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beyond new – Zukunftsgespräche
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vor 5 Tagen
Zukunftsgespräche #4 — Svenja Schulze: Resilienz für die
Vielen
Svenja Schulze war Bundesumweltministerin und
Bundesentwicklungsministerin, davor Wissenschaftsministerin in
Nordrhein-Westfalen. Heute sitzt sie für Münster im Bundestag und
ist als Haushälterin für die Wissenschaft zuständig. Sie kennt
die Transformationspolitik also von innen — inklusive der
Stellen, an denen sie gescheitert ist.
In diesem Gespräch mit unserem Fellow Dirk Meyer geht es um eine
unbequeme Frage: Wie geriet ein Projekt, das breite Zustimmung
fand, in eine Legitimationskrise?
Schulzes Antwort ist selbstkritisch. Man habe sich gigantische
Ziele gesetzt und die Wege dorthin nicht beschrieben. Der Druck
kam von links — zu klein, zu spät, ein Klimapäckchen — und über
die Frage, wie die Ziele eigentlich zu erreichen sind, wurde kaum
gesprochen. Im Alltag merkten die Leute den Widerspruch: Die
Wärmepumpe ist ein ideologischer Streitfall, guten Nahverkehr
gibt es nur in großen Städten, sanierter Wohnraum ist zu teuer.
Und in der Industrie steht man in internationaler Konkurrenz. Wo
Ziel, Wirklichkeit und Weg auseinanderfallen, hat es leicht, wer
die Ziele lächerlich machen will. Dazu kommt ein zweiter Fehler:
Die Geschichte wurde moralisch erzählt, kaum je ökonomisch. Dass
an Green Tech Arbeitsplätze hängen, wurde nie zum Mainstream der
Debatte. Heute investiert China massiv in genau diese
Technologien, und unter den besten Universitäten der Welt taucht
Deutschland erst um Platz fünfzig auf.
Der zweite Teil des Gesprächs dreht sich um das, was ohnehin
kommt. Nach zwei Wochen gebrochener Juni-Rekorde ist
Klimaanpassung keine Fußnote mehr. Schulze erzählt von einem
Science-Fiction-Roman, in dem die Reichen der Welt im Alleingang
mit Geoengineering beginnen — Venedig und die Niederlande werden
gerettet, Indien geht unter, die Immobilienwerte bleiben stabil.
Dirk Meyer hält dagegen: Die Wirklichkeit ist schlimmer, das
steht längst in den Manifesten der Tech-Milliardäre, die
Inselgruppen suchen und staatenfreie Zonen planen. Damit wird
Resilienz zu einer Frage, die man rechts oder links beantworten
kann. Für die Wenigen sind die Lösungen gefunden. Es geht um die
Vielen.
Was das konkret heißt, ist überraschend unspektakulär: Altenheime
und Kliniken umbauen, Schatten, Trinkbrunnen — wobei sich die
Mineralwasserindustrie bis heute über kostenloses Wasser in den
Städten beschwert. Kommunen müssen heute Wärmeplanungen vorlegen;
wir werden Kälteplanungen brauchen. München hat damit angefangen.
Das kostet Geld, und deshalb, sagt Schulze, muss die
Schuldenbremse wieder auf den Tisch. Die schwäbische Hausfrau mit
dem Loch im Dach wartet schließlich auch nicht, bis der Keller
vollgelaufen ist.
Dazu: warum Bündnisse künftig kleiner geschnitten werden müssen —
„die Wirtschaft" gibt es nicht. Warum der ländliche Raum nicht
der AfD überlassen werden darf, wenn dort die letzte Apotheke
schließt. Warum Politik wieder männlich geworden ist und in
Koalitionsrunden höchstens eine Frau mitverhandelt. Und was es
bedeuten würde, wenn die AfD ein Wissenschaftsministerium bekäme
— Schulze verteilt inzwischen großflächig deren
Streichungsanträge im Bundestag.
Ihr Fazit: Aufhören zu jammern. Beschreiben, wo wir hinwollen.
Und die Utopie so konkret machen, dass sie das Leben der Menschen
tatsächlich besser macht.
Das Gespräch entstand für das Buch „Wie wir morgen wirtschaften
wollen", das Ende des Jahres in der morgen-Reihe im beyond new
Verlag erscheint — ein Projekt des beyond economy lab.
—
Mehr davon lesen: bn – The Human Future Magazine, Ausgabe #2
erscheint Mitte August. Bestellungen und Abos über
bn@beyondnew.org.
Unser Crowdfunding läuft auf Startnext —
https://www.startnext.com/beyond-climate-change-lab
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