Lust nicht annehmen können

Lust nicht annehmen können

vor 1 Tag
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Beschreibung

vor 1 Tag
Lust nicht annehmen können — Shownotes Episode 002

Es gibt Frauen, die ihre Lust nicht annehmen können, obwohl sie
den Mann neben sich lieben. Susanne ist eine davon. Sie hat sich
jahrelang erzählt, sie wolle einfach nicht mehr. Und irgendwann
gemerkt, dass dieser Satz so nicht stimmt.


Es ist Muttertag, ein Sonntagabend, die Kinder sind nicht da. Ein
guter Tag, ein guter Mann, ein Bett, in dem alles möglich wäre.
Er fängt an. Und in ihr passiert einfach nichts. Kein Ja, kein
Nein, kein Vielleicht. Ihr Körper antwortet nicht. Also wartet
sie. Und während sie wartet, baut sie im Kopf Sätze zusammen.
Sätze für ihn.


Wie sage ich es ihm, ohne dass er denkt, es liegt an ihm. Soll
ich sagen, ich bin müde. Soll ich noch fünf Minuten liegen
bleiben, damit es weniger nach Abweisung aussieht. Ein einziger
Satz hätte gereicht. Trotzdem musste dieser Satz erst durch fünf
Filter, bevor sie ihn aussprechen konnte. Dabei hat ihr Partner
ihr das nie schwer gemacht. Er sagt ihr immer, dass sie es
einfach sagen soll, wenn sie nicht will. An diesem Abend ging es
aber gar nicht um ich-will-nicht. Es ging um etwas anderes: mein
Körper will nicht. Und das ist noch mal eine ganz andere Aussage.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

Am nächsten Morgen steht Susanne in der Küche und rechnet nach.
Fünf Formulierungen hatte sie in dieser Nacht im Kopf. Alle fünf
waren für ihn. Wie geht es ihm damit, was denkt er, wie verpacke
ich das so, dass es ihn nicht trifft. Für sich selbst hatte sie
keinen einzigen Satz übrig. Nicht einen. Aus dieser Rechnung
entsteht die ganze Folge. Dass Frauen die Lust nicht annehmen
können, obwohl eigentlich alles stimmt, hat nämlich selten mit
dem Partner zu tun. Dahinter steckt eine Frau, die ihre eigene
Lust nie als ihre eigene Angelegenheit betrachtet hat. Und die
deshalb jahrelang gewartet hat, statt zu entscheiden. Warten
fühlt sich dabei harmlos an. Es sieht von außen aus wie Geduld.
Tatsächlich ist es die Entscheidung, gar nichts zu entscheiden.



Nicht wollen und nicht anfangen sind zwei verschiedene
Dinge — der eine Satz klingt wie eine Diagnose, gegen
die nichts zu machen ist. Der andere beschreibt eine
Gewohnheit. Und Gewohnheiten sind ein anderes Kaliber.


Die Blockade geht in beide Richtungen —
Susanne kann nicht mehr selbst anfangen. Sie kann darüber
hinaus die Lust nicht annehmen, wenn sie von ihm kommt. Solange
sie nur über die eine Hälfte nachgedacht hat, kam sie zu keinem
Ergebnis.


Annehmen ist kein passiver Vorgang — es sieht
aus wie stillhalten, ist es aber nicht. Wer etwas annehmen
will, muss ja sagen können. Und dieses Ja kommt aus derselben
Stelle wie das Anfangen.


Warten ist keine Pause vom Entscheiden — je
länger es dauert, desto normaler wird es. Irgendwann ist Warten
kein Zustand mehr, sondern die Grundeinstellung.


Wenn deine Lust der Beziehung gehört, kommt deine
eigene Frage nicht vor — nicht weil du sie verdrängst.
Sondern weil sie in diesem System nie vorgesehen war.



Susanne behauptet dabei nicht, dass es bei allen so ist wie bei
ihr. Sie erzählt, was sie an einem Morgen in ihrer Küche
verstanden hat. Und was sich dadurch verändert hat. Nämlich vor
allem ein einziges Wort.


