Die Killer-Anwendung des Internets: WWWer hat sie erfunden?
vor 3 Tagen
Das WWW ist heute gleichbedeutend mit dem Internet: Milliarden von
Seiten, nur einen Klick entfernt. Doch am Anfang stand ein Paper,
das ein Vorgesetzter mit den Worten «Vague, but exciting»
kommentierte. Ein Blick zurück auf die wohl wichtigste Schwe ...
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Podcaster
Beschreibung
vor 3 Tagen
Das WWW ist heute gleichbedeutend mit dem Internet: Milliarden von
Seiten, nur einen Klick entfernt. Doch am Anfang stand ein Paper,
das ein Vorgesetzter mit den Worten «Vague, but exciting»
kommentierte. Ein Blick zurück auf die wohl wichtigste Schweizer
Erfindung aller Zeiten. Aus dem Scheitern des IFS zieht die PTT die
falsche Lehre. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre setzt sie
wieder auf eine Technologie, die nur sie selbst kontrolliert:
Videotex. Über das Telefonnetz und einen Decoder am Fernseher kann
man Fahrpläne abrufen, Reisen buchen, Börsenkurse verfolgen, sogar
chatten. Technisch ist das erstaunlich nah am späteren Internet.
Doch zwischen den Anbietern und den Nutzerinnen und Nutzern steht
immer die PTT und kontrolliert den Datenfluss. Der Staatsbetrieb
investiert Hunderte Millionen, und eine Zeit lang scheint die
Rechnung aufzugehen: 1994 zählt Videotex über 100'000 Teilnehmende
und ist mit mehr als 600 vertretenen Firmen der grösste öffentliche
Datenverbund der Schweiz. In Frankreich wird das verwandte Minitel
zum Massenerfolg, in Deutschland floppt der Bildschirmtext. Die
Schweiz liegt dazwischen. Am 30. September 2000 wird Videotex
endgültig abgeschaltet. Während die PTT ihr kontrolliertes System
ausbaut, entsteht in den Labors des CERN bei Genf etwas ganz
anderes. 1989 reicht der britische Informatiker Timothy Berners-Lee
einen Vorschlag ein. Sein Chef notiert auf das Deckblatt: «Vague,
but exciting». Aus der vagen Idee wird das World Wide Web: ein
System, in dem Dokumente über Hyperlinks verbunden sind und jedes
über eine eigene Adresse erreichbar ist. Möglich wird das, weil ein
Mann namens Ben Segal das Internet ans CERN geholt hat – gegen den
Widerstand der europäischen PTTs, die ihr Monopol auf den
Datenverkehr bedroht sehen. Segal wird zum Mentor von Berners-Lee.
Begeisterung löst die Erfindung am CERN trotzdem kaum aus:
Berners-Lee hat keine Mitarbeiter und kaum Mittel. Aber 1993 trifft
das CERN eine folgenreiche Entscheidung. Es gibt den Code des WWW
frei, zur kostenlosen Nutzung für alle. Diese Freigabe verändert
alles. Bald macht ein Programm namens Mosaic – der erste
weitverbreitete grafische Browser – das Web auch für Laien
benutzbar: mit Bildern, Farben, einem Klick. In den USA fällt
Anfang der 90er Jahre das Verbot, im Internet Handel zu treiben.
Und in der Schweiz wird das Netz endlich bezahlbar. Am 16.
September 1996 öffnet «The Blue Window», eine Kooperation der
Telecom PTT mit der Zürcher Firma M.A.C. und mehreren
Verlagshäusern – der erste Schweizer Anbieter, bei dem man sich
landesweit zum Ortstarif einwählen kann. Vorbei die Zeiten, in
denen ein Internetzugang Ferngesprächsgebühren von bis zu 500
Franken im Monat kostete. Das Internet wird vom Luxusgut der Freaks
zum Angebot für alle. Und wieder verliert das teure, zentral
gesteuerte Staatsprojekt, diesmal Videotex. Durchgesetzt hat sich
das offene Web: Es gehört niemandem, und das CERN hat es
verschenkt. ____________________ In dieser Episode zu hören: Ben
Segal, Ehrenmitarbeiter am CERN und Mentor von Timothy Berners-Lee
Claude Georges, Ingenieur und Mitentwickler eines
Videotex-Terminals Peter Rudin, Unternehmer und Mitgründer von The
Blue Window ____________________ Recherche, Produktion und
Moderation: Jürg Tschirren ____________________ Literatur: Gillies,
James und Cailliau, Robert (2000): How the Web was Born: The Story
of the World Wide Web. Oxford University Press ____________________
Links: Berners-Lee, Timothy (1989): Information Management: A
Proposal
http://repository.cern/records/6kxvc-v6203/preview/dd-89-001.pdf
SRF Sternstunde Philosophie: Tim Berners-Lee – Der Erfinder des
Internets
http://srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/tim-berners-lee---der-erfinder-des-internets?urn=urn:srf:video:4c08be20-c703-4bd8-9599-556954aece0d&station=69e8ac16-4327-4af4-b873-fd5cd6e895a7
Thanei, Luca (2020): Videotex
https://blog.nationalmuseum.ch/2020/12/videotex/ Keller, Olivier
(2021): Draht in die Zukunft: Ein Glasfasernetz für die Schweiz
https://aether.ethz.ch/ausgabe/new-economy/draht-in-die-zukunft/
____________________ Hast du Feedback, Fragen oder Wünsche? Wir
freuen uns auf deine Nachricht via geschichte@srf.ch – und wenn du
deinen Freund:innen von uns erzählst.
