Datenzugang in der Landwirtschaft

Datenzugang in der Landwirtschaft

vor 2 Wochen
mit Dr. Matthias Nachtmann
53 Minuten
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Podcast
Podcaster

Beschreibung

vor 2 Wochen
Thema von Folge 43 des Data Navigator Podcast ist die Datennutzung
in der Landwirtschaft und der Ernährungswirtschaft – und die Frage,
wie übergreifende Zusammenarbeit die Voraussetzung für eine
funktionierende Datenökonomie im Agrarsektor schaffen kann. Unser
Gast ist Matthias Nachtmann, Gründer und Vorstand des Vereins
Friends of Digital Farming sowie Strategie- und Datenberater für
Organisationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Matthias
erläutert kurz Hintergrund und Entstehungsgeschichte des Vereins:
Es fehlt die Zusammenarbeit der Akteure aus Agrarchemie,
Landmaschinenbau und Software. Diese Player sollen nun an einen
Tisch: Landwirte, Händler, Hersteller, Zulieferer und Molkereien.
Der Verein versteht sich als vorwettbewerbliche, gemeinnützige
outgesourcede Entwicklungsabteilung für Landwirte. Das größte
ungelöste Datenproblem in der Landwirtschaft ergibt sich nach
Matthias' Analyse aus dem Wort „zusammen". Wenn ein Landwirt sieben
Kunden hat, muss er gegebenenfalls sieben verschiedene
Datenabfragen beantworten – plus solche des Staates. Das kostet
nach seiner Schätzung rund drei Stunden Büroarbeit pro Hektar – bei
acht Stunden Gesamtarbeitszeit pro Hektar Winterweizen. Matthias
unterscheidet zwei zentrale Datenkategorien: Prozessdaten – alles,
was bei der maschinellen Bearbeitung anfällt, von Düngung über
Pflanzenschutz bis zur Ernte – und Standortdaten – Feldgrenzen,
Bodenarten, Hangneigung, Gewässerkarten und Schutzzonen aus
staatlichen Quellen. Das Stickstoff-Beispiel: Am Beispiel der
Stickstoffdüngung zeigt Matthias die Komplexität: Ein einziger
Datenpunkt – Kilogramm Stickstoff pro Hektar – ist gleichzeitig
relevant für den Kunden (CO₂-Fußabdruck), die Behörde
(Düngeregulierung) und den Deckungsbeitrag des Landwirts. Hinzu
kommen unterschiedliche Dokumentationsanforderungen je Bundesland –
schlagspezifisch oder flurstückgenau – und verschiedene
Maßeinheiten. Daten als Treiber für Produktivität und
Nachhaltigkeit: unser Gesprächspartner betont, dass Daten kein
Selbstzweck sein dürften. Skalierung gelinge nur, wenn der Landwirt
einen Produktivitätsvorteil erkennt. Er berichtet von einem
Praxisbeispiel: Nach einem Forschungsprojekt zur optimalen
Braugersteproduktion hat ein Landwirt die Erkenntnisse auf seinen
gesamten Betrieb übertragen – und konnte deutlich Dünger einsparen.
Nachtmanns zentrales Plädoyer: Die Branche braucht gemeinsame
„Verkehrsregeln" für den Datenaustausch – vergleichbar mit der
Einigung auf eine Spurbreite bei der Eisenbahn. Diese Regeln
müssten von einer Verbändeallianz aus Raiffeisenverband,
Bauernverband, DLG und anderen definiert werden. Der Staat müsse
dabei mit am Tisch sitzen – weniger als Regulierer, sondern weil er
zentrale Referenzdaten (Boden, Gelände, Gewässer, Schutzzonen)
vorhalte und selbst Compliance-Daten nachfrage. Matthias hat zudem
eine klare Forderung: Neue Gesetze dürfe es nur mit Referenzdaten
geben. Solange jedes Bundesland eigene Geodatensysteme betreibe und
Softwareentwickler ein Drittel ihres Budgets für länderspezifische
Compliance-Anpassungen ausgeben müssen, werde Innovation
ausgebremst. Sein Wunsch: eine europaweit einheitliche API für
Standortdaten. Matthias ist jedoch optimistisch: Die Community habe
noch nie so viel Verständnis für den nötigen „Hauruck-Moment"
gehabt. Wenn sich die Branche in fünf Jahren wieder treffe,
erwartet er einen Riesenschritt.
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