Wenn du deine Lust nicht annehmen kannst und dir das seit Jahren
als Erschöpfung oder als Phase erklärst, dann ist diese Folge für
dich. Nicht weil sie dir sagt, was zu tun ist. Sondern weil sie
beschreibt, wie sich das von innen anfühlt.
Shownotes und Episodendetails

Es gibt diesen Moment, in dem du im Bett liegst und merkst, dass
du dir selbst zuguckst. Seine Hand ist da. Du registrierst sie.
Aber sie kommt nicht bei dir an, sie bleibt auf der Haut liegen
und geht nicht weiter rein. Wenn du das kennst, ist diese Folge
für dich.
Warum das Warten das eigentliche Problem ist

Susanne hat jahrelang gewartet. Sie hat gewartet, bis der
richtige Moment kommt. Sie hat gewartet, bis die Kinder aus dem
Haus sind. Vor allem aber hat sie darauf gewartet, dass dieses
Gefühl von selbst wieder auftaucht, so wie früher.


Das Tückische daran: Warten fühlt sich vernünftig an. Es sieht
nach Geduld aus und nach Erwachsensein. Trotzdem ist in dieser
ganzen Zeit keine einzige Entscheidung gefallen. Und irgendwann
ist Warten kein Zustand mehr, sondern einfach die
Grundeinstellung.


Deshalb geht es in dieser Folge nicht um Technik und nicht um
Timing. Es geht um die Frage, wem deine Lust eigentlich gehört.
Denn wenn sie der Beziehung gehört und nicht dir, dann ist die
einzig relevante Frage immer, wie es dem anderen damit geht.


Wichtig ist dabei eines: In dieser Folge macht der Partner nichts
falsch. Er drängt nicht, er macht keine Vorwürfe, er sagt sogar
ausdrücklich, dass sie es einfach sagen soll, wenn sie nicht
will. Genau das macht die Sache aber nicht leichter, sondern
schwerer. Denn dann gibt es niemanden mehr, dem man die Schuld
geben kann. Es bleibt nur noch die Frage, was eigentlich mit
einem selbst gerade los ist.
Anfangen heißt nicht, den Sex zu initiieren

Das ist die Stelle, an der die Folge kippt. Susanne hat Anfangen
jahrelang als Handlung verstanden. Wer legt die Hand wohin, wer
macht die erste Bewegung.


Tatsächlich meint Anfangen etwas ganz anderes. Es heißt,
überhaupt eine Meinung dazu zu haben, was du willst. Es heißt,
dass in dir eine Instanz sitzt, die Lust hat oder keine Lust hat,
und die das auch weiß.


Bei Susanne ist diese Instanz irgendwann leise geworden. Nicht
weg. Nur leise. Und weil sie leise war, hat Susanne sie nicht
mehr gefragt. Weil sie sie nicht mehr gefragt hat, wurde sie noch
leiser. Das ist ein Kreis, den man nicht sieht, solange man
mittendrin steht.
Was sich heute verändert hat

Nicht viel, ehrlich gesagt. Susanne fängt nach wie vor selten an.
Sie legt sich immer noch abends Sätze zurecht und merkt es
meistens erst hinterher.


Geändert hat sich etwas Unspektakuläres. Sie stellt sich die
Frage inzwischen tagsüber. Beim Autofahren, beim Wäscheaufhängen,
mittags irgendwann. Nicht abends im Bett, wenn es für eine
ehrliche Antwort sowieso zu spät ist.


Meistens kommt darauf immer noch nichts. Manchmal aber eben doch.
Ganz leise. Und dann weiß sie wenigstens, dass da unten noch
jemand sitzt.


Was diese Folge liefert, ist eine Unterscheidung. Und die ist
größer, als sie klingt: Ich will nicht mehr ist eine Diagnose.
Ich fange nicht mehr an ist etwas, das man macht.


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