Seiten, nur einen Klick entfernt. Doch am Anfang stand ein Paper,
das ein Vorgesetzter mit den Worten «Vague, but exciting»
kommentierte. Ein Blick zurück auf die wohl wichtigste Schweizer
Erfindung aller Zeiten. Aus dem Scheitern des IFS zieht die PTT die
falsche Lehre. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre setzt sie
wieder auf eine Technologie, die nur sie selbst kontrolliert:
Videotex. Über das Telefonnetz und einen Decoder am Fernseher kann
man Fahrpläne abrufen, Reisen buchen, Börsenkurse verfolgen, sogar
chatten. Technisch ist das erstaunlich nah am späteren Internet.
Doch zwischen den Anbietern und den Nutzerinnen und Nutzern steht
immer die PTT und kontrolliert den Datenfluss. Der Staatsbetrieb
investiert Hunderte Millionen, und eine Zeit lang scheint die
Rechnung aufzugehen: 1994 zählt Videotex über 100'000 Teilnehmende
und ist mit mehr als 600 vertretenen Firmen der grösste öffentliche
Datenverbund der Schweiz. In Frankreich wird das verwandte Minitel
zum Massenerfolg, in Deutschland floppt der Bildschirmtext. Die
Schweiz liegt dazwischen. Am 30. September 2000 wird Videotex
endgültig abgeschaltet. Während die PTT ihr kontrolliertes System
ausbaut, entsteht in den Labors des CERN bei Genf etwas ganz
anderes. 1989 reicht der britische Informatiker Timothy Berners-Lee
einen Vorschlag ein. Sein Chef notiert auf das Deckblatt: «Vague,
but exciting». Aus der vagen Idee wird das World Wide Web: ein
System, in dem Dokumente über Hyperlinks verbunden sind und jedes
über eine eigene Adresse erreichbar ist. Möglich wird das, weil ein
Mann namens Ben Segal das Internet ans CERN geholt hat – gegen den
Widerstand der europäischen PTTs, die ihr Monopol auf den
Datenverkehr bedroht sehen. Segal wird zum Mentor von Berners-Lee.
Begeisterung löst die Erfindung am CERN trotzdem kaum aus:
Berners-Lee hat keine Mitarbeiter und kaum Mittel. Aber 1993 trifft
das CERN eine folgenreiche Entscheidung. Es gibt den Code des WWW
frei, zur kostenlosen Nutzung für alle. Diese Freigabe verändert
alles. Bald macht ein Programm namens Mosaic – der erste
weitverbreitete grafische Browser – das Web auch für Laien
benutzbar: mit Bildern, Farben, einem Klick. In den USA fällt
Anfang der 90er Jahre das Verbot, im Internet Handel zu treiben.
Und in der Schweiz wird das Netz endlich bezahlbar. Am 16.
September 1996 öffnet «The Blue Window», eine Kooperation der
Telecom PTT mit der Zürcher Firma M.A.C. und mehreren
Verlagshäusern – der erste Schweizer Anbieter, bei dem man sich
landesweit zum Ortstarif einwählen kann. Vorbei die Zeiten, in
denen ein Internetzugang Ferngesprächsgebühren von bis zu 500
Franken im Monat kostete. Das Internet wird vom Luxusgut der Freaks
zum Angebot für alle. Und wieder verliert das teure, zentral
gesteuerte Staatsprojekt, diesmal Videotex. Durchgesetzt hat sich
das offene Web: Es gehört niemandem, und das CERN hat es
verschenkt. ____________________ In dieser Episode zu hören: Ben
Segal, Ehrenmitarbeiter am CERN und Mentor von Timothy Berners-Lee
Claude Georges, Ingenieur und Mitentwickler eines
Videotex-Terminals Peter Rudin, Unternehmer und Mitgründer von The
Blue Window ____________________ Recherche, Produktion und
Moderation: Jürg Tschirren ____________________ Literatur: Gillies,
James und Cailliau, Robert (2000): How the Web was Born: The Story
of the World Wide Web. Oxford University Press ____________________
Links: Berners-Lee, Timothy (1989): Information Management: A
Proposal
http://repository.cern/records/6kxvc-v6203/preview/dd-89-001.pdf
SRF Sternstunde Philosophie: Tim Berners-Lee – Der Erfinder des
Internets
http://srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/tim-berners-lee---der-erfinder-des-internets?urn=urn:srf:video:4c08be20-c703-4bd8-9599-556954aece0d&station=69e8ac16-4327-4af4-b873-fd5cd6e895a7
Thanei, Luca (2020): Videotex
https://blog.nationalmuseum.ch/2020/12/videotex/ Keller, Olivier
(2021): Draht in die Zukunft: Ein Glasfasernetz für die Schweiz
https://aether.ethz.ch/ausgabe/new-economy/draht-in-die-zukunft/
____________________ Hast du Feedback, Fragen oder Wünsche? Wir
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