Ordenskommende
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Audio-Podcast: 08:19 min - Kennen Sie… die Ordenskommende? Wie ein
kleines Schloss steht es mitten in der Stadt. Ein Weg führt unter
Bäumen und an Wiesen vorbei auf ...
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Podcaster
Beschreibung
vor 2 Jahren
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Audio-Podcast: 08:19 min Kennen Sie… die Ordenskommende? Wie ein
kleines Schloss steht es mitten in der Stadt. Ein Weg führt unter
Bäumen und an Wiesen vorbei auf ein prachtvolles Portal zu. Mit
seinem umgebenden Mauern und Zäunen wirkt es im Areal der Trierer
Berufsbildenden Schulen wie ein vergessenes Kleinod. Ursprünglich
als Sitz des Deutschen Ordens errichtet, beherbergen das Haus und
seine beiden Nebengebäude aus dem 18. Jahrhundert heute
verschiedene Institutionen aus Bildung und Kultur. Trier. Seit 1242
ist in Trier ein Ordenshaus des Deutschen Ordens bezeugt. Der
Ritterorden entstand in Folge der Kreuzzüge des 12. Jahrhundert und
breitete sich schnell im heutigen Mitteleuropa aus. In der Blüte
der Aktivitäten der Deutschordensritter entstanden um das Jahr 1300
zahlreiche Backsteinburgen im Deutschordensland, dem späteren West-
und Ostpreußen. Berühmtestes Beispiel ist die Marienburg
(1309-1454), der größte Backsteinbau Europas in der polnischen
Stadt Malbork. Auch ein halbes Jahrhundert später noch bauten die
jahrhundertelang karitativ und politisch machtvollen
Deutschordensritter groß und unübersehbar. Im Heiligen Römischen
Reich gliederte sich der Orden territorial in einzelne Balleien,
also Verwaltungseinheiten auf, die von einem Landkomtur geleitet
wurden. Genau ein solcher Sitz befand sich für die Ballei
Lothringen seit 1295 in Trier. In den Ordenskommenden lebten sowohl
Ritter, Priester als auch Laien ein klösterliches Leben. Im Trierer
Deutschen Orden fanden sich vornehmlich Angehörige der Trierer
führenden Familien, von denen zahlreiche Stiftungen belegt sind. So
geht auch der Standort der Ordenskommende am Trierer Schießgraben
auf eine Schenkung des Trierer Schöffen und Deutschherren Jakob von
Oeren aus dem Jahr 1294 zurück. Im Jahr 1305 wurde ihn Trier auch
eine Kirche des Deutschen Ordens errichtet, welche über
Jahrhunderte hier stand und erst 1803 nach der Aufhebung der
Kommende abgebrochen wurde. Schon nach der Reformation löste sich
das gemeinschaftliche Leben im Deutschen Orden auf, die
Hauptaufgabe bestand von nun an im Militärdienst. Mit dem Ende des
Dreißigjährigen Kriegs begann ab 1648 eine Phase des Neubeginns –
vor allem architektonisch. Nicht nur der Hauptsitz in Mergentheim
wurde mit Schloss und Kirche ausgestattet, auch die regionalen
Verwaltungssitze wurden erneuert. In Trier errichteten die Trierer
Deutschherren, wie sie auch genannt wurden, um 1731 auf dem von der
Familie Oeren überlassenen Gelände einen zweigeschossigen Neubau,
der durch elf Achsen gegliedert ist. Das barocke Gebäude ist mit
einem für damalige Verhältnisse modernem Mansarddach gedeckt.
Besonders hervorgehoben wird die Mittelachse aus unverputztem
Sandstein und einem prachtvollen ornamentierten Eingangsportal.
Über der Türe befindet sich das Wappen des ab 1701 hier
residierenden Landkomturs auf dem Wappen des Deutschherrenordens,
einem schwarzen Kreuz auf silbernem Grund. Das oben liegende Wappen
zeigt nochmals das Ordenskreuz in zweifacher Ausführung sowie das
Wappen der Familie Stein-Kallenfels mit einem laufenden Löwen auf
grünem Untergrund. Über dem Fenster des ersten Geschosses findet
sich schon auf Höhe des Daches ein weiteres Wappen unter einem
geschweiften Giebel. Das farbenfroh gefasste Schild ist das des
damaligen Hochmeisters des Deutschen Ordens, Franz Ludwig von
Pfalz-Neuburg, der auch Fürstbischof von Trier und Mainz war. 1762
ließ der Landkomtur Boos von Waldeck rund um das Gebäude einem
großen Park anlegen, der zudem noch mit Statuen ausgestattet wurde.
