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vor 1 Tag
Meinen Körper nicht kennen — Shownotes Episode 003
Es gibt einen Satz, den kaum eine Frau laut sagt: Ich kenne
meinen Körper eigentlich gar nicht. Nicht so richtig. Nicht von
innen. In dieser Folge erzählt Susanne, wie es passieren kann,
dass man Jahrzehnte in einem Körper lebt und ihn trotzdem nicht
kennt. Meinen Körper nicht kennen klingt nach einem Mangel an
Interesse. Es hat aber meistens ganz andere Gründe.
Sie fängt an einem Klettergerüst an. Sechs Jahre alt, ein warmes
Gefühl, das einfach kommt. Sie erzählt es einer Freundin, und die
guckt sie zwei Sekunden lang irritiert an. Aus diesen zwei
Sekunden baut ein Kind eine Regel — und hält sich vierzig Jahre
daran. Von da an lernt Susanne ihren Körper von außen kennen.
Durch Bilder, durch Ärzte, durch Männer, durch alles, nur nicht
durch sich selbst.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick
Susanne erzählt ihre Körpergeschichte der Reihe nach: der
Handspiegel mit acht und die Neugier, für die es kein einziges
Wort gab. Die Pornos, die zum Körperwissen wurden, weil nichts
anderes da war. Der erste Freund mit siebzehn und die Frage
danach, ob das jetzt gut war — ohne jemanden, den sie das fragen
konnte. Der Partner, bei dem Vorspiel zweimal über die Schulter
streicheln hieß. Die Geburt, nach der ihr Körper endgültig etwas
war, mit dem andere Leute etwas machen. Und dann die Jahre, in
denen alles gut ging, weil ein Körper, der mitläuft, keine Fragen
stellt. Bis er anfängt, andere Regeln zu spielen. In der
Perimenopause merkt Susanne: Das Schlimme ist nicht die
Veränderung. Das Schlimme ist, dass ihr der Vergleichswert fehlt.
Kein Vergleichswert — Wer nie hingefühlt hat,
kann nicht sagen, was sich verschoben hat. Man merkt nur:
irgendwas stimmt nicht. Und sucht sich sofort jemanden, der es
erklärt.
Wissen aus zweiter Hand — Alles, was Susanne
über ihren Körper weiß, hat sie von jemand anderem. Sie hat die
Übersetzung gelernt und nie die Sprache.
Der Körper als Auto — Man guckt nicht rein,
solange es fährt. Und wenn es Geräusche macht, fragt man
jemanden, der sich auskennt. Nur ist der Körper der Einzige,
der die Antwort wirklich hat.
Der Satz ihrer Mutter — „Ich muss mich selber
streicheln. Mich streichelt ja keiner mehr." Warum dieser Satz
Susanne bis heute nicht loslässt — und warum er nicht wehtat,
weil ihre Mutter krank war.
Regeln von außen halten nur so lange — Solange
der Körper mitspielt, braucht es keine eigene Verbindung zu
ihm. Genau in dem Moment, wo er eigene Regeln macht, fällt
einem das auf die Füße.
Susanne fängt gerade erst an, die Sprache zu lernen, von der sie
vorher nur die Übersetzung hatte. Sie ist auf Vokabelstand. Sie
kann noch keine Sätze bilden. Aber sie merkt inzwischen den
Unterschied zwischen einer Berührung, die ankommt, und einer, die
nur passiert.
Und genau da hängt für sie die Lust mit dran. Nicht als Ergebnis,
sondern als Bedingung, die sie jahrzehntelang übersehen hat: Man
kann nicht wollen, was man nicht fühlt. Man kann keine Lust auf
einen Körper haben, den man nur vom Hörensagen kennt. An Stellen,
die man nicht benennen kann. In einer Haut, die man nie selber
angefasst hat. Wenn du in der Perimenopause das Gefühl hast, dein
Körper sei dir fremd geworden, dann geht es in dieser Folge um
genau diese Fremdheit — und darum, wo sie eigentlich anfängt.
