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Beschreibung
vor 1 Tag
Kaffee ist eines der meistgenutzten Getränke in Deutschland. Die
Kaffeekultur wird immer vielfältiger, aber auch teurer. Teuer
wiederum ist relativ, sagt Röstmeister Florian Müller. Er
arbeitet im Bremer „Johann Jacobs Haus“ und ich hab ihn besucht.
Bremer Kaffeekultur
Wer Bremen sagt, muss auch Kaffee sagen. Der
Grundstoff Kaffeebohne gehört seit mehr als einem Jahrhundert zu
den Erfolgsgeschäften in den Häfen von Bremen und Hamburg.
Logisch, wo Rohkaffee angeliefert wurde entstanden auch ganz
schnell die Röstereien und so entstand neben der Abwicklung in
den Häfen ein völlig neuer Produktionszweig – für Kaffee. In
Bremen sind es die Namen Jacobs und Hag, die bis heute im
wahrsten Sinn des Worts „in aller Munde“ sind.
Bohne aufm Dach – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD
Johann Jacobs Einstieg geschah 1895. Er öffnete ein
Handelsgeschäft für (damals sagte man) Kolonialwaren: Caffee,
Thee, Cacao, Chocoladen und Bisquits“. 1907 folgte ein
Kaffeerösterei und daraus wurde dann im Lauf von Jahrzehnten das
Jacobs Kaffeeimperium (die „Krönung“ und Frau Sommer inklusive).
Ein weiteres Beispiel ist der berühmte Kaffee HAG, langjährig das
Synonym für koffeinfreien Kaffee. Das Produkt entstand per Zufall
und wurde zum weltweiten Erfolg von Kaffeehändler Ludwig
Roselius. Ja, das ist der Mann, dem die Stadt auch den
Publikumsmagneten Böttcherstraße samt Glockenspiel und Museen zu
verdanken hat.
Dem Kaffee hat Bremen also jede Menge zu verdanken, auch wenn die
Wandlung der internationalen Märkte dazu führten, dass
internationale Konzerne das Sagen haben. Im Falle Jacobs ist es
der niederländische Multi “Douwe Egberts”.
Johann-Jakobs-Haus – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD Geschichte und doch zwei verschiedene Dinge
Das Johann-Jacobs-Haus, wo ich Florian besuche, steht genau an
der Stelle, wo einst Johann Jacobs sein erstes Geschäft
eröffnete. Das Nachfolgehaus wurde abgerissen und 2020 wurde das
neue Johann-Jacons-Haus eröffnet. Es dient der Kaffeekultur, mit
einem Café, einer Kaffeeakademie und einer eigenen
Kaffee-Produktion mit Namen Rubiac.
Florian Müller ist genau dort heute Röstmeister und Chef der
Rösterei. Warum man mit dem Jacobs-Konzern nix mehr zu tun hat,
trotzdem das Erbe eines Johann Jacobs pflegt, erzählt er mir im
Podcast.
Talk zwischen Röstung, Kaffeesäcken und Filtern – Foto: Andreas
Behr, Johann-Jacobs-Haus Das Erlebnis Johann-Jacobs-Haus
Eineinhalb Stunden waren eigentlich für die Erkundung vorgesehen.
Als ich ging, waren zweieinhalb Stunden rum. Dabei habe ich nicht
das Gefühl, alles erlebt zu haben. Florian hat mir viel Zeit
geschenkt (Danke!) und so kann ich im Podcast diverse Inhalte
umsetzen.
Hier Alles zu erklären würde zu weit führen. Hört am besten
einfach zu, was der Röstmeister so alles über die
Kaffeeproduktion von heute erzählt.
Ich habe gelernt, dass sich auch „Kaffeerösten“ digitalisieren
lässt und trotzdem immer jemand bei Maschine und Produkt bleibt.
Kaffee ist ein Naturprodukt und reagiert mitunter ganz anders als
digital geplant.
Im Haus röstet man Spezialitäten. Dabei gibt es selbst
entwickelte Mischungen (Blends), aber auch Kaffeebohnen mit ganz
unterschiedlicher Herkunft, Sorte und Behandlung der grünen
Kaffeebohnen.
Kaffee: Kleine Fachsimpelei Florian und “seine” Kaffees – Foto:
Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Wir haben über Kaffeekultur geredet, die natürlich
unterschiedliche Röstprozesse und -zeit benötigt.
Ich durfte zur Kenntnis nehmen, dass eine
Profi-Siebträger-Espressomaschine schon mal 20.000 Euro kosten
kann.
Florian hat mich davon überzeugt, dass der im Lauf der letzten
Monate stark gestiegene Kaffeepreis gerade mal so Kosten und
Kleingewinn deckt. Der Produktionsprozess ist lang und es sind
viele Menschen daran beteiligt, die alle für ihre Arbeit bezahlt
werden wollen und müssen.
