Digitalisierung als Kommunikationsverschiebung: Was passiert aktuell in Organisationen?

Digitalisierung als Kommunikationsverschiebung: Was passiert aktuell in Organisationen?

vor 2 Tagen
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Beschreibung

vor 2 Tagen

Die Digitalisierung verändert in vielen Organisationen
tiefgreifend den kommunikativen Alltag: Teams ist
selbstverständlich geworden, Homeoffice ist normal, Begegnungen
vor Ort sind seltener. Prozesse werden automatisiert, PDFs statt
Papier herumgeschickt. 


Und gleichzeitig: manche Unternehmen, besonders solche mit
starker Tradition oder klarer Hierarchie, tun sich schwer, ihre
Kommunikationsformen diesem Wandel zu unterwerfen. 


Was dabei oft übersehen wird: Digitalisierung ist nicht einfach
die technische Modernisierung von Kommunikation, sondern eine
Verschiebung ihrer Bedingungen.


Die Art, wie Organisationen kommunizieren, wandelt sich – und mit
ihr die Strukturen, Erwartungen und Deutungen, die Kommunikation
in Organisationen ermöglichen. 


Auf der einen Seite stehen Effizienz, Bequemlichkeit und
Schnelligkeit. Auf der anderen Seite geht etwas verloren:
spontane Kontaktmomente, informelle Korrekturen im Miteinander
und die produktive Reibung, die oft erst im gemeinsamen Raum
entsteht. 


Kommunikation wird nicht nur schneller, sie wird auch
entkörperlicht, entzeitlicht, entortet – und genau
das erzeugt neue Dynamiken. 


„Menschen, denen immer alles möglichst einfach erklärt wird,
glauben schließlich selbst, auch alles zu verstehen. Deshalb
haben sie auch zum allem eine Meinung. Diese verwechseln sie mit
Wissen…“ Thomas Bauer 


Dieses Zitat verweist auf ein Paradox, das auch in Organisationen
zu beobachten ist: Je einfacher Kommunikation wird, desto
schwieriger wird es, getroffene Unterscheidungen zu variieren und
das Anzugehen, was wir nach Niklas Luhmann die Sinnproduktion
nennen.


Wenn Kommunikation über digitale Kanäle standardisiert,
dokumentiert und in Workflows gegossen wird, dann verliert sie
oft jene  Mehrdeutigkeit, die im persönlichen Austausch
produktiv war. Aus komplexer Verständigung wird die Verwaltung
von Informationen.  


Was wir beobachten: 


Chats, Foren, Wikis, Videocalls, Gamification etc.
erweitern die Möglichkeiten der Kommunikation und erzeugen neue
Formen, wie Threads, Tickets oder Reactions. 

Asynchronität entkoppelt Kommunikation von gemeinsamer Zeit –
Anschlussfähigkeit muss nun technisch erzeugt werden. 

Kommunikation erreicht gleichzeitig viele, aber selten
dieselben im selben Moment. 

Wissen wird digital gespeichert, aber oft nicht
wiedergefunden – weil der Kontext fehlt, der Sinn stiftet. 



 All das sind keine Nebenwirkungen, sondern Folgen einer
neuen Kommunikationslogik. Organisationen müssen lernen, dass
ihre Kommunikationsmedien nicht neutral sind: Sie formen, was
überhaupt als Kommunikation zählt, wer Anschluss findet – und wer
übersehen wird. 


Wir fragen uns: 


Wie verändert Digitalisierung das kommunikative
Selbstverständnis von Organisationen? 

Wo bleibt die Informalität, wenn Begegnung zunehmend über
Tools vermittelt wird? 

Wie verändert sich die Mitgliedschaft in Organisationen, wenn
Präsenz nicht mehr selbstverständlich ist? 

Welche Kommunikationsformen fördern Verständigung, welche
erzeugen Missverständnisse – oder Kontrolle? 

Warum sind Digitalisierungsprojekte immer auch
Change-Projekte, und was bedeutet das für Kommunikation, Führung
und Sinn? 

Und überhaupt



Wie immer mit dem Ziel, mehr Theoriefundament für Eure
Praxisarbeit zu gewinnen!





Literatur:


Niklas Luhmann​




Soziale Systeme (1984)​




Kapitel IV: Kommunikation und Handlung ​




Gesellschaft der Gesellschaft (1997)​




Kapitel 2: Kommunikation​




Dirk Baecker​




Studien zur nächsten Gesellschaft (2012)​




4.0 oder Die Lücke, die der Rechner lässt (2018)​




Thomas Bauer ​




Die Vereindeutigung der Welt (2022)​




Metaplan​




Der blinde Fleck. Warum digitale Transformationsprozesse
meistens an der Organisation ​
scheitern – und was man dagegen tun kann​







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