Stell dich nicht so an

Stell dich nicht so an

vor 12 Stunden
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Beschreibung

vor 12 Stunden
In den Wechseljahren nicht ernst genommen — Shownotes Episode 004

Es gibt diesen einen Satz, den fast jede Frau kennt: Stell dich
nicht so an. Susanne hat ihn oft gehört. Und irgendwann hat sie
ihn selbst gesagt — zu sich.


In dieser Folge erzählt sie von einem ganz gewöhnlichen
Vorsorgetermin. Eine Woche vorher legt sie sich Sätze zurecht.
Sie überlegt, wie sie es sagt, ohne dramatisch zu klingen. Dann
sitzt sie da, spricht es aus — und bekommt eine freundliche,
sachliche Antwort. Das ist völlig normal. Sie sind gesund. Danach
ist das Gespräch vorbei. Wer sich schon einmal in den
Wechseljahren nicht ernst genommen gefühlt hat, kennt genau
diesen Moment.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

Susanne erzählt von dem Tag, an dem sie zum ersten Mal über ihre
nachlassende Lust gesprochen hat — und von dem Satz, der das
Gespräch beendet hat, bevor es angefangen hatte. Sie erzählt aber
vor allem von dem, was danach kam. Denn abends, zu Hause, kommt
die Frage noch einmal hoch. Und diesmal ist niemand da, der
abwiegelt. Diesmal macht sie es selbst. Genau da wird aus einem
Satz von außen eine Stimme von innen. Es geht in dieser Folge
deshalb nicht um eine Ärztin. Es geht darum, wie man lernt, sich
selbst zu unterbrechen — und was diese Gewohnheit mit der eigenen
Lust macht.



Der Satz hat immer recht — es geht immer
jemandem schlechter. Deshalb merkt man nicht, dass er einem
etwas wegnimmt.


Normal und in Ordnung sind zwei verschiedene
Dinge — normal ist eine Statistik. Sie sagt etwas über
viele Frauen aus, aber nichts über dich.


Er beantwortet die Frage nicht, er beendet sie
— und eine Frage, die lange genug nicht gestellt werden darf,
wird nicht beantwortet. Sie wird leiser.


Irgendwann braucht der Satz keinen Absender
mehr — solange er von außen kommt, kann man
widersprechen. Von innen widerspricht niemand.


Die Lust ist nicht das Erste, was verschwindet
— zuerst verschwindet die Frage danach. Und ohne Frage kommt
auch keine Antwort zurück.



Denn zwischen der Praxis und dem eigenen Wohnzimmer liegt oft nur
ein halber Tag. Und in dieser Zeit passiert etwas, das kaum
jemand beschreibt: Aus einer freundlichen Auskunft wird eine
Erlaubnis, nicht weiterzufragen. Beruhigung fühlt sich fast an
wie eine Antwort. Sie hält nur deutlich kürzer.


Susanne erzählt außerdem, warum ihr dieser Satz so leicht
gefallen ist. Sie hat ihn nämlich sehr früh gelernt: erst
aufstehen, dann wird getröstet. In der Reihenfolge, nicht
gleichzeitig. Wer das jahrzehntelang übt, unterdrückt seine
Gefühle irgendwann nicht mehr — er überspringt sie. Und
Überspringen merkt man nicht.


Es geht dabei nicht um Vorwürfe. Weder an die Ärztin, die in
zwölf Minuten wahrscheinlich ihr Bestes gegeben hat, noch an den
Partner, der auch nicht weiß, was er sagen soll. Es geht um die
Reihenfolge, in der wir gelernt haben, mit uns selbst umzugehen.


Am Ende steht keine Auflösung, sondern ein einziger Moment: die
Sekunde, in der sie merkt, dass sie sich gerade selbst abgeräumt
hat. Und der Satz, den sie damals runtergeschluckt hat und der
Wochen später einfach wiederkommt. Diese Folge ist für alle, die
sich in den Wechseljahren nicht ernst genommen und einfach
abgefertigt gefühlt haben. Und für alle, die abends zu Hause
weitermachen, obwohl die Frage noch offen im Raum steht.
Shownotes und Episodendetails

Du kennst das vielleicht: Du legst dir tagelang zurecht, wie du
etwas sagst. Und dann ist das Gespräch nach zwanzig Sekunden
vorbei.