Shownotes und Episodendetails
Es gibt diesen Moment, in dem einem auffällt, dass man über das
eigene Auto mehr weiß als über den eigenen Körper. Wann er
zuletzt in der Werkstatt war. Was das Klackern bedeutet. Beim
Körper: nichts. Da ist nur die Erinnerung an das, was andere
darüber gesagt haben.
Wie ein Körper zu einem Ding wird, mit dem andere etwas machen
Susanne erzählt das nicht als Anklage. Sie erzählt es als
Reihenfolge.
Erst der Blick der Freundin am Klettergerüst. Dann der
Handspiegel mit acht, hinter geschlossener Tür, und die Neugier,
für die es kein Wort gab. Weil niemand darüber sprach, ging sie
davon aus, dass man da nicht hinguckt. Und irgendwann guckte sie
nicht mehr hin.
Dann kamen die Bilder. Pornos, relativ früh, als einziges
verfügbares Körperwissen. Menschen, die dafür bezahlt wurden, so
auszusehen, als würden sie etwas fühlen. Für ein Mädchen ohne
Vokabular ist das kein Vergnügen, das ist ein Lehrbuch.
Dann die Partner. Der erste mit siebzehn, ohne Vorspiel, und
danach die stille Frage: War das jetzt gut? Der nächste, bei dem
Vorspiel zweimal über die Schulter streicheln hieß — und Susannes
eigenes Vorspiel deshalb vorher stattfand. Allein. Im Bad. Damit
überhaupt was ging. Gesagt hat sie das nie, und zwar nicht aus
Angst vor seiner Reaktion, sondern weil sie auf die Nachfrage
keine Antwort gehabt hätte. Sie hätte nicht sagen können, wo.
Warum die Perimenopause die Rechnung aufmacht
Und dann die Jahre, in denen alles funktionierte. Genau das ist
der Punkt, den Susanne lange nicht verstanden hat: Ein Körper,
der mitläuft, stellt keine Fragen. Man kommt damit durch.
Jahrzehntelang.
In der Perimenopause hört er auf mitzulaufen. Er spielt nach
anderen Regeln und sagt vorher nicht Bescheid. Und in dem Moment
fällt einem auf, dass man niemanden fragen kann. Eine Ärztin kann
sagen, was normal ist. Sie kann nicht sagen, was normal ist für
dich.
Deshalb ist diese Folge auch die Vorgeschichte zu allem anderen:
zur Lust, die nicht mehr kommt, zum Warten, zum Gefühl,
kompliziert zu sein. Wer den eigenen Ausgangszustand nie gekannt
hat, kann nicht sagen, was gerade fehlt.
Der Satz, der bleibt
Am schwersten wiegt in dieser Folge ein Satz, den Susannes Mutter
in ihren letzten Monaten gesagt hat: Ich muss mich selber
streicheln, mich streichelt ja keiner mehr. Er war nicht sexuell
gemeint. Er hieß: für mich selber da sein.
Susanne stand daneben und dachte, es tut weh, weil ihre Mutter
krank ist. Es tat aber aus einem anderen Grund weh. Ihre Mutter
hatte etwas verloren. Susanne hatte es nie gehabt.
Heute streicht sie sich manchmal selbst über die Arme. Nicht
sexuell, einfach so, im Vorbeigehen. Und es ist fast nicht
auszuhalten — nicht weil es wehtut, sondern weil es sich so gut
anfühlt, dass es ihr unangenehm ist. An den Armen kommt bei ihr
am meisten an. Jeden Tag macht sie das nicht. Manchmal wochenlang
nicht. Aber etwas hat sich dadurch verschoben, und in dieser
Folge erzählt sie, was.
Wenn dich in dieser Folge ein Satz erwischt hat und du
ihn noch nicht laut aussprechen willst: Schick die Folge einfach
einer Freundin. Ohne ein Wort dazu. Manchmal ist das die
ehrlichste Art, etwas zu sagen.
