«Beiz», «Kaff», «E Ligu Lehm» – Alles Rotwelsch? Alles Rotwelsch!
vor 2 Wochen
«Rotwelsch» sind verschiedene, miteinander verwandte Sprechweisen
von gesellschaftlichen Randgruppen im deutschen Sprachraum, die
sich über Jahrhunderte parallel entwickelt haben. Ein neues
Wörterbuch gibt Einblicke in diese Sondersprachen und regt zu ...
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Beschreibung
vor 2 Wochen
«Rotwelsch» sind verschiedene, miteinander verwandte Sprechweisen
von gesellschaftlichen Randgruppen im deutschen Sprachraum, die
sich über Jahrhunderte parallel entwickelt haben. Ein neues
Wörterbuch gibt Einblicke in diese Sondersprachen und regt zum
Nachdenken über Sprache und Gesellschaft an. Das «Wörterbuch
deutscher Geheimsprachen» von Klaus Siewert versammelt Tausende
Wörter aus rund 70 verschiedenen Rotwelsch-Dialekten. Deren
gemeinsamer Vorfahr ist eine mittelalterliche Sondersprache von
Bettlern, Fahrenden, Prostituierten und anderen Gruppen, die von
der Mehrheitsgesellschaft diskriminiert und an den Rand gedrängt
wurden. In der Sendung werfen wir einen vertieften Blick ins
Wörterbuch anhand diverser Beispiele, die es auch in die Schweizer
Mundarten des Alltags geschafft haben: etwa «Beiz», «Kaff» oder
«Tschugger». Neben den Bedeutungen der einzelnen Rotwelsch-Begriffe
liefert das Wörterbuch auch Erklärungen zu deren Entstehung, was
anschaulich macht, wie viele verschiedene sprachliche Einflüsse im
Rotwelschen zusammenkommen – und wie sprachschöpferisch kreativ
diese Sprachen verfahren. Man stösst auf ursprüngliche Lehnwörter:
Der berndeutsche Ausdruck «Ligu Lehm» für ein Stück Brot geht
beispielsweise zurück aufs hebräische Wort «lechem» («Brot»). Es
gibt zahlreiche Ableitungen (der Fisch wird zum «Flössling») und
Neukombinationen von Wörtern, die zwar den Regeln der
deutschsprachigen Wortbildung folgen, aber trotzdem kaum
verständlich sind. Der deutsche Linguist und Rotwelsch-Forscher
Christian Efing gibt in der Sendung Auskunft über Status und
Bedeutung des Rotwelschen für verschiedene Sprechergruppen und den
sozialgeschichtlichen Hintergrund, der die Arbeit an solchen
Wörterbüchern erschwert. Seit 2025 stehen die Rotwelsch-Dialekte
auf der deutschen UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
Ausserdem erklären wir gegen Ende der Sendung die Herkunft und
Bedeutung der Familiennamen Felder, Imfeld, Fanger und Infanger.
Buchhinweis: · Klaus Siewert: Wörterbuch deutscher Geheimsprachen –
Rotwelsch-Dialekte. De Gruyter, 2025.
von gesellschaftlichen Randgruppen im deutschen Sprachraum, die
sich über Jahrhunderte parallel entwickelt haben. Ein neues
Wörterbuch gibt Einblicke in diese Sondersprachen und regt zum
Nachdenken über Sprache und Gesellschaft an. Das «Wörterbuch
deutscher Geheimsprachen» von Klaus Siewert versammelt Tausende
Wörter aus rund 70 verschiedenen Rotwelsch-Dialekten. Deren
gemeinsamer Vorfahr ist eine mittelalterliche Sondersprache von
Bettlern, Fahrenden, Prostituierten und anderen Gruppen, die von
der Mehrheitsgesellschaft diskriminiert und an den Rand gedrängt
wurden. In der Sendung werfen wir einen vertieften Blick ins
Wörterbuch anhand diverser Beispiele, die es auch in die Schweizer
Mundarten des Alltags geschafft haben: etwa «Beiz», «Kaff» oder
«Tschugger». Neben den Bedeutungen der einzelnen Rotwelsch-Begriffe
liefert das Wörterbuch auch Erklärungen zu deren Entstehung, was
anschaulich macht, wie viele verschiedene sprachliche Einflüsse im
Rotwelschen zusammenkommen – und wie sprachschöpferisch kreativ
diese Sprachen verfahren. Man stösst auf ursprüngliche Lehnwörter:
Der berndeutsche Ausdruck «Ligu Lehm» für ein Stück Brot geht
beispielsweise zurück aufs hebräische Wort «lechem» («Brot»). Es
gibt zahlreiche Ableitungen (der Fisch wird zum «Flössling») und
Neukombinationen von Wörtern, die zwar den Regeln der
deutschsprachigen Wortbildung folgen, aber trotzdem kaum
verständlich sind. Der deutsche Linguist und Rotwelsch-Forscher
Christian Efing gibt in der Sendung Auskunft über Status und
Bedeutung des Rotwelschen für verschiedene Sprechergruppen und den
sozialgeschichtlichen Hintergrund, der die Arbeit an solchen
Wörterbüchern erschwert. Seit 2025 stehen die Rotwelsch-Dialekte
auf der deutschen UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
Ausserdem erklären wir gegen Ende der Sendung die Herkunft und
Bedeutung der Familiennamen Felder, Imfeld, Fanger und Infanger.
Buchhinweis: · Klaus Siewert: Wörterbuch deutscher Geheimsprachen –
Rotwelsch-Dialekte. De Gruyter, 2025.
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