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Nur eine Frage
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Beschreibung
vor 1 Tag
Das Land diskutiert über einen Wiedereinstieg in die Kernkraft.
Anke Weidlich erklärt, was gegen neue Atomkraftwerke spricht –
und was die Alternativen sein könnten.
Im Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen
Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare
Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche
Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige
Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu
bekommen.
Seit April 2023 produziert Deutschland keinen Atomstrom mehr.
Doch die Debatte über einen Wiedereintritt ist zurück. Ursula von
der Leyen nannte die Abkehr in Europa einen strategischen Fehler.
Und mit den Small Modular Reactors (SMR) rückt eine neue
Generation von Miniatomkraftwerken in den Fokus.
In dieser Folge von »Nur eine Frage« stellen wir Anke Weidlich
die Frage: Braucht Deutschland neue Atomkraftwerke?
Anke Weidlich ist Professorin für Technologien der
Energieverteilung an der Universität Freiburg. Sie forscht zu
nachhaltigen Energiesystemen, Strommarktgestaltung, Smart Grids
und Flexibilitätsnutzung. In der Lehre behandelt sie Grundlagen
zum Betrieb des Stromsystems, Optimierung und Prognosen. Sie
gehört der 2011 von der Bundesregierung eingesetzten
Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring an. Neben ihrer
wissenschaftlichen Arbeit engagiert sich Weidlich in nationalen
Forschungs- und Beratungsgremien zur Energie- und Klimapolitik,
darunter in der Akademieninitiative Energiesysteme der Zukunft
(ESYS).
Weidlichs Antwort lautet: nein. Im Podcast erklärt sie zunächst
die technischen Grundlagen des Stromsystems: Warum die
Frequenzhaltung im Netz so wichtig ist, wie rotierende
Generatoren den Takt vorgeben, und warum man dafür kein
Atomkraftwerk benötigt.
Ökonomisch wiegt für Weidlich ein weiterer Punkt:
Kernkraftwerksneubauten seien in Europa und den USA sehr teuer
und langwierig geworden. Sie erklärt außerdem, dass ein
Grundlastkraftwerk, etwa ein Kernkraftwerk, am rentabelsten ist,
wenn es möglichst gleichmäßig durchläuft. Das passe wiederum
schlecht zu einem System, das auf variablen Erneuerbaren basiere.
»Was wir brauchen, ist eine Technologie mit niedrigen
Kapitalkosten, selbst wenn sie im Betrieb teuer ist, weil man sie
nur in den Stunden benötigt, in denen wenig Erneuerbare vorhanden
sind«, sagt Weidlich. Im Gespräch verweist sie auf die rasante
Entwicklung der Erneuerbaren, erklärt, welche Rolle
Batteriespeicher für eine zuverlässige Energieversorgung spielen
und warum in vielen Bereichen die Lösung der Zukunft mit
Wasserstoff zu tun habe.
Auch die viel diskutierten Small Modular Reactors sieht Weidlich
skeptisch: Laut einer Studie wären etwa 3.000 SMRs nötig, um
überhaupt Wettbewerblichkeit zu erreichen; kommerzielle Reaktoren
gebe es aktuell aber noch nicht.
Mit Blick in die Zukunft rät Weidlich: »Fördert keine Technologie
weiter, die keine Zukunft hat. Setzt stattdessen auf die, die
Ausbaupotenzial haben. Man kann nicht in eine Welt zurück, die
man mal hatte.«
Moderation: Jochen Wegner Redaktion: Jens Lubbadeh, Sophie
Hübner Videoproduktion: Lucie Liu, Iona Young Visuelle Produktion:
Michael Pfister Kamera, Schnitt & Ton: ifbbw Visual Director:
Malin Schulz Photo Director: Tina Ahrens Design: Adele Ogiermann,
Jan Lichte Animation: Axel Rudolph Musik: Konrad Peschmann Logo:
Lea Dohle Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier.
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