Does the World Need Borders, Kwame Anthony Appiah?

Does the World Need Borders, Kwame Anthony Appiah?

vor 4 Tagen
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Beschreibung

vor 4 Tagen

Der Philosoph Kwame Anthony Appiah erklärt, was Grenzen genau
schützen, warum sie ethische Regeln brauchen und wie ihre Zukunft
aussehen könnte. 


Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen
Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns
umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch schwer zu finden
ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen
Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. 


In dieser Folge von »Nur eine Frage« stellen wir Kwame Anthony
Appiah die Frage: »Braucht die Welt Grenzen?« Aufgezeichnet wurde
das Gespräch nur drei Tage, nachdem rund 60.000 Menschen an einem
einzigen Tag von Marokko in die spanische Enklave Ceuta migriert
waren. Ein Rekord, der Europa einmal mehr vor die Frage stellte,
wofür seine Grenzen eigentlich da sind. 


Kwame Anthony Appiah ist einer der einflussreichsten Philosophen
der Gegenwart. Geboren in London, aufgewachsen im ghanaischen
Kumasi, ausgebildet in Cambridge, lehrt er heute Philosophie und
Recht an der New York University. Als Sohn eines ghanaischen
Vaters und einer britischen Mutter hat er sein ganzes Leben lang
genau jene Grenzen überschritten, über die er nachdenkt –
zwischen Nationen, Kulturen und Identitäten. Sein Buch
Cosmopolitanism, prägte eine Denktradition, The Lies That Bind
vor allem die Debatte über Identität. Appiah wurde von Barack
Obama mit der National Humanities Medal ausgezeichnet, der
höchsten Auszeichnung der USA im Bereich der
Geisteswissenschaften. Er ist Präsident der American Academy of
Arts and Letters und beantwortet in seiner Kolumne The Ethicist
im New York Times Magazine seit mehr als zehn Jahren moralische
Fragen des alltäglichen Lebens. 


Im Podcast beantwortet Appiah die Frage mit einem Ja. »Wenn wir
davon ausgehen, dass wir Staaten brauchen, einzelne Nationen,
dann brauchen diese auch Grenzen. Staaten müssen nun mal regeln
können, wer dazugehört und wer nicht.« 


Appiah erklärt, warum er kein Fan eines »Superstaates« ist: Die
Welt brauche Grenzen, nicht weil Abschottung gut wäre, sondern
weil eigenständige Staaten ein Gegengewicht gegen die
Konzentration von Macht bilden. Bei einem Weltstaat sei zwar
Steuerflucht schwieriger, und manche internationalen Probleme
ließen sich leichter lösen, aber wenn ein solcher Staat scheitern
würde, gäbe es kaum eine oppositionelle Kraft, die ihn
korrigieren könnte. Die Konzentration zu großer Macht an einem
Ort berge immer die Gefahr ihres Missbrauchs, so Appiah. 


Er führt aus, dass Grenzen außerdem dezentrale Entscheidungen
ermöglichten. Ein Vorteil föderalistisch organisierter Staaten
sei zum Beispiel, dass politische Experimente möglich seien. Als
Beispiel nennt er die Gesundheitsreform in den USA, später als
Obamacare bekannt geworden, die zuerst in Massachusetts getestet
und daraufhin auf nationaler Ebene übernommen wurde. 


Gleichzeitig bedeute die Notwendigkeit von Landesgrenzen nicht,
dass diese schwer zu überwinden sein müssten oder keine
Verantwortung gegenüber den Menschen außerhalb dieser Grenzen
bestünde. »Staaten haben das Recht, ihre Grenzen zu
kontrollieren. Aber dieses Recht hat ethische Grenzen«, sagt
Appiah. 


Er hofft auf eine Zukunft, in der Grenzen weniger angstbesetzte
Orte sind und Menschen sich vor allem aus Neugier über sie
hinwegbewegen. Appiah beantwortet die Frage, ob es in Zukunft
mehr oder weniger Grenzen geben wird und wie diese aussehen
könnten. Er spricht über Migration, Zugehörigkeit, gemeinsames
Vergessen und Identität, auch seine eigene – und darüber, warum
man seine Identität mit einer gewissen Lockerheit tragen
sollte.  


Redaktion: Sophie Hübner, Tobias Oellig Videoproduktion: Nele
Vogel, Iona Young Visuelle Produktion: Michael Pfister Kamera,
Schnitt & Ton: ifbbw Visual Director: Malin Schulz Photo
Director: Tina Ahrens Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
Animation: Axel Rudolph Musik: Konrad Peschmann Logo: Lea Dohle


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