Treviris-Haus

Treviris-Haus

http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2015/01/Treviris-Haus.mp3  Audio-Podcast: 7:24 min - Kennen Sie... das Treviris-Haus? Das Wohnhaus am Anfang der Maximinstraße ragt nicht nur wegen seiner Höhe heraus.

Beschreibung

vor 2 Jahren
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2015/01/Treviris-Haus.mp3
 Audio-Podcast: 7:24 min Kennen Sie... das Treviris-Haus? Das
Wohnhaus am Anfang der Maximinstraße ragt nicht nur wegen seiner
Höhe heraus. Auch der Fassadenschmuck zur Geschichte der Stadt
Trier ist etwas Besonderes, nämlich eine Spielart des Jugendstil
auf einem noch stark historistisch geprägten Gebäude. Die
personifizierte Stadt Trier ist der Mittelpunkt des Schmucks über
der historischen Eingangstüre. Maximinstraße 1. Schon die Adresse
trägt Bedeutendes im Namen. Es ist das erste Haus der Straße, die
an den Trierer Bischof Maximin erinnert und zu dessen Reichsabtei
sie führt. Und gleichzeitig ist es ein Künstlerhaus, denn der
Bauherr war der in Trier rege tätige Bildhauer Carl Kaurisch.
Dieser hat den Hausbau an der prominenten Stelle dazu genutzt, zum
einen sein eigenes Metier zu präsentieren und zum anderen die
Historie Triers zu würdigen. Dafür setzte er markante Trierer
Bauwerke in Szene, welche die Trierer Geschichte und das
Straßenbild bis heute prägen. Das dreigeschossige Haus mit
Mietwohnungen fällt besonders deshalb von der Paulinstraße kommend
sofort ins Auge, weil es recht unvermittelt auf das flache Gebäude
eines Autohändlers folgt, welches aus den zwanziger Jahren stammt.
Die sich anschließenden Gebäude im Straßenverlauf erreichen dessen
Monumentalität und Höhe nicht mehr. Von vorne betrachtet, ist es
ganz klassisch achsensymmetrisch gegliedert, die Betonung liegt in
der Mitte auf dem dreiseitigen Erker. Das Erdgeschoss ist mit
hellen Sandsteinquadern verkleidet. Aus dem gleichen Naturstein
sind ebenfalls der die Etagen umspannende Erker samt Giebel sowie
die Fensterumrahmungen gestaltet. Sandsteinquader bilden an den
beiden Seiten der Fassade den optischen Abschluss als schmale
Lisenen. Ein zweiter Werkstoff der Fassade ist roter Klinkerstein.
Hiermit sind die Flächen der beiden Obergeschosse ausgefüllt, die
von den Sandsteinen umrahmt werden. Die schlichten Klinkerwände
ergeben zusammen mit dem aufwändigen Schmuck auf den
Sandsteinflächen einen reizvollen Materialmix, der zum Ende des
Historismus gerne eingesetzt wurde. In dieser Epoche nahmen die
Architekten Details aus der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen
Architektur zum Vorbild und formten diese zeitgenössisch aus. Das
Haus in der Maximinstraße 1 ist ein Beispiel für die Phase, in der
die Architekten noch historistisch bauten, die Dekorateure aber
schon dem Jugendstil verpflichtet waren. Der Aufbau folgt den drei
Achsen in allen drei Geschossen. Allein das auffällige Eingangstor
scheint ein Quader breit zu weit nach rechts geraten zu sein, um
sich in die strenge Fassadengliederung einzufügen. Typisch für die
Architektur des Jugendstil sind die Asymmetrie und ein dekorativer
Fassadenschmuck. Wirklich asymmetrisch ist der Eingang auf der
rechten Seite hier zwar nicht, aber in der Ausformung der Holztür
finden sich ebenso wie im Fassadenschmuck Elemente der Bauform, die