Es gibt einen Satz, den kaum eine Frau laut sagt: Ich kenne
meinen Körper eigentlich gar nicht. Nicht so richtig. Nicht von
innen. In dieser Folge erzählt Susanne, wie es passieren kann,
dass man Jahrzehnte in einem Körper lebt und ihn trotzdem nicht
kennt. Meinen Körper nicht kennen klingt nach einem Mangel an
Interesse. Es hat aber meistens ganz andere Gründe.
Sie fängt an einem Klettergerüst an. Sechs Jahre alt, ein warmes
Gefühl, das einfach kommt. Sie erzählt es einer Freundin, und die
guckt sie zwei Sekunden lang irritiert an. Aus diesen zwei
Sekunden baut ein Kind eine Regel — und hält sich vierzig Jahre
daran. Von da an lernt Susanne ihren Körper von außen kennen.
Durch Bilder, durch Ärzte, durch Männer, durch alles, nur nicht
durch sich selbst.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick
Susanne erzählt ihre Körpergeschichte der Reihe nach: der
Handspiegel mit acht und die Neugier, für die es kein einziges
Wort gab. Die Pornos, die zum Körperwissen wurden, weil nichts
anderes da war. Der erste Freund mit siebzehn und die Frage
danach, ob das jetzt gut war — ohne jemanden, den sie das fragen
konnte. Der Partner, bei dem Vorspiel zweimal über die Schulter
streicheln hieß. Die Geburt, nach der ihr Körper endgültig etwas
war, mit dem andere Leute etwas machen. Und dann die Jahre, in
denen alles gut ging, weil ein Körper, der mitläuft, keine Fragen
stellt. Bis er anfängt, andere Regeln zu spielen. In der
Perimenopause merkt Susanne: Das Schlimme ist nicht die
Veränderung. Das Schlimme ist, dass ihr der Vergleichswert fehlt.
Kein Vergleichswert — Wer nie hingefühlt hat,
kann nicht sagen, was sich verschoben hat. Man merkt nur:
irgendwas stimmt nicht. Und sucht sich sofort jemanden, der es
erklärt.
Wissen aus zweiter Hand — Alles, was Susanne
über ihren Körper weiß, hat sie von jemand anderem. Sie hat die
Übersetzung gelernt und nie die Sprache.
Der Körper als Auto — Man guckt nicht rein,
solange es fährt. Und wenn es Geräusche macht, fragt man
jemanden, der sich auskennt. Nur ist der Körper der Einzige,
der die Antwort wirklich hat.
Der Satz ihrer Mutter — „Ich muss mich selber
streicheln. Mich streichelt ja keiner mehr." Warum dieser Satz
Susanne bis heute nicht loslässt — und warum er nicht wehtat,
weil ihre Mutter krank war.
Regeln von außen halten nur so lange — Solange
der Körper mitspielt, braucht es keine eigene Verbindung zu
ihm. Genau in dem Moment, wo er eigene Regeln macht, fällt
einem das auf die Füße.
Susanne fängt gerade erst an, die Sprache zu lernen, von der sie
vorher nur die Übersetzung hatte. Sie ist auf Vokabelstand. Sie
kann noch keine Sätze bilden. Aber sie merkt inzwischen den
Unterschied zwischen einer Berührung, die ankommt, und einer, die
nur passiert.
Und genau da hängt für sie die Lust mit dran. Nicht als Ergebnis,
sondern als Bedingung, die sie jahrzehntelang übersehen hat: Man
kann nicht wollen, was man nicht fühlt. Man kann keine Lust auf
einen Körper haben, den man nur vom Hörensagen kennt. An Stellen,
die man nicht benennen kann. In einer Haut, die man nie selber
angefasst hat. Wenn du in der Perimenopause das Gefühl hast, dein
Körper sei dir fremd geworden, dann geht es in dieser Folge um
genau diese Fremdheit — und darum, wo sie eigentlich anfängt.
