenkaffefabrikanten oder gar als Krematorium benutzt werden.”
Die zeitgenössische Einschätzung des Trierer Hauses in der Wiener
Bauindustrie-Zeitung 8/1890 wirkt heute kaum nachvollziehbar. In
den frühen 1990er Jahren wurde das Haus unter Denkmalschutz
gestellt und umfassend renoviert. Im Bereich hinter dem Ladenlokal
hatte Wehlen seine Werkstatt eingerichtet, die nicht mehr erhalten
ist. Das Haus erstreckt sich heute mit der Gaststätte bis zur
Bollwerkstraße, wo im Parterre des Neubaus ein zeitgenössisches
Eisentor mit den bis auf die Farbe entsprechenden Blüten- und
Rankenmotiven eingebaut wurde, die auch die Dachterrasse schmücken.
Einst könnte dies die Begrenzung des Hinterhofs hinter der
Werkstatt gewesen sein. Die Ästhetik des Metalls als neuem Baustoff
für ein Haus macht eine ganz neue Gestaltung nicht nur der Optik
sondern auch des Wohnens möglich. Die immens großen Glasflächen und
Oberlichter sind in der Bauzeit noch eher ungewöhnlich. Und es sind
in Trier eher diejenigen, die in einem eisernen Haus leben wollen,
die eng mit dem Werkstoff verbunden sind. Erst 1904 entsteht in
Trier ein zweites Haus mit Stahlfassade – errichtet für einen
Eisenwarenhändler in der Neustraße.
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19.07.2023
1 Minute
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Fetzenreich.mp3
Audio-Podcast: 5:01 min Kennen Sie… das Fetzenreich? Das
Fetzenreich ist mehr als ein Haus. Genau genommen ist es eine
zusammenhängende Häuserzeile entlang der Sichel- und der
Rindertanzstraße. Einst auch innerlich verbunden, dehnte sich der
mittelalterliche Stadthof mit mehreren Gebäuden, Höfen und Gärten
bis zum Mergener Hof im Norden aus. Im Laufe der Jahrhunderte
erhielten die einzelnen Bauteile unterschiedliche Funktionen, die
am besten separat betrachtet werden. Wenn man heute den Treffpunkt
„Fetzenreich“ ausmacht, geht man in die Sichelstraße 36. Das
klassizistische Gebäude steht auf römischen und vor allem auf
mittelalterlichen Grundmauern und ist in seinen Ursprüngen Teil
eines ausladenden Gebäudekomplexes im dicht und eng bebauten
Flanderviertel in unmittelbarer Nähe zum Dom. Bereits 1268 wird das
Haus in Urkunden zum ersten Mal erwähnt, als Besitz des Schöffen
Bonifacius des Älteren. Die wohlhabende Familie besetzte über
mehrere Generationen Schöffen- und Schultheißämter in der Stadt
Trier und lebte in dem steinernen Haus mit der damaligen
Bezeichnung „Zur goldenen Krone“. Erst in einer Urkunde aus dem
Jahr 1592 wird der noch heute gebräuchliche Name erwähnt: „ut domum
nostrum in cictate trevirensi Fetzenreich dictam ampliaret“, wie
Eberhard Zahn in seiner detaillierten Monografie aus dem Jahr 1980
zum Stadthof ausführt. Der Name kommt aus einer Kombination der
Kurzform „Fetz“ von Bonifatius mit dem Beinamen „der Reiche“.
Dieses Haus stand wohl am nördlichen Ende des Fetzenhofes, wo heute
das ehemalige Hotel Central der Verwahrlosung ausgesetzt ist.
Zahlreiche Besitzerwechsel im 13. und 14. Jahrhundert künden von
einer lebhaften Zeit mit Verpachtungen, Vererbungen und
Verpfändungen. Im Jahr 1408 kaufte die Klostergemeinschaft Maximin
den gesamten Hof. Hierhin zog sich der Orden in Kriegszeiten
zurück, denn die eigentlichen Abteigebäude lagen ungeschützt
außerhalb der Stadtmauer und wurden mehrfach zerstört. Ein
imposanter Einstützenraum diente als Refektorium und die fein
herausgearbeiteten Fenster und bemalten Holzdecken sind später
repräsentative Räume des Hotels. Allein dieses Gebäude bietet
ausreichend Stoff für eine eigene Geschichte. Erst am Ende des 17.
Jahrhunderts zog der Orden in sein neu erbautes Kloster St. Maximin
im Norden der Stadt. Im Jahr 1803 wurde der Fetzenhof von den
französischen Besatzern verkauft, an den Trierer Vikar Peter
Müller. Dieser ließ die Fassade des Vorderhauses 1820 in die noch
heute bestehende klassizistische Form mit fünf Achsen und einem
Mansarddach umbauen. 1833 wurden das Vorder- und das Mittelhaus
komplett von dem nördlichen Gebäudeteil, dem späteren Gesellenhaus
und Hotel, abgetrennt. An der Seite der Gebäude Sichelstraße 36 und
34 sind am Rindertanzplatz wenige mittelalterliche Details zu
entdecken, aber im Inneren zeugen der großräumige Keller mit
Kreuzgratgewölbe, die steinernen Fensterstürze und die dicken Wände
mit den tiefen Fensternischen von der mehr als 600 Jahre alten
Geschichte des Hauses. Geschichte gemacht hat auch die
Fetzenkneipe, die länger als 40 Jahre in genau diesem Gebäude
existierte. In der ehemaligen Großküche des Schöffenhauses mit dem
imposanten offenen Kamin verbrachten schon Generationen von
Studierenden ihre Freizeit. Zusammen mit weiteren Institutionen des
Trierer Bistums hat hier die Katholische Hochschulgemeinde (KHG)
ihren innerstädtischen Standort und betrieb die Fetzenkneipe einst
im Team. Anfang der siebziger Jahre investierte das Bistum in das
Haus und auch die Ausstattung der Begegnungsstätte:
Architekturpläne von 1971 zeigen, wie die Souterrainräume genutzt
werden sollten: Eine Leseecke mit Bücherregalen und Arbeitstischen
im kleineren Raum sollten zum Arbeiten und Lernen einladen. Eher
Clubatmosphäre versprachen die Planungen für den großen Raum mit
dem offenen Kamin. Hier bestimmten halbrunde Sofalandschaften mit
trapezförmigen Beistelltischen und Stehlampen die Gestaltung. In
einer sich anschließenden Teeküche konnte das beliebte Heißgetränk
hergestellt werde. Die Fetzenkneipe mit dem Kamin im Keller war
eine klassische Adresse für Studierende mehrerer Generationen.
Partys, Konzerte und Stammtische waren hier bis zur Schließung
Anfang 2013 nicht nur bei den Theologen beliebt, sondern auch bei
den Kommilitonen diverser Fachbereiche der Universität und der
Hochschule.
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