Das freistehende Haupthaus wurde zum Mittelpunkt einer Gesamtanlage
mit dem noch heute vorhandenen dazugehörendem Wirtschaftsgebäude
sowie einer Orangerie, die südwestlich im rechten Winkel zur
Kommende erbaut wurde. Ursprünglich wird hier der Marstall
vermutet, ein repräsentativer Pferdestall. Anlehnend an das
Hauptgebäude wird auch die Mittelachse betont, hier durch ein
Wappen in einer verspielten Kartusche sowie einem von Vasen und
Voluten verzierten Zwerchhaus auf dem Dachsims. Der dritte zur
Kommende gehörende Bau ist das sogenannte Ökonomiegebäude, welches
bereits seit Beginn der Deutschordenszeit in Trier deren Domizil
war, wie aus der Oeren-Schenkung zu ersehen ist. Direkt an die
Stadtmauer angebaut liegt es parallel zur Orangerie und besitzt im
südlichen Teil einen Gewölbekeller aus dem 13. Jahrhundert. Das
langgestreckte Haus wurde im Jahr 1661 aufwändig repariert und
renoviert, worüber die Inschrift auf dem Wappenrelief auf der
Ostseite Auskunft gibt. 1856 baute der königliche Bau-Inspector
Johann Georg Wolff einen zweigeschossigen Anbau mit vier Achsen an
das bestehende Gebäude an. Dieser Anbau ist im Gegensatz zu dem
älteren Gebäudeteil in beiden Etagen mit Fenstern ausgestattet und
passt sich in seinem Formen der barocken Architektur des
Hauptgebäudes an. Genutzt wurde er als Garnisonsbäckerei des
inzwischen im Hauptgebäude residierenden Garnison-Provinzialamtes.
Nach der französischen Revolution nämlich löste sich der Orden im
Zuge der Säkularisierung auf. Heute existiert der Deutsche Orden
als geistlicher Orden mit etwa 1000 Mitgliedern in Deutschland,
Belgien, Tschechien, Österreich und Italien, in Trier existiert
kein Konvent mehr. Die seit Anfang 2002 unter Denkmalschutz
stehenden drei Gebäude des Deutschen Ordens werden zum größten Teil
auch heute noch genutzt. Nach schweren Kriegsschäden entkernte man
das Hauptgebäude im Inneren und stellte es 1955 wieder her, so dass
hier nur zwei Jahre später die Sonderschule einziehen konnte. Heute
bildet hier die Berufsbildende Schule für Ernährung, Hauswirtschaft
und Sozialpflege aus. Und auch das Ökonomiegebäude an der
Stadtmauer dient einer kulturellen Aufgabe. Während in dem älteren
Teil ein Kulissenlager des Trierer Stadttheaters untergebracht ist,
dürfte die alte Garnisonsbäckerei am Schießgraben vielen Trierern
noch als Ort des Jazz-Clubs bekannt sein. Noch in diesem Sommer
wird wieder Musik durch die zwei Etagen hallen, wenn die
villaWuller ihren Club in den Räumen mit den alten
Jazzkonzertplakaten im Flur eröffnet. Schon bei der Designfusion
2011 wurden die Räume für eine Ausstellung genutzt.
Audio-Podcast: 08:19 min Kennen Sie… die Ordenskommende? Wie ein
kleines Schloss steht es mitten in der Stadt. Ein Weg führt unter
Bäumen und an Wiesen vorbei auf ein prachtvolles Portal zu. Mit
seinem umgebenden Mauern und Zäunen wirkt es im Areal der Trierer
Berufsbildenden Schulen wie ein vergessenes Kleinod. Ursprünglich
als Sitz des Deutschen Ordens errichtet, beherbergen das Haus und
seine beiden Nebengebäude aus dem 18. Jahrhundert heute
verschiedene Institutionen aus Bildung und Kultur. Trier. Seit 1242
ist in Trier ein Ordenshaus des Deutschen Ordens bezeugt. Der
Ritterorden entstand in Folge der Kreuzzüge des 12. Jahrhundert und
breitete sich schnell im heutigen Mitteleuropa aus. In der Blüte
der Aktivitäten der Deutschordensritter entstanden um das Jahr 1300
zahlreiche Backsteinburgen im Deutschordensland, dem späteren West-
und Ostpreußen. Berühmtestes Beispiel ist die Marienburg
(1309-1454), der größte Backsteinbau Europas in der polnischen
Stadt Malbork. Auch ein halbes Jahrhundert später noch bauten die
jahrhundertelang karitativ und politisch machtvollen
Deutschordensritter groß und unübersehbar. Im Heiligen Römischen
Reich gliederte sich der Orden territorial in einzelne Balleien,
also Verwaltungseinheiten auf, die von einem Landkomtur geleitet
wurden. Genau ein solcher Sitz befand sich für die Ballei
Lothringen seit 1295 in Trier. In den Ordenskommenden lebten sowohl
Ritter, Priester als auch Laien ein klösterliches Leben. Im Trierer
Deutschen Orden fanden sich vornehmlich Angehörige der Trierer
führenden Familien, von denen zahlreiche Stiftungen belegt sind. So
geht auch der Standort der Ordenskommende am Trierer Schießgraben
auf eine Schenkung des Trierer Schöffen und Deutschherren Jakob von
Oeren aus dem Jahr 1294 zurück. Im Jahr 1305 wurde ihn Trier auch
eine Kirche des Deutschen Ordens errichtet, welche über
Jahrhunderte hier stand und erst 1803 nach der Aufhebung der
Kommende abgebrochen wurde. Schon nach der Reformation löste sich
das gemeinschaftliche Leben im Deutschen Orden auf, die
Hauptaufgabe bestand von nun an im Militärdienst. Mit dem Ende des
Dreißigjährigen Kriegs begann ab 1648 eine Phase des Neubeginns –
vor allem architektonisch. Nicht nur der Hauptsitz in Mergentheim
wurde mit Schloss und Kirche ausgestattet, auch die regionalen
Verwaltungssitze wurden erneuert. In Trier errichteten die Trierer
Deutschherren, wie sie auch genannt wurden, um 1731 auf dem von der
Familie Oeren überlassenen Gelände einen zweigeschossigen Neubau,
der durch elf Achsen gegliedert ist. Das barocke Gebäude ist mit
einem für damalige Verhältnisse modernem Mansarddach gedeckt.
