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Mit Systemtheorie Organisationen anders denken | M und M

Mit Systemtheorie Organisationen anders denken | M und M

Moritz Avenarius, Marion Schenk 45 Episoden Neueste vor 1 Tag
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Episoden

25 Minuten
Führungsmodelle gibt es viele. Und immer wieder kommen neue hinzu: agile Führung, servant leadership, transformational leadership, laterale Führung, New Leadership, Führen im Tandem – die Liste lässt sich fast beliebig fortsetzen.

️ Sie werden nachgefragt, verkauft, zertifiziert und in Organisationen eingeführt, obwohl eigentlich alle wissen: Das eine Managementmodell und den richtigen Führungsstil gibt es nicht.

️ Denn Führung funktioniert nicht im luftleeren Raum. Sie muss zu Organisation, Personen, Umwelt, Situation und konkreter Fragestellung passen. Oder systemtheoretisch gesprochen: Führung ist keine Eigenschaft einzelner Personen, sondern eine Funktion im Umgang mit Unsicherheit, Erwartungen und Entscheidungen.

Und trotzdem verkaufen sich Modelle, Führungsformeln und die „10 besten Regeln guter Führung“ erstaunlich gut.

Stefan Kühl schreibt dazu:

„Der Nutzen von Managementmoden besteht darin, dass sie mit auf Wandel ausgerichteter Rhetorik Mut zur Veränderung machen.“

Vielleicht liegt ihr Nutzen also weniger darin, dass sie richtig sind – sondern darin, dass Organisationen mit ihnen über sich selbst ins Gespräch kommen.

Das wollen wir aufgreifen. Wir fragen uns und Euch:

Welche Führungsmodelle sind gerade im Angebot?

Welche Erwartungen transportieren sie?

Welche blinden Flecken produzieren sie?

Und wozu können sie – bei aller Skepsis – dennoch brauchbar sein?

Mit welchen Modellen arbeitet Ihr besonders gerne – und mit welchen überhaupt nicht? Und warum?

Und überhaupt …

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Literaturhinweise:

"⁠Das Dschungelbuch der Führung⁠", Ruth Seeliger, 2025

"Managementmoden nutzen", Stefan Kühl, 2025

"Wirksam führen mit Systemtheorie", Timm Richter & Torsten Groth, 2025
28 Minuten
Führung ist in Organisationen allgegenwärtig – und zugleich erstaunlich schwer zu fassen. Oft wird sie mit Hierarchie, Position oder Person gleichgesetzt. Doch aus systemtheoretischer Perspektive lohnt sich ein anderer Blick:

Führung erscheint hier weniger als Eigenschaft einzelner, sondern als eine spezifische Form, mit Unsicherheit umzugehen.

️ „Führung ist also ein funktionales Äquivalent zur Institutionalisierung von Normen. Sie wird immer dann benötigt, wenn die Institutionen nicht ausreichen, um ein Zusammenleben und Zusammenhandeln der Mitglieder im System zu ermöglichen.“

Luhmann Organisation und Entscheidung

Organisationen sind gezwungen, Entscheidungen zu treffen – unter Bedingungen, in denen nicht eindeutig klar ist, was richtig oder falsch ist. Führung übernimmt in diesem Zusammenhang eine Funktion: Sie ermöglicht und verdichtet Entscheidungen, macht sie zurechenbar und anschlussfähig.

️ Und genau darin liegt ihre Paradoxie:

Führung absorbiert Unsicherheit – und erzeugt zugleich neue.

Jede Entscheidung schließt Möglichkeiten aus, erzeugt Erwartungen und produziert Folgeprobleme, die wiederum bearbeitet werden müssen.

In der systemtheoretischen Diskussion wird Führung daher nicht einfach als „Steuerung“ verstanden, sondern als ein Mechanismus, der Organisationen erlaubt, mit dieser dauerhaften Ungewissheit umzugehen – ohne sie auflösen zu können.

Das wirft eine Reihe von Fragen auf:

Ist Führung mehr als Entscheiden – oder genau das?

Was unterscheidet Verantwortung von Verantwortlichkeit in Organisationen?

Warum ist Führung nicht gleich Hierarchie – und wo überlappen sich beide dennoch?

