#792 Was passiert, wenn ein Strafverteidiger erstmals die Zelle betritt? Vertrauen vor der ersten Einvernahme

#792 Was passiert, wenn ein Strafverteidiger erstmals die Zelle betritt? Vertrauen vor der ersten Einvernahme

vor 1 Woche
Haftschock, Aussageverweigerung, Dolmetscher: Duri Bonin und Frank Renold über die ersten Minuten der Verteidigung
49 Minuten
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Beschreibung

vor 1 Woche
Frank kommt zu spät – und bringt genau daraus die Frage dieser
Folge mit: Wenn nur wenig Zeit bleibt, wie kommt man schnell in ein
echtes Gespräch? Welche Fragen öffnen eine Begegnung? Und wie
schafft man Vertrauen, ohne sich zu verstellen? Duri Bonin führt
diese Frage direkt in eine Extremsituation der Strafverteidigung:
die erste Begegnung mit einer beschuldigten Person in Haft. Eine
enge Zelle, Zeitdruck, Polizei oder Staatsanwaltschaft vor der Tür,
ein Mensch im Haftschock – und ein Strafverteidiger, der in wenigen
Minuten erklären, beruhigen, zuhören und eine erste
Verteidigungsstrategie finden muss. In dieser Folge von «Mit 40i
cha mers mit de Tiger» sprechen Frank Renold und Duri Bonin über
Haftsituationen, erste Einvernahmen, Aussageverweigerung,
Dolmetscher, Blickkontakt, Kleidung, Sprache, Rollen und die Kunst,
unter Druck das Eis zu brechen. Später führt das Gespräch vom
Strafverfahren zum Smalltalk: Welche Fragen bringen Menschen
wirklich miteinander in Kontakt? Wann wird Nähe zu viel? Und wie
bleibt man echt, wenn man beruflich trotzdem eine Rolle einnimmt?
Darum geht es in dieser Folge: - Warum die erste Begegnung in Haft
für die Strafverteidigung entscheidend sein kann - Weshalb Zeit in
einer Haftsituation nicht einfach vorhanden ist, sondern oft
erobert werden muss - Was ein Haftschock mit der Aussagefähigkeit
einer beschuldigten Person macht - Warum Schweigen in der ersten
Einvernahme häufig der sicherere Weg ist - Wann frühe Aussagen
trotzdem wichtig sein können - Wie ein Strafverteidiger Vertrauen
schafft, bevor über Strategie gesprochen werden kann - Welche Rolle
Blickkontakt, Sprache, Kleidung und Sitzordnung spielen - Weshalb
Dolmetscher in Strafverfahren eine heikle und oft unterschätzte
Macht haben - Warum Übersetzungen, Protokolle und Einvernahmen
besondere Vorsicht verlangen - Wie Vernehmer Menschen dazu bringen
können, doch zu antworten - Was Smalltalk, Improvisation und
Strafverteidigung gemeinsam haben - Warum echtes Auftreten nicht
bedeutet, immer gleich zu sein - Weshalb man vor Gericht anständig
erscheinen sollte, aber nicht verkleidet Ein zentrales Thema ist
die Aussageverweigerung. Duri erklärt, weshalb es in vielen Fällen
gefährlich sein kann, in einer ersten Einvernahme unter Druck
sofort Aussagen zu machen. Gleichzeitig ist Schweigen keine starre
Schablone. Es kann Situationen geben, in denen eine frühe Aussage
wichtig ist. Gute Strafverteidigung bedeutet deshalb nicht,
automatisch immer dasselbe zu raten. Sie bedeutet, in kürzester
Zeit herauszufinden: Gibt es heute einen zwingenden Grund zu
sprechen? Oder ist es besser, zuerst zuzuhören, Akten und Vorwürfe
zu verstehen und die Nerven zu behalten? Besonders spannend wird
das Gespräch dort, wo Duri konkret beschreibt, wie Vertrauen
entsteht. Es geht darum, der beschuldigten Person spürbar zu
machen: Ich bin jetzt auf deiner Seite. Ich will verstehen, was los
ist. Und ich helfe dir, nicht aus Angst, Schock oder Überforderung
etwas zu sagen, das dir später schadet. Ein weiterer Schwerpunkt
ist die Rolle von Dolmetscherinnen und Dolmetschern. In
Strafverfahren hängt viel davon ab, wie Fragen, Antworten, Nuancen
und Emotionen übersetzt werden. Am Ende zählt, was protokolliert
wird – und oft ist genau das nur eine übersetzte, verdichtete
Version dessen, was tatsächlich gesagt wurde. Duri erklärt, weshalb
diese Situation für Beschuldigte besonders heikel ist und warum
sprachliche Unsicherheit ein weiterer Grund sein kann, in der
ersten Einvernahme vorsichtig zu bleiben. Die Podcasts «Auf dem Weg
als Anwält:in» sind auf duribonin.ch/podcast und auf allen üblichen
Plattformen zu hören. Dort einfach nach «Duri Bonin» suchen und
abonnieren. Hinweis: Diese Folge und diese Shownotes dienen der
allgemeinen Information und Reflexion über Strafverteidigung,
Kommunikation und Strafverfahren. Sie ersetzen keine individuelle
Rechtsberatung.
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