Susanne beschreibt diesen Vorgang von innen. Nicht den Termin
selbst, sondern alles drumherum. Die Woche davor, in der sie an
der Lautstärke ihres eigenen Anliegens dreht. Den Gedanken im
Wartezimmer, der ganz freundlich vorschlägt, einfach nichts zu
sagen. Und den zweiten Satz, den sie sich zurechtgelegt hatte und
dann trotzdem runtergeschluckt hat, weil noch acht Leute draußen
saßen.
Warum sich viele Frauen in den Wechseljahren nicht ernst
genommen fühlen

Die kurze Antwort: weil für diese Frage nirgends ein Platz
vorgesehen ist.


Es geht dabei um nachlassende Lust, um einen Körper, der nicht
mehr antwortet, und um das Gefühl, sich selbst fremd zu werden.
Das sind keine Beschwerden, die man in fünf Minuten abhandelt.
Also landen sie da, wo gerade jemand steht. Und wer wenig Zeit
hat, beruhigt — denn beruhigen geht schneller als zuhören.


Das Ergebnis ist eine Auskunft, die stimmt und trotzdem nichts
klärt. Normal heißt: viele andere haben das auch. Über dich
selbst sagt das kein Wort. Susanne beschreibt in dieser Folge
genau das Wort, das ihr auf dem Heimweg dazu eingefallen ist —
abgefertigt. Nicht schlecht behandelt. Nicht unfreundlich.
Abgefertigt.
Wenn der Satz von außen nach innen wandert

Der eigentliche Kern dieser Folge liegt aber nicht in der Praxis.
Er liegt am Abend danach.


Die Frage kommt noch einmal hoch, ganz kurz und ohne Drama. Und
Susanne räumt sie selbst weg. Mit genau dem Satz, den sie an
diesem Tag schon einmal gehört hat. Von da an braucht er keinen
Absender mehr. Solange jemand anders abwiegelt, kann man sauer
werden — und Ärger ist Energie. Wenn die Stimme aus dem eigenen
Kopf kommt, fühlt sie sich einfach nur vernünftig an.


Susanne erzählt auch, wo sie das gelernt hat. Erst aufstehen,
dann wird getröstet. Ein Satz, den kein Kind je erklärt bekommt
und trotzdem jedes versteht. Wer diese Reihenfolge lange genug
übt, unterdrückt Gefühle irgendwann nicht mehr — er überspringt
sie. Und da, wo etwas war, ist dann einfach nichts.


Am Ende erzählt sie von dem Moment, in dem der Satz das erste Mal
durchgefallen ist. Sie hat gelacht. Weil er ihr gerade verbieten
wollte, über ihn zu reden. Und davon, dass der runtergeschluckte
Satz Wochen später einfach wiederkam — und dass sie ihn diesmal
zu Ende gesagt hat. Eine Antwort gab es trotzdem nicht. Aber ein
Satz, der einmal draußen war, wiegt weniger als einer, den man
ein Jahr mit sich rumträgt.


Und genau da liegt die Verbindung zur Lust. Denn ein Satz wie
dieser kann keine Lust wegnehmen, dafür ist er viel zu klein. Was
er wegnimmt, ist die Frage danach. Wer über Jahre nicht mehr
fragt, was der eigene Körper eigentlich will, bekommt irgendwann
auch keine Antwort mehr — und hält das dann für Verlust.


Diese Folge gehört zu Cluster III von Saftig. und handelt vom
Schweigen — davon, wie es entsteht, wer es beibringt und warum es
sich von innen wie Vernunft anfühlt. Sie dauert vierzehn Minuten
und lässt sich gut beim Autofahren oder beim Spazierengehen
hören.


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verpasst du keine Folge — und musst nicht selbst dran
denken.
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