Besonders hervorgehoben wird die Mittelachse aus unverputztem
Sandstein und einem prachtvollen ornamentierten Eingangsportal.
Über der Türe befindet sich das Wappen des ab 1701 hier
residierenden Landkomturs auf dem Wappen des Deutschherrenordens,
einem schwarzen Kreuz auf silbernem Grund. Das oben liegende Wappen
zeigt nochmals das Ordenskreuz in zweifacher Ausführung sowie das
Wappen der Familie Stein-Kallenfels mit einem laufenden Löwen auf
grünem Untergrund. Über dem Fenster des ersten Geschosses findet
sich schon auf Höhe des Daches ein weiteres Wappen unter einem
geschweiften Giebel. Das farbenfroh gefasste Schild ist das des
damaligen Hochmeisters des Deutschen Ordens, Franz Ludwig von
Pfalz-Neuburg, der auch Fürstbischof von Trier und Mainz war. 1762
ließ der Landkomtur Boos von Waldeck rund um das Gebäude einem
großen Park anlegen, der zudem noch mit Statuen ausgestattet wurde.
Das freistehende Haupthaus wurde zum Mittelpunkt einer Gesamtanlage
mit dem noch heute vorhandenen dazugehörendem Wirtschaftsgebäude
sowie einer Orangerie, die südwestlich im rechten Winkel zur
Kommende erbaut wurde. Ursprünglich wird hier der Marstall
vermutet, ein repräsentativer Pferdestall. Anlehnend an das
Hauptgebäude wird auch die Mittelachse betont, hier durch ein
Wappen in einer verspielten Kartusche sowie einem von Vasen und
Voluten verzierten Zwerchhaus auf dem Dachsims. Der dritte zur
Kommende gehörende Bau ist das sogenannte Ökonomiegebäude, welches
bereits seit Beginn der Deutschordenszeit in Trier deren Domizil
war, wie aus der Oeren-Schenkung zu ersehen ist. Direkt an die
Stadtmauer angebaut liegt es parallel zur Orangerie und besitzt im
südlichen Teil einen Gewölbekeller aus dem 13. Jahrhundert. Das
langgestreckte Haus wurde im Jahr 1661 aufwändig repariert und
renoviert, worüber die Inschrift auf dem Wappenrelief auf der
Ostseite Auskunft gibt. 1856 baute der königliche Bau-Inspector
Johann Georg Wolff einen zweigeschossigen Anbau mit vier Achsen an
das bestehende Gebäude an. Dieser Anbau ist im Gegensatz zu dem
älteren Gebäudeteil in beiden Etagen mit Fenstern ausgestattet und
passt sich in seinem Formen der barocken Architektur des
Hauptgebäudes an. Genutzt wurde er als Garnisonsbäckerei des
inzwischen im Hauptgebäude residierenden Garnison-Provinzialamtes.
Nach der französischen Revolution nämlich löste sich der Orden im
Zuge der Säkularisierung auf. Heute existiert der Deutsche Orden
als geistlicher Orden mit etwa 1000 Mitgliedern in Deutschland,
Belgien, Tschechien, Österreich und Italien, in Trier existiert
kein Konvent mehr. Die seit Anfang 2002 unter Denkmalschutz
stehenden drei Gebäude des Deutschen Ordens werden zum größten Teil
auch heute noch genutzt. Nach schweren Kriegsschäden entkernte man
das Hauptgebäude im Inneren und stellte es 1955 wieder her, so dass
hier nur zwei Jahre später die Sonderschule einziehen konnte. Heute
bildet hier die Berufsbildende Schule für Ernährung, Hauswirtschaft
und Sozialpflege aus. Und auch das Ökonomiegebäude an der
Stadtmauer dient einer kulturellen Aufgabe. Während in dem älteren
Teil ein Kulissenlager des Trierer Stadttheaters untergebracht ist,
dürfte die alte Garnisonsbäckerei am Schießgraben vielen Trierern
noch als Ort des Jazz-Clubs bekannt sein. Noch in diesem Sommer
wird wieder Musik durch die zwei Etagen hallen, wenn die
villaWuller ihren Club in den Räumen mit den alten
Jazzkonzertplakaten im Flur eröffnet. Schon bei der Designfusion
2011 wurden die Räume für eine Ausstellung genutzt.
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