Und wie lässt sich Führung beschreiben, ohne sie vorschnell zu personalisieren?

... und überhaupt?

Wir greifen dabei zentrale Überlegungen aus der systemtheoretischen Diskussion auf – u. a. von Niklas Luhmann, Stefan Kühl und Dirk Baecker – und übersetzen sie in eine Perspektive auf den organisationalen Alltag.

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Literaturhinweise:

„Funktionen und Folgen formaler Organisation“, Niklas Luhmann 1964

"Organisation und Entscheidung", Niklas Luhmann, 2000

"Die Sache mit der Führung", Dirk Baecker, 2009

"Führung managen", Stefan Kühl & Judith Muster, 2025
26 Minuten
In Medien, Unternehmen und gesellschaftlichen Debatten kursieren hartnäckige Bilder davon, was gute Führung ausmacht: visionär, charismatisch, entschlossen, inspirierend. Führung erscheint als Eigenschaft besonderer Persönlichkeiten, als etwas, das Menschen haben.

️ Doch Organisationen funktionieren nicht durch Held*innen, sondern durch Kommunikation. Aus systemischer Perspektive ist Führung keine Charakterfrage, sondern eine Funktion: Sie strukturiert Erwartungen, übernimmt die Verantwortung für Entscheidungen unter Unsicherheit und sorgt für Anschlussfähigkeit.

️ Warum also halten sich die bekannten Führungsbilder trotzdem so hartnäckig?

️ Welchen Zweck erfüllen sie – für Organisationen, für Führungskräfte, für Mitarbeitende?

Führungsmythen vereinfachen Komplexität. Sie personalisieren strukturelle Probleme. Sie erzeugen Identifikation und Orientierung. Und sie entlasten Organisationen davon, ihre eigenen Widersprüche genauer anzusehen.

Wir wollen typische Führungsbilder sichtbar machen – und fragen:

Woher stammen, historisch und kulturell betrachtet, diese Führungsmythen?

Was gewinnen Organisationen durch diese Mythen und wo sind die heute noch nützlich?

Was verlieren sie möglicherweise?

Und was verändert sich, wenn wir Führung nicht als Eigenschaft, sondern als kommunikative Funktion begreifen?

und überhaupt ....

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Literaturhinweis:

"ENTZAUBERUNG DER FÜHRUNGSMYTHEN“

Jürgen Weibler, Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalführung und Organisation an der FernUniversität in Hagen, 2013.
23 Minuten
Herzlich Willkommen zu unserer 5. Staffel M&M. Unser Leitthema ist: Führung - was ist es und wie geht das?

Wir starten dabei mit folgender Beobachtung aus der Praxis: In vielen Organisationen scheitert Führung gerade nicht am Konflikt, sondern daran, dass niemand verbindlich priorisiert und damit auch verbindlich „Nein“ sagt.

Wir erleben in Beratungen immer häufiger eine merkwürdige Gleichzeitigkeit: Die Organisation will schneller werden und baut immer mehr Erwartungen ein. Neue Initiativen, neue Kennzahlen, neue Standards, neue Projekte. Es ist dann kein Wunder, wenn alle beschäftigt sind und trotzdem das Gefühl bleibt: Es kommt zu wenig voran.

Typische Signale: Prioritäten wechseln, aber „alles ist wichtig“. Entscheidungen werden vertagt oder in Meetings verlagert. Führungskräfte rutschen in operative Feuerwehrarbeit, weil Verantwortlichkeiten und Eskalationswege nicht klar genug sind. Teams entwickeln eine feine Antenne dafür, welche Erwartungen offiziell gelten und welche in der Praxis "drüber" sind.

Systemtheoretisch betrachtet ist das kein individuelles Motivations- oder Kompetenzthema. Führung hat hier vor allem eine Entlastungsfunktion zu erfüllen: Sie reduziert Ungewissheit und macht Handeln wahrscheinlicher, indem sie Erwartungen sortiert und Entscheidungen ermöglicht. Wo diese Entlastung nicht gelingt, entsteht eine Organisation, die vieles gleichzeitig will, aber wenig zuverlässig zu Ende bringt.