vor allem im nahem Belgien ganz außerordentliche Bauwerke
erschaffen hat. Wir finden hier eine spannende Mischform vor,
dessen Schmuck einen besonderen Blick wert ist. Über dem Bogen des
Eingangsportals befindet sich mittig ein Wappen sowie ein
Spruchband. Darüber thront das Porträt der personifizierten Stadt
Trier, bezeichnet mit „TREVIRIS“. Im Stile einer römischen
Porträtbüste blickt der Frauenkopf mit Schultern und angedeuteter
Brust streng frontal nach vorne. Ihr Gewand mit mittig sitzender
Brosche trägt sie ebenso symmetrisch wie ihr gescheiteltes volles
Haar, welches mit einem Stirnband gebändigt wird. Gedrehte Locken
fallen rechts und links gefällig auf die Schultern. Als Krone trägt
sie ein burgähnliches Fantasiegebäude auf dem Kopf, der von einer
Gloriole umgeben ist. Zu ihren Seiten finden sich zwei der
wichtigsten Gebäude der Stadt Trier, welche bedeutende Epochen der
ältesten Stadt Deutschlands darstellen. Links von ihr sehen wir als
Relief die Westfassade des Trierer Doms als Zeichen der
mittelalterlichen Stadt. Als Pendant dazu repräsentiert die Porta
Nigra die römische Augusta Treverorum. Umgeben ist die Architektur
von wild rankenden Kieferzweigen mit langen Nadelbüscheln und
Zapfen. „GOTT BESCHÜTZE TRIER | SEIN VOLK UND DIESES HAUS“ – Der
Spruch richtet sich an alle Trierer und ganz besonders an
diejenigen, die in dem Mietshaus wohnen. 1906 teilten sich das
geräumige Haus der Besitzer und Bildhauer Carl Kaurisch selbst mit
dem Weinhändler Heinrich Jäger, dem Kreisassistenzarzt Dr. Hermann
Clauditz und den Rendanten Gustav Berkhan. Ein zweites Bildmotiv
befindet sich auf der Brüstung des Erkers im ersten Geschoss. Hier
ist der heilige Maximin dargestellt, welcher der Straße seinen
Namen gegeben hat. Im Gegensatz zur Dame Treviris wirkt er
dynamischer. Sein leicht zur Seite gelegter bärtiger Kopf zeigt den
ernst blickenden Bischof von Trier mit seiner Mitra auf dem Kopf.
Dazu trägt er ein Gewand, das mit Kreuzen verziert ist. Mit seiner
rechten Hand segnet er den Betrachter, in seiner Linken hält er ein
Kirchenmodell, evtl. ein Symbol für die nahegelegene Reichsabtei
St. Maximin. An dieser Stelle hat der aus Frankreich stammende
Maximin der Legende nach einst ein Kloster gegründet. Und auch hier
ist der florale Schmuck weitaus mehr als optisches Beiwerk. Wie aus
dem Stein gewachsen klettern Weinranken erst nach oben und dann als
Reliefstreifen über die gesamte Breite des Gebäudes. Statt Konsolen
sehen wir fein ausgeformtes Wurzelwerk, aus dem die zwei Weinstöcke
mit großen Blättern und üppigen Früchten an den vorderen Kanten des
Erkers emporwachsen. An der Brüstung im zweiten Stockwerk wachsen
die Pflanzen nochmals zusammen und bilden als oberen Abschluss ein
regelmäßiges Blätterfries. Alles, was Trier zu Beginn des 20.
Jahrhunderts zu einer auch wirtschaftlich aufstrebenden Stadt
macht, ist auf der Fassade des Wohnhauses wiederzufinden: die
römischen Ursprünge, die Macht und der Reichturm der Kirchen im
Mittelalter und der frühen Neuzeit sowie der Wein als wichtigstes
internationales Handelsobjekt bis zu dessen Blütezeit um die
Jahrhundertwende. Das Treviris-Haus mit seiner auffälligen Fassade
und Dachgestaltung steht seit 1987 unter Denkmalschutz.

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