Das Schauspielhaus im Krieg: Eine wichtige Stimme gegen Hitler
vor 6 Tagen
In Europa tobt der Zweite Weltkrieg. Die Nazis wüten, und auch die
Schweiz zittert. In Zürich jedoch wird Theater gespielt. Das
Schauspielhaus erlebt seinen Höhepunkt als Emigrantentheater – und
wird zum Symbol der geistigen Landesverteidigung.
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Beschreibung
vor 6 Tagen
In Europa tobt der Zweite Weltkrieg. Die Nazis wüten, und auch die
Schweiz zittert. In Zürich jedoch wird Theater gespielt. Das
Schauspielhaus erlebt seinen Höhepunkt als Emigrantentheater – und
wird zum Symbol der geistigen Landesverteidigung. Nach Ferdinand
Riesers Abgang durchlebt das Emigranten-Ensemble am Schauspielhaus
eine unsichere Zeit, geprägt von der Angst, Arbeit zu verlieren und
den Nazis in die Hände zu fallen. Kurt Hirschfeld rettet die Bühne,
indem er mit einflussreichen Bürgern und Stadtpräsident Emil Klöti
die neue Schauspiel AG gründet und Gelder akquiriert. Direktor wird
der als unpolitisch geltende Schweizer Oskar Wälterlin, nicht
Hirschfeld, um Risiken durch den Nazi-Druck zu vermeiden.
Hirschfeld arbeitet als Dramaturg. Hirschfeld und Wälterlin gelten
in den kommenden Jahren als «Dreamteam» am Schauspielhaus. Sie
verzichten auf offensichtlich politische Stücke. Spielen viele
Klassiker, die sie mit aktueller Bedeutung aufladen. Legendär sind
der Tell von Schiller oder Götz von Berlichingen von Goethe. In
beiden spielt Heinrich Gretler die Hauptrolle. Der populäre
Schauspieler wird auf der Bühne fast so etwas wie das Gesicht der
geistigen Landesverteidigung. Im Mai 1940, als die Kriegsgefahr für
die Schweiz besonders gross ist, setzen die beiden einen weiteren
Akzent auf der Pfauenbühne. Hitler beginnt seinen Westfeldzug, und
es gibt Gerüchte, dass auch die Schweiz bald an der Reihe ist. Die
Zürcherinnen und Zürcher verlassen ihre Stadt in Scharen. Auch die
Emigrantinnen und Emigranten haben ihre Koffer gepackt. Aber sie
bleiben – und spielen. Am 18. Mai 1940 kommt es zur Premiere von
Goethes Faust II. Ein Lieblingsstück der Nazis – das in Zürich ganz
anders interpretiert wird. Es ist ein sehr eindrückliches Beispiel
dafür, welche Kraft Theater haben kann. Aber nicht nur mit
Klassikern, sondern auch mit Erstaufführungen von Exilautoren macht
das Theater von sich reden. Ein bekanntes Beispiel ist die «Mutter
Courage» von Berthold Brecht - ein Antikriegsstück mit der grossen
Therese Giehse in der Hauptrolle. Der Zweite Weltkrieg hat eine
einmalige Situation geschaffen. Der gemeinsame Feind und die Angst
schweissen alle zusammen. Emigranten-Ensemble, Zuschauerinnen und
Zuschauer, Theaterleitung, Politik und Presse. Und das ist bis
heute die Basis des Schauspielhaus-Mythos. ____________________ In
dieser Episode zu hören: Dagmar Walser, SRF-Theaterredaktorin
____________________ Recherche, Produktion und Moderation: Vera
Deragisch ____________________ Literatur: Bachmann,
Dieter/Schneider, Rolf (Hsg.) (1987): Das verschonte Haus – Das
Zürcher Schauspielhaus im Zweiten Weltkrieg. Ammann Verlag. Neue
Schauspiel AG (1978): Vom Variété zum neuen Schauspielhaus – Die
Geschichte des Schauspiels in Zürich. Peter Felix. Schoop, Günther
(1957): Das Zürcher Schauspielhaus im Zweiten Weltkrieg. Oprecht.
Buns, Brigitte/deutsches Theatermuseum (Hsg.) (2007): Werft Eure
Hoffnung über die Grenzen. Theater im Schweizer Exil und seine
Rückkehr. Henschel. Kröger, Ute /Exinger, Peter (1998): In welchen
Zeiten leben wir! Das Schauspielhaus Zürich 1938 -1998. Limmat
Verlag. Amrein, Ursula (2004): Los von Berlin. Die Literatur- und
Theaterpolitik der Schweiz und das «Dritte Reich», Chronos Verlag.
____________________ Links: SRF2 Kontext über die Bühnen-Diskussion
2021: Kann das weg? – Das Theater um den Pfauen - Audio &
Podcasts - SRF DRS-Sendung Passage 2015: Kurt Hirschfeld – der
Zauberer im Zürcher Schauspielhaus - Audio & Podcasts - SRF
DRS-Sendung Schauplatz 1988:
https://www.srf.ch/play/tv/schauplatz/video/50-theaterjahre-neue-schauspiel-ag--50-jahre-schauspielhaus?urn=urn:srf:video:51b69199-2663-4193-b99e-456454a4bd25
SRF-Kritik Hirschfeld-Film:
https://www.srf.ch/kultur/film-serien/neu-im-kino-kurt-hirschfeld-spaeter-applaus-fuer-einen-vergessenen
____________________ Hast du Feedback, Fragen oder Wünsche? Wir
freuen uns auf deine Nachricht via geschichte@srf.ch – und wenn du
deinen Freund:innen von uns erzählst.