An der Stelle lohnt eine kleine Unterscheidung:

️ Management gestaltet die Entscheidungs-Architektur: Programme, Ziele, Regeln, Kennzahlen, Rollen und Besetzungen. Es erzeugt damit Erwartungen, die im Alltag wirksam werden (Entscheidungsprämissen).

Führung passiert dann dort, wo diese Architektur auf Wirklichkeit trifft: in konkreter Kommunikation, in Konflikten, in Prioritäten, in Zumutungen und in der Frage „Wie handeln wir jetzt?“

️ Das Spannende (und manchmal Schmerzhafte): Management hat oftmals mehr Strukturen und Erwartungen produziert als Entlastung. Führung muss dann nachziehen: erklären, moderieren, reparieren, mitnehmen. Nicht, weil da "jemand schuld" wäre, sondern weil das System zu viel gleichzeitig will.

Man kann diese Lage nicht „weg"-führen. Wer versucht, strukturelle Überfrachtung allein über mehr Information, Motivationsarbeit oder mehr Meetings zu kompensieren, macht Führung zur Dauer-Feuerwehr. Entlastung entsteht dort, wo Erwartungen begrenzt werden: durch Stop-Entscheidungen, klare Prioritäten (und Prioritäten heißt vor allem: Was lassen wir in den nächsten Wochen/Monaten bewusst liegen?), sinnvolle Qualitätsmaßstäbe („gut genug“), Delegationsregeln und eine Eskalationslogik, die nicht zufällig ist.

Genau deshalb machen wir in dieser Staffel bei M & M Führung zum Schwerpunkt: nicht als Held*innengeschichte oder Methodenkoffer, sondern systemtheoretisch: Führung als Funktion in Organisationen, die mit widersprüchlichen Erwartungen umgehen müssen, um so die Organisation in die Lage zu bringen sich selbst zu organisieren.

Wie das Gelingen kann, entfalten wir in den kommenden neun Folgen dieser Staffel. Wie immer mit dem Ziel, mehr Theoriefundament für Eure Praxisarbeit zu gewinnen!

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35 Minuten
Durch neun Folgen wir haben von unterschiedlichsten Blickwinkeln auf „Kommunikation in Organisationen – zwischen Theorie, Praxis und Missverstehen“ in Organisationen geschaut. Zeit zurückzublicken und mit Euch zu reflektieren, welche wesentlichen Erkenntnissen sich herausgeschält haben. 

Dafür treffen wir uns zum "Grande Finale - eine Zusammenfassung unserer Highlights“ 

Unter praktisch-systemtheoretischer Brille werden wir darauf schauen,  wie und unter welchen Bedingungen Kommunikation in verschiedenen Organisationstypen gelingen kann – oder auch nicht. 

„Kommunikation heißt, es mit mehr Möglichkeiten zu tun zu haben,  als man bewältigen kann und es von überraschenden Seiten her  mit Einschränkungen zu tun zu bekommen‘“ 

Dirk Baecker –  

Form und Formen der Kommunikation 

 

Was haben wir aus unseren Diskussionen mitgenommen? Ein paar Highlights unsererseits sind: 

wie sich neue Technologien wie Digitalisierung und KI auf Kommunikation in Organisationen auswirken 

wie Sprache das Denken beeinflussen kann 

dass Sprechen nicht zwangsläufig Handeln beinhalten muss 

wie Organisationen ihre eigene „Sprache“ entwickeln 

dass künstliche Intelligenz sich unter dem Aspekt künstlicher Kommunikation betrachten lässt 

… und noch vieles mehr! 

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Über diesen Podcast

Wir, Marion Schenk & Moritz Avenarius, tauchen in die Welt der Systemtheorie ein und beleuchten, wie sie uns hilft, das komplexe Geschehen in und um Organisationen besser zu verstehen. In jeder Episode picken wir uns Themen heraus, die uns bewegen und von denen wir glauben, dass sie Dir helfen, die Dynamiken innerhalb von Organisationen besser zu durchschauen. Theorie ist kein trockenes Konstrukt, sondern ein Werkzeug, das uns in der Praxis weiterbringt. Begleite uns auf einer Reise durch die Welt der Systeme und lasse uns gemeinsam herausfinden, wie Theorie die Praxis bereichern kann.
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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