Eine privilegierte Frage

Eine privilegierte Frage

vor 1 Tag
Morgenimpuls mit Schwester Katharina
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Beschreibung

vor 1 Tag
Wie ich hier bei uns im Konvent, so haben viele Leute jeden Tag die
Frage, was sie denn heute zum Mittag kochen sollen. Mit dieser
Frage sind wir sehr privilegiert. Denn wir haben etwas zu kochen
und brauchen nur eine Idee, wie wir die Lebensmittel, die wir haben
oder einkaufen können, verarbeiten und zu einem schmackhaften
Gericht machen. Millionen von Menschen in unserer einen Welt haben
eher die Frage, ob sie heute überhaupt etwas zu essen finden oder
für sich und ihre Familien bekommen können.Da spüre ich immer, wie
relativ unsere Fragen und Sorgen sind in Bezug auf die, mit denen
wir leben. Natürlich können wir auf Hilfswerke und Organisationen
verweisen, die sich weltweit darum kümmern. Aber ich muss auch
wissen, dass es von meinem Dazutun, von meiner Spendenbereitschaft
abhängen kann, wie diese Organisationen die Rationen verteilen
können oder nichts zur Verfügung haben. Wenn dann aber der
amerikanische Präsident die größte weltweite Hilfsorganisation
seines Landes mit einem Federstrich auslöscht und auflöst, ist das
zunächst nur ein Verwaltungsakt. Aber was das auslöst, wird in den
nächsten Jahren immer deutlicher werden. Mangelernährung und kaum
noch medizinische Hilfe werden Millionen von Menschen weiter in
Hunger, Armut, Verzweiflung, Flucht und Tod treiben.Die goldene
Regel im Evangelium, die man auch nahezu gleichlautend in allen
Religionen findet heißt aber: "Was ihr von anderen erwartet, das
tut ebenso für sie." Jetzt kann man gut über die da oben schimpfen
und bedauern, dass man selbst da nichts dran tun kann. Ich kann
aber tatsächlich viel tun: mich an Spendenaufrufen beteiligen und
einen Beitrag geben, der meinen Möglichkeiten entspricht, mich bei
Tafeln und Hilfsorganisationen einbringen und mithelfen, selbst
einen einfacheren Lebensstil leben und keine Lebensmittel
verschwenden, regionale Anbieter fördern und so weiter.Manchmal ist
es anstrengend, wenn die kleine, leichte und lockere Frage nach
dem, was ich heute kochen könnte, in dem großen Zusammenhang der
Welternährung endet. Und ich merke bei solchen Gedanken immer auch,
wie dankbar ich bin, in einer Region der Welt zu leben, wo ich mir
um das tägliche Brot nicht so große Gedanken machen muss.
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