Schweiz zittert. In Zürich jedoch wird Theater gespielt. Das
Schauspielhaus erlebt seinen Höhepunkt als Emigrantentheater – und
wird zum Symbol der geistigen Landesverteidigung. Nach Ferdinand
Riesers Abgang durchlebt das Emigranten-Ensemble am Schauspielhaus
eine unsichere Zeit, geprägt von der Angst, Arbeit zu verlieren und
den Nazis in die Hände zu fallen. Kurt Hirschfeld rettet die Bühne,
indem er mit einflussreichen Bürgern und Stadtpräsident Emil Klöti
die neue Schauspiel AG gründet und Gelder akquiriert. Direktor wird
der als unpolitisch geltende Schweizer Oskar Wälterlin, nicht
Hirschfeld, um Risiken durch den Nazi-Druck zu vermeiden.
Hirschfeld arbeitet als Dramaturg. Hirschfeld und Wälterlin gelten
in den kommenden Jahren als «Dreamteam» am Schauspielhaus. Sie
verzichten auf offensichtlich politische Stücke. Spielen viele
Klassiker, die sie mit aktueller Bedeutung aufladen. Legendär sind
der Tell von Schiller oder Götz von Berlichingen von Goethe. In
beiden spielt Heinrich Gretler die Hauptrolle. Der populäre
Schauspieler wird auf der Bühne fast so etwas wie das Gesicht der
geistigen Landesverteidigung. Im Mai 1940, als die Kriegsgefahr für
die Schweiz besonders gross ist, setzen die beiden einen weiteren
Akzent auf der Pfauenbühne. Hitler beginnt seinen Westfeldzug, und
es gibt Gerüchte, dass auch die Schweiz bald an der Reihe ist. Die
Zürcherinnen und Zürcher verlassen ihre Stadt in Scharen. Auch die
Emigrantinnen und Emigranten haben ihre Koffer gepackt. Aber sie
bleiben – und spielen. Am 18. Mai 1940 kommt es zur Premiere von
Goethes Faust II. Ein Lieblingsstück der Nazis – das in Zürich ganz
anders interpretiert wird. Es ist ein sehr eindrückliches Beispiel
dafür, welche Kraft Theater haben kann. Aber nicht nur mit
Klassikern, sondern auch mit Erstaufführungen von Exilautoren macht
das Theater von sich reden. Ein bekanntes Beispiel ist die «Mutter
Courage» von Berthold Brecht - ein Antikriegsstück mit der grossen
Therese Giehse in der Hauptrolle. Der Zweite Weltkrieg hat eine
einmalige Situation geschaffen. Der gemeinsame Feind und die Angst
schweissen alle zusammen. Emigranten-Ensemble, Zuschauerinnen und
Zuschauer, Theaterleitung, Politik und Presse. Und das ist bis
heute die Basis des Schauspielhaus-Mythos. ____________________ In
dieser Episode zu hören: Dagmar Walser, SRF-Theaterredaktorin
____________________ Recherche, Produktion und Moderation: Vera
Deragisch ____________________ Literatur: Bachmann,
Dieter/Schneider, Rolf (Hsg.) (1987): Das verschonte Haus – Das
Zürcher Schauspielhaus im Zweiten Weltkrieg. Ammann Verlag. Neue
Schauspiel AG (1978): Vom Variété zum neuen Schauspielhaus – Die
Geschichte des Schauspiels in Zürich. Peter Felix. Schoop, Günther
(1957): Das Zürcher Schauspielhaus im Zweiten Weltkrieg. Oprecht.
Buns, Brigitte/deutsches Theatermuseum (Hsg.) (2007): Werft Eure
Hoffnung über die Grenzen. Theater im Schweizer Exil und seine
Rückkehr. Henschel. Kröger, Ute /Exinger, Peter (1998): In welchen
Zeiten leben wir! Das Schauspielhaus Zürich 1938 -1998. Limmat
Verlag. Amrein, Ursula (2004): Los von Berlin. Die Literatur- und
Theaterpolitik der Schweiz und das «Dritte Reich», Chronos Verlag.
____________________ Links: SRF2 Kontext über die Bühnen-Diskussion
2021: Kann das weg? – Das Theater um den Pfauen - Audio &
Podcasts - SRF DRS-Sendung Passage 2015: Kurt Hirschfeld – der
Zauberer im Zürcher Schauspielhaus - Audio & Podcasts - SRF
DRS-Sendung Schauplatz 1988:
https://www.srf.ch/play/tv/schauplatz/video/50-theaterjahre-neue-schauspiel-ag--50-jahre-schauspielhaus?urn=urn:srf:video:51b69199-2663-4193-b99e-456454a4bd25
SRF-Kritik Hirschfeld-Film:
https://www.srf.ch/kultur/film-serien/neu-im-kino-kurt-hirschfeld-spaeter-applaus-fuer-einen-vergessenen
____________________ Hast du Feedback, Fragen oder Wünsche? Wir
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