Dazu gehören der Kaffeebauer, seine Mitarbeitenden oder auch der
Kaffeeexporteur im Produktionsland. Dann muss der Transport
bezahlt werden. Importeur und Kaffeeröster wollen davon leben.
Die Röstung kostet Geld, genauso wie eine ansprechende Verpackung
und letztlich will ja auch der Einzelhändler seinen Anteil. Ein
wünschenswert-fairer Handel mit den Bohnen erhöht den Preis noch
einmal.
Das “Geschmacks-Spektrum” für Kaffeetester – Foto: Rüdiger
Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Ganz nebenbei: Wusstet Ihr eigentlich, dass es auch eine
Kaffeesteuer gibt? Immerhin sind das pro Kilo Röstkaffee € 2,19.
Das alleine sind schon genügend gute Gründe Florian zu treffen.
Meine Zielsetzung: So viel wie möglich über Kaffee-Produktion und
Rösten sowie Kaffee-Kulinarik erfahren. Ein bis heute wichtiger
Faktor in Bremen. Überprüft gerne im Podcast, ob mir das gelungen
ist und ob Ihr was davon hattet. (Geht weiter unten in den
Kommentaren!)
Kaffeeakademie
Dort wartet nicht nur professionelle Ausbildung, sondern es gibt
reichlich Seminarangebote für Kaffee-Freunde.
Die SCA (Specialty Coffee Association) bildet künftige
Kaffeetester (Q-Grader) aus, aber auch Barista-Kurse für die
Profis sind im Angebot.
Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Kaffee-Laien kommen auch zu ihrem Recht und dazu gehört nicht nur
krönender „Schnick-Schnack“, wie das Herz im Cappuccino-Schaum.
So warten neben der Schulung in „Latte Art“, ein Espresso-Kurs,
einer für die Sensorik und auch ein Filterkaffeekurs (inzwischen
wieder im Trend).
Meine Lerneinheit
Es geht nicht nur darum, viele dumme oder auch kluge Fragen zu
stellen. Ein wenig soll auch ich in die Kaffee-Kunst eingeweiht
werden. Wir hatten uns entschlossen, in die Filter-Geheimnisse
einzudringen. Dies ist neben den Kaffees auch der richtige
Filter, das passende Papier, das beste Wasser und natürlich auch
das Geschmacksempfinden. Der Blick hinter die Kulissen ist
spannend. Erkenntnis: Filterkaffee ist nicht gleich Filterkaffee.
Filterkaffee-Test – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD Filtern – Fertig – Los – Foto: Rüdiger Edelmann /
ttb-media TON-TEXT-BILD Fertig zum Probieren – Foto: Rüdiger
Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Natürlich habe ich nicht nur beim Rösten zuschauen dürfen,
sondern bekam auch einen Kaffeeüberblick. Die Exklusivmarke
„Rubiac“ versammelt unterschiedlichste Kaffeesorten der ganzen
Welt. Es geht nicht nur um Arabica und Robusta, sondern auch um
die Herkunft von Kolumbien bis Brasilien, Indien bis Vietnam,
Kenia bis Tansania, ganz zu schweigen von erlesenen Kaffees wie
dem „Blue Mountain“ aus Jamaica.
Ja, wir haben auch über den Katzenkaffee geredet. Florian Müller
hält ihn für überflüssig und auch für Tierquälerei. Hört selber.
Das Café im Erdgeschoss
Ist für alle, die nur eine schnelle Stippvisite machen wollen.
Auch hier kann man (im kleinen Rahmen) testen, besondere Kaffees
probieren und hier gibt’s auch Spezialgetränke (Florian hat dabei
gegrinst) wie „Erdbeer-Matcha-Latte“, der ja nun mit Kaffee
eigentlich nix am Hut hat.
Kaffee in der Sonne: Das JJH-Café – Foto: Rüdiger Edelmann /
ttb-media TON-TEXT-BILD
Wie auch immer, im Außenbereich des Jacobshofs, sitzt man äußerst
nett und unter großen Sonnenschirmen. Er ist genau das Richtige
für die Kaffeepause oder was auch immer verzehrt wird.
Information
Alles übers Johann-Jacobs-Haus
Heritage Store und Café
Rubiac Kaffee
Kaffee – Akademie
Architektonisches – Das Balge-Quartier
Bremen als Städteziel
Weitere Kaffeetipps aus Bremen
Hinweis
Die Recherche zu diesem Podcast wurde unterstützt von
Bremen Tourismus, eine Abteilung der WFB
Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Die Recherche wurde nicht
beeinflusst und dieser Podcast ist ein unabhängiges,
reisejournalistisches Produkt.
Ich bedanke mich für die Zeit und die herausragende
Betreuung im Johann-Jacobs-Haus und ganz besonders bei
Röstmeister Florian Müller.
The post Podcast 322 – Coffee-Vibes: Eine Kaffee-Erfahrung in
Bremen first appeared on Deutsches Reiseradio (German Travelradio).
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