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vor 1 Tag
Wenn Marc Holitscher den Wendepunkt seiner zwanzigjährigen
Microsoft-Karriere benennen soll, zögert er nicht: November 2022,
die öffentliche Verfügbarkeit von ChatGPT. Nicht weil damals die
Technologie erfunden worden wäre, sondern weil sie plötzlich über
das natürlichste aller Interfaces erreichbar war – die
menschliche Sprache. «Das hat einer viel grösseren Breite an
Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit gegeben, sehr persönlich,
sehr direkt Technologie zu erleben», sagt der promovierte
Politikwissenschaftler im Gespräch mit Moderator Christoph
Soltmannowski.Zur Illustration greift Holitscher zu einem
Beispiel, das er gerne erzählt: sein 91-jähriger Vater, der nie
einen Computer benutzt habe – und plötzlich mit einer Maschine
spreche, die ihm antworte. Ein rhetorisch effektives Bild, das
gleichzeitig die zentrale These des National Technology Officer
transportiert: Künstliche Intelligenz demokratisiert den Zugang
zu Wissen und Technologie.Soltmannowski hält dagegen. Microsoft,
OpenAI, Apple – seien diese Konzerne nicht eher Ausdruck einer
Machtkonzentration als einer Demokratisierung? Holitscher kontert
mit einer Perspektivverschiebung: Nicht die Entwicklungsseite sei
entscheidend, sondern die Adoption. Und genau hier sieht er die
Schweiz im Vorteil. Mehr als ein Drittel der KMU nutze KI bereits
produktiv, mehr als ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung
setze sich regelmässig mit den Anwendungen auseinander. «Diese
Breite der Adoption und dieser Nutzungsfähigkeit ist in der
Schweiz einzigartig.»Die 70-Prozent-FrageDoch die Zahlen erzählen
auch eine andere Geschichte. 70 Prozent der Schweizer
Führungskräfte, so eine regelmässige Microsoft-Umfrage, halten KI
für entscheidend – gleichzeitig sind rund die Hälfte unsicher, ob
ihre Organisation bereits über eine klare Vision und konkrete
Umsetzungspläne verfügt. Woran liegt das? Holitschers Antwort
verlässt das technische Terrain. Es gehe nicht darum, «einfach
überall etwas künstliche Intelligenz darüber zu streuen», sondern
um Change Management, um Kultur, um Führung. Geschäftsleitungen
müssten vorleben, wie die Instrumente eingesetzt werden – und
gleichzeitig den Mitarbeitenden Raum für eigene Experimente
lassen.Für ein KMU mit fünf Mitarbeitenden lautet seine konkrete
Empfehlung: ein Werkzeug zur Verfügung stellen – «ob das jetzt
Copilot oder ein anderes ist» –, Erfahrungen sammeln lassen, aber
strukturiert begleitet durch interne «Champions», die den
Austausch über Erfolge und Misserfolge organisieren. Holitscher
unterscheidet dabei drei Adoptionstypen: Taker, die auf
Standardlösungen setzen. Shaper, die diese auf eigene Bedürfnisse
konfigurieren. Und Maker, die von Grund auf eigene Sprachmodelle
entwickeln. Der Übergang vom Taker zum Shaper sei heute durch
Low-Code- und No-Code-Werkzeuge so niederschwellig wie
nie.Souveränität, Datenschutz, WahlfreiheitDie Diskussion um
digitale Souveränität gehört zu den heikleren Passagen des
Gesprächs. Soltmannowski adressiert das Argument direkt:
Schweizer Anbieter würden warnen, man dürfe sensible Daten nicht
den amerikanischen Hyperscalern anvertrauen. Holitschers Antwort
ist routiniert und differenziert. Entscheidend sei die
Wahlfreiheit der Kundinnen und Kunden. Microsoft betreibe seit
2016 Rechenzentren in der Schweiz mit dediziertem lokalen
Personal und biete einen «Cocktail an Möglichkeiten technischer
oder vertraglicher Art», um Datenschutz und Verfügbarkeit
sicherzustellen. Diese erlauben Kundinnen und Kunden maximalen
Schutz und Verfügbarkeit ihrer Daten in der Schweiz.Vom Tool zur
KompetenzMicrosoft will bis 2027 eine Million Schweizerinnen und
Schweizer KI-kompetent machen. Was «kompetent» konkret bedeutet,
definiert Holitscher bewusst weit: Nicht alle sollen zu
Expertinnen und Experten werden, sondern eine «grundlegende
Beurteilungsfähigkeit» entwickeln. Dazu gehöre weniger der
technische Skill als kritisches Denken, Kontextverständnis und
das Einordnen von Resultaten.
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