Marco Franzelin – Spätburgunder im Deep Dive

Marco Franzelin – Spätburgunder im Deep Dive

vor 2 Tagen
Der Spätburgunder der SOMMELIER‘s
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Die interessantesten Weinkellner unserer Zeit

Beschreibung

vor 2 Tagen
Es gibt einen Moment in jeder Sommelierkarriere, an dem jemand
anderes für einen entscheidet, weil man selbst gerade keine Zeit
hat. Bei Marco Franzelin war das ein Probeschluck, gereicht von
einem Kellner, weil der zuständige Sommelier verhindert war. Der
Zufall dieses Glases hat einen jungen Mann, der eigentlich zum Koch
und Kellner ausgebildet wurde, in eine andere Laufbahn gestoßen.
Ausgebildet hat ihn zunächst Heinz Hanner in Mayerling, einem Ort,
der in Österreich eher für Kronprinzendramen bekannt ist als für
Weinkarten. Von dort aus ging es über das Restaurant Haerlin und,
entscheidender, zu Joachim Wissler ins Vendôme nach Bergisch
Gladbach. Dort holte er sich 2016 den Rolling-Pin-Titel als
Sommelier des Jahres, ein Jahr später zog Gault&Millau mit
derselben Auszeichnung nach. Für einen Sommelier Anfang zwanzig ist
das eine Doppelung, die in der Branche nicht viele vorweisen
können. 2019 zog es ihn und seine Frau Anna Lena in die Schweiz,
ins Schloss Schauenstein bei Andreas Caminada in Fürstenau, ein
Haus, das regelmäßig auf den Listen der fünfzig besten Restaurants
der Welt auftaucht. Vier Jahre blieb er dort Chef-Sommelier, bevor
am 23. Dezember 2023 sein letzter Arbeitstag in Graubünden anstand
und schon am 12. Januar 2024 der erste im Waldhotel Sonnora in
Dreis folgte. Von einem Drei-Sterne-Haus ins nächste zu wechseln,
mitten im Winter, mit Frau und ohne nennenswerte Pause dazwischen,
sagt wahrscheinlich mehr über den Mann aus als jedes Adjektiv, das
man ihm anheften könnte. Im Sonnora arbeitet er nun mit Küchenchef
Clemens Rambichler und dessen Frau Magdalena Rambichler zusammen,
die selbst über Jahre Chef-Sommelière des Hauses war, bevor sie in
die Rolle der Gastgeberin und Mitinhaberin wechselte. Zwei Menschen
im selben Fach am selben Tisch, das dürfte für Diskussionsstoff
sorgen, der einem Außenstehenden verborgen bleibt. Marco Franzelin
selbst beschreibt seine Rolle im Sonnora nüchterner, als man
erwarten würde: Wein sei in allererster Linie als Getränk gedacht
und nicht als Speisenbegleiter, hat er einmal gesagt, und dass er
sich freue, wenn Gäste gezielt Flaschen von der Karte bestellen
statt nur der Weinbegleitung zu folgen. Das ist eine andere
Ausgangsposition als die vieler seiner Kollegen, die den Wein
primär als Verlängerung des Tellers verstehen. Wer mit ihm über den
Keller des Sonnora spricht, redet zwangsläufig über gereifte
Bestände von Mosel, Saar und Ruwer, die dort seit Jahrzehnten
liegen und auf jemanden warten, der sie richtig einordnet.
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