Smartes Cockpit und HMI: Deshalb ist es wichtig

Smartes Cockpit und HMI: Deshalb ist es wichtig

vor 3 Wochen
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Beschreibung

vor 3 Wochen

Früher war der Innenraum eines Autos minimalistisch: Man
stieg ein, fuhr los, kam an. Heute ist der Innenraum zu einem
digitalen Erlebnisraum geworden, in dem gefahren,
gesprochen, geplant, gestreamt und zunehmend auch gearbeitet
wird. Das Auto wird zur Benutzeroberfläche – und genau darin
liegt eine der tiefgreifensten Veränderungen der Branche.





Der Begriff „Smart Cockpit“ klingt zunächst nach
Marketing, beschreibt aber eine reale Verschiebung. Gemeint ist
nicht einfach ein großer Bildschirm, sondern ein vernetztes,
kontextsensitives System aus Displays, Sprachsteuerung,
Sensorik und Software.





Für den Digitalexperten Henry Bauer vom
Software-Unternehmen Endava zeichnet sich das „Smart Cockpit“
dadurch aus, dass die Bedienelemente im Fahrzeug vernetzt und
kontextsensitiv sind, wie er im aktuellen Podcast Klartext
der Autogazette im Gespräch mit Frank Mertens sagt.





Das Auto soll nicht mehr nur Befehle entgegennehmen, sondern
situativ reagieren – also je nach Fahrsituation, Umgebung und
Nutzerbedürfnis unterschiedliche Informationen in den Vordergrund
rücken, wie Bauer sagt, der bei Endava Head of Automotive Europe
ist.





Zwischen den Herstellern hat längst ein globaler Wettlauf
begonnen. Mit dem softwaredefinierten Fahrzeug verlagert
sich der Wettbewerb der Hersteller auch sichtbar in den
Innenraum. Nicht mehr nur Reichweite, Fahrwerk oder Leistung
entscheiden über Attraktivität, sondern die Qualität der
Interaktion. Wer ein Auto verkauft, verkauft heute auch eine
Bedienlogik, ein Interface, ein Gefühl von digitaler
Souveränität.





Besonders dynamisch entwickelt sich dieser Markt in China.
Dort wird das Auto stärker als digitaler Erlebnisraum
gedacht, in dem Komfort, Status und Unterhaltung eng
zusammengehören. Europäische Hersteller dagegen punkten
traditionell eher mit Markenführung, Robustheit und
regulatorischer Sicherheit. Bauer beschreibt das nüchtern: „Da
können wir was von Chinesen lernen.“ Gleichzeitig verweist er
darauf, dass europäische Marken andere Stärken mitbringen – vor
allem dann, wenn digitale Systeme weltweit verlässlich und
regelkonform funktionieren müssen.





Im Premiumsegment gilt Mercedes als einer der Vorreiter
dieser Entwicklung. Das MBUX-System, der Hyperscreen und
die starke visuelle Inszenierung des Innenraums zeigen, dass
Benutzeroberflächen längst Teil des Markenversprechens geworden
sind. Für Bauer ist genau das ein Grund, warum Mercedes in Europa
als Benchmark wahrgenommen wird: „Mercedes hat früh verstanden,
dass das Bedienerlebnis Teil der Marke ist.“ Es gehe eben nicht
nur darum, ein großes Display zu verbauen, sondern darum, dass
sich das System hochwertig, schlüssig und lernfähig anfühlt.





Doch genau an diesem Punkt beginnt auch das Dilemma der neuen
Cockpitwelt. Denn mehr Bildschirm bedeutet nicht automatisch mehr
Qualität. Im Gegenteil: Je mehr Funktionen auf Displays wandern,
desto größer wird das Risiko der Überforderung. Bauer benennt das
sehr klar. Sein persönliches No-Go sei „das Verstecken von
Funktionalität in riesigen Touchscreen-Menüstrukturen“. Seine
Aussage trifft dabei einen Nerv, weil er ein Grundproblem vieler
moderner Fahrzeuge beschreibt: Was futuristisch aussieht, ist im
Alltag nicht immer intuitiv.





Gerade deshalb kommt der Sprachsteuerung eine besondere Rolle zu.
Im besten Fall erlaubt sie dem Fahrer, Aufgaben zu erledigen,
ohne die Hände vom Lenkrad oder die Augen von der Straße zu
nehmen. Im schlechtesten Fall wird sie selbst zur Ablenkung.
Spannend ist, dass sich die Debatte nicht mehr allein um den
Fahrer dreht.





Der Beifahrer-Screen ist dafür das beste Beispiel. Was
lange wie ein luxuriöses Extra wirkte, kann in Wahrheit ein
funktionales Element sein – wenn er die Rollen im Auto sinnvoll
trennt. Während der Fahrer sich auf die Straße konzentriert, kann
der Beifahrer Route, Restaurantstopp oder Pausenplanung
übernehmen. Bauer nennt das einen „signifikanten Mehrwert“. Auf
längeren Fahrten entsteht eine neue Form der Arbeitsteilung im
Innenraum.





Foto: Mercedes
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