Shownotes und Episodendetails
Es gibt diesen Moment, in dem einem auffällt, dass man über das
eigene Auto mehr weiß als über den eigenen Körper. Wann er
zuletzt in der Werkstatt war. Was das Klackern bedeutet. Beim
Körper: nichts. Da ist nur die Erinnerung an das, was andere
darüber gesagt haben.
Wie ein Körper zu einem Ding wird, mit dem andere etwas machen
Susanne erzählt das nicht als Anklage. Sie erzählt es als
Reihenfolge.
Erst der Blick der Freundin am Klettergerüst. Dann der
Handspiegel mit acht, hinter geschlossener Tür, und die Neugier,
für die es kein Wort gab. Weil niemand darüber sprach, ging sie
davon aus, dass man da nicht hinguckt. Und irgendwann guckte sie
nicht mehr hin.
Dann kamen die Bilder. Pornos, relativ früh, als einziges
verfügbares Körperwissen. Menschen, die dafür bezahlt wurden, so
auszusehen, als würden sie etwas fühlen. Für ein Mädchen ohne
Vokabular ist das kein Vergnügen, das ist ein Lehrbuch.
Dann die Partner. Der erste mit siebzehn, ohne Vorspiel, und
danach die stille Frage: War das jetzt gut? Der nächste, bei dem
Vorspiel zweimal über die Schulter streicheln hieß — und Susannes
eigenes Vorspiel deshalb vorher stattfand. Allein. Im Bad. Damit
überhaupt was ging. Gesagt hat sie das nie, und zwar nicht aus
Angst vor seiner Reaktion, sondern weil sie auf die Nachfrage
keine Antwort gehabt hätte. Sie hätte nicht sagen können, wo.
Warum die Perimenopause die Rechnung aufmacht
Und dann die Jahre, in denen alles funktionierte. Genau das ist
der Punkt, den Susanne lange nicht verstanden hat: Ein Körper,
der mitläuft, stellt keine Fragen. Man kommt damit durch.
Jahrzehntelang.
In der Perimenopause hört er auf mitzulaufen. Er spielt nach
anderen Regeln und sagt vorher nicht Bescheid. Und in dem Moment
fällt einem auf, dass man niemanden fragen kann. Eine Ärztin kann
sagen, was normal ist. Sie kann nicht sagen, was normal ist für
dich.
Deshalb ist diese Folge auch die Vorgeschichte zu allem anderen:
zur Lust, die nicht mehr kommt, zum Warten, zum Gefühl,
kompliziert zu sein. Wer den eigenen Ausgangszustand nie gekannt
hat, kann nicht sagen, was gerade fehlt.
Der Satz, der bleibt
Am schwersten wiegt in dieser Folge ein Satz, den Susannes Mutter
in ihren letzten Monaten gesagt hat: Ich muss mich selber
streicheln, mich streichelt ja keiner mehr. Er war nicht sexuell
gemeint. Er hieß: für mich selber da sein.
Susanne stand daneben und dachte, es tut weh, weil ihre Mutter
krank ist. Es tat aber aus einem anderen Grund weh. Ihre Mutter
hatte etwas verloren. Susanne hatte es nie gehabt.
Heute streicht sie sich manchmal selbst über die Arme. Nicht
sexuell, einfach so, im Vorbeigehen. Und es ist fast nicht
auszuhalten — nicht weil es wehtut, sondern weil es sich so gut
anfühlt, dass es ihr unangenehm ist. An den Armen kommt bei ihr
am meisten an. Jeden Tag macht sie das nicht. Manchmal wochenlang
nicht. Aber etwas hat sich dadurch verschoben, und in dieser
Folge erzählt sie, was.
Wenn dich in dieser Folge ein Satz erwischt hat und du
ihn noch nicht laut aussprechen willst: Schick die Folge einfach
einer Freundin. Ohne ein Wort dazu. Manchmal ist das die
ehrlichste Art, etwas zu sagen.
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