Prof. Dr. Stephan Rammler im Gespräch mit Sven Plöger

Prof. Dr. Stephan Rammler im Gespräch mit Sven Plöger

vor 1 Monat
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vor 1 Monat

Zukunftsgespräche #2 — Sven Plöger: Zieht euch warm an,
es wird noch heißer


Sven Plöger ist einer der bekanntesten Meteorologen Deutschlands
— und einer der wenigen, der über den Klimawandel so spricht,
dass man zuhören will. Nicht als Aktivist, nicht als
Moralprediger, sondern als jemand, der komplexe Physik in
Geschichten übersetzt, die im Kopf bleiben.


In diesem Gespräch mit Prof. Dr. Stephan Rammler geht es um die
große Frage unserer Zeit: Wie reden wir eigentlich über die
Erderwärmung — und warum scheitern wir dabei so oft?


Plöger erklärt, warum uns der Säbelzahntiger in die Quere kommt:
Unser evolutionär eingebauter Hang zum Negativen macht es schwer,
eine Bedrohung ernst zu nehmen, die langsam kommt, weit entfernt
wirkt und über Generationen reicht. Und er erklärt, warum
Apokalypse und Dystopie als Kommunikationsstrategie nicht
funktionieren — wer keinen Ausweg sieht, hört auf zu handeln.


Stattdessen macht Plöger einen faszinierenden gedanklichen
Schritt rückwärts: Am Ende der letzten Eiszeit war es auf der
Erde genau 3 bis 4 Grad kälter als heute. Berlin lag unter
hunderten Metern Eis. Skandinavien unter zwei bis drei
Kilometern. New York unter eineinhalb Kilometern. Das ist eine 3
bis 4 Grad kältere Welt. Also ist eine 3 bis 4 Grad wärmere Welt
— in die wir gerade steuern — genauso grundlegend anders. Nur
diesmal in die andere Richtung. Und hundertmal schneller als
damals.


Das Gespräch dreht sich aber nicht nur um Fakten. Es geht um die
Frage, ob wir ins Jahrhundert der Klimaanpassung eingetreten sind
— und was das bedeutet, wenn wir gleichzeitig die Ursachen nicht
aus dem Blick verlieren dürfen. Um Kipppunkte, Ozeane,
Meeresströmungen und die erschreckende Erkenntnis, dass 93
Prozent der überschüssigen Energie, die wir ins Klimasystem
eingebracht haben, im Wasser stecken. Um Dick Cheney, der das
Wort „Klimawandel" erfunden hat — und warum Plöger findet, dass
es trotzdem das richtige Wort ist. Und um die Frage, was
passiert, wenn eine hochkomplexe Zivilisation mit 8 Milliarden
Menschen sich auf einer Erde zurechtfinden muss, die sich
schneller verändert als je zuvor in der Menschheitsgeschichte.


Plöger ist kein Pessimist. Aber er ist auch kein Schönredner. Er
ist jemand, der findet: Wir haben kein Wissensproblem. Wir haben
ein Handlungsproblem. Und diesen Unterschied zu verstehen — das
ist der erste Schritt.
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